Unternehmen Barbarossa

Dieses Thema im Forum "Der Zweite Weltkrieg" wurde erstellt von florian17160, 21. August 2004.

  1. Leonidas

    Leonidas Neues Mitglied


    Adolf Hitler hatte praktisch gar keine eigenen Ideen. Er hat stets nur Dinge von anderen aufgeschnappt. Selbst seine antisemitische Hetzerei, hat er von dem Wiener Oberbürgermeister Dr. Karl Lueger übernommen. Davor soll er sogar positiv über Juden gesprochen haben.

    Was das Unternehmen Barbarossa anbelangt, würde ich sagen, waren es Hindenburg und Ludendorff, die ihm hier vor allen anderen als Vorbild gedient haben. Sie hatten es wohl nicht von Anfang an geplant, aber nach dem vernichtenden Sieg von Tannenberg (eigentl. Allenstein) im August 1914, eroberten sie Russisch-Polen, Litauen, Kurland und den westlichen Teil der Ukraine. In diesem Gebiet errichteten sie einen abgeschotteten Militärstaat, der Ordnung und Kultur verbreiten, sowie mittels effektiver Verwaltung und intensiver ökonomischer Ausbeutung von Land und Menschen, die Versorgungssituation im Deutschen Reich verbessern sollte.
    In diesem, schlicht nach dem Oberbefehlshaber "Ober Ost" genannten Staat, lassen sich bereits viele Merkmale von Hitlers "Generalplan Ost" finden.
    Als erstes ist die Überheblichkeit der Deutschen zu nennen. Man bezeichnete die besetzte Region als "Unland", welches zu kultivieren sei. In Wilna sollen die Totenkopfhusaren des Kaisers mit Hochmut in den Gesichtern, wie einst die Ordensritter, nur ohne schwarze Kreuze, einmarschiert sein. Hindenburg selbst spricht von "merkwürdige(n) Spuren russischer Halbkultur" und "Dreck in jeder Form, nicht nur in der freien Natur, sondern auch in den so genannten menschlichen Wohnungen und an den Bewohnern selbst".
    Das Land sollte völlig nach deutschem Muster ungestaltet werden. Man führte Pässe ein, stellte Volkszählungen auf, richtete deutsche Schulen ein und sprach ein Verbot für den Straßenverkauf von Speisen und erlaubte das Backen nur an Dienstagen und Samstagen. Ein Verwaltungsapparat wurde aufgebaut, der 1918 ca. 20000 Personen beschäftigte. Schriftverkehr hatte grundsätzlich in deutscher Sprache zu erfolgen. Jeden Tag wurden rund 1800 Menschen in Bialystok zwangsweise entlaust. "Der Ordnungssinn des Deutschen und sein Sinn für Hygiene setzen sich durch" schrieb Ludendorff. Weiterhin wurde ein sogenanntes Kulturprogramm eingeführt, welches Deutsch, deutsche Ordnungs- und Hygienevorstellungen und deutsche Kultur vermitteln sollte.
    Um das Land besser ausbeuten zu können, baute man Fabriken, verbesserte die Infrastruktur und bewirtschaftete Teile der riesigen Urwälder.
    Ein Unterschied zu dem Angriff im Jahr 1941 besteht darin, daß in "Ober Ost" Besatzungspolitik betrieben wurde, während Hitler im Osten Vernichtung verlangte. Trotzdem glaube ich, daß Hitlers Denken durch diesen kurzlebigen Militärstaat stark beeinflußt wurde.
     
  2. Machiavelli

    Machiavelli Neues Mitglied

    Mal ne Frage am Rande

    Gibt es, abgesehen vom logischen Schluß, dass der Gegensatz Faschismus-Kommunismus/Sozialismus zwangsläufig zum Krieg führen musste irgendwelche konkret, durch Quellen belegten Kriegspläne der Sowjetunion?

    Stalinismus besagt ja im Gegensatz zu Trotzkismus den Aufbau des Sozialismus in einem Land, und nicht zwangsläufig Expansion.
    War Stalin also folglich reiner Opportunist, der nur die Chancen der Zeit genutzt hat, und wäre, falls sich diese Chancen nicht geboten hätten durchaus friedlich geblieben?
    Immerhin hatte Stalin ja die Vereinbarungen des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes ( z.B. Rohstofflieferungen) peniebel eingehalten.
     
