Vorderösterreich im 18.Jh.

Dieses Thema im Forum "Österreich | Schweiz" wurde erstellt von Brissotin, 30. Juni 2009.

  1. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied


    Ich mach mal einen Thread auf, bevor ich und Repo den anderen vollquarken.

    Hier geht es darum, was so alles von 1700 bis 1800 geschehen ist. An der Stelle wird auch gleich nochmal auf diesen Wikiartikel zum Einstieg in die vorderösterreichische Landesgeschichte verwiesen: Vorderösterreich ? Wikipedia

    Die erste Frage, die sich hier http://www.geschichtsforum.de/429400-post69.html und andernorts aufwarf, war die nach dem Wert der vorderösterreichischen Besitzungen. Da kann ich erstmal schon vorrausschicken, dass sich in der Hinsicht auf jeden Fall, was Kosten und Wert betraf wohl Joseph II. in seiner Oberflächlichkeit irrte.:D

    B. Rissotin

    (VÖler:D)
     
  2. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied


    Militär in Vorderösterreich 1.

    Grundsätzlich ähnelten, wie schon an anderer Stelle in diesem Forum wahrscheinlich von mir bereits ausgeführt Vorderösterreich und Tirol unter den Territorien der Habsburger bezüglich ihres Verhältnis zu den Herrschern am meisten. Am auffälligsten ist dies neben den vielen libertären Ansprüchen der Stände natürlich in der Wehrverfassung. Im 15. Jh. hatten noch einzelne Stände direkt mit Vertretern des Erzherzogs über die zu stellenden Truppen für bestimmte militärische Aktionen verhandelt. Allerdings liegt auch schon bspw. für 1475 eine Aufstellung der Breisgauer Fahnen vor. Im 17. Jh. hatte sich ein Defensionswerk erhalten oder entwickelt, welches durch die Eroberungskriege Frankreichs eine Bewährungsprobe bestehen sollte.

    Obwohl im Vergleich zu 1475 Gundelfingen markgräflich geworden war, führten die Listen der Burkheimer, Waldkircher, Staufener, Freiburger, Villinger, Neuenburger, Hauensteiner und Rheinfelder Fahnen des Breisgaus die stattliche Zahl 11.664 Mann 1656 auf. Als tatsächlich brauchbare Leute erwiesen sich natürlich nur wenige, immerhin besaßen 5.329 eigene Waffen...*
    Die Hauptaufgabe der Defensionstruppen bestand in der Sperrung der Schwarzwaldpässe mit Verhauen und Schanzen, auf welchen sie auch Wachdienste taten. Zu viel mehr scheinen sie auch nicht getaugt zu haben, da sie in Ausrüstung, Gebrauch der Waffen sowie Führung kaum mit dem Stehenden Heer die in der zweiten Hälfte des 17.Jh. aufkamen mithalten konnten. So spielten ihre Aktionen offenbar kaum eine Rolle, maximal, dass sie das Eindringen der Franzosen nach Osten kurzzeitig behinderten.**
    Bis zum Antritt der Herrschaft durch Joseph II. wurden kaum Versuche unternommen, ernsthaft etwas an diesen Zuständen zu ändern, obwohl vor allem das Breisgau Ziel bedeutender Kampfhandlungen der Franzosen wie den großen Belagerungen Freiburgs von 1713 und 1744 gewesen war.

