Warum wird die DDR immer falsch in den Medien dargestellt?

Dieses Thema im Forum "BRD | DDR" wurde erstellt von unbalancetist, 23. August 2015.

  1. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Ich muss gestehen, ich habe Hermanns Buch nicht gelesen und werde auch kein Geld dafür ausgeben.

    Sie hat bei Kerner das so sinngemäß gar nicht gesagt, sie redete viel Unsinn und sagte, die Nazis und die 68er hätten die Familien und das Bild der Mutter geschädigt, dass im 3. Reich nicht alles schlecht war, hat man ihr in den Mund gelegt, und sie wurde quotenwirksam von Johannes Kerner aus der Sendung geschmissen, der dann mit Margarethe Schreinemaker, Senta Berger weiterdiskutierte, wobei noch Mario Barth anwesend war, dessen Albernheiten viel frauenfeindlicher sind, als alles was Hermanns jemals vom Stapel ließ. Ich bin weiß Gott kein Fan von diesem Hohlmantelgeschoss (Hermans nicht Barth, diese Dumpfbacke), aber damals hat man sie auf ganz miese Art auflaufen lassen und den Medien zum Fraß vorgeworfen für Äußerungen, die sie so gar nicht von sich gegeben hat.
     
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  2. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied


    Du sprichst hier den Forschungsbericht:
    „Das politische Wesen der Skinheadgruppierungen und ihre Sicherheitsrelevanz" von Loni Niederländer (VVS bO65-5/89) an.

    Die bpb hat am 23.09.2013 einen Artikel von Jan Johannes (Mit schwachem Schild und stumpfem Schwert - Staatssicherheit und rechtsextreme Skinheads in Potsdam 1983 – 1989) veröffentlicht.
    Jan Johannes bezieht sich u.a. auch auf diesen Forschungsbericht.

    Anmerkung: Das MfS ist das Schild und Schwert der Partei.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. August 2015
  3. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied


    Man muß unterscheiden zwischen dem, was Eva Herman gesagt, und wie es rezipiert und interpretiert wurde. Eine Stellungsnahme von Frau Herman zu diesem Fall findet sich hier: Eva Herman gewinnt im Berufungsprozess gegen Axel-Springer-Verlag

    Aussagen, dass im System Drittes Reich oder DDR es auch positive Aspekte gegeben hat, sind m. E. nicht so zu verstehen, dass das Gesamtsystem positiv war.

    Zur Frauenpolitik im Dritten Reich haben wir übrigens diesen Thread: http://www.geschichtsforum.de/f66/frauen-im-dritten-reich-40168/index2.html#post668387
     
  4. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Eben, den 1. Mai haben die Nazis zum gesetzlichen Feiertag erklärt, und wenn ich nicht falsch liege, haben sie auch das Kindergeld eingeführt.

    Die Jagdgesetze, die der dicke Reichsjägermeister 1934 einführte, gingen auf eine Vórlage aus der Weimarer Republik zurück, und die sind im Wesentlichen auch heute noch gültig. Auch die Autobahnprojekte wurden schon in der Weimarer Republik entwickelt, bevor Hitler sie als Arbeitsbeschaffungsmaßnahme publikumswirksam verwirklichte.

    Von den Erfolgen und der Propaganda ließen sich viele blenden, auch Mitglieder meiner eigenen Familie. Einer meiner Urgroßväter hatte eine sehr niedrige Parteinummer, trat aber 1938 nach den Novemberpogromen wieder aus der Partei aus.
     
  5. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied


    Es gibt einen interessanten Artikel von Henryk M. Broder zu dem Eklat um Eva Hermann in der Kerner-Sendung. Broder ist selber Jude, seine Eltern überlebten die Konzentrationslager (https://de.wikipedia.org/wiki/Henryk_M._Broder). Man wird ihm sicherlich nicht vorwerfen können, er hätte Sympathie für das Dritte Reich oder er würde relativieren wollen.

    Interessant ist der erste Satz aus seinem Artikel im SPON von 2007:

    Herman-Rauswurf bei Kerner: Der programmierte Eklat - SPIEGEL ONLINE
     
  6. Tannhaeuser

    Tannhaeuser Aktives Mitglied

    Wenn man sich allerdings anschaut wo die gute Frau inzwischen gelandet ist lagen die Einschätzungen seinerzeit gar nicht so endlos weit weg von der Realität...
     