  3. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter



    "Was Quellen bestätigen, ist die Tatsache, dass Stalin sowjetische Machtinteressen skrupellos und keineswegs nur in defensiver Absicht wahrnahm und spätestens seit Frühjahr 1941 mit Krieg gegen Deutschland rechnete. Für welchen Zeitpunkt, das steht nicht fest, obwohl die meisten Indizien für 1942 sprechen".

    Aus Bernd Bonwetsch, Stalins Äusserungen zur Politik gegenüber Deutschland 1939 bis 1941 in G.R. Ueberschär/L. Bezymenskij, Der deutsche Angriff auf die Sowjetunion 1941. Die Kontroverse um die Präventivkriegsthese, Seite 145 bis 154


    Es ist sehr schwer an russische Quellen heranzukommen, denn die Archive waren nur für kurze Zeit zugänglich und sind nun wieder verschlossen. Was natürlich auch nicht hilft, um Spelkulationen zu entkräften.
     
  4. Linker

    Linker Neues Mitglied

    Also ich würde mal behaupten, dass nicht nur TrotzkistInnen davon ausgehen, dass der Aufbau des Sozialismus in einem Land nicht möglich ist - sondern auch alle anderen MarxistInnen. Ich denke aber das weder TrotzkistInnen noch andere SozialistInnen bei dem Gedanken, dass Sozialismus in einem Land nicht möglich ist, an militärische Expansion, sondern an die "Weltrevolution" gedacht haben. Außerdem liegt ja der eigentliche Widerspruch der Idee des Sozialismus in einem Land (auch wenn TrotzkistInnen wohl nicht immer so weit denken, weil sie sowieso immer und überall die Weltrevolution erwarten) darin, dass ein einzelnes Land (selbst wenn es so groß ist wie die SU) sich nicht vom Weltmarkt abnabeln kann und somit weiter äquivalententausch betreiben muss - wenn man im Gegensatz zu den StalinistInnen davon ausgeht, dass Sozialismus die Überwindung des selben bedeutet. Das heißt dann aber nicht, dass nicht ein einzelnes Land sozialistische regiert werden kann.

    Ich denke aber, dass gerade die SU es notwendig hatte zu expandieren. Nicht im Sinne der "Weltrevolution", sondern im Sinne dessen, was Lenin als höchstes Stadium des Kapitalismus bezeichnet hat, nähmlich des (Sowjet)Imperialismus.
     
  5. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Die Frage ist simpel und ohne Geheimprotokolle zu beantworten.
    Der Überfall der Roten Armee 1939/40 in Finnland (1.Winterkrieg) und die Errichtung einer pro-sowjetischen Regierung (Otto Kuusinen als exportierter Russland-Finne).
     
  6. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Lieber Gernanicus,
    Du hast recht. Allein der Angriff auf sie Sowjetunion war schon ein Wahnsinn. Da Großbritanien mit seinem Empire noch bestand, war ein Angriff im Osten mit nichts zu rechtfertigen. Aus moralischen Gründen schon garnicht, weil ein Nichtangriffsvertrag mit der Sowjetunion bestand. :rolleyes:
     
