Weimarer Republik: Abklingen der wilhelminischen Epoche oder Neuanfang?

Dieses Thema im Forum "Die Weimarer Republik" wurde erstellt von Reverse, 14. Juni 2012.



  1. Reverse

    Reverse Neues Mitglied

    Ich hab das Thema ,,Weimarer Republik: Abklingen der wilhelminischen Epoche oder Neuanfang?'' als meine mündliche Abitursprüfung zugeteilt bekommen und wollte wissen, ob mir hier jemand damit weiterhelfen kann, da ich mich nicht wirklich gut mit dieser Zeit auskenne.

    Vielen Dank schonmal im Vorraus :)
     
  2. Reverse

    Reverse Neues Mitglied

    ,,Weimarer Republik: Abklingen der wilhelmischen Epoche oder Neuanfang?''

    Das ist mein Thema der mündlichen Abitursprüfung. Wäre lieb wenn mir jemand weiterhelfen könnte, da ich ausgerechnet das Thema von vier Auswahlmöglichkeiten bekommen habe, von dem ich am wenigstens Ahnung habe.

    Vielen Dank schon mal im Vorraus :)
     
  3. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Die erste Hilfe wäre eine Hilfe zur Selbsthilfe. Und besteht in der Frage, welche Vermutungen und welche Hinweise Du bisher gesammelt hast.

    Und vor allem die Frage, ob es Gegensätze sind oder ob sich die beiden Prozesse nicht zwingend bedingen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 14. Juni 2012
  4. Reverse

    Reverse Neues Mitglied

    Ich hab einiges im Internet rausgesucht und mich zumindest schon mal informiert was denn die wilhelminische Epoche genauer bedeutet bzw. kennzeichnet.
    Beim durchlesen ist mir auch aufgefallen, dass die Weimarer Republik wahrscheinlich zu viele ,,Altlasten'' hatte um von einem Neuanfang sprechen zu können.

    Allerdings verstehe ich noch nicht worin die Parallelen zwischen der Weimarer Republik und dem Deutschen Kaiserreich bestehen? Weil nur wenn am Anfang der Weimarer Republik noch Merkmale der wilhelminischen Epoche aufzuzeigen wären, könnte man doch von einem Abklingen sprechen, oder?
     
  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Parallelen trifft es nicht so richtig. Vielleicht suchst Du mal nach Kontinuitäten zwischen Kaiserreich und Weimarer Republik.
     
  6. Reverse

    Reverse Neues Mitglied

    Ich hab dazu einen Beitrag gefunden, indem steht in welchen Punkten Kontinuität bestehen könnte:


    - die gesellschaftliche Gruppen in Industrie, Militär, Verwaltung, Rechtspflege, die trotz des revolutionären Wandels einflußreich blieben (nimm zB den Pakt zwischen Reichswehr und SPD zur Stabilisierung des Staates

    - soziale und wirtschaftliche Probleme. Dabei ist zu beachten, dass die Kriegsfolgen inkl. Inflation die Weimarer Republik in ihrer Gründungsphase und nach einer kurzer Stabilisierung hart trafen, mit den Verhältnissen des Vorkriegs-Kaiserreiches 1900-1914 nicht vergleichbar. Der jungen Republik (inkl. der sie tragenden Demokraten) wurden diese Entwicklungen angelastet, inkl. Schuld an der Reparationslast.

    - das politische System, welches in der Funktion des Reichspräsidenten und seiner Machtfülle eine Aushebelung der geschwächten demokratischen Strukturen ermöglichte -> Notverordnungen und Präsidialkabinette, sofern keine stabilen Mehrheitsverhältnisse im Reichstag bestanden.

    - die außenpolitische Kontinuität bzw. Ziele relevanter Gruppen in der Weimarer Republik, mittels Revisionsforderungen (zB im Osten, Forderungen nach Rückgabe der Kolonien, Aufrüstung) die Vorkriegsverhältnisse wieder herzustellen

    gibt es da noch weitere?
    und inwieweit kann man eurer Meinung nach von einem Neuanfang sprechen?
     
  7. YoungArkas

    YoungArkas Neues Mitglied

    Das Lesen von Literatur soll bei der Vorbereitung auf eine Abiturprüfung helfen. Zum Einstieg eignet sich oft die Internetpräsenz des Deutschen historischen Museum (LeMO). Dazu hast du ws. ein Geschichtsbuch in dem "Gesellschaft des Kaiserreichs" und "Gesellschaft der Weimarer Republik" Sowie "(Vor)belastungen der Weimarer Republik" didaktisch aufgearbeitet sind. Wir helfen gerne bei Detailfragen oder schauen uns deine Gliederung an, aber arbeiten musst du für dein Abitur schon selber.

