Warum heißt Franken Franken?

Dieses Thema im Forum "Die Franken" wurde erstellt von Anthea, 27. Dezember 2013.

Schlagworte:
  1. Anthea

    Anthea Mitglied


    Ich durchstreife bei meinen Wanderungen meist Franken und habe mich einige Male schon gefragt:
    "Warum heißt genau dieser Landstrich im Norden Bayerns Franken?"

    Ist der Name auf das Frankenreich - die Merowinger bzw Karolinger -zurückzuführen?
    Warum wird dann aber nicht eher z. b. die Gegend um Bonn so bezeichnet?*Warum blieb genau an diesem Landstrich der Name hängen?
     
  2. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

  3. vonSchnellenb.

    vonSchnellenb. Neues Mitglied



    Das hat mit der Völkerwanderung zu tun. Bei der Völkerwanderung, sind viele Fränkische Stämme in das heutige Frankreich gewandert.
    Karl der Große war ein Franke(2 April 748 - 28 Jan. 814 n.chr.) aus dem Geschlecht der Karolinger , sein Reich war das heutige Frankreich und Große teile des heutigen Deutschlands

    Gruß Stephan von Schnellenberg
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Moin Stephan,

    die Frage war anders zu verstehen. Die Franken werden in etwa historisch fassbar, als sie vom Rhein, so etwa dem Gebiet zwischen Bonn und dem Ruhrgebiet Richtung Île de France vorstoßen. Daher eben der Name Frankreich, wobei man später zwischen dem ostfränkischen und dem westfränkischen Reich unterschied; das ostfränkische Reich ist später gewissermaßen die Basis für die Entstehung Deutschlands. Die Frage nun aber war, warum der Name Franken an der Gegend um Nürnberg und Würzburg kleben blieb.
     
  5. vonSchnellenb.

    vonSchnellenb. Neues Mitglied



    Ja, die Frage ist gut! das habe ich mich auch schonmal gefragt, ich vermute einfach das im Nördlichen Bayern ( die Gegend um Nürnberg/Würzburg ), der Ursprungsgebiet der Franken war und das der name deswegen da kleben blieb.Eine andere Erklärung hätte ich auch nicht.

    Gruß Stephan von Schnellenberg
     
  6. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Sieh mal in dem Tante Wiki-Artikel unter Frühmittelalter nach. Da sind nämlich Familien aus dem Fränkischen Reich ins Gebiet des heutigen Frankens eingewandert. Höchstwahrscheinlich erst den Rhein hoch, dann am Main lang und im heutigen Frankfurt am Main, über den Main.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Franken_(Region)

    @ vonSchnellenb.

    Das ganze Teilstämme der Franken ins heutige Frankreich gewandert sind halte ich für nicht plausibel. Es wird nur eine dünne Oberschicht in den Westen gezogen sein, weshalb dort heute eine romanische Sprache vorherrscht.
    Zum Thema Völkerwanderung ist Peter Heather als Einstieg nicht schlecht.

    Apvar
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Dezember 2013
  7. beorna

    beorna Neues Mitglied

    Nein, das nördliche Bayern ist nicht das Ursprungsgebiet der Franken. Die Franken sind ein Stammesschwarm vom Nieder- und zum Teil auch Mittelrhein. Je nachdem ob Franken die Wilden oder die Kühnen heißt, wird es sich um eine Fremd- oder Eigenbezeichnung gehandelt haben. Ich persönlich würde eine Fremdbezeichnung favorisieren. Ende des 5. Jahrhunderts eroberten die merowinger germanische Gruppen zu beiden Seiten des Rheins, darunter die Gebiete des Thüringerreiches am Main in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts. Damit erhielt auch das Maingebiet den namen Francia, der an dieser Region haften blieb.
     
  8. Anthea

    Anthea Mitglied

    Nach der These wurden wir also zu Franken nach der Schlacht von Unstrut, als sich die Merowinger das Thüringer Königreich unter den Nagel rissen
    Das Thüringer Königreich | Wanderlust
    Und genau dem Landstrich blieb dann der Name hängen?
    Sprachen die Merowinger fränkisch :)

    Grüße aus Nürnberg
     
  9. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Garantiert nicht das heutige fränkisch.
    Guck mal aus welchen Bereich Europas die Merowinger und auch die Pippiniden herkamen. Aber das das heutige fränkisch eine andere Sprache ist als das bairische kann schon daher kommen. Zumal Franken erst zur Zeit der Gründung des Königreiches Bayern nach Bayern kam.

