Was geschah mit Frauen, die der Hexerei bezichtigt wurden, die schwanger waren?

Dieses Thema im Forum "Hexenverfolgung (1450-1750)" wurde erstellt von Kassia, 10. März 2006.

  1. florian17160

    florian17160 unvergessen


    Zu den Kindern gibts noch mehr.
    Weiter hier.
    http://www.wissenschaft.de/sixcms/detail.php?id=122843
     
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  2. timotheus

    timotheus Neues Mitglied

    ... der jedoch nicht mehr und nicht weniger zeigt als eben die Sichtweise eines (politisch engagierten) Journalisten und (politischen) Schriftstellers im ersten Viertel des 20. Jh.

    Da irrt Kurt Tucholsky - vgl. dazu Hexenprozesse, Inquisition und die Verantwortung der Kirche - Beitrag #48 und Hexenprozesse, Inquisition und die Verantwortung der Kirche - Beitrag #51

    ... und historisch trotzdem falsch; ich verweise dazu exemplarisch auf Verfolgungsschwerpunkte wie Mecklenburg oder Neuengland und zudem auf die Lektüre von HEXENFORSCHUNG archives -- February 2006 (#7) bzw. http://fowid.de/fileadmin/textarchiv/Hexenverfolgungen__Rita_Voltmer___TA-2006-12.pdf

    Und der von Dir heute zitierte Text
    widerspricht übrigens auch der Sichtweise des Kurt Tucholsky :fs:
     
  3. Mercy

    Mercy unvergessen


    Und von wann datiert dein Text, wozu wurde er verfasst?
    Deigendeschs Opus
    Nachrichter's nützliches und aufrichtiges Pferd- oder Roß-Artzney-Büchlein : nebst Anhang von Rind-Vieh-Artzneyen / von Johannes Deigendesch. - neue u. verb. Aufl.. - Straßburg, 1770
    scheint mir zum Thema hier wenig bezutragen.
     
  4. Mercy

    Mercy unvergessen

  5. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Es ist immer schwer, gerade wenn es um Kinder geht
    Der "Kinderkreuzzug" ist ja auch so ein Emotionsthema. Auf das Wort " Emotiion" möchte ich hinweisen.
     
  6. Richildis

    Richildis Neues Mitglied

    @ florian 17160, thimotheus, Mercy

    Zunächst einmal ein Dankeschön für alle Literaturhinweise!
    Weder den Tucholsky-Text, noch den Text aus dem 1770 erschienen Buch des Nachrichters (Auszug in wörtlicher Rede in einer Sammlung resp. Wiedergabe von Urkunden des saarl. Heimatforschers Brunck, die in den Jahren 1928 - 1938 veröffentlicht wurden, aber ansonsten für diese Diskussion nicht relevant sind) habe ich nicht wertend in den Raum gestellt.
    Ich forsche auch nicht über dieses Thema, bin aber daran interessiert und für jede konstruktive Belehrung dankbar. :)
     
  7. Amazigh

    Amazigh Neues Mitglied

    Man darf nicht denken dass die Hexenverfolgung gleich Inquisition bedeutet. Die Hexenverfolgung hat schon lange vor der "Einmischung" der katholischen Kirsche existiert. Das ist nämlich ein ursprünglich bürgerliches Phänomen bzw. ein Aberglaube des gemeinen Volkes gewesen zu denen sich die Kirche anpassen musste. Denn das Volk sah sich von Hexen attackiert und was entscheidend für die Hexenverfolgung war ist dass das gemeine Volk sich von der Kirche im Stich gelassen fühlte weil die Intelektuellen da oben ihren Aberglauben nicht teilten. Oft ignorierten die einfachen Bürger sogar die Anweisungen der Kirche gerade weil die Kirche die Verfolgung von Frauen und Männern die der Hexerei bezichtigt wurden untersagte. Auch die Inquisition ist ebenfalls durch einem "fanatischen" Abt "bürgerlicher" Abstammung umgesetzt worden.
    Und auch die Beendigung ist nicht wie in Amerika durch zivilisierte Gesinnung der Angeklagten und der Gesetzgeber sondern durch die Abkehr der Kirchen von diesem Aberglauben.
     