    DHM-LeMO:
    LeMO-Navigationsseite

    PS: Als ich Abitur gemacht habe (vor 2 Jahren) musste man sich noch auf alle Themen vorbereiten und man bekam dann in der Prüfung einen Text mit Analyseaufgaben dazu. Keine Ahnung ob sich so viel verändert hat, oder ob ich einfach nur im falschen Bundesland Abitur gemacht habe.

    edit: Es hilft natürlich, wenn man den thread nicht doppelt postet. Im anderen thread zeigst du ja, dass du dir schon ein paar Gedanken gemacht hast.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Juni 2012
  8. Reverse

    Reverse Neues Mitglied

    Danke, auf die Idee mit der Literatur wäre ich ja echt nicht selbst gekommen..
     
  9. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @Reverse

    Deine Gliederung ist doch schon ganz o.k.

    Du fragst nach Diskontinuitäten.

    Gab es denn in der Außenpolitik des Kaiserreiches etwas zu revidieren? Ich fürchte in der Außenpolitik der WR und des Kaiserreiches wirst Du, jenseits von Marginalien, kaum Kontinuitäten erkennen können.

    Ein paar Diskontinuitäten:

    Die Reichsfinanzreform 1919/1920, machte die Reichsländer, vormalige Bundesstaaten, zu Kostgängern des Reiches:

    Die Erzbergersche Reichsfinanzreform

    Reichsfinanzreform Erzbergers 1919/1920

    Das Dreiklassenwahlrecht, welches bis 1918 in einigen Bundesstaaten galt, wurde abgeschafft:

    Dreiklassenwahlrecht ? Wikipedia

    Das Wahlrecht im DR erhielten auch die Frauen, siehe dort Geschichte/Deutschland:

    Wahlrecht ? Wikipedia

    Die Monarchien waren perdu:

    http://www.geschichtsforum.de/f58/das-ende-der-k-nige-1918-1919-a-29248/

    Die Vorrechte des Adels (z.B. Standesherrschaften) waren perdu, vergl. Artikel 109:

    Verfassung des Deutschen Reiches (Weimarer Reichsverfassung, 1919)

    Diese Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen.

    Müßte ich ein Referat hierzu halten, wäre meine Kernthese, w.o. schon erwähnt, Fortexistenz der sozialen Machteliten, bei gleichzeitiger Änderung der Staatsform unter veränderten innenpolitischen (z.B. Novemberrevolution) und außenpolitischen Rahmenbedingungen (z.B. Versailler Friedensvertrag).

    M.
     
    1 Person gefällt das.
  10. Reverse

    Reverse Neues Mitglied

    Vielen lieben Dank :)

    ich dachte mir, dass ich meine Präsentation wie folgt gliedere:

    1. kurze Zusammenfassung der Historie mit Hilfe von einem groben Zeitstrahl:
    - 1870/1871: Deutsch - Franz. Krieg + Gründung des 2. Kaiserreichs
    - 1871: Ende des Krieges
    - 1888: ,,Dreikaiserjahr''
    - 1914: Beginn des 1. Weltkrieges
    - 1918 / 1919: Novemberrevolution; Ende d. Kaiserreichs + Abdankung ; Ausrufung d.
    Republik
    - 1919: Versailler Friedensvertrag


    2. Was kennzeichnete die wilhelminische Epoche?
    - Streben des Kaisers, das Reich als wichtige polit. Größe unter den bestehenden
    Weltmächten zu etablieren
    - internationales Prestige -> milit. Aufrüstung d. Kaiserreichs sowie die Forderung d.
    Kolonialpolitik in Afrika und der Südsee + Verwicklund in versch. intern. Krisen -> Destabilsierung d. Außenpolitik
    - Vorliebe für milit. Prunk -> Überbetonung d. Militärs + der milit. Hierarchie
    - wirtschaftlicher Aufschwung -> Technik und Fortschrittsgläubigkeit
    - setzte Sozialpolitik fort und erweiterte sie


    3. Kontinuität zwischenPolitik und Gesellschaft d. Kaisereichs und der frühen Weimarer Republik

    Hier wollte ich die schon oben erwähnten Punkte in einer Pro-Contra- Tabelle auflisten, die dann zum Fazit führt

    4. Fazit




    Findet ihr die Gliederung so in Ordnung?
    Ich habe nun einige Pro und Contra Punkte die aufjedenfall ausreichend sein sollten, allerdings fehtl mir irgendwie der Übergang vom 2. zum 3. Punkt. Hat da vllt noch jemand eine Idee?

