Verbindungen zwischen Kelten und Germanen

Dieses Thema im Forum "Völkerwanderung und Germanen" wurde erstellt von Ingväone, 11. August 2014.

  1. Ingväone

    Ingväone Gast


    Meine Familie hat Friesische und Schlesische Wurzeln und ich würde gerne Wissen ob es zwischen den Germanischen Stämmen und den Keltien im Schlesischen Bereich und auch im (Ost-) friesischen bereich vermischungen gab.

    Über die Kelten find ich meist irgendetwas um weit vor Chr. Geburt von Irland über Frankreich bis nach Italien und weiter in den Osten und über die Friesen meist ab Chr. Geburt zusammen mit den anderen Germanen aus dem Norden.

    Bis wie weit drangen die Kelten nach Norden und die Germanen nach Süden vor? Waren die Friesen wirklch Germanen oder ein anderer Stamm? und wie sist es in Schlesien?
     
  2. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    friesisch wird als nordseegermanische Sprache klassifiziert - es wäre jetzt wirklich sehr ungewöhnlich, wenn die meisten Sprecher dieser Sprache z.B. Azteken gewesen wären ;) mit anderen Worten: es ist nicht ganz falsch, die historischen Friesen als Germanen einzuordnen.
    Friesische Sprachen ? Wikipedia
    http://de.wikipedia.org/wiki/Friesen
     
  3. Ingväone

    Ingväone Gast


    Das ist klar aber die Germanischen Stämme verbreiteten sich ja über ein großes Gebiet vonSkandinavien (Nordgermanen) bis nach Schlesien, Polen usw (Ostgermanen). Die Religion mag sie verbunden haben und auch Sprachliche ähnlichkeiten gab es aber haben die Stämme sich wirklich als germanisch gesehen, zusammengehörig, oder war das eine zusammenfasssende bezeichnung der Römer? Später wurden aus den Nord-Germanen ja die Wikinger. Die übergänge sind also fließend.
    Mich wunderte es nur das die Kelten bis in die BeNeLux staaten siedelten und auch England und Irland aber dann hier im Ostfriesischen , Norddeutschen Raum nicht mehr obwohl ja sowohl im Westen (England) als im Süden Kelten waren also der Weg von zwei Seiten bereitet war.

    Am Klima lag es wohl nicht denn Spanien und Schottland sind auch wohl nciht vergleichbar.
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Also wenn's am Klima liegt, Schottland hat ein recht mildes Klima, auch dank des Golfstroms, viel milder als das in gleicher Höhe liegende Skandinavien (und selbst dort profitieren manche Fjorde noch vom Golfstrom).

    Haben sich die Kelten als Einheit gesehen? Die Germanen? Sie werden vielleicht gemerkt haben, dass sie sprachlich und was die religiösen Vorstellungen anbelangte mit den einen besser klarkamen, als mit den anderen.
     
  5. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    Weder noch.

    Bzgl. der von uns heute als germanisch bezeichneten Stämme gibt es keine Quelle, die eine Zusammengehörigkeit (als kollektive Identität) belegen könnte - man war Friese, Vandale, Franke, Gote etc.

    Allerdings gab es auch kein derartiges Zusammengehörigkeitsempfinden der keltischen Stämme, d.h. keine Quelle kann so etwas belegen.

    Die römische Bezeichnung ist geografischer, nicht modern sprachistorischer Art (die germanischen Goten wurden als Skythen bezeichnet, weil sie in der Scythia und nicht in der Germania libera hausten)

    ...wundern kann man sich über vielerlei, was die Geschichte betrifft ;) warum verfassten die Kelten keine Druidenepen, warum erfanden die Römer kein Schießpulver usw - ich glaube, sich über die Ausbreitung dieser oder jener Gentes zu wundern, bringt nicht sonderlich viel.
     
  6. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Im schlesischen Raum siedelten nach der Zeitenwende die germanischen Vandalen und zwar vor allem die Stämme der Silingen und Lugier. Angeblich soll der Name "Schlesien" auf die Silingen zurückgehen, was aber umstritten ist. Was an keltischen Bevölkerungsresten noch existierte, wurde von den Germanen aufgesogen.

    Diese germanischen Bevölkerungsgruppen wanderten zur Zeit der Völkerwanderung im 4./5. Jh. n. Chr. ab. Zurück blieb eine germanische Restbevölkerung, die von nachrückenden slawischen Stämmen assimiliert wurde. Die wiederum verschmolzen im Rahmen der deutschen Ostsiedlung während des Mittelalters mit deutschen Zuwanderern.

