Warum entstanden eigentlich konstitutionellen Monarchien?

Dieses Thema im Forum "Sonstiges in der Neuzeit" wurde erstellt von algarius, 8. März 2017.



  1. algarius

    algarius Neues Mitglied

    Im Zeitalter des Abolutismus hatte ja das Volk nichts mitzubestimmen. Wieso kam es dann in den einzelnen Königreichen wo Abolutismus herrschte, nach und nach zu konstitutionellen Monarchien ?

    Der erste Stand (Adel) und zweite Stand (Klerus) wollten dies ja sicherlich nicht.
    War es also der dritte Stand die Bauern die dies wollten. Und wie haben dies das erreicht?

    Durch Aufstände wohl kaum, diese konnten ja durch die Monarchie problemlos nieder geschlagen werden.

    War es also einfach aus Goodwil der einzelnen Monarchen dass Sie Ihre Macht im Abolutismus abgaben und eine konstitutionellen Monarchie einfügten?
     
  2. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    1.
    Definiere mal das Wort "Volk". Ob Bauern oder Bürger mitzubestimmen hatten, war doch ganz unterschiedlich.
    2.
    Am Beispiel Frankreich sieht man ja sehr schön wie inhomogen die Gruppen 1. und 2. Stand sind. Viele Vertreter des 3. Standes in der Generalversammlung waren eigentlich Adlige - Mirabeau z.B..
    3.
    Wenn man seine Armee hinter sich hat. Wenn nicht dann siehe Französische Revolution. Man muss seine Armee auch bezahlen können, wenn man sie gegen die Untertanen einsetzen will.
    4.
    Das spielte natürlich auch eine große Rolle. Schau Dir einfach mal ein paar Kurzbiographien via Wikipedia an! Vielleicht klären sich damit einige Fragen von selbst. Hast Du schon was von der Aufklärung gelesen?:pfeif:
     
  3. steffen04

    steffen04 Gesperrt

    Doch, der Adel und der Klerus wollten konstitutionelle Kontrolle über den Monarchen.

    Ich glaub, die ganze Frage hinkt. Konstitutionelle Monarchie gab es schon vor dem Absolutismus: Bill of Rights.
    Es kam also nicht nach und nach zu konstitutionellen Monarchien.

    Falls du eine Regel suchst: der Monarch gibt Macht ab, wenn er schwach ist.
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Auch wenn Briso gleich mit der Grundsatzkritik am Konzept des Absolutismus um die Ecke schneit ;) wie kommst du darauf, dass die BoR bereits vor dem Absolutismus existiert hätte? Wogegen richtete sich denn die Glorious Revolution?

    Und stellt die BoR tatsächlich schon eine Verfassung dar?

    Was die Eingangsfrage angeht, stark vereinfacht: Das Ständemodell entsprach längst nicht mehr der sozialen Wirklichkeit, wenn es das denn je getan hat. Das städtische Bürgertum hatte sich längst emanzipiert, war im Prinzip die Wohlstand generierende Klasse, wohingegen Adel und Klerus steuerbefreit waren. Das war schwierig einzusehen, zumal das Bürgertum längst in großen Teilen gebildet war und einige Bürger in Wohlstand dem Adel längst gleichgezogen hatten. Warum also sollten sie nicht mitbestimmen dürfen? Warum sollten sie - nach Reformation (die Frankreich freilich nicht bzw. nur in Teilen erreicht hatte) und Aufklärung - anders behandelt werden als Adel und Klerus?

    Also lange bevor die ärmeren Schichten aufgrund von Huger demonstrierten, hatte sich in den reicheren Schichten längst Unzufriedenheit mit dem "System" herausgebildet.
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. März 2017
  5. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    @ algarius: Geld ist ein Faktor, der von Brissotin noch nicht erwähnt wurde. Schon in vorabsolutistischer Zeit gab es Landstände, die oft ein Steuerbewilligungsrecht gegenüber dem Landesherren hatten. Wenn ein absoluter Monarch mehr Geld brauchte (also sehr oft), konnte er das am ehesten bei wohlhabenden Bürgern - und nicht beim Adel, Klerus oder kleinen Bauern - bekommen.

    Ab wann würdest du von einer konstitutionellen Monarchie sprechen? Reicht dafür schon die schriftlich fixierte Zusicherung einiger Rechte vom Landesherren an Adel und Klerus wie z.B. in der englischen Magna Carta von 1225?
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. März 2017
  6. hatl

    hatl Premiummitglied

    Mit der industriellen Revolution (ab ca. 1800) ergeben sich ungekannte Möglichkeiten des Machterwerbs, deren Nutzung nicht mehr allein aus dem Personal des Adels gewährleistet werden konnte.

    Es war auch nicht so, dass "Aufstände" "problemlos nieder geschlagen werden konnten", wie Amerika und Frankreich am Vorabend der industriellen Revolution eindrucksvoll zeigten.
     

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