  7. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Zumindest eine wissenschaftliche Institution beschäftigt sich primär mit DDR / GDR - Forschung. Das "Zentrum für Zeithistorische Forschung" in Postdam.

    Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam

    Die aktuelle Ausrichtung der Studien konzentriert sich auf die parallele Entwicklung von Politik und Gesellschaft in der DDR und in der BRD.

    Auf der Basis einer Konferenz zur DDR in Potsdam wurde die Grundlage für einen Neuanfang der DDR-Forschung definiert und ein "Neuer Historikerstreit" - wie von Fulbrook kritisch gefragt - vermieden. Das Ergebnis ist wie folgt dokumentiert:

    https://books.google.de/books?id=49kirs6PzIYC&printsec=frontcover&dq=Dictatorship+as+Experience:+Towards+a+Socio-Cultural+History+of+the+GDR&hl=de&sa=X&ved=0CCEQ6AEwAGoVChMImMLn9J7VxwIVBhByCh0hCwzy#v=onepage&q=Dictatorship%20as%20Experience%3A%20Towards%20a%20Socio-Cultural%20History%20of%20the%20GDR&f=false

    Die aktuelle Sicht auf die neue, "komparative" Ausrichtung wird an dem Reader von Wengst und Wentker deutlich.
    https://books.google.de/books?id=Aj0q2BUmISkC&printsec=frontcover&dq=das+doppelte+deutschland&hl=de&sa=X&ved=0CCoQ6AEwAGoVChMI85uuhp_VxwIVw2tyCh3d3AJS#v=onepage&q=das%20doppelte%20deutschland&f=false

    Und eine sehr gute Darstellung der unterschiedlichen Aspekte hat Fulbrook zum Alltag und der Gesellschaft in der DDR geschrieben, neben "Anatomy of a Dictatorship" zwei wichtige grundlegende neuere Studien zur Aufarbeitung der DDR-Geschichte.

    https://books.google.de/books?id=ZuRnygAACAAJ&dq=fulbrook+ein+ganz+normales+leben&hl=de&sa=X&ved=0CCAQ6AEwAGoVChMI262UmaDVxwIVgVRyCh3AhwAF
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. September 2015
  8. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Ich meine es ist über die Jahre in vielen Menschen der ehemaligen DDR so etwas Ähnliches wie ein Zerrbild (verzerrte Wahrnehmung) über den Westen entstanden (Stichworte wie z.B. „goldener Westen“, „Edel-Germanen“ u.a.).

    Daran Schuld haben viele, nicht nur die Bundesregierung und die Parteien der Bundesrepublik.

    Die kleinste Kleinigkeit war bei so manchen ein Heiligtum.
    Ein Stückchen Seife (wenn man es bekam) benutzte man nicht, man legte es in den Wäscheschrank.
    Oder Ende der 50iger die Begehrlichkeit vieler, auch eine „NATO – Plane“ zu besitzen und mit ihr Stolz herum zugehen, was auch den Neid der Besitzlosen hervorrief.

    Dann kam der Westen.
    Und in den holterdiepolter der anfangs Zeit war schnell erkennbar, man hat da falsche Vorstellungen. Bei manchen sogar trotzt Verwandtschaft.

    Das Leben im Schoße von 3 Lohntüten, im Schoße der Planwirtschaft, im Schoße absolut sicherer Arbeitsplätze, im Schoße einer Vielzahl gestützter bis hochgestützter Preise u.v.a.m. bekam eine völlig neue Richtung und nahm einen völlig neuen Verlauf.
    Und das muss erst einmal in die Köpfe.

    Wie zu beobachten war, ging dies bei manchen recht schnell, bei anderen dauerte es etwas länger und wie wir noch heute Wahrnehmen, bei so manchen ist dieser Prozess noch im Gange, noch nicht abgeschlossen.

    Wie schnell das ging war m.E. sehr davon abhängig welche Chancen man in der neu entstehenden Arbeitswelt hatte, wie man mit dieser neuen Arbeitswelt zu Recht kam, deren Regeln begriff, ergo in ihr einen Platz fand.
    Das war nicht einfach!!!

