Unsere Mütter, unsere Väter

Dieses Thema im Forum "Der Zweite Weltkrieg" wurde erstellt von Jacobum, 16. März 2013.



  1. Turgot

    Turgot Neues Mitglied

    Die New York Times bevorzugt wohl Filme wie "Der Soldat James Ryan". Da ist der amerikanische Soldat ein edler Held und der deutsche schlicht böse und hinterhältig. So passt alles ins Weltbild.

    Sicher, Unsere Mütter, unsere Väter ist nicht perfekt, aber Heroisierung das ich nicht lache. Welchen Film haben die denn gesehen?
     
  2. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Ich sehe die Serie auch eher kritisch, wobei ich mehr die narrativen Elemente schwach finde, als die aufgegriffenen historischen Themen. Leider fehlte den Machern insgesamt der Mut, die Hauptcharaktere "grauer" und realistischer aussehen zu lassen. In diesem Sinne finde ich die Krankenschwester sogar noch am besten gezeichnet. Obwohl sie wohl eigentlich als Sympathieträgerin gedacht ist - im Gegensatz zur leicht anrüchigen Sängerin - ist sie eigentlich am ehesten so etwas wie eine Mitläuferpersönlichkeit, während alle anderen Charaktere einen heroischen Dreh bekommen. Die Sängerin und der Kriegsverbrecher bekommen nämlich noch einen heldenhaften Tod auf den Leib geschrieben.

    In der "Internet movie data base" wird "Unsere Mütter, unsere Väter" für eine deutsche Serie vergleichsweise intensiv rezensiert und diskutiert. Dies dürfte sich noch steigern, wenn sie in den USA und Großbritannien angelaufen ist.
    Auch hier gibt es ein weites Spektrum von Meinungen, auch einige nichtdeutsche Benutzer finden sie gut. Allerdings scheint auch dort zu gelten, dass sie außerhalb Deutschlands kontroverser gesehen wird als innerhalb.
     
  3. beorna

    beorna Neues Mitglied

    Sehr interessant finde ich die Kritik der NYT über Inglorious basterds. Aus historischer Sicht läßt sich dort einiges bemängeln. Doch die NYT schreibt folgendes http://www.nytimes.com/2009/08/21/movies/21inglourious.html?pagewanted=all&_r=0. Dort werden massenhafz Deutsche hingemordet, skalpiert und gebrandmarkt. Doch das fazit der NYT ist, "The film’s most egregious failure — its giddy, at times gleeful embrace and narrative elevation of the seductive Nazi villain — can largely be explained as a problem of form." und "The problem is that by making the star attraction of his latest film a most delightful Nazi, one whose smooth talk is as lovingly presented as his murderous violence, Mr. Tarantino has polluted that love."
     
  4. beorna

    beorna Neues Mitglied

    Aus meiner Sicht, habe ich auch schon bessere Filme/Serien gesehen. Mich stört ein wenig, daß die Macher versuchen fast jedes Klichee zu bedienen. Dafür war meiner Meinung nach der Krieg zu lang, der Film zu kurz. Ich meine, ich habe es bereits erwähnt. Aber es ist natürlich auch wahnsinnig schwer so viele Themen und Geschehnisse zu zeigen, mit möglichst viel Grauen, aber mit Bedacht auf die Veröffentlichung bei den öffentlich-rechtlichen Sendern und auf FSK 12.
     
  5. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Auf der imdb gibt es auch ein "Diskussionsforum":

    Board: Unsere Mütter, unsere Väter (2013) - IMDb


    Und beim Googeln habe ich auch noch ein irisches Diskussionsforum gefunden:

    Generation War (Our Mothers,Our Fathers) - boards.ie

    (In Irland ist die Serie im November als OmU ausgestrahlt worden).

    Beide Foren sind auf Englisch.

    Neben Fragen zum Inhalt oder Mängeln bei der Qualität der Untertitel ging es auch um Bewertungen zum Film. Es gab verschiedene Bewertungen zum Film, die aber m. E. eher positiv waren.

    Ich habe vorhin in einem englischsprachigen Geschichtsforum (Historum - History Forums) nachgesehen. Aber da hat die Serie (bisher noch) keinen Widerhall gefunden zu haben. Bei Facebook habe ich nicht nachgesehen (bin bisher noch Facebook-Verweigerer).
     
  6. beorna

    beorna Neues Mitglied

    sehr interessant

    da hast du aber nicht richtig geguckt.:) Die polnischen member des historum spuckten Gift und Galle, wenige Russen zogen verspätet und weit gemäßigter nach.
     
  7. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Setzen wir nicht den Stellenwert solcher Produktionen im historischen Kontext zu hoch an?
    Selbst historische Dokumentationen sind nicht immer dem Thema entsprechend und deren Macher objektiv und dem aktuellsten historischen wissenschaftlichen Erkenntnissen geschuldet.