    * I. Staatsarchivrat Dr. Martin Wellmer: "Der vorderösterreichische Breisgau" in "Vorderösterreich eine geschichtliche Landeskunde" Bd. 2 S. 301-302
    ** Siegfried Fiedler: "Taktik und Strategie der Kabinettskriege" Kap. VII Die Idee der Volksbewaffnung S. 176-177 Bechtermünz, Augsburg, 2005
     
  4. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Wirtschaft in Vorderösterreich II

    Anlässlich seines Besuches im April 1777 in Freiburg konstatierte Kaiser Joseph II., dass Vorderösterreich eine wenig einträgliche Provinz sei. 20 Räte, die samt ihren Zuarbeitern 140.000 Gulden allein verbrauchen würden, stünden bloß 300.000 Gulden Einnahmen gegenüber, welche man aus der Gegend zöge.
    Jedoch hatte der Kaiser ganz offensichtlich keinen wirklichen Einblick in die Zustände und seine Neigung (die er mit Friedrich II. teilte), direkt Informationen einzuholen, ließ ihn zu Fehlurteilen kommen. In Wahrheit war die Behörde in Freiburg eher unterbesetzt und bspw. 3 der 4 Regierungspräsidenten, die bis 1803 eingesetzt waren, hatten keinerlei Profit aus ihrem Amt gezogen, sondern eher ein kärgliches und sie finanziell ruinierendes Leben führen müssen.

    Zusammengenommen führten die "Beobachtungen" des Kaisers dazu, dass er sich in seiner Ansicht bekräftigt sah, dass zwar Vorarlberg für Österreich bedeutend sei, das Breisgau, die Ortenau, der Burgau, Nellenburg, die Waldstädte und Hohenberg als reine Tauschobjekte des Hauses Habsburg zu betrachten sein. Konstanz hingegen galt dem Kaiser als eigentliches Zentrum der Region und sollte nach seinen Vorstellungen eine größere Rolle einnehmen. Das Thurgau sollte wieder an Österreich gebunden werden.

    Dabei stellen sich die Manufakturen im Breisgau gerade als halbwegs stattlich da, vor allem daran gemessen, dass es keine effektive Förderung von landesherrlicher Seite wie in anderen Regionen gab. So weisen die Zahlen von 1771 vor allem ein wichtiges Unternehmen mit über 2.600 Beschäftigten in Waldkirch auf - Vater und Sohn Killian Baumwollspinn-, weber- und druckerei - das über 40.000 Gulden Verdienst abwarf. Auch die ansässigen Adeligen wie der Regierungsrat Wittenbach investierten in die v.ö. Wirtschaft.

    Hat jemand Unterlagen zu der Zeit vor den Regierungspräsidenten und könnte hier vielleicht Zahlen einstellen?

    * Franz Quartal: "Die Vorderösterreichischen Regierungspräsidenten"
    S. 152-154,
    S. 144-145
    in: "Habsburg und der Oberrhein - Gesellschaftlicher Wandel in einem historischen Raum" Hrsg.: Saskia Durian-Ress u. Heribert Smolinsky; Waldkircher Verlag; Waldkirch; 2002
     
  5. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Zur Universität

    Die größte Aufregung war damit verbunden als Johann Georg Jacobi Rektor der Universität wurde.
    Dies wurde von vielen als bedeutsames Zeichen der süddeutschen Aufklärung angesehen.

    Besondere Wellen schlug seine Beteiligung bei der Versammlung der Landstände.
    *
    (Schrägstellungen wie im Original, weshalb ich auf die kursive Form wie sonst bei mir üblich verzichtete.)

    Jacobi ließ wegen der genannten Bedenken noch einmal abstimmen, wobei das selbe Ergebnis offenbar wurde. Er wurde daraufhin ins Consistorium gerufen, wo ihm dann erklärt wurde:
    **

    Man bedenke, er saß unter ausschließlich katholischen Prälaten auf seinem Sitz bei den Landständen.
    Dabei gab es im Gegensatz dazu noch unter Maria Theresia garkeine Protestanten in Freiburg (offiziell) als Einwohner.
    Von daher ist die zeitgenössische Hoffnung, welche mit dem Tod der Kaiserin und dem Antritt der Alleinherrschaft ihres Sohnes Joseph II. 1780 verbunden war vielleicht ebenso zu verstehen wie die Trauer um den früh verstorbenen Kaiser, welche nicht zuletzt durch eine Trauerrede Jacobis deutlich wird.

