Warum Amerika vor Afrika kolonisiert?

Dieses Thema im Forum "Afrika" wurde erstellt von Trojan, 7. Mai 2014.



  1. Trojan

    Trojan Neues Mitglied

    Die Frage ist eigtl ganz simpel:

    Afrika war in Europa ja bedingt durch die geographische Nähe schon immer bekannt. Trotzdem wurde nie in großem Ausmaße das Innere des Kontinents erforscht.
    Als Amerika Ende 15/Anfang 16 Jahrhundert entdeckt wurde, durchzogen die Europäer den ganzen südamerikanischen Kontinent ziemlich schnell mit ihren Handelsrouten (vornehmlich um Gold und Silber abzubauen).

    DAs Innere des afrikanischen Kontinents blieb weitgehend unbekannt.
    Wenn aber das Innere des afrikanischen Kontinents bis in die Mitte des 19 Jhd zu Teilen unbekannt war, konnte man ja garnicht wissen, ob dort nicht evtl auch solch ein Reichtum herrschte (im Kongo ist es ja zum Teil so)

    Warum haben die EUropäer nicht ebenfalls Ende 15/Anfang 16 Jhd oder gar früher damit begonnen, das innere des afrikanischen Kontinents zu erforschen bzw. nach Rohstoffen zu suchen?

    Warum hat man den viel weiteren Weg nach Südamerika gemacht und die "Schätze vor der Türe" liegen gelassen bzw. kein besonderes Interesse gezeigt?

    Genauer gefragt:
    Warum setzt das Kolonialzeitalter in Afrika eigtl erst im 19 Jahrhundert ein, während es in Amerika bereits 300 Jahre früher beginnt?


    Im Strang: Afrika arm --- Amerika reich wird meine Frage leider nicht beantwortet.
     
  2. Muspilli

    Muspilli Neues Mitglied

    Mir scheint, die Autoren des Wikipedia-Artikels zum Kolonialismus (Kolonialismus ? Wikipedia) versuchen bereits eine Antwort auf deine Frage vorwegnzunehmen.
    Der Versuch eines erklärenden Übergangs kollidiert freilich mit einer anderen Darstellung, in der sich die Kolonialisierung des Amerikanischen Kontinents als merkwürdige Leerstelle ausnimmt: Kolonialismus | bpb.
    Interessant finde ich (im verlinkten Wikipedia-Artikel) den Hinweis auf Genua & Venedig als gewisse Vorläufer Portugals Erfolg im Übergang zur Neuzeit, aber auch den besonderen Hinweis auf den Conquistadores-"Stand" in Spaniens.
    Solche hinweisenden Überlegungen sind voraussichtlich anfechtbar, je nachdem wann die Epoche des Kolonialismus angesetzt wird und näher zu kennzeichendne Übergänge von Handels- zu Kolonialpolitik plausibel dargelegt werden und ich lasse mich auch gerne kritisieren von den forianischen Spezialisten für Kolonialismus.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. Mai 2014
  3. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    einerseits
    befanden sich weite Teile Norafrikas unter arabisch-moslimischer Kontrolle - da war es nicht so einfach machbar, quasi einzumarschieren

    andererseits
    wurden die westafrikanischen Küsten schon recht früh abgegrast: die kanarischen und kapverdischen Inseln waren schon spanisch und portugiesisch, bevor man überhaupt weiter gen Westen und damit nach Amerika kam.

    also:
    um 1400 oder um 1500 herum war es aufgrund politischer Machtverhältnisse (wer herrschte wo?) schlichtweg nicht möglich, z.B. cool den Nil flußaufwärts zu segeln, um zu erkunden, ob sich weit flußaufwärts was zum abzocken finden ließe;
    ebenfalls nicht durchsetzbar (und darum auch nie ausprobiert) war es, sich über den Landweg im roten Meer festzusetzen und von dort aus umher zu kundschaften.
    Aber die Westküste Afrikas war relativ gut "erforscht", da betrieb man erfolgreich Sklavenhandel und wohl auch un peu "Rohstoffhandel" (z.B. Elfenbein - völlig grundlos gibt es den europäischen (!) Namen "Elfenbeinküste" nicht) und freilich "entdeckte" man entlang der afrikanischen Westküste, dass landeinwärts keine gigantischen Reichtümer zu holen waren.
     