    Apvar
     
  10. Heine

    Heine Aktives Mitglied

    Welche Argumente überzeugen dich davon, dass es sich beim Frankennamen zunächst um eine Fremdbezeichnung handelte?

    Geary schreibt dazu:

    "Unter Wahrung ihrer Eigenständigkeit verbanden sich diese kleinen Gruppen gelegentlich zu gemeinsamen Verteidigungs- oder Angriffsunternehmungen und identifizierten sich dann selbst mit dem Namen Franke, der soviel wie "der Kühne", "der Tapfere" und später nachdem er sich verbreitet hatte, "der Freie" bedeutete, ein von den Franken selbst bevorzugter Bedeutungsgehalt."*

    Mir ist nicht ganz klar, was Geary mit "und identifizierten sich dann selbst mit dem Namen Franke" meint. Heißt das, dass sie sich selbst den Namen als Eigenschöpfung gaben oder dass sie den bereits vorhandenen Namen annahmen bzw. für sich selbst akzeptierten?

    * Patrick J. Geary, Die Merowinger, S. 85
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Dezember 2013
  11. beorna

    beorna Neues Mitglied

    Unter dem Frankenname erscheinen in der Frühzeit eine Menge gentes. Ich kann nicht erkennen, warum sie alle sich als Franken bezeichnen sollten. Außer dem Namen und Überfällen ins Reich, ist nichts Einendes oder Identitätstiftendes zu erkennen. Allerdings gab es auch Germanen in diesen Gebieten, die schon länger im Reich weilten. Mir erscheint es plausibler, daß sie den Römern den Frankennamen vermittelten, dann ebend nicht die "Kühnen", sondern die "Wilden". Beweisen läßt sich das Eine so wenig wie das Andere.

    Geary favorisiert das andere Model. Der Name einer kleinen Gruppe wurde, ähnlich wie beim Germanennamen, von den Römern verwendet für alle in diesem Bereich und diese verwendeten diesen letztlich dann für sich selbst.
     
  12. Liborius

    Liborius Neues Mitglied

    Wie so oft, isses a bissla kompliziert:
    Fränkische Sprachen ? Wikipedia
     
  13. Donnerschlag

    Donnerschlag Neues Mitglied

    Und genau diese Tatsache ist den meisten Franken heute ein schmerzhafter Dorn im Auge. Sage nie zu einem Franken, er sei Bayer. Damit macht man sich keine Freunde. Daher rührt auch die Bewegung "eigenes Bundesland Franken", die mit wechselndem Erfolg auf sich aufmerksam macht.
     
  14. Norimberga

    Norimberga Mitglied

    Grundsätzlich liegst du schonmal richtig. :)

    Das Wie und Warum die ersten Franken nach Franken kamen habe ich hier http://www.geschichtsforum.de/f37/der-weg-der-franken-44801/ schonmal kurz und einfach dargestellt und sollte als Fundament meiner Antwort dienen. :)

    Vom Lande ohne Namen zur Francia orientalies.........
    Wie schon im Link erwähnt, taten sich schon die Römer schwer dem heutigen Franken einen Namen zu geben, selbst Bonifatius war sich in einem Brief an den Papst 738 nicht klar, wie er die Gegend namentlich erwähnen sollte, er umschrieb sie dabei einfach nur.

    Nachdem das Frankenreich geteilt wurde, und das heute Franken im Ostfrankenreich seinen Platz fand, rückte es von einem (eher unbedeutenden) Randgebiet ins Zentrum des Reiches. Die karolingische Politik war stärker auf die Kirche ausgerichtet und die Bistümer wurden gezielter gefördert. Eines dieser Bistümer war Würzburg.......

    Im 10. Jhd bildeten sich die ersten Herzogtümer heraus, das eigentliche Kernland der Franken, der Niederrhein, befand sich dabei schon im Herzogtum Lothringen (Reich des Lothar), so dass der Name Franken im Grunde „frei“ war.

    Da es aber nicht gelang, dieses Herzogtum Franken im Reich ähnlich gut zu positionieren wie das der Sachsen und Bayern, wurde es aufgehoben, eingezogen und dem König unterstellt. Daraufhin "wuchsen" langsam die Bistümer Mainz und Würzburg als bedeutender politischer Faktor heraus.