    * "Ein protestantischer Rector einer katholischen Universität. In: [Freyburger] Beyträge zur Beförderung des ältesten Christentums und der neuesten Philosophie. Hg. von einem katholichen Selbstdenker [Johann Caspar Ruef]. Bd. 6. Ulm (Wohler) 1792, 168 f.
    zitiert in:
    Bärbel Schubel (Hg.): "Johann Georg Jacobi in Freiburg und sein oberrheinischer Dichterkreis 1784-1814" Schriften der Universitätsbibliothek Freiburg - 24, 2000
    S. 16

    ** ebenda
    S. 17
     
  6. AnDro

    AnDro Neues Mitglied

    Militär in Vorderösterreich zur Zeit der Koalitionskriege

    Ich lese gerade "Der Mythos vom Befreiungskrieg" von Ute Planert. Darin geht es um Süddeutschland und Vorderösterreich taucht immer wieder auf. Das Freiburger Bürgermilitär besonders, wegen der Stellung einer Bürgermiliz von 600 Mann in vier Kompanien ab 1796, die erfolgreich gegen General Moreau bei Wagenstadt eingesetzt wurde und danach den Rückzug der Österreicher deckte. Es handelte sich um drei Füsilierkompanien und eine Scharfschützenkompanie. Die Verluste der Bürger betrugen 90 Tote und Verletzte. Erstaunlich daran ist, dass in Freiburg zu diesem Zeitpunkt nur 1100 Männer das Bürgerrecht besaßen. Von Kaiser Franz gab es dafür eine Tapferkeitsmedaille.
    Im Gegensatz zum Defensionswerk dürften die Bürger deutlich besser ausgerüstet gewesen sein, da das Bürgermilitär durchaus aus vermögenden Personen bestand. Die Motivation war wohl eine Mischung aus habsburgischer Gesinnung, Patriotismus/Nationalismus und Religiösität. Bei Landesdefensionen wurden oft überwiegend am Rande der Gesellschaft stehende Personen eingezogen. Wie sieht es denn mit Exemtionen und der Stellung von Ersatzleuten in Vorderösterreich im 18. Jahrhundert aus?
     
  7. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Ich muss nochmal reinschauen, kann mich aber ganz grob daran erinnern, dass die Fahnen Vorderösterreichs bis auf die Hauensteiner Fahne ohnehin im späten 18.Jh. nicht mehr existierten.
    Bis auf die Bürgermilizen, die Du anführtest, dürften also im 1. Koalitionskrieg nur schleunigst zusammengerufene Aufgebote eingesetzt worden sein, deren militärischer Werk m.E. sicherlich sogar noch hinter den Fahnen zurückblieb.

    Direkt über dem Torbogen des Martinstores (auf der Seite zum Zentrum der Stadt hin) ist in Freiburg noch heute eine Gedenkplakette in klassizistischer Manier erinnernd an die Kämpfe der von Dir erwähnten Bürgertruppe angebracht. File:Freiburg im Breisgau TodorBozhinov.jpg - Wikimedia Commons
    Die Aktion der Freiburger sehe ich auch als direkte Verteidigung der Heimat. Der Verlust des Breisgaus im Frieden von Lunéville konnten die Freiburger ja noch nicht ahnen und eine Verteidigung der Stadt selbst, war ja mangels Befestigungen damals nicht mehr zu leisten.
     
  8. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Nur ein ganz kurzer Exkurs zur missglückten Rolle Vorderösterreich beim Aufstieg Habsburgs:

    Beim Aufstieg der Habsburger im 12./13. Jh. zählten ihre reichen Besitzungen in der Nordschweiz, im Elsass und im Sundgau zu den Stammgütern der Dynastie. 1135 wurden sie Landgrafen im Elsass und 1170 Grafen im Zürichgau.