    In dieser Zeit ist viel Porzellan zerschlagen worden und das dauerte bis hier wieder Vertrauen entstand und wie man beobachten kann, auch noch nicht überall entstanden ist.

    Es kamen ja nicht nur seriöse „Neu – bzw. Umgestalter“ aus den Westen!
    (Ich hatte allerdings das Glück, viele solcher seriöser Leute kennenzulernen.)

    Es kamen so einige Scharlatane, so einige halbgebildete, arrogante „Sieger der Geschichte“.

    Um in diesen Prozess vorwärtszukommen haben m.E. auch noch immer heute (!!!) die Medien eine verantwortungsvolle Aufgabe.
    So etwas wie gestern im MDR ist m.E. genau das was diesen Prozess voranbringt.
    Es war eine sachliche und vor allem auch ideologiefreie Sendung über die „Schwarze Pumpe“.
    Und daran anschließend: „Geschichte Mitteldeutschland“.

    Güter Schoß ist da für mich so etwas wie für mich seinerzeit Peter Escher.
    Peter Escher und seine Sendung „Der MDR Ratgeber“ war für viele ein guter, ergänzender Kompass für diese neue Welt.

    Wer kennt schon die DDR!!??
    Gestern habe ich im Musik – Thread durch Brissotin wieder ein neues Stück DDR kennengelernt.
    AufBruch, seit gestern weis ich wer das ist.
     
  9. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Wir hatten das Pech gleich nach der Wiedervereinigung einen ganz grandiosen Bürgermeister aus dem Westen importiert zu haben. Affären: So etwas Seriöses - DER SPIEGEL 9/1991 . Dessen größte Leistung bestand darin einen vollkommen zwielichtigen Revuezirkus in Chemnitz fest anzusiedeln, der selten Programme aber ständig Schlagzeilen, mal über einen entlaufenen Löwen, mal über einen besoffenen Dompteur lieferte, während die wichtigste sächsische Industriestatt schrittweise ihre Industrie und schließlich sogar den Anschluss an das Fernnetz der Bahn verlor.
     
  10. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Den Niedergang Chemnitz habe ich anfangs überhaupt nicht verstanden.

    Ich kannte die Niles Werke (in deren Zweigwerke habe ich gelernt), die Malimo, die Wema – Union, die Industriewerke, die Erste Mafa, die Diamant - Fahrradwerke u.v.a.

    Ich dachte anfangs der Wende, da wird eine Modernisierung stattfinden, allerdings schmerzlicher Weise einhergehend mit Arbeitsplatzabbau.

    Später als sich dass alles etwas gesetzt hatte und die Entwicklung sichtbar Konturen annahm, erinnert ich mich an jemand viel älteres aus meinen Bekanntenkreis.
    Ist mir im Gedächtnis haften geblieben.
    Ich fragte ihn mal so ausgehende der 50iger, was wird wenn wir wieder eins werden.

    Er hatte eine einfache, einleuchtende Antwort parat.
    „Wir haben dann alles Doppelt und ob wir das Brauchen wird sich zeigen.“
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. September 2015
  11. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Wenn man bedenkt, dass die Einwohner von Chemnitz im Jahr 1900 das höchste Pro-Kopf-Einkommen in ganz Deutschland hatten, ist es schon ein ziemlicher Niedergang.
     
  12. Goldkrone

    Goldkrone Mitglied

    Obwohl dieser Beitrag uralt ist und weil ich ihn aus irgendwelchen Gründen nicht positiv bewerten kann muss ich ihm und dir noch einmal irgendwie meine Anerkennung dafür aussprechen. :winke:

    Du bringst hier meine Meinung und meine Gedanken so treffend auf den Punkt, wie ich es selbst nicht besser könnte. Es freut mich, dass es Leute gibt, die die "aktuelle Lage" (grundlegend hat sich ja nicht viel getan) ähnlich einschätzen wie ich.

    In diesem Sinne würde ich dich gern mit grünen Sternen überhäufen, aber ich hoffe, der Beitrag tut's auch... :rofl:

    Gruß
    Goldkrone
     

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