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  8. Der Korinther

    Der Korinther Aktives Mitglied

    Das ist so nicht ganz richtig. Für diese Behauptungen wären Quellen ganz nett und dann kann es weitergehen. ;)
     
  9. Amazigh

    Amazigh Neues Mitglied

    Das ist nicht meine persönliche Meinung falls du das denkst. Sondern die allgemein anerkannte Version der Hexenverfolgung, die man in allen seriösen Geschichtsbüchern lesen kann UND ist auch in jeder Dokumentation zu sehen die sich mit den Ursachen beschäftigen.
     
  10. Cephalotus

    Cephalotus Aktives Mitglied

    Allgemein anerkannt ist allenfalls, dass Hexenprozess nicht gleich Hexenprozess ist. Es gab da durchaus große Unterschiede hinsichtlich Zeit, Regionen, verfolgter Personengruppen (z. B. Männer/Frauen, Wohlhabende/Arme), Ablauf der Verfahren etc.

    Zustimmen, kann ich der Feststellung, dass Hexenverfolgung und Inquisition nicht das Selbe sind. Auch teile ich die Ansicht, dass die "Obrigkeit" oft mehr Getriebene des einfachen Volkes war, als dass sie aus eigenem Antrieb vermeintliche Hexen verfolgte. Allerdings kann man dies nicht so verallgemeinern und mit Bestimmtheit sagen. Da muss man sich jeden Einzelfall ansehen und beurteilen.

    Auch die Rolle der Kirche bei dem Phänomen der Hexenverfolgung ist weitaus vielschichtiger, als es deine plakative Aussage, die Kirche hätte sich nur an die Vorstellungen des einfachen Volkes anpassen können, vermuten lässt. Natürlich machte die Kirche da eine Entwicklung durch. Es gab Phasen, in denen der Glaube an Hexerei als Aberglaube gesehen wurde, dann war die Existenz von Hexen mal sozusagen "ofizielle Lehrmeinung".

    Kuz und gut: In seriösen Geschichtsbüchern und Dokumentationen wirst du deine Aussagen nicht in der Absolutheit finden, wie du sie hier behauptest. Und schon gar nicht in der Kürze...

    Deshalb ist die Frage nach Quellen durchaus berechtigt.

    Viele Grüße

    Bernd
     
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  11. Der Korinther

    Der Korinther Aktives Mitglied

    Eine Quelle sehe ich hier nicht aber vielleicht wird sie ja noch nachgereicht. Was mich hier stört ist die etwas schwammige Formulierung. Wenn du sagst es ist ein "bürgerliches Phänomen bzw. ein Aberglaube des gemeinen Volkes" dann ist das keine wirkliche Eingrenzung weil damit so gut wie jeder gemeint sein kann. Und wer ist der fanatische Abt mit bürgerlicher Abstammung.

    Weiterhin sagst du einmal, dass die Kirche ignoriert wurde
    "Oft ignorierten die einfachen Bürger sogar die Anweisungen der Kirche ... "
    und am Schluß endet die Hexenverfolgung "... durch die Abkehr der Kirchen von diesem Aberglauben."

    Sorry, aber da bin ich verwirrt. :S

    Neuerdings ist man davon abgewichen einfach bestimmte Gruppen für Hexenverfolgung verantwortlich zu machen sondern konzentriert sich eher auf systemische Ursachen. Systematische Hexenverfolgung fand vor allem dort statt wo flache Hierarchien herrschten und die juristischen Wege kurz waren. je länger eine Anklage dauerte, desto unwahrscheinlicher war ein für den Angeklagten negativer Ausgang.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Dezember 2011
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  12. Amazigh

    Amazigh Neues Mitglied

    Ach da hab ich was falsches in Erinnerung gehabt. Er war kein Abt sondern Dominikaner.
    Hier aus Wikipedia der Mann der den gefürchteten "Hexenhammer" geschrieben hat heißt:

    Heinrich Kramer

    Heinrich Institoris OP, eigentlich Heinrich Kramer oder Krämer bzw. Henryk Instytor, lat. (frater) Henricus Institoris (* um 1430 in Schlettstadt, Elsass; † um 1505 in Brünn oder Olmütz) war der Autor des Hexenhammers und als Inquisitor einer der Wegbereiter der Hexenverfolgung der frühen Neuzeit. Er wurde bekannt als Hexentheoretiker.