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  4. hatl

    hatl Premiummitglied

    Einen wesentlichen Einfluß hatten sicher Infektionskrankheiten.
    Während die Europäer in Afrika selber häufig Opfer dieser Krankheiten wurden, verhielt es sich auf dem vorher ganz abgeschlossenen amerikanischen Kontinent ganz anders.
    Nach Jared Diamon - Arm und Reich, Seite 253
    waren die eingeschleppten Krankheiten außerordentlich verheeren für die dortige Bevölkerung.
    Die europäischen Eindringlinge stießen zum einen alsbald auf entvölkerte Gebiete und andererseits wurde der Widerstand der einheimischen Bewohner, ohne weiteres Zutun, ganz entscheidend geschwächt.
    Das war in Afrika so nie gegeben.

    Eine andereren Grund für die erheblich spätere Kolonisierung Afrikas kann man darin sehen, dass ungünstige Winde (ganz im Gegenatz zum Seeweg nach Amerika) das Vordringen von Segelschiffen entlang der afrikanischen Westküste so sehr erschwerten, dass die Portugiesen diese in einer großen Volte umschifften, und bei der Gelegenheit auf Brasilien stießen.
    Zudem
    Wolfgang Reinhard - Kleine Geschichte des Kolonialismus, Kapitel X.

    Der Weg über Nordafrika war ohnehin versperrt, weil sich hier bereits eine sehr wehrhafte Kultur vorfand, die der europäischen nicht unterlegen war.
    Zudem stellt die Sahara eine sehr wirksame Sperre nach Süden dar.
     
  5. Matze007

    Matze007 Aktives Mitglied

    Die Ausplünderung Afrikas war ja außerdem schon immer im Gange, aber eben nicht als Eroberungskrieg mit scharfen Grenzverläufen. Warum z.B. selber auf Sklavenjagd im Landesinnern gehen, wenn man einfach den arabischen Händlern an der Küste Sklaven abkaufen konnte ? Eine solche Infrastruktur der Ausbeutung existierte in Amerika eben nicht.
     
  6. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    als Beispiel dafür kann die versuchte portugiesische Eroberung Marokkos 1578 dienen.
    Schlacht von Alcácer-Quibir ? Wikipedia
     
  7. Trojan

    Trojan Neues Mitglied

    ok vielen DAnk für die plausiblen Antworten. Meine Frage ist damit größtenteils eigtl beantwortet.

    DAss Nordafrika nicht zu erobern oder entdecken war, ist mir klar.

    Mir ging es auch eher um das Gebiet des Kongo etc... wo die Portugiesen ja die Küsten beherschten (Angola z.B.) aber nicht wirklich ins innere vorstießen.
    In Südamerika haben sie das ja direkt getan und sich nicht nur auf die Küste beschränkt.

    Aber die Infektionskrankheiten, welche den Europäern im gegensatz zu den amerikanischen zusetzten, die nicht so gut schiffbaren Flüsse sind schon zeimlich plausibel.


    ES war mir einfach nur spontan in den Sinn gekommen als ich ein Buch von der "Entdeckung des schwarzen Kontinents" in der Hand hatte, welches von 1860/70 handelt und ich dies mit der Eroberung Südamerikas bereits im 16jahrhundert verglich.

    Vielen Dank für die Antworten.
     
  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Hier klingt ein wenig die Hypothese an (ob beabsichtigt oder nicht), dass die Portugiesen vor Kolumbus in Amerika gewesen wären, die seit einigen Jahren durch die Medien geistert, für die allerdings noch niemand einen überzeugenden Beleg vorlegen konnte, auch wenn die "rote Herzogin" Isabel Álvarez de Toledo (allerdings weniger in Bezug auf die Portugiesen als auf die Maġribiner) das anders sah.
    Jedenfalls umschifften die Portugiesen bereits 1488 das Kap der Guten Hoffnung, also vier Jahre bevor Kolumbus Amerika entdeckte.