    Und könnte man als Fazit sagen, dass die Weimarer Republik zwar einen Neuanfang starten wollte, allerdings wegen dem Ausgang des Krieges unter keinem günstigen Stern stande und somit noch die Last des Kaiserreichs mittragen musste?
     
  11. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @Reverse

    Vllt. etwas polemisch, aber m.E., unter Beachtung der innenpolischen und außenpolitischen Rahmenbedingungen, schon ok.

    o.t.

    Denke bitte auch über Kürzungen nach, Deine Gliederung ergibt Stoff für Stunden, alleine der Punkt Kolonialpolitik. ;)

    M. :winke:
     
  12. Reverse

    Reverse Neues Mitglied

    Ich hab bei Fazit nochmal das mit den Eliten hervorgehoben damit es nicht zu polemisch klingt.
    Außerdem habe ich Kolonialpolitik gestrichen, da ich ja nur 10 min. habe und sonst befürchte, dass sie mich zu viel in den darauffolgenden 10 Minuten dazu fragen werden und um das Thema wirklich gut zu lernen fehlt mir die Zeit :/ Danke für den Hinweis :)

    Ich hätte allerdings noch eine Frage und zwar hab ich bei meinem 2. Punkt ,,Was kennzeichnet die wilhelminische Epoche?'' und meinem 3. Punkt ,,Kontinuität zwischen WR und Kaiserreich'' Probleme eine Verbindung herzustellen.
    Hast du da vielleicht noch einen Tipp?

    Liebe Grüße
     
  13. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    @Reverse

    Vllt. hilft Dir der Gedanke. Die imperiale Attitude des Wilhelminischen Kaiserreiches war perdu, die Machteliten blieben aber zwischen Kaiserreich und WR konstant. Wäre so mein "roter Faden".

    M.
     
  14. Reverse

    Reverse Neues Mitglied

    Okay danke
    noch eine letzte Frage:
    Wie ist das gemeint mit:
    Reichsfinanzreform machte die Reichsländer zu Kostgänger des Landes?

    Hab mir die Erzbergersche Reichsfinanzreform durchgelesen aber ich verstehe nicht genau was du damit meinst :/
     
  15. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Im Unterschied zum Kaiserreich lag nun die Masse des Steueraufkommens beim Reich, nicht mehr bei den Ländern.
     
  16. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Sehr gute Darstellung in:
    http://books.google.de/books?id=L_EOJP1WQ5cC&printsec=frontcover&dq=kolb,+die+weimarer+republik&hl=de&sa=X&ei=1-7eT5LsCO_Z4QSi-LikCg&ved=0CEcQ6AEwAA#v=onepage&q=kolb%2C%20die%20weimarer%20republik&f=false

    Noch ein paar Aspekte zur Konstanz der Machteliten als Ergänzung zu Melchior. Der Schlüssel für das Verständnis des Problems liegt zum einem im "Kapp-Putsch" und den "Räte-Republiken". Beide Ereignisse stellen idealtypisch die polarisierenden politischen Positionen in WR dar und versinnbildlichen das "Ausklingen" und den "revolutionären Neuanfang".

    In diesem beiden Ereignisse kommt die Fragestellung am deutlichsten als Ereignis zum Tragen und an ihnen kann man auch deutlich erkennen, welche politischen Eliten welche Politik mehrheitlich unterstützen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, die Stimmengewinne der SPD und ihre Position in der Politik zu betrachten, indiziert am Stellen des Kanzlers. Dieser Aspekt verdeutlich, dass Problem der SPD und ihrer Anhänger. Durch ihre relative "Erfolglosigkeit", weil sie ausgegrenzt wurde, konnte sie nie das Profil einer erfolgreichen politischen Problemlöserin in der gesamten Republik gewinnen, im Gegensatz beispielsweise zum ausgesprochen erfolgreichen Modell der SPD&Zentrum-Regierung in Preußen.