    So versuchten gerade die Würzburger Bischöfe, eine Kontinuität in der Gleichsetzung ihrer Diözese, des Herzogtums Franken und den Begriff Franken zu erreichen um als „Herzöge von Franken“ ein geschlossenes Territorium inne zu haben und dabei evtl. eine entscheidene Kraft im politischen Machtgefüge zu sein. (Man schmiedete sogar das Fränksiche Herzogschwert, welches heute als Beutekunst in München sein dasein fristet und sich die bayrische Regierung beharrlich weigert, es nach Würzburg zurückzuführen.)
    Allerdings misslangen diese Vorhaben, Würzburg im 12. Jhd zu "pushen" gänzlich, da auch die Staufer Franken als königliches Kernland ansahen.

    Ein klares Gebiet ist allerdings schwer abzustecken, aber es muss im 14. Jhd schon ein gewisses "Frankenbewusstsein" gegeben haben. Hugo von Trimberg schrieb z.B.:
    "Jeder Mensch spricht gern seine Sprache, in der er erzogen wurde, ....... denn ich bin ein gebürtiger Franke... "

    Heinrich Wittenwiler schrieb dagegen schon konkreter:
    "In Franken findet man Würzburg und den Markt von Frankfurt, Bamberg wird man da finden...Im Schwanfeld Nürnberg."

    "Zementiert" und mit erkennbaren Grenzen ausgestattet, wurde der Name für diese Gegend endgültig am 2. Juli des Jahres 1500 "besiegelt", in dem der Fränkische Reichskreis von Kaiser Maximilian I. geschaffen wurde.
    Heute ist dieser Tag als Tag der Franken bekannt.
     
  15. tejason

    tejason Neues Mitglied

    Launiges zum Thema "wandernder Namen"

    Das ist mal wieder eine grundsätzliche Frage. Aber Namen haben häufig die Angewohnheit zu „wandern“. Ein schönes Beispiel dafür ist das erst 1945 von der Landkarte verschwundene „Preußen“. Benannt nach dem Stamm der Pruzzen, etwa im Bereich der späteren Provinz Ostpreußen, der von dem Deutschen Ritterorden unterworfen wurde. Als der Orden aufgelöst und sein Territorium als weltliches Herzogtums unter polnischer Krone umgebildet wurde, benannte man dieses nach den Preußen. Über diesen Titel kam es später vereinfacht zur Vereinigung mit dem Kurfürstentum Brandenburg, dessen Fürst beide Titel trug. Später dann erhöhte sich der Kurfürst selbst, indem er den Titel „König IN Preußen“ tragen durfte, woraus der Staat Preußen entstand, dessen Machtzentrum trotzdem immer in Brandenburg blieb, aber erheblich nach Westen wuchs. Noch heute kann man das erkennen: Etwa im Fußballclub „Borussia Dortmund“ – denn vereinfacht bedeutet Borussia nichts Anderes als eben Preußen – bald 1000 km westlich der einstigen, „Namensgebenden Provinz“.

    Noch extremer ist es bei den Sachsen: Der heutige Freistaat Sachsen hat wenig mit dem antiken Volk der Sachsen zu tun. Etwas gereizt sind daher oft die Bewohner des heutigen Bundeslandes Niedersachsen, die wohl das Gefühl haben, dass ihnen besser dieser Name zustehen würde… Besingen sie sich doch als Herzogs „Widukinds Stamm“… Halt: Aber nachweislich war besagter Mann vor allem in Westfalen begütert, also im heutigen „Nordrheinwestfalen“ (für mich immer noch ein absolutes Wortungetüm, dieser „Landesname“! - aber damals gab es noch kein "Unwort des Jahres" und heute hat man sich daran geföhnt). Stände dann nicht eher den Westfalen das Etikett zu, die „wahren Sachsen“ zu sein?... Aber: „Einen hab ich noch….!“ (Pflegte Otto immer zu sagen): Richten wir unseren Blick doch einmal über den Ärmelkanal: Dort verehrt man noch heute den König „Alfred der Große“ als einen Stammvater des heutigen Englands. Alfred war König von Wessex und – Wessex bedeutet letztlich nichts Anderes als „Westsachsen“ – Hei, nun wird es kompliziert, oder? Aber gut, wie wäre ein Vorschlag zur Güte: Lassen wir den Bewohnern von Wessex den Status als „Westsachsen“, geben Westfalen und Niedersachsen das Etikett „Sachsen“ (ohne Zusatz) und gestatten gnädig den Bewohnern um Leipzig und Dresden sich „Ostsachsen“ zu nennen. So wären wir fein raus, wenn nicht schon wieder jenes Volk im Wege wäre, das uns schon eine Margaret Thatcher beschert hätte: Auf besagter Insel gibt es einen weiteren Bereich, der sich Sussex nennt – man ahnt es schon: Dies bedeutet „Südsachsen“: Kein Problem, oder? Aber ach, es gibt auch die Gegend von Essex dort: „Ostsachsen“ also! Wem gebührt nun der Name? Wurden all diese Gebiete von den fleißigen, nicht Empfängnisverhütenden alten Sachsen besiedelt und kolonisiert? Eine große, glückliche Familie, die nur auf eine Wiedervereinigung wartet?

