Verfassung von 1791 - Bruch mit den Prinzipien der Menschen- und Bürgerrechte

Dieses Thema im Forum "Französische Revolution & Napoleonische Epoche" wurde erstellt von lenaro, 26. Juni 2017.



  1. lenaro

    lenaro Neues Mitglied

    Hallo :)
    Ich habe am Dienstag meine mündliche Prüfung in Geschichte und bin auch schon lange fleißig am Lernen für die Französische Revolution.
    Allerdings habe ich gerade einen alten Test gefunden, bei dem ich die Frage "Welches Merkmal der Verfassung von 1791 stellt einen Bruch mit der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte dar?" nicht beantwortet habe - und auch jetzt fällt mir die Antwort nicht ein.
    Ich würde mich sehr freuen, wenn mir einer helfen kann! :yes: Danke im Voraus! :)
     
  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Mir ist nicht ganz klar, auf welchen Aspekt die Frage abzielen könnte, da die Erklärung und die Verfassung in vielen Teilen unterschiedlich sind. Und da, wo sie übereinstimmen sollten, sinngemäß durchaus übereinstimmen und für mich ist kein "Bruch" erkennbar.

    Die Nationalversammlung hatte ein Gremium von 5 Vertretern benannt, die die Erklärung ausarbeiten sollten. Der Graf Mirabeau war der Berichterstatter und stellte die Ausarbeitung in der Nationalversammlung am 17.08.1789 vor (vgl. Menke, S. 35: Die Rede von Mirabeau und auch bei Fremuth der Text, S. 241)) .

    Die endgültige Form ist hier zu finden:
    Erklärung der Menschenrechte 1789
    https://de.wikipedia.org/wiki/Erkl%C3%A4rung_der_Menschen-_und_B%C3%BCrgerrechte

    Die Verfassung von 1791 bezieht sich explizit auf die Erklärung von 1789 und ist in ihrem Geist formuliert. Die Verfassung regelt dabei zusätzlich eine Reihe von Aspekten, die sich auf die Nation, den Staatsbürger, den König und die Regierungsform beziehen (vgl. Link)

    Französische Verfassung 1791
    Französische Verfassung (1791)

    Historisch ergaben sich Aspekte, die einen Konflikt zwischen dem Anspruch aus der Erklärung und der Verfassung und der Verfassungsrealität darstellten (vgl. z. B. die Darstellung bei Markov, S.85ff)

    Es gab an einer Reihe von Punkten ein Auseinanderfallen von Anspruch und Wirklichkeit, was verständlich ist, da eine Revolution nicht die "Weltbilder" ihre Zeit löschen und überschreiben kann. Neben der Frage der Sklaverei war ein Punkt die vollständige Gleichstellung der Juden in Frankreich. Beispielsweise setzte sich Mirabeau vehement für die Gleichstellung ein und wurde durch die Legislative im November 1791 vollzogen und durch die Direktorialverfassung von 1785 bestätigt. „Der Jude war forthin Citoyen wie jeder andere, teilte dessen Rechte und Pflichten. Er errichte somit auf dem Papier die Gleichstellung….“ (Markov, S.61). Und es folgte noch ein langer Kampf, bis sich Anspruch und Wirklichkeit angleichen (vgl. Dreyfuss-Affäre)

    Insgesamt war diese Formulierung der Menschenrechte richtungsweisend für die Entwicklung der Aufklärung in Europa insgesamt.

    Fremuth, Michael Lysander (2015): Menschenrechte. Grundlagen und Dokumente. Bonn: Bundeszentrale für Politische Bildung
    Markov, Walter (1996): Napoleon und seine Zeit. Geschichte und Kultur des Grand Empire., Leipzig: Ed. Leipzig.
    Menke, Christoph; Raimondi, Francesca (Hg.) (2011): Die Revolution der Menschenrechte. Grundlegende Texte zu einem neuen Begriff des Politischen. Berlin: Suhrkamp (Suhrkamp-Taschenbuch Wissenschaft, 1988).
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Juni 2017

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