    Betrachtet man demgegenüber die Position des "Rechtsblocks" dann signalisierte der Kapp-Putsch zwei Denkrichtungen der national-konservativen-monarchischen Kräfte.

    Die einen akzeptierten nicht die Legalität und die Legitimität der staatlichen Strukturen der WR und ihr handeln zielte auf eine putschartige Übernahme der Regierungsgewalt ab. Diese Gruppe war in der Minderheit wie sich in der Haltung der Bürokratie zeigen sollte.

    Die anderen zielten auf eine legale Übernahme der Staatsmacht ab mit dem Ziel einer Restauration eines obrigkeitsstaatlichen, monarchischen Systems.

    Diese Haltung kennzeichnete die Situation in den zwanziger Jahren und führte, ab Januar 1930, via Hindenburg zur Etablierung der Präsidial-Kabinette mit dem Ziel der Ausschaltung vor allem der SPD.

    Es war die obrigkeitsstaatliche Haltung der traditionellen monarchischen Eliten, die in der Folge der "Novemberrevolution" depriviert waren bzw. sich fühlten und als ehemals "herrschende Schicht" die Macht in Frontstellung zur demokratisch legitimierten Republik zurück gewinnen wollten.

    In diesem Sinne agierte Hindenburg und Schleicher und es war Brünings erklärtes Ziel, so in seinen Memoiren, die Hohenzollern zu reinstitutionalisieren. Unter dieser Perspektive kann man durchaus nicht von einem Aus- oder Abklingen sprechen, sondern eher von einer restaurativen Wiederherstellung monarchischer Strukturen.

    Und so schließt sich der Kreis vom Kapp-Putsch zu Brüning, Papen und zu einem (dem "sozialen General") Schleicher und illustriert die Konstanz der deutschnationalen, konservativen Grundhaltung.

    Gleichzeitig wird aber auch der Neuanfang deutlich, allerdings als antimodernistisches Projekt des Faschismus als revolutionäre Sozialbewegung. Und somit entwickelte sich der "Neuanfang" als "Abfallprodukt" der militanten Ablehnung der WR und der Verelendung der Mittelschichten als nationale Erneuerungsbewegung

    Und somit war das Ende der WR auch ein "verdeckter, schleichender Coupe d ètat der ehemaligen monarchischen Eliten "als Rache" an der Novemberrevolution mit dem überraschenden Ergebnis der Einführung Hitlers in das Kanzleramt. Und düpierte die verschwörerischen Düpierer.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Juni 2012
  17. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ich weiß nicht, ob man da mehr Kontinuität aufgrund der ex post passenden Bausteine hineinlegt als vorhanden war.

    Ein Gegenentwurf zur Diskussion:

    Die deutschnationale konservative Grundhaltung äußerte sich in Mißtrauen und Ablehung der jungen Republik, natürlich auch im Streben nach deren Abschaffung, jedoch außerhalb romantischer Rekonstitutionalisierungsideen ohne jede ernstzunehmende politische Alternative (denn die Monarchie war abseits nostalgischer Erinnerungen im Volk weitgehend verbrannt).

    Kennzeichnend für diese Richtung bleibt dann das "Anti". Dieser Gruppe fehlte ansonsten die Idee bzw. Basis für einen neuen gesellschaftlichen Entwurf, konträr zur WR. Hindenburg bildete in dieser Weise ein Provisorium, machte die Republik für diese Kreise "erträglicher".

    Hinzu kamen jedoch bemerkenswerte Machtverschiebungen gegenüber dem Kaiserreich, insbesondere der Einfluss der Wirtschaft in der Breite auf die Politik (würde ich als These so unterstellen), die nicht zurückzudrehen waren und zudem nicht den alten kaiserlichen Obrigkeitsstaat zu restaurieren wünschten. Der ökonomisch gegebene Unternehmer-Arbeitnehmer-Gegensatz in der Republik wurde zusätzlich von schwersten Krisen geprägt, außerdem durch die umsturz- und revolutionsängstlichen Sozial- und Lohnpolitik der Weimarer Regierungen der 1920er (in der Sichtweise der wirtschaft: negativ) beeinflusst. Gegen die insoweit vereinigte "Linke" war eine Neuauflage des Kaiserreiches in der Sichtweise der Großindustrie auch nicht zu machen. Wenn die "unruhige Republik" also schlecht fürs Geschäft war, ist diese Zielsetzung wohl in Richtung "starker" national-konservativer Regierung, ein Abschleifen der instabilen Republik zu sehen. Die politische Konstellation der Stärke war für diese Gruppe des einflussreichen Bürgertums attraktiv, wie die massive Einmischung 1932/33 auf dem Höhepunkt der "Unruhe" zeigt.