    Die übliche lateinische Namensform, etwa in vielen Bibliotheksverzeichnissen, lautet "Institoris". Das entsprach einer damals geübten Praxis, den Genitiv des "Vaternamens" zu latinisieren[1]. In den zeitgenössischen Quellen wird dieser Name als Nominativ "Henricus Institoris" gebraucht[2]. Die Verkürzung "Institor" erscheint zunächst in deutschsprachigen Quellen[3].

    Heinrich Kramer, der später seinen Namen latinisierte, stammte aus ärmlichen Verhältnissen. Er trat um 1445 in seinem Geburtsort in den Orden der Dominikaner ein

    Und hier einige Ausschnitte zur Hexenverfolgung aus Wikipedia:*

    Die weit verbreitete Meinung, Hexenverfolgungen seien hauptsächlich eine Erscheinung des Mittelalters gewesen, ist ebenso falsch wie die Meinung, die großen Wellen neuzeitlicher Hexenverfolgung seien vorrangig von der kirchlichen Inquisition angestrebt oder ausgeführt worden.

    Die vorchristlichen Germanen kannten die Verbrennung von Schadenszauberern seit frühester Zeit. Im karolingischen Frühmittelalter gab es jedoch keine Hexenverfolgung. Karl der Große bestätigte durch das Gesetz den Beschluss des Konzils von Paderborn aus dem Jahr 785:[3]

    „Wer vom Teufel verblendet nach Weise der Heiden glaubt, es sei jemand eine Hexe und fresse Menschen, und diese Person deshalb verbrennt oder ihr Fleisch durch andere essen lässt, der soll mit dem Tode bestraft werden.“

    Erste Verurteilungen von Hexen gab es im 13. Jahrhundert mit dem Aufkommen der Inquisition, die jedoch ihr Hauptaugenmerk nicht auf Hexen, sondern auf Häretiker richtete. Die staatliche spanische Inquisition, gegründet im späten 15. Jahrhundert, lehnte Hexenverfolgung ausdrücklich ab.

    Hexerei war für die Kirche kein derart bedrohliches Vergehen wie die Häresie. Dies wird deutlich in der Anweisung Papst Alexanders IV. vom 20. Januar 1260 an die Inquisitoren, Hexen seien nicht aktiv zu verfolgen, sondern auf Anzeigen hin festzunehmen. Prozesse gegen Hexen sollten bei Zeitmangel zurückgestellt werden, die Bekämpfung von Häresien habe Vorrang. Später verurteilte die Inquisition sogar zeitweise die Hexenprozesse.

    Ach und was die Beendigung der Hexenverfolgung betrifft siehe "Kinderhexen".
    Dies fand vor allem in der Schweiz statt wo auch der aller erste Hexenprozess begann.
    Da haben selbst die Mütter einem Hexenprozess zugestimmt, das mit ausstoß aus der Gemeinde oder mit der Hinrichtung geendet hätte. Einige Kardinäle hatten dafür Verständnis aber den meisten im Vatikan ging das zu weit. Einige unter ihnen haben ein paar der Kinder adoptiert. Obwohl die Kinder selbst glaubten sie seien Hexen hat sich die Obrigkeit darum bemüht sie zu "therapieren", mit Teufelsaustreibung, Exorzismus, gute erziehung nebenbei und so weiter.
     
  13. Hexenblut66

    Hexenblut66 Neues Mitglied

    Die Frauen ihre Ungeborenen Kinder wuirden auch als Hexenbalg bezeichnet,die wurden mit verbrannt.
     
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  14. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    @Amazigh, Hexenblut66

    das ist nicht degradierend gemeint, aber ihr pauschalisiert sehr stark. Es ist so, wie Cephalotus schreibt, Hexenprozess ist nicht gleich Hexenprozess. Sie unterscheiden sich regional und auch durch die Personen, die sie anschieben oder einfach nur hineingeraten. Es gibt viele verschiedenen Umstände und Motivationen.

