Was denken die Deutschen über Friedrich den Großen?

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von SuperHeinoFan, 8. April 2018.

  1. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Es war definitiv zynisch, und das haben Intellektuelle in ganz Europa auch so empfunden. Es war keineswegs nur das polnische Volk das protestierte. Der Protest hatte aber keine Folgen. Keiner der Akteure konnte historisch auch nur einigermaßen plausible Ansprüche auf polnische Gebiete anmelden. Die Initiative zur Ersten Teilung Polens ging vor allem von Katherina II. aus. Wie Solwac schon sagte, konnte aber Russland nicht polnische Gebiete annektieren, ohne den Nachbargroßmächten Österreich und Preußen Kompensationsangebote zu machen, da dadurch das Gleichgewicht der Mächte durcheinandergebracht worden wäre.
    Maria Theresia mochte das Zynische dieses machiavellistischen Geschachers empfinden, andererseits konnte sie aber als Realpolitikerin nach dem Verlust der reichen Provinz Schlesien kaum tatenlos zusehen, dass Preußen sich eine größere Fläche Landes und einige Zehntausend Untertanen einverleibte und damit seine Machtbasis vergrößerte. Wenn Preußen polnische Gebiete annektierte, musste auch für Österreich etwas abfallen. Die chaotische Lage in Polen ermöglichte es Katherina, polnisches Territorium den Nachbarn zu überlassen als Gegenleistung dafür, dass Preußen und Österreich ihr im Türkenkrieg von 1768-1774 nicht in die Quere gekommen waren. Maria Theresia war wohl die Einzige, der das Ganze wirklich peinlich war, Friedrich bereitete die Polnische Teilung großes Vergnügen, ohne einen Schuss abgeben zu müssen, konnte er die Fläche seiner Provinzen und die Zahl seiner steuerpflichtigen Untertanen vergrößern und gleichzeitig eine Landverbindung zwischen Ostpreußen und dem Kernland Preußens herstellen. Die Skrupel, die Maria Theresia bei der 1. Polnischen Teilung hatte, bereiteten ihm große Heiterkeit. "Sie weinte, aber sie nahm" schrieb er ebenso zynisch wie zutreffend.
     
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  2. Lafayette II.

    Lafayette II. Aktives Mitglied

    Danke. Ja, ich meinte vor allem die Aussage, dass Katharina sich laut dir auf Österreich und seine Annektion 1769 bezog, also ausgerechnet auf die Macht, die am ehesten der drei Mächte "Skrupel" hatte.
     
  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied


    1.
    Genauso würde ich Reed Browning aber verstehen. Die Londoner Regierung verbuchte den Friedensschluss Österreichs mit Preußen als den größten außenpolitischen Erfolg.
    Zu den Subsidien werde ich nachschlagen.

    2.
    Indirekt sehe ich die Annäherung schon in den 1740ern. Von einer gegen Friedrich gerichteten Stimmung George II. nach dem Motto den Aggressor zurecht stutzen zu einer versöhnlichen Haltung (vielleicht eher vom Premierminister getragen) 1745 ist es schon ein Schritt.
     
  4. Lafayette II.

    Lafayette II. Aktives Mitglied

    Ich habe es nicht auf dem Schirm, aber was meinte Reed Browning? Wenn Preußen sich durch die Zusammenarbeit von England mit Österreich bedroht fühlte, dann widerspricht ja die Freude über den Friedensschluss.
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. April 2018
  5. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Warum? Gute Frage. Meine Vermutung ist Zufall und eben die mangelnde Expansionsfähigkeit Sachsens. Deshalb waren die erwirtschafteten Reichtümer nicht dauerhaft und wurden für Kunst und Prunk ausgegeben.
     
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  6. Lafayette II.

    Lafayette II. Aktives Mitglied

    Naja, mangelende Expansionfähigkeit dürfte kaum zu Feindseligkeiten beitragen. Eher im Gegenteil
     
  7. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied

    Ich habe für die Besetzung Sachsens im zweiten Schlesischen Krieg mehrere mögliche Ursachen aufgeführt. Aber da sind einige Entwicklungen natürlich schon längst gestartet worden.

    Aber um mal wieder zum Thema des Strangs zurück zu kommen: Ich habe in den 80ern einerseits Fernsehfilm(e?) zum Thema Friedrich der Große gesehen, darunter mit nachgestellten Szenen (also kein kompletter Film) zum Thema Müller Arnold und mit sehr viel Vergnügen die DDR-Produktion Preußens Glanz und Sachsens Gloria. Unabhängig von den Ungenauigkeiten dürfte diese Produktion vielen die Person des Alten Fritz ins Bewusstsein gebracht haben.
     
  8. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Aber zu territorialen Begehrlichkeit stärkerer Staaten.
     
  9. Lafayette II.

    Lafayette II. Aktives Mitglied

    Aufgrund der Schwäche Sachsens jenes potenzielles Opfer? Sicherlich "attraktiver", aber meiner Meinung nach nicht explizit hervorhebend. Das dürfte nur der Fall sein, wenn es im Zusammenhang mit anderen Faktoren steht (Wirtschaftliche Stärke, etc.)
     
  10. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Ich denke, dass die Rivalität zwischen den Hohenzollern und Wettinern nicht ganz zufällig war. Beide Sachsen wie Brandenburg gehörten als Kurfürstentümer zu den wichtigsten Reichsständen und beide waren aufstrebende Mittelmächte, deren Fürsten Rangerhöhung anstrebten und schließlich auch Königswürde erreichten. Die Krone Polens brachte den Wettinern Ansehen und Glanz, während Friedrich I. von vielen Zeitgenossen belächelt würde, als er sich in Königsberg krönen ließ und sich König in Preußen nannte. Wirtschaftlich war Sachsen Brandenburg überlegen, aber die Kurfürsten hatten meistens keine glückliche Hand in der Wahl ihrer Verbündeten, und die Personalunion mit Polen, die sich die Wettiner über zwei Generationen sichern konnten, brachte dem Fürstenhaus Glanz und Renommeé, dem Kurfürstentum aber keine wirklichen Vorteile ein, wegen der anarchistischen Lage in Polen war die Macht der Krone recht gering, und das Kurfürstentum Sachsen profitierte nicht von der Personalunion mit Polen, eher im Gegenteil, Kapital, dass Sachsens steuerpflichtige Untertanen aufbrachten, ging für Bauten und Repräsentation des Herscherhauses drauf, ohne dass das Kurfürstentum durch die Personalunion des Kurfürsten/Königs vitale sächsische Interessen in der Reichspolitik damit verbinden konnte und eher finanziell geschwächt wurde, auch wenn manche Betriebe durch Aufträge des Hofes profitieren konnten.
     

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