    Als ihnen jedoch 1278 das Herzogtum Österreich zufiel und durch die Niederlagen von Morgarten 1315 und Sempach 1386 die Schweizer Stammlande bis 1499 verlorengingen, verschob sich der territoriale Mittelpunkt der Habsburger nach Osten. Da auch die Bemühungen König Rudolfs von Habsburg und seiner Nachkommen um Restituierung des 1268 erloschenen Herzogtums Schwaben als Grundlage einer habsburgischen Königsmacht fehlschlugen, blieb im Südwesten ein zwar umfangreiches aber unferitiges territoriales Konglomerat zurück, das sichtbares Ergebnis einer in dieser Region gescheiterten habburgischen Machtbasis war.

    Infolge dieser politischen Entwicklung spielte Vorderösterreich, dessen Name erst im 16. Jh. üblich wurde, nur noch eine geinge Rolle im europaweiten habsburgischen Machtspiel. Immerhin umfasste Vorderösterreich zur Zeit seiner Aiflösung zwischen 1801-16 rund 9000 Quadratkilometer mit etwa 400 000 Einwohnern
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. November 2010
  9. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Zum Vergleich: Das ganze Kurfürstentum Mainz, ein nicht gerade gänzlich unbedeutender Staat im HRR, hatte etwa 350.000 Einwohner.
     
  10. R.A.

    R.A. Neues Mitglied

    Da das ja nun eigentlich viele fruchtbare und für Handel gut gelegene Gebiete waren - hätten die nicht ordentliche Einnahmen für die Habsburger generieren müssen?

    In einem früheren Beitrag wurde ja zitiert, die Steuern hätten kaum die Verwaltungsunkosten gedeckt. Das verwundert mich bei einem doch so großen Territorium.
     
  11. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Da hatte ich aber auch dazu geschrieben, dass das nur die Ansicht von Joseph II. war. Ich gehe ja, wie auch der Autor Franz Quartal, davon aus, dass diese Aussage von Joseph II. nicht der Realität entsprach.:winke:

    Allerdings ist es so, dass große Städte weitesgehend fehlten und Handel und Gewerbe nicht sehr weit, u.a. aufgrund oben angeführter mangelnder Förderung, entwickelt waren.

    Zumindest aus der Zeit der zweiten Hälfte der 1790er findet sich allerdings ein handfester Beleg dafür, dass das französische Direktorium befürchtete, dass in Vorderösterreich eine gefährliche Konkurrenz für die franz. Seidenindustrie in Lyon entstehen könnte. Entsprechend wurde der franz. Feldherr, der gerade durchmarschierte beauftragt, umfangreiche Zerstörungen von Anlagen in Konstanz vorzunehmen und franz. Exilanten, welche aus Lyon stammten oder sich sonstwie der Seidenherstellung als Broterwerb bedient hatten, scheinbar gefangen zu nehmen und zurück zu führen.
     
  12. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Du musst bedenken, dass Vorderösterreich kein geschlossenes Territorium bildete, sondern aus einer Vielzahl nicht zusammenhämgender kleiner Gebiete bestand. Die waren jeweils von anderen Füstentümern und Herrschaften umgeben, sodass große Erträge wegen dieser Einschränkungen nicht zu gewinnen waren.
     
  13. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Vielleicht hilft diese Karte um das besser zu erklären:

    Vorderösterreich

    Auf die Karte klicken.
     
  14. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Hier muss ich aber regional gleich einhaken.
    Auf der Karte fehlen schon auf den ersten Blick:
    Die Grafschaft Sigmaringen, die Grafschaft Veringen, die Herrschaft Kallenberg (alles seit Jahrhunderten verpfändet) aber sehr wohl Vorderösterreich.
    Kloster Heiligkreuztal auch.

    Wenn ich diese "Fehler" auf das gesamte Gebiet (wo ich weniger bis wenig Ahnung habe) übertrage kann man Vorderösterreich leicht 25% gewichtiger ansetzen als geschehen.