    Ein möglicher Beleg für die Hypothese, dass die Portugiesen vor den Spaniern Kontakt hatten, ist die Verwendung des Begriffs tiburón in Kolumbus Bordtagebuch am 25. Januar 1493. Das Problem ist, dass die Herkunft des Begriffes umstritten ist. Handelt es sich um einen karibischen Begriff, der erst ins Spanische und von dort ins Portugiesische - tubarão - gewandert ist, ist das kein Problem, Kolumbus verwandte innerhalb weniger Tage karibische Worte.
    Es gibt aber auch etymologische Deutungen, die das Wort als arawakisch oder als Tupí-Wort sehen, dann wäre eine portugiesische Vermittlung wahrscheinlicher. Ich zitiere mal aus dem portugiesischen Wikipedia-Artikel:

    Ich verzichte auf eine ÜS, weil der wichtigste Teil des Inhalts schon oben wiedergegeben ist.
    Was hier nicht berücksichtigt wird, ist allerdings die Möglichkeit einer präkolombianischen interindigenen Entlehnung, so dass das spanische tiburón und das portugiesische tubarão zwar auf ein gemeinsames Etymon zurückgehen können, die Worte aber durch zwei verschiedene Kontaktsprachen vermittelt wurden und, dass natürlich das Diario de a bordo nicht im Autographen überliefert ist sondern durch Bartolomé des las Casas, der möglicherweise interpolierend das vorkolumbinische spanische Wort für Hai durch das neue tiburón ersetzt hat (ich weiß nicht wann genau Bartolomé de las Casas die Abschrift angefertigt hat, das muss jedenfalls vor 1554 gewesen sein, weil es in diesem Jahr gedruckt wurde). Als Kolumbus z.B. erstmals den Begriff canoa (unser Wort Kanu kommt daher) verwendet, nennt er zunächst einen Hispanoarabismus (almadaba) und erläutert, dass es sich um Einbäume handelt. Tiburón wird voraussetzungslos verwendet, ohne vorherige Erklärung.

    Also kann die Etymologie von tiburón nicht wirklich herangezogen werden, sie wäre aber ein mögliches Indiz für einen früheren portugiesischen Kontakt, wenn das Wörtchen wenn nicht wär'.
     
    Zuletzt bearbeitet: 9. Mai 2014
  9. hatl

    hatl Premiummitglied

    Danke EQ für die interessanten Hinweise.

    Beabsichtigt war das auch garnicht, weil ich diese Hypothese nicht kannte.
    Ich wollte lediglich darauf hinweisen, dass die Windverhältnisse entlang der westafrikanischen Küste problematisch waren, während diese, so wie ich es verstehe, für die Segelschifffahrt sich günstiger in Richtung Amerika gestalteten.
    So wie ich es zu verstehen glaube, war der Harmattan ein Grund für diese Volte der Portugiesen.
    Entnommen ist diese Vorstellung einer einführenden Zitierung von Rudolf Plischke in diesem Buch: http://ecx.images-amazon.com/images/I/51R8VZ6Z9YL._.jpg
    Demnach nutzte Vasco da Gama die genannte Volte 1497.
    .
    Es wäre interessant zu erfahren, was die die Forumsexperten der Schifffahrt
    hierzu denken.
    (Ich selber hab da ja wenig Belichtung.)

    Dein Ansatz "etymologische Deutungen" erstaunt mich, in gutem Sinne, immer mal wieder.
    :winke:

    Grüße hatl
     
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  10. schwedenmann

    schwedenmann Aktives Mitglied

    Logbuch des Kolumbus

    Hallo


    @El Quijote
    Das eigentliche Problem ist, das das Original verloren ist, sowie die Kopie (Barcelona-Kopie). Außerdem scheint es Hinweise zu geben, das Las Casas die Kopie in Händen hatte und zwar als er er sich in Hispaniola aufhielt (1527-1539), daß würde dann auch das ethymol. Problem lösen.