  7. Germanicus

    Germanicus Neues Mitglied

    Barbarossa

    Im Krieg spielt Moral keine Rolle. Hitler rechtfertigte diesen Krieg mit seiner "Lebensraum im Osten" Ideologie und dem Kampf gegen den Bolschewismus. Tatsächlich hatte er, besonders mit seinem Ausruf des "Kampfs gegen den Bolschewismus" eine breite Zustimmung in der Wehrmachtsführung für die Radikalisierung der nationalsozialstischen Politik. Gab es während des Polenfeldzuges innerhalb der Wehrmachtsführung Bedenken gegen rassistische und völkerrechtswidrige Exzesse, so ebneten sich die zum Teil bestehenden weltanschaulichen Differenzen zwischen NS- und Wehrmachtsführung im Lauf des Krieges zunehmend ein. Je mehr die Meinungsverschiedenheiten abnahmen, umso mehr entwickelte sich die Wehrmacht zum willigen Vollstrecker des nationalsozialistischen Vernichtungskrieges. So wurde z. B. schon in Hitlers Erlass über "Die Ausübung der Kriegsgerichtsbarkeit im Gebiet Barbarossa und besondere Maßnahmen der Truppe" vom 13. Mai 1941 schon Wochen vor Kriegsbeginn die Weichen für die Eroberungspolitik in Russland gestellt. "Freischärler" (Partisanen) seien schon im Kampf oder auf der Flucht "schonungslos" zu liquidieren. Dies gelte ebenso für solche Zivilisten, die sich den Anordnungen deutscher Soldaten zu widersetzen versuchten. Straffreiheit dagegen war all denjenigen in Aussicht gestellt, die sich an den "Säuberungsaktionen" beteiligt und dadurch gegen militärrechtliche Bestimmungen verstoßen hatten. Unter Androhung von Strafe wurde den Wehrmachtsangehörigen befohlen, verdächtigte Täter nicht zu verwahren, sondern sie gleich zu exekutieren. Und diejenigen Handlungen sollten unter Strafe gestellt werden, die die Moral der Truppe hätten gefährden können. Dazu zählte beispielsweise "geschlechtliche Hemmungslosigkeit" ebenso wie der Raub oder die Verschwendung von Vorräten und Beutegut. Zwar verstießen diese Anordnungen Hitlers gegen das Völkerrecht, doch stießen diese keineswegs auf Protest aus der Wehrmachtsführung. Im Gegenteil, die Wehrmachtsführung machte sich den Kriegsgerichtsbarkeitserlass zu Eigen und lieferte zugleich noch eine ideologische Begründung. "Bei der Beurteilung solcher Taten ist in jeder Verfahrenslage zu berücksichtigen, dass der Zusammenbruch im Jahre 1918, die spätere Leidenszeit des deutschen Volkes und der Kampf gegen den Nationalsozialismus mit den zahlreichen Blutopfern der Bewegung entscheidend auf bolschewistischen Einfluss zurückzuführen war und dass kein Deutscher dies vergessen hat." (Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel).
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Januar 2005
  8. Warspite

    Warspite Neues Mitglied

    Ich hätte da mal eine eigene Überlegung zur Disskussion anzubieten.
    Nach dem Scheitern der Operation Seelöwe bzw. dem deutschen Scheitern bei der Luftschlacht um England befand sich die deutsche Kriegsmaschinerie in einem Dilemma. Großbritannien war auf absehbare Zeit nicht zu besiegen, andererseits war man vor einem englischem Angriff über den Kanal hinweg ebenso sicher. Könnte man den Überfall auf die Sowjetunion nicht als deutsches Angebot an die englische Regierung sehen, um einen Waffenstillstand und Friedensvertrag zu erreichen. Immerhin hatte ja der Gröfaz nie ein Hehl aus seiner Bewunderung für das britische Empire gemacht.
     
  9. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter


    Der Überfall auf die Sowjetunion war schon geplante Sache, als Hitler und Stalin den Pakt unterschrieben. Schon 1936 und 37 sprach man in der NS-Führung von einem Konflikt mit Russland. 1937 äusserte sich Hitler über die Bolschewisten mit den Worten: "Muss ausgerottet werden." Und das habe ich schon häufiger hier zitiert: "Alles, was ich unternehme, ist gegen Russland gerichtet; wenn der Westen zu dumm und blind ist, um dies zu begreifen, werde ich gezwungen sein, mich mit den Russen zu verständigen, den Westen zu schlagen und dann nach seiner Niederlage mich mit meinen versammelten Kräften gegen die Sowjetunion zu wenden." Dies sagte Hitler 1939 zu dem Völkerbundkommissar Carl. J. Burckhardt.
     
  10. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Lieber Germanicus,
    mir ist durchaus bekannt, dass Moral im Krieg keine Rolle spielt. Aber zur Mobiilsierung der eigenen Bevölkerung war es durchaus wichtig, dass die Sowjetunion unter Brechung eines Nichtangriffsvertrages und unprovoziert angegriffen worden war. Hitler wurde in der Propaganda immer mit Napoleon verglichen, dassen Angriff auf Rußland auch ein schreckliches Ende genommen hatte. :rolleyes:
    Molotow fragte den deutschen Botschafter in Moskau, nach Überreichung der Kriegserklärung durch denselben: "Womit haben wir dies verdient?"
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Januar 2005
  11. Germanicus

    Germanicus Neues Mitglied

    Wobei der Angriff auf Großbritannien eher halbherzig und nicht mit dem gleichen Vernichtungswillen betrieben wurde wie der gegen Polen und Frankreich, da Hitler nach wie vor auf ein Einlenken Großbritanniens hoffte, um zum entscheidenden Stoß gegen die Sowjetunion ausholen zu können. Tatsächlich war es wohl eine "Demonstration der Stärke", wie Hitler es im Juli 1940 gegenüber Franz Halder (Chef des Generalstabes) angekündigt hatte:" Augen stark auf den Osten gerichtet. England wird voraussichtlich noch einer Demonstration unserer militärischen Gewalt bedürfen, ehe es nachgibt und uns den Rücken frei lässt für den Osten."
    Höchstwahrscheinlich wäre es schon früher zu einem Überfall (1940) auf die Sowjetunion gekommen, wenn nicht Mussolini unerwartete Griechenland angegriffen hätte und so die bereits angelaufenen Planungen verschob. Zudem musste Deutschland in Nordafrika Italien unterstützen, da die italienische Offensive zu scheitern drohte.