    Am besten ist es, man schaut sich in der eigenen Region ein wenig um, was dort in Sachen Hexenverfolgung geschehen ist. Man kann da auf sehr interessante Sachen stoßen.
     
  15. _SI_1

    _SI_1 Neues Mitglied

    Denke nicht das jede Frau die schwanger war und angeklagt wurde ihr Kind behalten hat(Fehlgeburten) durch Folter und etc. gibt auch kuschligeres als ein Gefängnis und Wasser und verfaultes Brot
     
  16. Rurik

    Rurik Aktives Mitglied

    Schwangere Frauen foltern, das waren wirklich Einzelfälle.
    Das mag zwar zynisch klingen, aber man hatte damals Zeit. Man wartete, bis die Beklagte entbunden hatte. Das Risiko einer Fehlgeburt in der Folter wäre viel zu groß. Dann müsste man unterbrechen, Akten hin und her schicken ... der ganze Schreibkram.
    Das mit dem verfaulten Brot ist auch ein Klischee. Wer ließ denn Brot verfaulen, um es dann den Hexen zu geben? Damals ließ man kein Brot verfaulen. Es wurde so viel gebacken, wie gebraucht wurde und hungrige Mäuler gab es überall. Damals herrschte keine Überflussgesellschaft.
    Die Verwandten hatten ihre Angehörigen im Loch zu versorgen. Wenn man Glück hatte, bekam man sogar sein eigenes Bett in die Zelle gestellt. Ansonsten war Schmalhans Küchenmeister.
     
  17. Teddy

    Teddy Neues Mitglied

    So viel ich weiß, hat man die Frauen die schwanger waren aber denoch angeklagt wurden, in Zellen festsaßen bis das Kind geboren wurde und danach wurden sie meistens verbrannt. :motz:Aber auch die geborenen Kinder
    hatten es dann nicht leicht...aber das hat ja schon jemand gemeldet, nicht wahr?:autsch:

    Ich bin übrigens neu hier also nehmt es mir bitte nicht übel, wenn ich gegebenfalls etwas falsch machen sollteoder bereits erwähntes wiederhole...

    ich hoffe ihr versteht mich! :friends:
     
  18. Turicenser

    Turicenser Neues Mitglied


    Hallo Kassia
    Ich arbeite als pens. Zürcher Historiker die etwa 75 Fälle durch, in welchen die alte Stadtrepublik Zürich sog. Hexen (auch ganz wenige Männer) zwischen 1487-1701 zum Tod verurteilt hat (obligatorisch: Scheiterhaufen, ab dem 17. Jh. vermehrt nach vorangehender Enthauptung). Im Früh-Herbst 1605 kam Katharina Widmer in den Käfigturm. Sie sagte, sie sei seit 15 Wochen schwanger und bat um Entlassung aus der Gefangenschaft. Der Rat liess sie ins Spital (bekanntlich damals eher eine soziale Einrichtung) überführen. Man sehe dann nach einem Monat, wie es stehe. Im Mai 1606 gebar sie ein gesundes "schönes" Kind. Kurz darauf begann man Katharina zu martern, um ein Geständnis zu erzwingen (Verleugung Gottes, Beischlaf mit dem Bösen). Sie "gestand" unter den Schmerzen, wurde enthauptet und nachgehend verbrannt. Über das Schicksal des Baby's ist nichts bekannt. Es blieb wohl eine Weile im Spital und wurde dann in der üblichen Prozessur vertischgeldet.
     
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  19. Amazigh

    Amazigh Neues Mitglied

    vertischgeldet - was heißt das?
     
  20. Hobbes

    Hobbes Neues Mitglied

    Vertischgeldet kommt aus dem Zusammenhang der Verdingung.
    Sogenannte Verdingkinder, die Kinder mittelloser Eltern, (in diesem Fall Hexen) wurden als Knechte und Mägde an Bauernhöfe verdingt, wo sie gegen Kost und Logis arbeiten mussten. Meist wurden sie dabei auch ausgenutzt, missbraucht und misshandelt.
    Ein dunkles Kapitel der Geschichte...

    Siehe am besten: Verdingung ? Wikipedia
     
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