    Ich habe die obigen Aussagen aus: Robert H. Fuson (Hrsg) Das Logbuch des Christoph Kolumbus, 1989, Bastei Lübbe, S. 22-34.

    mfg
    schwedenmann
     
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  11. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Nun meines Erachtens liegt die Lösung der Frage im Vertrag von Tordesiilas.
    Danach war Afrika portugiesisches Einflussgebiet und das potugiesische Kolonialsystem war prinzipiell als seegestütztes Handelsimperium konzipiert, bei dem man nur punktuelle Stützpunkte und Faktoreien an strategisch günstigen Punkten der Küsten in Besitz nahm.um ,mit Hilfe lokaler Eliten, den Handel zu kontrollieren.Das Land hätte auch nicht genügend Ressourcen für eine flächendeckende Kolonisierung und auch ich die militärische Stärke gehabt, größere Kriege zu Lande zu führen. Sebst die späteren gößeren Kolonialgebiete Brasilien,Angola,Mosambik waren bis ins 17. Jahrhundert primär nur an der Küste und entlang des ein oder anderen größeren Flusses kolonisiert.
    Da Portugal meistenteils nicht in europäische Händel verstrickt war wurde dieser koloniale Machtbereich auch von anderen Mächten im wesentlichen zumindest soweit respektiert als man z.B. an der Goldküste auch nur Stützpunkte gründete.

    Spanien/Habsburg dagegen hatte sowohl die Ressourcen als auch das militärische Potential für Flächenkolonisierungen und sah sich im übrigen auch zwei indianischen Großreichen gegenüber, die ohne massive dauerhafte koloniale Präsenz nicht zu kontrollieren gewesen wären.
    Und da Spanien darüber hinaus in allen europäischen Auseinandersetzung mitspielte , waren Länder wie England oder Frankreich natürlich auch dessem kolonialen Machtbereich aktiv.
    -
     
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  12. Mago Barkas

    Mago Barkas Neues Mitglied

    Nicht zu vergessen: die unterschiedlichen personellen Ressourcen zwischen Spanien und Portugal.
    Und da aus der Neuen Welt viele tolle Dinge (Gold und Silber) in den ersten Jahrzehnten bis nach 1600 in Europa ankamen lag auch der Fokus von England und Frankreich nach Westen - da auch der Weg nach Süden bei Bedarf von Portugal gesperrt hätte werden können. Das Potential (Sklaven) kam erst später, als Amerika schon europäisch strukturiert war.
     
  13. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Jahrhundertelang kam der Großteil des europäischen Goldes aus Westafrika und das war in Europa auch bekannt. Auch andere begehrte Produkte (Elfenbein, Pfeffer, Sklaven) kamen dorther. Im 16. Jahrhundert fuhren britische Interloper die afrikanische Küste entlang und kauften oder fingen Sklaven. Dabei machten sie sich die Konflikte der lokalen Ethnien zu Nutze, indem sie eine Kriegspartei unterstützten und dafür Kriegsgefangene als ihre Sklaven nahmen. Mit diesen Sklaven führen sie dann zu den spanischen Kolonien, die eigentlich außer mit dem spanischen Mutterland keinen Handel treiben durften und zwangen (angeblich)* den spanischen Kolonisten ihre Ware auf, natürlich gegen die entsprechende Bezahlung.

    Auch sollte man sich nicht von Spanien und Portugal nach heutiger Vorstellung leiten lassen: Die Bevölkerungszentren lagen und liegen noch heute an der Küste und nahe den fruchtbaren Niederungen, Spanien musste sich erst aus personalunierten Königreichen zu einer politischen Einheit entwickeln, ein Prozess, der lange andauerte. Die Besiedlung Amerikas wurde hauptsächlich von Kastilien aus betrieben, wohingegen die traditionell mit der Seefahrt verhaftetetem Katalanen sich noch lange sehr stark auf das Mittelmeer konzentrierten. Vor Phillip II. war auch das Interesse der spanischen Krone (RR.CC., Karl I./V.) an den überseeischen Kolonien eher sekundär.

    *Das in Klammern gesetzte angeblich ist deshalb in Klammern gesetzt, weil es einerseits für die spanischen Kolonisten interessant war, mit anderen Handelspartnern als nur den zugelassenen spanischen Händlern zu handeln, daher angeblich, aber andererseits diese Mischform aus militärischem Zwang, Piraterie und Handel, welche die Interloper betreiben auch aus britischen Quellen deutlich wird.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Februar 2015
  14. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Afrika und Amerika sind ziemlich große Landmassen.
    Das innere der amerikanischen Kontinente (Amazonien, Great Plains) wurde auch sehr spät erschlossen und wurden erst im 19., zum Teil erst im 20. Jahrhundert durch Siedler erschlossen.
    Die große Expedition von Lewis und Clark zum Pazifik war 1804 bis 1806. Zur gleichen Zeit erforschte Alexander von Humboldt Südamerika.
    Die ersten großen Expeditionen der Europäer (insbesondere David Livingstone) waren ca. 50 Jahre später. Die Erschließung des Kongos hinkte nur wenige Jahrzehnte hinter Amazonien her.
     