    Du kannst dir also aussuchen, ob du keltische, germanische, slawische oder (neu)deutsche Wurzeln haben willst. :D

    Über die germanischen Stämme im Raum des heutigen Deutschlands sind wir erst seit der Zeitenwende aufgrund von Berichten antiker Geschichtsschreiber etwas besser informiert. Die Kelten waren zu dieser Zeit überall auf dem Rückzug und spielten etwa 100-200 Jahre später auf dem Kontinent keine Rolle mehr. Reste hielten sich zum Teil bis in die Neuzeit in Irland, Wales, Cornwall, Schottland und der Bretagne. In Friesland gab es vermutlich keine Vermischung von Friesen und Kelten.

    Die Kelten drangen ungefähr bis auf die Höhe der deutschen Mittelgebirge vor, was allerdings regional unterschiedlich ist. Bis zur Zeitenwende hatten die Germanen die Kelten weit nach Süden bis zur Donaulinie zurückdrängt. Den Raum südlich der Doanu eroberten dann die Römer, die Kelten wurden romanisiert und verloren allmählich ihre Identität - besonders nach dem Abzug der Römer und der Eroberung dieser Gebiete durch germanische Stämme.

    Die Friesen sind ein westgermanischer Stamm.
     
  7. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Passt hier nur bedingt rein, aber für die "keltischen Stämme" stimmt das nur begrenzt. Die kannten sehr wohl eine gewisse regionale Zusammengehörigkeit, die sich auch durch Quellen belgen lässt; auch wenn da natürlich Auslegung und Zuverlässigkeit auch wieder in Frage stehen. Außer Frage steht, dass die Stämme die wichtigeren Verbände darstellte, was Politik und Identität abgeht.

    Die gallischen Kelten kannte laut Caesar eine all-gallische "Druiden-Versammlung" im Wald der Karnuten*, ua zur Streitschlichtung. Auch an anderer Stelle wird erwähnt, dass Druiden bei Streitigkeiten zwischen Stämmen vermittelten, was Kriege verhindern sollte, aber bestimmt nicht immer funtkionierte. Diese Institution, die auf der gemeinsamen Kultur, Sprache und Religion beruhten, spricht für ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl, auch wenn das bei gebildeten Druiden weiter verbreitet sein mag als beim Rest der Bevölkerung (was dann wiederum deren vehemnte Bekämpfung durch die Römer nach der Unterwerfung erklären würde).

    Für die irischen Kelten ist sowieso eine lange Tradition der kulturellen und staatlichen Einheit belegt; hier ist viel mehr die Frage, wie geschönt das ganze ist und inwiefern bspw die Institution eines irischen Hochkönigs eine tatsächliche politische Rolle spielte (wenn ich das richtig erinnere).

    Aber gut, vermutlich können sich Menschen mit der gleichen Sprache, Kultur und Religion sehr hartnäckig und ausdauernd gegenseitig die Köpfe einschlagen, und sich dennoch in gewissem Rahmen als kulturelle Einheit fühlen, und zwar sofort dann, wenn Leute mit anderen Sprache, Kultur oder Religion auftauchen... ;)

    Ich weiss nicht, was du mit "Druidenepen" meinst, aber, aber die haben angeblich ellenlange Erzählungen aller möglichen Kategorien verfasst, nur da sie sich weigerten, die aufzuschreiben, sind sie halt wenn überhaupt in Ansätzen erhalten. Bzw in Irland, wo es denn doch geschah, sind eine ganze Reihe sehr interessante Epen üeberliefert, inkl Druiden.
     
  8. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Die irischen Kleinkönigreiche lagen bekanntlich in unaufhörlichem Streit miteinander. Was die irischen Hochkönige betrifft, so halten diverse Historiker sie für einen Mythos. Falls es einige gab, so waren sie höchstens primi inter pares.

    Man muss sich wundern, dass die Kelten angesichts ihrer unaufhörlichen Streitigkeiten und Kleinkriege untereinander überhaupt so weite Teile Europas beherrschen konnten und das immerhin fast ein halbes Jahrtausend. Es erstaunt, dass daraus kein größerer Staat hergegangen ist, der - bei ethnischer Transformation - bis in die Neuzeit überdauerte.
     
  9. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Allerdings leiden wir halt auch an einem Mangel an Quellen, die Auskunft über die Eigensicht der Germanen geben.

    Sofern aber Tacitus die Sage um Tuisto und Mannus halbwegs korrekt wiedergegeben hat, müsste doch zumindest dieser sagenhafte gemeinsame Ursprung der verschiedenen Stämme zu einer Art losem Zusammengehörigkeitsgefühl geführt haben.
     

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