    Eine TV Serie mit historischen Inhalt kann nicht den tatsächlichen historischen Verlauf darstellen! Und mit Verlaub, sollte es auch nicht!

    Somit kann ich ein erneutes entflammen dieser Diskussion nicht nachvollziehen.:grübel:
     
  8. beorna

    beorna Neues Mitglied

    Viele historische Filme verdrehen oder verändern in der Tat Geschichte. Ich denke da u.a. and Braveheart, einen Film, den ich trotzdem Klasse finde. Neben einer Reihe von Fehlern oder Veränderungen ist die Beziehung zwischen Wallace und Isabell wohl die größte Geschichtsfälschung. Sie, um 1295 geboren, wurde zwar bereits 1303 mit Edward II verlobt, die Hochzeit selbst fand aber erst 1308, ein Jahr nach Longshanks Tod statt. Edward III kam erst 1312 zur Welt. Hätte Wallace eine Affäre mit Isabella gehabt, so wie dargestellt, dann 1297/8. Selbst wenn man Isabella ein etwas früheres Geburtsdatum zugestehen würde, wäre solch Beziehung schwer pädophil, aber theoretisch möglich. Wie sie aber 1307 Longshanks auf dem Totenbett erzählt, daß sie vom 1305 hingerichteten Wallace ein Kind bekommt, daß dann aber noch weitere 5 Jahre ausgetragen wurde, ist dann aber doch schwer zu vermitteln.
    Das Besondere an UMUV ist doch nicht, daß man über den Film kontrovers diskutiert, daß er historische Fehler hat. Das Besondere ist doch die heftige Reaktion in Polen und abgeschwächt auch weiter östlich.
     
    1 Person gefällt das.
  9. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    hellwach beobachtet!!! :yes:
    in der polnischen [sic!] Gazeta Wyborcza ist umfangreich und sachlich darüber referiert worden, dass sich der polnische Widerstand nicht nur und ausschließlich mit Ruhm bekleckert hatte was speziell den Umgang mit jüdischen Bevölkerungsteilen betraf -- das allerdings schmeckt anderen Stimmen im polnischen Konzert gar nicht, denn diesen ist mehr an einem heroisch edlen Polenbild gelegen (und aus dieser Richtung kommt die vehemente Kritik an der Fernsehproduktion)
     
  10. beorna

    beorna Neues Mitglied

    ......wobei ich mir manchmal auch nicht sicher bin, ob nicht gerade über dieses nationale Getöse aus Polen hierzulande mehr berichtet wird, als über kritische Stimmen aus Polen über deren eigene geschichte.
     
  11. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Leider ist die Suchfunktion des Historum für Nicht-Mitglieder nicht nutzbar. Ich habe in dem entsprechenden Thread die Themen bis Anfang November zurückgehend durchgeschaut. Ich hätte gedacht, dass die Ausstrahlung im irischen TV im November auch ihr Echo in dem Zeitraum gefunden hätte.
    Hast Du da evtl. einen Link zum entsprechenden Thread?
     
  12. beorna

    beorna Neues Mitglied

    Ich weiß, ein echter Nachteil, aber wohl gewollt, um Anmeldungen zu bekommen. Allerdings habe ich mir dort eine Auszeit genommen. Ich schaue frühestens 2015 dort wieder vorbei, vielleicht auch gar nicht mehr. Vielleicht sind ja andere geschichtsforum.de-Mitglieder dort angemeldet. Isleifsson hätte dir helfen können, der ist aber hier gesperrt.
     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Der Thread zu UMUV im Historum-Forum ist aus dem Unterforum Medien in einen für Nichtmitglieder unzugänglichen Bereich verschoben worden. Man kommt nur noch auf den Link und steht dann vor einem Anmeldeportal.
     
  14. beorna

    beorna Neues Mitglied

    Ja, die meisten dieser threads endeten in wüsten Beschimpfungen und wurden geschlossen oder in den Bereich chamber verschoben.
     
  15. Kosmokrat

    Kosmokrat Mitglied

  16. corto

    corto Aktives Mitglied

    ich will ja nicht unken, aber
    "Ein älterer Herr, auch er ein ehemaliger KZ-Häftling, meinte: Nicht einmal werde in diesem Film gezeigt, wie Deutsche Leute erschießen. Nicht ein einziges Mal. Dabei brach er in Tränen aus."

    hat er oder ich nen anderen Film gesehen ?

    ich werde das Gefühl nicht los das man im Ausland den Film ein wenig im falschen Kontext sieht.