  15. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Das würde ich etwas relativieren wollen. Mit der Besiedelung stime ich dir zu, es gab große Gebiete in Südamerika die erst spät von Europäern bzw. deren Nachfahren besiedelt wurden: Neben Amazonien auch das südliche Patagonien oder der Chaco.

    Im Gegensatz zum Inneren Afrikas wurden sie jedoch frühzeitig bereist. Francisco de Orellana segelte bereits 1542 von Peru aus den Amazonas herunter. Gaboto, Mendoza und Ayolas sind die großen Flüsse des Plata-Becken hoch, wo Ayolas im heutigen Paraguay Asunción gründet. Von dort aus zogen später zahlreiche Expeditionen in alle Himmelsrichtungen und gründeten weitere Niederlassungen, weshalb heute Asunción auch "Mutter der Städte" genannt wird. Die ganze südliche Hälfte Südamerikas wurde mehr vom Landesinneren, als von der Küste aus erschlossen.

    Die Portugiesen blieben zwar mehr im Küstenstreifen, die Bandeirantes zogen von Sao Paulo jedoch auch in häufigen Raubzügen bis tief in Paraguay und den Matto Grosso hinein. Später (18. Jahrhundert) entstanden am Oberlauf des Paraguay sowohl portugiesische wie spanische Grenzfestungen (z.B. Fuerte Borbon, Fuerte de Coimbra, San Carlos del Apa) um die jeweiligen Machtbereiche zu sichern. Das lag so tief im Landesinneren, dass man dorthin schneller per Schiff über die Flüsse kam, als zu Fuß von der Küste aus.

    Und auch was Nordamerika betrifft, haben dort spanische Entdecker (Ponce de Leon, Cabeza de Vaca, Coronado) umfangreiche Reisen tief in den Kontinent durchgeführt, bevor die Briten überhaupt auf den Gedanken kamen dieses zu tun. Auch die Franzosen waren da Aktiv und sind früh von Kanada bis zur Mündung des Mississipi runtergefahren.

    Bei Afrika hat man dagegen tatsächlich vor dem 19. Jahrhundert nicht ernsthaft versucht, das Landesinnere zu erschliessen.
     
  16. Morifea

    Morifea Neues Mitglied

    Warum versuchte man es im inneren Afrika eigentlich erst im 19. Jahrhundert?
    Mangelndes wirtschafltliches Interesse? Angst vor fiesen Krankheiten? Angst vor den Löwen:D (hic sunt leones)?

    Das gewisse Belgier später mal ein höchst einträgliche Kongokolonie haben würden konnte man damals ja noch nicht wissen.....
     
  17. Mago Barkas

    Mago Barkas Neues Mitglied

    Warum ins Landesinnere ziehen, wenn die Eingeborenen mir alles an die Küste bringen? Viel anders machten es die Karthager 2000 Jahre früher auch nicht.
    Und ja, sicherlich war auch das Klima mehr als mitentscheidend um die Besiedlung (vor allen West und Zentralafrikas) gering zu halten.
     
  18. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ein Abriss zum Beginn: Ceuta 1415

    Als Erklärung für diesen ersten Schritt werden die strategischen Gründe angeführt, die Kontrolle über die Straße von Gibraltar zu verstärken, und mit einem Stützpunkt muslimische Piraten zu bekämpfen. Ein zweiter Aspekt stützt sich auf ökonomische Motive: Ceuta war als Umschlagplatz (Trans-Sahara - Mittlerer Osten) für exotische Waren bekannt., möglicherweise auch als Umschlagplatz für Getreide (Importgut für Portugal). Jedenfalls wurde die Ecpedition durch Handelsvereinigungen speziell in Lissabon stark unterstützt. Der dritte Aspekt stützt sich schlicht auf die Reconquista-Tradition, der letzte Einfall des Sultans von Fes erfolgte 1340. Von 1341 bis 1377 beschäftigten sich 6 päpstliche Bullen formal mit Kreuzzügen gegen Nordafrika (und Granada). Bis Anfang des 15. Jhdts. beeinträchtigten wohl diverse Pestwellen und Seuchen die Umsetzung solcher Pläne. Ab 1411 wurde die afrikanische Expansion praktikabel, und man schritt zügig zur Umsetzung: Ceuta als marokkanische Alternative zu Granada.