    Ehrlich gesagt ist mir eh ein Rätsel wie bei der Vielschichtigkeit der Eigentumstitel und Rechte im HRR speziell im Südwesten überhaupt Gebietskarten entstehen.
     
  15. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Es fehlen auch noch andere Gebiete. Leider gibt es keine genauere Karte, oder ich habe keine gefunden. Kann auch sein. Aber man sieht schon der "Flickenteppich" aus dem Vorderösterreich bestand.
     
  16. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Das ist zweifellos richtig.

    Andererseits wird auch auf den 1. Blick klar, dass Österreich nach Württemberg der größte Territorialbesitzer im Südwesten war.

    Für Habsburgs Weltpolitik spielte Vorderösterreich mit Sicherheit keine Rolle.
    Für die Position im Reich aber ganz bestimmt nicht die kleinste.

    Die "geringen" Steuereinnahmen, gut kann ich nicht qualifiziert widersprechen, aber glauben kann ich es ohne auch nicht.
    Dann darf man die verpfändeten Gebiete + Herrschaften nicht vergessen, verpfänden kann man nur etwas, das ein Anderer auch haben will.
    Und die gelöste Kohle wird im Zweifel ja sinnvoll eingesetzt worden sein.
    Also auch da Nutzen.


    Ich habe bei diesen Einschätzungen immer das Gefühl, als wenn da die Leibdragoner-Historiker des ausgehenden 19. Jahrhunderts federführend wären.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. November 2010
  17. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Militär 2. Landesdefension im 18. Jh.

    1.
    Ich finde übrigens auch noch 2 Geschütze bei dieser Truppe, welche von Konstanz herangeschafft wurden.

    Hier kurz zum Aufbau der Landesdefension, welcher gerade im 18.Jh. einem enormen Wandel aber am Ende des Jahrhunderts auch einer enormen Renaissance unterworfen war.

    Ursprünglich verfügte die Landesdefension über die schon einmal (siehe Militär 1. !) 8 Landfahnen. Diese sollten alle Wehrfähigen vom 16. bis 40. Lebensjahr umfassen und wurden jeweils von einem Landvogt (Ammann) angeführt. Der 1. und 2. Auszug der Defension sollte je 3.000 Mann umfassen.
    Jedoch verschwanden die Fahnen im 18.Jh. zusehends. Hier die Zahlen:
    - ab 1713: nur noch 4 Fahnen
    - ab 1734 nur noch 2 Fahnen (Hauensteiner, Rheinfelder)
    - ab 1770 nur noch 1 Fahne (Hauensteiner)
    Die langlebigste Hauensteiner Fahne, die sogar noch nach 1803 aktiv war, war 1703 z.B. in 4 Zügen mit insgesamt 906 Mann aufgeteilt.

    Mit dem Beginn des 1. Koalitionskrieges stieg die Bedrohung des Breisgaus auf einen bis dato lange nicht mehr erreichten Grad (Die umfangreichsten Kampfhandlungen in der Gegend waren im Span. Erbf.krieg und in der 1. Hälfte des Österr. Erbf.krieges bis 1745.). Daher wurde 1793 ein Bataillon unter Major Galluri aufgestellt. Bald darauf gab es schon 3 Landsturmgeneräle: Dominique, Andlau, Pfürdt.

    Mit dem Auseinanderfallen der Koalition und dem preußischen Verrat von Basel 1795 und weiteren Abfällen anderer dt. Staaten, musste Österreich zwangsläufig einen enormen Aufwand zur Verteidigung der Rheinlinie mobilisieren, der nun fast ganz allein auf diesem Staat lag. 1794-96 wurden 40-60.000 Mann unter dem Befehl von Wurmser, Albert-Kasimir von Sachsen-Teschen bzw. Erzherzog Carl am Rhein eingesetzt. Wurmser wurde für die Verteidigung der Rheinfront einmal in Freiburg (ich glaube das war 95) stürmisch bejubelt.
    1796 bestand die Landesdefension schon wieder aus 5 Abteilungen:
    Ortenauer (unter Georg Will)
    Freiburger (Galluri)
    Staufener (Lederle)
    Hauensteiner (Jehle)
    Säckingen-Rheinfelder (Hirsch)

    Bemerkenswert neben der erneuten Wiederbelebung der Landesverteidigung ist auch die Rheinflottille, welche Erzhzg. Carl zusammen ziehen ließ, allerdings nicht mit Defensionern, sondern regulären Truppen besetzen ließ.

