Ursprungsmythen der Inka und Seefahrt

Dieses Thema im Forum "Lateinamerika | Altamerikanische Kulturen" wurde erstellt von stevensw, 31. August 2016.



  1. stevensw

    stevensw Neues Mitglied

    Di Inkas erzählten, das die unbekannten Erbauer von Caral mit Schiffen kamen. Die Ruinen von Caral (Peru) sind so alt wie die ägyptische Kultur. Welches Seevolk kann das gewesen sein? Es bleiben noch viele Rätsel über die Besiedlung und Wanderungswege...
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, Caral wurde doch erst im 20. Jhdt. entdeckt. Aus welcher Quelle stammt das, dass die Inka von den Erbauern Carals erzählt haben sollen?
     
  3. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Auf die Inka-Quelle, die 4000 Jahre überbrückt, bin ich auch gespannt.

    Den Besiedlungen und Migrationen über den Seeweg Nord-Süd kann man - abseits von Quellen - allerdings logisch kaum widersprechen, das liegt eigentlich auch auf der Hand. Über die Anden werden wohl kaum größere Wanderungen erfolgt sein, auch wenn Caral dann Handelströme mit dem Amazonas aufgewiesen hat.
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Naja, Caral liegt ja direkt hinter der Küste. Anzunehmen, dass eine Ruinenstadt in Küstennähe etwas mit Seefahrt zu tun hat, ist a nicht abwegig. Und dann entwickeln sich recht schnell Legenden. Der Punkt hier aber ist, dass "die Inka" (eigentlich ist Inca/Inga ja der Titel des Herrschers und nicht der der Ethnie, aber im Deutschen hat sich das eben so eingebürgert) von Caral gar nichts wissen konnten.
     
  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ja, klar, ...

    und dann wird die naheliegende Seefahrer-Legende drauf gesetzt.

    Deshalb ist ja die Frage nach der Inka-Quelle - Datierung? - interessant. Welche soll das sein, und was soll die Jahrtausende nach der Besiedlung überhaupt aussagen?
     
  6. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    nun die einzigen Seefahrtlegenden,die ich aus dem Peruanischen Kulturraum kennen sind die Unu Pachakuti-Legende, eine Variation des Sintflut-Topos , die Viracocha-Legende und die Sage der Fahrt des Hatun Tupaq Huiracocha Inka zu den Osterinseln
    Möglicherweise wurde da in der Presse was durcheinander gebracht
     
  7. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Wilfried Stevens meint offenbar die Viracocha-Legende.

    Was besagt eigentlich diese Legende?

    Kennt jemand eine seriöse Quelle?
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Juan de Betanzos überliefert den Viracocha-Mythos 1551 als erster. Es handelt sich dabei weniger um eine Besiedlungs- als viel mehr um eine Schöpfungsgeschichte. Ob die Doublette zur Schöpfungsgeschichte der Genesis ein Mythem ist oder ob hier nicht Juan de Betanzos christlicher Hintegrund die indianische Erzählung kontaminiert hat, weiß ich nicht:

    En los tiempos antiguos dicen ser la tierra e provincias de Piru oscura y que en ella no había lumbre ni día y que había en este tiempo cierta gente en ella la cual gente tenía cierto señor que la mandaba y a quien ella era sujeta del nombre de esta gente y del señor que la mandaba no se acuerdan y en estos tiempos que esta tierra era toda noche dicen que salió de una laguna que es e esta tierra del Perú en la provincia que dicen de Colla suyo un señor que llamaron Contiti Viracocha (comúnmente se le denomina Tici Viracocha) el cual dicen haber sacado consigo cierto número de gente del cual número no se acuerdan y como este hubiese salido de esta laguna fuese de allí a un sitio que junto a esta laguna está donde hoy día es un pueblo que llaman Tiaguanaco en esta provincia ya dicha del Collao y como allí fuese él y los suyos luego allí improviso dicen que hizo el sol y el día y que al Sol mandó que anduviese por el curso que anda y luego dicen que hizo las estrellas y luna.
    Die Schöpfungsgeschichte beginnt also mit der Prä-Existenz von Menschen oder Leuten (cierta gente) unter der Führung von Viracocha. Diese verlassen einen See und siedeln sich am Seeufer in dem Ort Tiaguanaco an (womit der See als Titicaca-See zu identifizieren ist) Und da beginnt dann die obige Doublette zur Genesis: Die Erde/Peru ist dunkel und Viracocha erschafft die Sonne und befiehlt ihr ihren Lauf, Mond und Sterne.
    Dann erschafft Viracocha den Menschen neu und zwar aus Stein. Den Leuten, die mit ihm den See verlassen haben befiehlt er, das Land zu verlassen: Der Grund? Sie waren ungehorsam. Man erfährt dann, dass Viracocha die ersten Menschen bei einem ersten Verlassen des Sees erschaffen hatte, wo er aber noch nicht die Dunkelheit abgeschafft hatte. Diese alten Menschen müssen dann zur Strafe Peru den neuen Menschen überlassen. Sie verlassen - gemeinsam mit Viracocha - Peru über das Meer und werden nie wieder gesehen.
    Dann folgt eine zweite Parallele zur Genesis nämlich der Befehl seid fruchtbar und mehret euch wird hier als zieht aus und besiedelt wiedergegeben
    : fulanos salid e poblad esta tierra que está desierta porque ansi lo manda el Contiti Viracocha que hizo el mundo.

     
  9. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    auf Grund dieser Legende soll dann Hatun Tupaq Huiracocha Inka auf Balsaflössen ebenfalls von Peru aus in westlicher Richtung über das Meer gefahren sein , die Osterinseln erreicht und wieder zurück nach Peru gefahren sein
    Berichte oder Legenden von dieser Fahrt haben dann wieder Thor Heyerdahl den Anstoss zu seiner KOn-Tiki-Expedition gegeben.

    Ähnliche Mythen von per Schiff ankommenden oder wegfahrenden Kulturheroen sind im vorkolumbischen mittel- und südamerikanischen Raum relativ verbreitet- so enthält z.B. auch der Quetzalcoatl-Mythos ähnliche Passagen
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. September 2016
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wobei ich mich immer frage, wie verlässlich da unsere Quellen sind, da ja fast alle die Mythen post-kontakt durch Europäer wiedergeben sind. Über Prä-Kontakt-Quellen verfügen wir diesbezüglich kaum, und wenn, sind es Bild-Codices, die meist nicht ganz einfach zu dekodieren sind.
    Wenn ich da an das erste spanisch-aztekische Wörterbuch von Alonso de Molina denke, der beschriebt ja seine Schwierigkeiten, die er hatte. Der versuchte zu ermitteln, was ein Wort bedeutete und wenn er man nächsten Tag wieder fragte, bedeutete das Wort plötzlich etwas ganz anderes und am dritten Tag wieder... Das verdeutlicht ggf. die Kommunikationsschwierigkeiten, welche die spanischen Chronisten im 16. Jhdt. hatten. Da nimmt es nicht weiter Wunder, wenn Mythen europäisiert wurden bzw. verschiedener indigener Völker aneinander angepasst, ohne dass dies prä-kontakt bereits so gepasst hätte.
     
  11. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Also wird von den Leuten am Titicaca-See (und nicht im 1500 km entfernten Caral) erzählt. Und die sind auch nicht übers Meer gekommen, sondern verschwunden.

    Frage an Radio Eriwan: "Stimmt es, dass auf dem Roten Platz neue Autos verschenkt werden?"
    "Im Prinzip ja, aber nicht auf dem Roten Platz, sondern in einer Nebenstraße. Und nicht Autos, sondern Fahrräder. Und auch nicht verschenkt, sondern gestohlen.
     
  12. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Genau. Juan de Betanzos lebte in Cuz/sco und er gibt die Mythen der Cuz/squeños wieder.
     

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