    Da stimme ich dir zu ;)
     
  12. heinz

    heinz Neues Mitglied

    Ja, lieber Warspite,
    unter dem Motto, "Wir Germanen müssen zusammenhalten". Das zeigt nur die beschränkte und spießbürgerliche Weltanschauung des Hitler-Fachismuses. Dazu paßt auch die Bewunderung von Wagners Opern in Bayreuth. Aber Hitler hatte die Rechnung ohne den englischen Premierminister gemacht. :thx:
     
  13. Warspite

    Warspite Neues Mitglied

    Ganz recht, ich glaube die Welt und vor allem wir Deutsche haben Churchill viel zu verdanken, auch wenn er damals mit allem was er hatte gegen unsere Väter und Großväter gekämpft hat. Doch wer will es ihm verdenken ??? Es war seine Aufgabe und die hat er gelöst.
     
  14. askan

    askan Neues Mitglied

    Zitat:" Aber Hitler hatte die Rechnung ohne den englischen Premierminister gemacht."

    Stimmt, der hielt es mit den Kelten.
     
  15. Napoleon

    Napoleon Neues Mitglied

    Dünkirchen lässt grüßen :p
    Verklärung einer Niederlage: "halbherzig ... Demonstration"
    Die Luftschlacht um England war die Niederlage der Luftwaffe und des Hermann Göring.
    Es ist nicht gelungen die taktischen Operationsziele zu erreichen: Trotz des massierten Einsatzes der Luftwaffe gelang es weder in der ersten Phase des Kampfes die RAF zu vernichten und England für die Invasion reif zu bomben, noch in der zweiten Phase die Moral der Bevölkerung zu zerstören.
     
  16. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Was haben wir ihm denn zu verdanken? Er hat den selben Fehler wie Hitler gemacht. Durch das zerbomben von zivilen Städten haben beide nicht die Moral der Bevölkerung gebrochen, sondern noch mehr Hass geschürt. War denn Dresden nötig?
     
  17. F. Metternich

    F. Metternich Neues Mitglied

    Wobei mich hier interessieren würde, wie das die Briten sehen! Denn aus britischer Sicht könnte man die Lage doch auch so interpretieren:
    Vor Churchill war das british empire die (oder zumindest eine) Weltmacht, nach Churchill waren alle Kolonien verloren oder zumindest am Wegbrechen.
    Schon 10 Jahre später war England nur noch Nr. 3, bald darauf sogar von Deutschland (1/3 des Deutschen Reichs 1939) zumindest wirtschaftlich überholt.

    Ob sie ihm da nicht Vorwürfe machen?

    Das er mit seinem Handeln die späteren Generationen Kontinentaleuropas, bzw. Westeuropas von Diktatur, Terrorregime und Unterdrückung befreit hat, ist dem englischen Daily Mirror-Leser wahrscheinlich relativ egal ...
     
    1 Person gefällt das.
  18. Kinq

    Kinq Neues Mitglied

    Guten Abend,

    wieso wurde der "Überfall" so genannt? Barbarossa hieß ja ein König, glaube Friedrich. Was hat der genau gemacht, dass Hitler das so genannt hat?

    LG Danke für Hilfe
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 18. Juni 2014
  19. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Im Nationalsozialismus wurde Barbarossa - so zumindest in einem Geschichtsbuch von Walther Gehl, einem nationalsozialistischen Geschichtsdidaktiker - vorgeworfen, dass er sich mehr nach Süden denn nach Osten orientiert habe, wie es die Bestimmung gewesen sei. Von daher hätte sich der Name Barbarossa für den Angriff auf die SU eigentlich nicht geeignet. Allerdings sollte Barbarossa der Sage nach auch nach längerem Schlaf erwachen und das Reich zu neuer Größe führen. Ob das nun der Hintergrund für den Decknamen darstellt, weiß ich allerdings nicht.
     
  20. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

Diese Seite empfehlen