    1799 brachte es die Landesdefension wieder auf 8 Bataillone mit der stattlichen Zahl von 6.000 Mann.

    Sowohl im ersten, als auch im zweiten Koalitionskrieg kamen die Truppen offenbar zum Einsatz. Zu Bewaffnung und Bekleidung kann ich kaum was sagen.:cry: Tafeln von der Hauensteiner Defension von 1805 legen aber ein ziviles Erscheinungsbild mit lediglich Kokarden und Schärpen in Landesfarben (rot-weiß-rot) nahe.

    2.
    Dazu lässt sich wenig sagen. Durch den doch bedeutenden Umfang der Truppe in der Gefahrenzeit würde ich das aber eher bezweifeln. Wen man nicht haben wollte, steckte man offenbar eher in die reguläre Truppe. =) (siehe: Militär 3.)
     
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  18. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Militär 3. Reguläre Truppen

    Aufgrund der oben bereits von mir erwähnten Vorrechte Vorderösterreichs spielte die Aushebung regulärer Truppen neben Landesdefension und Landsturm kaum eine große Rolle.

    Lange Zeit unter Maria Theresia wurde noch auf eine Aushebung wie in den anderen deutschen Gebieten Österreichs verzichtet. So brachte es die ständische Rekrutenstellung von 1744 auf 1.500 Mann, wovon wenige hundert Reiter waren.
    Gravierend sollte sich dies 1786/87 mit dem Versuch Kaiser Joseph II. als Landesherren ändern, der versuchte die ansonsten übliche Konskription in Vorderösterreich einzuführen. Dazu wurden Gebäude und Einwohner ermittelt. Jedoch fiel diese Aushebung mit den Erhebungen in Vorderösterreich gegen die josephinischen Reformen (wie auch andernorts) zusammen, wodurch wohl das eigentliche Ziel der Vermehrung der Truppen nicht erreicht wurde.
    Schon 1790 kam man wieder zur ständischen Rekrutenstellung zurück, welche es immerhin auf 2.700 Mann brachte. 1793 wurden allein im Breisgau 526 Mann Infanterie und 209 Reiter ausgehoben. (Kann es sein, dass die Zahl der Reiter recht hoch ist?) Unter Kaiser Leopold II. (Herrscher über die österr. Gebiete 1790-92) wurde die Dienstzeit von 8 auf 6 Jahre reduziert.

    Verschiedene Regimenter standen in Vorderösterreich. Ein Teil von ihnen warb hier auch an.
    Der Einfachheit halber gebe ich nur die Nummern, wegen der immer wieder über die Jahrzehnte wechselnden Inhaber an:
    Kurzzeitig: IR 45, IR 40, IR 49.
    IR 12: 1714-1800
    IR 46: 1745-1775
    Das IR 46 war allerdings nur mit ein paar Kompanien vertreten (wovon ich beiom IR 12 aber auch ausgehe), stellte aber auch in Vorderösterreich seine Werbetische auf.
    Das IR 41, im späten 18.Jh. als Regiment von Bender recht bekannt geworden, wird immer wieder als "Hausregiment" bezeichnet. Dieses hat sich vor allem aus Vorderösterreich ergänzt. Als Werbegebiete finden sich z.B. 1781: Breisgau, Ortenau, Nellenburg und Vorarlberg. Das Infanterieregiment umfasste bei den Einsätzen 1784/85 im Scheldekrieg beim Auszug 2857 Mann. 1789/90 wurde es gegen die rebellierenden Brabanter eingesetzt und schlug sich daraufhin im 1. Koalitionskrieg v.a. auf dem nördlichen Kriegsschauplatz und hatte auch Anteil an der zähen Verteidigung der Festung Luxemburg durch den Inhaber von Bender.
    *