    Die Ceuta-Expedition soll dann beachtliche 20.000 Mann umfasst haben, bis zu 200 Transporter.
    Conquest of Ceuta - Wikipedia, the free encyclopedia

    Danach wurde ein Konzil von Joao I. einberufen, um weitere Schritte zu festzulegen (Bedeutung von Tanger). Die Hauptmacht zog wieder ab, und ließ 2500 Mann Garnison zurück. Ceuta widerstand 1419/20 schweren Angriffen. Luft zu weiteren Expeditionen hatte man wohl erst nach 1431.

    Der Angriff auf Tanger, strategisch der logische nächste Schritt nach Ceuta, begann zu schwach erst 1437 und scheiterte. Über den Tod von mehreren Protagonisten des Expansion gegen Tanger kam man erst 1471 mit einer großangelegten Invasion von 30.000 Mann und 400 Schiffen zum Zug (Einnahme von Asilah). Der Friedensvertrag von 1471 ließ Asilah und Tanger an Postugal fallen. Damit erst war - über 6 Jahrzehnte - der Weg für die portugiesische Expansion in den Süden Afrikas frei, und Marokko geriet unter Kontrolle, mit einem stetig wachsenden militärischen portugiesischen Engagement. Bereits 1469 waren auch "Raids" nach Süden unternommen worden, so gegen Al-Ksar as-Saghir., und Anafe (Casablanca), 1481 wurden Azemmour und Safi tributpflichtig unter portugiesischer Kontrolle. Ab 1489 sollte der Ausbau der Graciosa-Festung Sprungbrett der Expansion nach Süden werden, der noch unausgebaute Stützpunkt wurde aber sofort heftig angegriffen, das Projekt aufgeschoben.

    Es folgte der Vertrag von Tordesillas, der ab 1496 unter Manuel I. der Expansion den Auftrieb gab, um Fes und Marrakesch unter Kontrolle zu bringen.

    Der portugiesische Fortschritt nach Süden war demnach eng verbunden mit der Stützpunktfrage, Verzögerungen, Rückschläge und Entwicklungen in Portugal selbst.
    Zu den Festungen siehe auch
    Mehdya - Wikipedia, the free encyclopedia

    Ceuta-Mehdya: ein Jahrhundert 1415-1515

    Nach History of Portugal and the Portugese Empire II.
     
  19. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Da sich keiner meldet, werde ich darauf eingehen: Die übliche Route war, den Nordostpassat folgend, schräg richtung Südwesten zu segeln, um in einem großen Bogen bis zu dem südlichen Westwindgürtel zu gelangen, der einem dann wieder richtung Osten zum Kap der guten Hoffnung führte.

    Wenn man versuchte, den kürzeren Weg direkt die Küste Afrikas entlang zum Golf von Guinea zu folgend, hatte man irgendwann den Südostpassat direkt von vorne. Weiter draussen im Atlantik, den oben beschriebenen Bogen folgend, segelte man Quer zu diesem. Das war zwar nicht Ideal, man kam aber voran bis man die südlichen Westwinde erreichte.

    Den Südostpassat benutzten dagegen die Sklavenschiffe im Dreieckshandel von Westafrika aus, Richtung Karibik und Nordamerika, um dann über den nördlichen Westwindgürtel wieder richtung Europa zu segeln. Also genau die umgekehrte Fahrweise.
     
    Zuletzt bearbeitet: 17. Februar 2015
  20. hatl

    hatl Premiummitglied

    Danke Bdaian.

    .. ich hab erst mal gestutzt (Nordostpassat), bis mir aufgefallen ist, dass sich hier die Bezeichnungen darauf beziehen, woher der Wind weht und nicht wohin.

    Grüße hatl
     

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