    Das ist wenig wahrscheinlich. Namen folgen gewöhnlich politischen Vorgaben: Vorhin habe ich festgestellt, dass die Gegend von Paderborn zur Zeit Widukinds mit Recht als Bestandteil des sächsischen Stammesschwarm angesehen worden wäre. Aber Paderborn kam 1815 zum Königreich Preußen, man nannte ihre Einwohner von da an Preußen, was nun? Nannte man sie etwa Preußen, weil sie von dort aus besiedelt oder kolonisiert worden wären? Eine lächerliche Vorstellung! Die Etikettierung als Sachsen ergab sich in all diesen Fällen aus politischen Grenzziehungen! Seit sich die Bewohner Englands etwa zur Zeit der normannischen Eroberung eher als Angesachsen sahen – aus dem sich später der Begriff „Engländer“ ableitete. Seither werden die Menschen in Sussex, Wessex & Co. nicht länger den Anspruch erheben Sachsen genannt werden zu wollen. Ähnlich überschichteten die politischen Veränderungen Landschaftsbezeichnungen im Bereich des heutigen Deutschlands.

    Gut, also Franken und Sachsen haben es nicht so leicht. Wenigstens geht es den Schwaben besser, oder? Ach, leitet sich der Name der Schwaben nicht von den Sueven ab? Aber gab es zu Ende der Völkerwanderungszeit nicht in Nordwestspanien ein Königreich der Sueben? Müssen die Schwaben jetzt auch um ihren Namen fürchten…?

    PS: Entschuldigung bei Allen, die sich in ihrer Identität auf den "Schlips getreten fühlen" :scheinheilig:
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. April 2014
    4 Person(en) gefällt das.
  16. Erich

    Erich Mitglied

    Es gäbe auch eine andere Erklärung:
    "Franken" als Sammelname für die nicht dem römischen Reich untertanen "freien" Germanen.
    Die Franken waren demnach einfach "freie" Germanen, die am Niederrhein in das ehemalige römische Reichsgebiet eindrangen und mit dem "Frankenreich" um Paris ein vom römischen Reich unabhängiges Staatswesen begründeten.
    Die gleiche Benennung kann an anderer Stelle (wie in Nordbayern) aus gleichem Grund den dort siedelnden Germanen gegeben worden sein, ohne dass eine "Blutsverwandtschaft" zu den Gründern des französischen Frankenreichs gegeben wäre. Das könnte z.B. die Abgrenzung zwischen "schwäbischer Alb" (südlich des Limes) und "fränkischer Alb" nördlich des Limes erklären.
     
  17. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Wobei das Wort ursprünglich nichts mit "frei" zu tun hat. Diese Bedeutung hat sich erst im Französischen entwickelt:
    frank ? Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache

    Gibt es irgendeine antike Quelle, in der Germanen jenseits der Donaugrenze als Franken bezeichnet werden?

    Wie alt ist eigentlich die Bezeichnung "Fränkische Alb"?
     
  18. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Dann hätte aber die semantische Verschiebung zur Bedeutung 'frei' wiederum eine große Durchsetzungskraft: neben den romanischen Sprachen findet sich Bedeutung ja auch im Deutschen (frank und frei) und im Englischen (to be/say it frankly).
     

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