    Bei all den Regimentern, die hier aufgeführt werden, muss man doch bekennen, dass oftmals Vorderösterreich nur sehr schwach mit Truppen besetzt war, weshalb man es 1791 auch für ziemlich nicht verteidigungsfähig hielt. Im Zusammenhang damit steht zum einen der spätere Wunsch einer engen Zusammenarbeit von Erzherzog Carl mit Regierungspräsident von VÖ von Sumeraw, der eine Landesverteidigung in großem Umfang mitkoordinieren sollte (vgl. Militär 2.), zum anderen die rasche Evakuierung der Landesverwaltung ins Hinterland nach Konstanz.

    Nach der Zerstörung der Festung und Stadtbefestigung von 1744 hatte die Stadt Freiburg auch weitesgehend seine Wehrhaftigkeit verloren. Dennoch wurde es einmal in den 1790ern erfolgreich gehalten. Niederschlag fand die Rolle als Stationierungsort immerhin in der Errichtung der Karlskaserne in der zweiten Hälfte des 18.Jh. (leider nur noch in einer nachgebauten Hülle vorhanden, weil 1945 stark zerstört).

    Gemeinhin wurde "nur zu oft das Militär als Besserungsanstalt" (Zitat: O. Regele) angesehen. Die guten Elemente der Bevölkerung versuchte man dem Wehrdienst vorzuenthalten.
    Die selben Züge findet man aber auch bei der Rekrutierung in anderen Gegenden, wo man Delinquenten als Ausweg den Eintritt ins Militär offenhielt oder das Militär als Ausweg aus finanzieller Bedrängnis gewählt wurde.

    * Literatur:
    Oskar Regele: "Zur Militärgeschichte Vorderösterreichs"
    v.a. S. 88-90
    in:
    Friedrich Metz (Hrsg.): "Vorderösterreich - Eine geschichtliche Landeskunde" Rombach, Freiburg, 2000, 4. Auflage
     
  19. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Befehl zu Zerstörungen in Konstanz 1796

    Dazu die Quelle:
    "Schreiben des Direktoriums an General Moreau" vom 16. August 1796, welches von den Direktoren Barras, Carnot und Reubell gezeichnet ist.*

    *
    W. Markov: "Revolution im Zeugenstand" Band 2 S. 696-697, P. Reclam jun., Leipzig, 1982
     
  20. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Die Position der Habsburger im Heiligen Römischen Reich stützte sich vor allem auf die riesige zusammenhängende Ländermasse Österreich, Steiermark, Kärnten, Krain, Tirol, Schlesien und Böhmen, woran sich 1526 im Osten Ungarn anschloss, das freilich außerhalb der Reichsgrenzen lag. Das war die bedeutende Hausmacht der Habsburger, die ihnen den entscheidenden territorialen Rückhalt in ihrer Funktion als römisch-deutsche Kaiser bot.

    Vorderösterreich hingegen war sichtbarer Ausdruck des gescheiterten Versuchs, eine zentrale habsburgische Machtbasis im deutschen Südwesten aufzubauen und blieb somit ein unfertiges Konglomerat. Nach der mir vorliegenden großen Spezialkarte des Bayerischen Schulbuchverlags, die alle süddeutschen Territorien im Jahr 1789 zeigt, bestand Vorderösterreich aus ungefähr 30 kleinen und über den ganzen Südwesten verstreuten Gebietsteilen, unter denen die Landgrafschaft Breisgau das mit Abstand größte Territorium repräsentierte.
     

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