    Es sollte ja nie eine komplette Darstellung des zweiten Weltkriegs werden, geschweige denn den Fokus auf den Holocaust legen.
    daher sind die Kritiken ein wenig an der Sache vorbei.
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Januar 2014
  17. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Mal generell würde ich sagen: Es ist ein Film. Man wird immer Aspekte weglassen, nicht aus Bosheit, sondern einfach weil die Sendezeit begrenzt ist. Mich erinnert sowas immer an Diskussionen über Literaturverfilmungen, wo sich auch immer heftig ereifert wird, weil Schlüsselmomente des Romans/der Novelle entweder nicht den Weg ins Drehbuch schafften oder dem Cutter zum Opfer fielen.
    M. E. sollte man Historienfilme einfach nicht zu ernst nehmen. Natürlich wird das bei Themen, die zeitlich und emotional uns heutigen Menschen näher stehen als die meisten anderen von vielen Zuschauern weniger akzeptiert.
     
  18. beorna

    beorna Neues Mitglied

    Amerika entrüstet sich? Geht es jetzt bergab mit der Welt in Richtung Prawda? Ein Kino voller deutsch-jüdischer oder polnischer Emigranten, Holocaust-Überlebener, ist wohl kaum Amerika. Wobei man schon attestieren muß, daß "Amerika" sich mit filmischen Lebenslügen wirklich gut auskennt. Man wünschte sich die gleiche Kritikbereitschaft über Filme der amerikanischen Geschichte. 2004 eröffnete das National Museum of the American Indian, daß Holocaust Museum besteht seit 1993, und wie sieht das mit einem National Slavery Museum aus?
    Wir Deutsche haben noch viel aufzuarbeiten, aber gegenüber dem Ausland sind wir wohl eher Vorreiter eines selbstkritischen Geschichtsbildes. Lebenslügen gibt es, in Deutschland, aber auch anderswo. Den Regisseuren oder gar Deutschland Geschichtsrevisionismus vorzuwerfen empfinde ich als Frechheit. Ich weiß nicht, ob ich es schon erwähnt hatte, aber zB Polen, die Anti-Semitismus in Polen weit von sich weisen, entgegne ich gerne mit einem bei Overy, Ordnungsgemäße Überführung, stehenden Zitat Sikorskis aus dem Jahr 1941, "es muß klar sein, daß für die 3 Millionen Juden in Polen, nach dem Krieg kein Platz mehr ist". Man könnte zB aber auch mal das Verhalten jüdischer Partisanengruppen betrachten, einer der Täter des Koniuchy-Massakers war zB Direktor der Gedenkstätte Yad Vashem. Diese Debatte über die Serie empfinde ich als pure Heuchelei. Aber vielleicht müssen Deutsche des WWII halt wie im "Käfig voller Helden" als Deppen dargestellt werden oder als kaltherzige Mörder. Wenn sich selbst über Waltz als Hans Landa aufgeregt wird, wenn ich mich an Kritik über einen Hitlerfilm erinnere, daß Hitler dort zu menschlich dargestellt wird, dann dürfen wir wohl nur noch Filme im Stile "300" erwarten und die Deutschen nicht in der Rolle der Spartiaten.
     
  19. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Die Serie ist keine Serie über den Holocaust, über die polnische Heimatarmee, die ukrainische Kolloboration, die Verbrechen der Wehrmacht oder der Roten Armee, die Musikunterhaltung im Dritten Reich etc

    Diese Themen kommen zwar alle am Rande vor, gleichsam als Kulisse, in der die jungen Deutschen im Alter von um die 20 Jahre agieren müssen. Diejenigen, die sich damit noch identifizieren können, dürften jetzt so +/- 90 Jahre alt sein.

    Das hätte man eigentlich dem Zuschauer sagen müssen.
     
  20. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das habe ich mich auch gefragt. Selbst wenn man die mehrfachen Erschießungen von (angeblichen) Partisanen als "standrechtlich" anerkennen würde (und dabei ignorieren würde, was der Film auch erzählt, nämlich, dass die als Partisanen erschossenen z.T. gar keine Partisanen waren und eben, - explizit! - dass die tatsächlichen Partisanen letztlich auf die Besatzung(spolitik) reagierten, die Erschießungen eigentlich in den Kontext des Völkermords gehörten), wäre da immer noch die Szene mit der Auflösung des Ghettos durch die Einsatzgruppen, von der Wehrmacht abgeriegelt, bei der dem Zuschauer zwar die Massenerschießung selbst vorenthalten wird, diese aber auch nicht gezeigt werden muss, weil der Zuschauer aufgrund des gemeinsamen kulturellen Gedächtnisses weiß, was passiert.
    Und wenn ich mich recht entsinne, wird in dieser Szene allerdings ein kleines Mädchen erschossen, der Holocaust kommt also - nicht nur über Victor und dessen Eltern - vor.

    Allerdings bin ich auch geneigt, die Kritik aus Amerika ernster zu nehmen, als die der Polen, weil man sich in Polen ja in erster Linie darüber aufgeregt hat, dass man am Nationalmythos AK herumgekratzt hat (deren Opfer gegen Deutsche und Sowjets selbstverständlich als solche anzuerkennen sind). Vielleicht war es ein Fehler, dass ausgerechnet deutsche Filmemacher den AK-Mythos angekratzt haben.
     

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