    Wenn sich der Kreis somit zwischen Revolution, Kapp und Schleicher schließt, so gab es dennoch scharfe Kanten, verschwommene Konturen, fehlende konkrete politische Ziele, undefinierte Antipathien, und Zufälligkeiten wie die Weltwirtschaftskrise dazwischen.
     
  18. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    http://books.google.de/books?id=__egAAAAMAAJ&q=bracher,+die+aufl%C3%B6sung+der+weimarer+republik&dq=bracher,+die+aufl%C3%B6sung+der+weimarer+republik&hl=de&sa=X&ei=yv_eT_DwDIjm8QPipaStCw&ved=0CDwQ6AEwAA


    Bei der Darstellung ging es mir zunächst um das prinzipielle Motiv der Ablehnung der Republik und der Repräsentanz der Unterschicht in diesem politischen System durch die entmachteten Eliten des Kaiserreichs.

    Und die Kontinuität ergibt sich auf der Ebene der Konstanz der politischen Frontstellungen und den unterschiedlichen Formen der demokratischen und militanten Formen des Widerstands.

    Das die Anti-Haltung der gemeinsame Konsens war, dürfte die Kontinuität bei der Zusammenarbeit eher unterstützt haben.

    Ansonsten ist es natürlich völlig richtig, auf die unterschiedlichen und diffusen politischen Ziele der einzelnen Akteure und ihre Fehleinschätzung hinzuweisen.

    Das wird bereits an den drei sehr unterschieldichen politischen Zielen eines Brünings, eines Papens und eines Schleichers deutlich.

    Sofern also Kontinuität gemeint ist, ist es die Kontinuität einer sehr amorphen, aber auch teils widersprüchlichen Einstellung, zu Weimar und einer vielleicht auch romatischen Reminiszenz an das Kaiserreich. Das in der Person Hindenburgs m.E. latent durchaus noch eine Rolle spielte in der Wahrnehmung und Akzeptanz der deutschen Bevölkerung.

    Deutlich wird diese komplizierte Beziehung des "Rechtsblocks" an der Konfrontation von Papen zu Schleicher, der Konfrontation von Schleicher und Strasser mit Hitler, dem weiteren Agieren von Papen nach der Machtübernahme von Hitler und dem Ermorden von Schleicher durch die SS. Um nur wenige Aspekt zu nennen.

    Deutlich wird dieses andererseits aber auch an der Beziehung von Schleicher zu Hammerstein und dessen Beziehung zum sich formierenden konservativen Widerstand.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Juni 2012
    1 Person gefällt das.
  19. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

    Kontinuität vermag ich tatsächlich nur ind der "Anti-Haltung" zur WR erkennen.

    @Thane

    Du schreibst selbst von "amorphen politischen Zielen" der Akteure.

    Der "politischen Rechten" fehlte m.E. der Masterplan und das macht es heute so schwierig, die verschiedensten Akteure in Schemata einzuordnen und kann dazu führen, daß Kontinuitäten gefunden werden, wo es im Uz keine gab.

    Vielmehr haben die amorphen und tw. divergierenden politischen Ziele der "politischen Rechten" dazu geführt, daß die WR schwerste Krisen überstanden hat, so 1920, 1923 und 1929 bis 1932, zwar mit Blessuren, aber im Kern unangetastet, der fehlende Masterplan der "politischen Rechten", sicherte sozusagen das Überleben der WR.

    Man konnte sich noch nicht einmal in der "politischen Rechten" auf eine Reinthronisierung der Hohenzollern einigen.

    Man war Monarchist aufgrund tradierter Vorstellungen, aber kein "Monarchist der Tat". Staatsstreichpläne wurden diskutiert, aber außer Kapp, hat es keiner versucht.

    Und die eigentlichen "Totengräber" der WR, waren überzeugte Republikaner.

    M.
     
  20. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Ich kann mir zwar denken / projizieren, was Du damit meinen könntest, aber so ist mir diese Aussage nicht ausreichend verständlich, um darauf zu antworten.

    Und es würde mich natürlich auch interessieren, wer diese These vertritt? und wie begründet.
     

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