Weimarer Republik

Dieses Thema im Forum "Die Weimarer Republik" wurde erstellt von Jumpstyle2, 21. Mai 2015.

  1. Jumpstyle2

    Jumpstyle2 Gast


    Hallo, mich würde interessieren welchen Belastungen die Weimarer Republik ausgesetzt war und von welchen Krisen man während dieser Zeit (speziell 1923)sprechen kann. Da Blick ich nämlich nicht durch..
     
  2. hatl

    hatl Premiummitglied

    Die Weimarer Republik musste 5,6 Mio (?) Soldaten zurückführen. Junge Männer die durch den Krieg innerlich verändert sind und gelernt haben gefährlich zu sein.

    Die Weimarer Republik war absolut pleite beim Antritt. Sie konnte nicht die Kriegsschulden, die das Deutsche Reich bei der Bevölkerung aufnahm, begleichen. (Hyperinflation 1923)
    Sie konnte auch nicht die Kriegsschuld gegenüber den Kontrahenten kalkulieren.
    Deren Festsetzung blieb lange in der Schwebe und endete erst 1932 bei einem kleinen Bruchteil der ursprünglichen Reparationsforderungen.

    Die WR fand sich in der Situation einer allgemeinen Instabilität Europas und deren Peripherie.
    Der Hauptverbündete Österreich-Ungarn war nicht mehr da, sondern zerfallen.
    Das Osmanische Reich war fast verpufft und ein kleiner Kern kämpfte verzweifelt ums nackte Überleben.
    Das große Russland taumelt am Abgrund und zerfleischt sich selbst.

    Vor diesem Hintergrund, und auch vor dem eigenen, muss die WR einen vor der Türe stehenden Bürgerkrieg vermeiden.

    Man könnte noch Vieles aufzählen und anführen.

    Sagen wir mal so:
    Der Start war so schwierig, dass wir nicht annehmen sollen, dass wir es besser machen könnten.
     
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  3. Ferrari123

    Ferrari123 Neues Mitglied


    Die Spaltung in der Gesellschaft und die Mentalität in der Bevölkerung sind denke ich auch sehr wichtig.
    Die deutsche Demokratie als ein Produkt der Niederlage (1.WK) und die große Ablehnung der Demokratie- nicht nur von der Bevölkerung, sondern auch von ranghohen Personen.
    Ein Indiz dafür kann schon die doppelte Republikausrufung sein und letztendlich auch die kommunistischen Aufstände der Spartakusgruppe. Dies bezieht sich allerdings v.a. auf das Jahr 1919, trotzdem hatte die Ablehnung der Republik über die geasmte Zeit der WR einen großen Platz in Deutschland.
    LG:)
     
  4. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Nein, das ist zu einfach. Sie wurde durch die Destruktion des traditionellen Gesellschaftsstrukturen und durch die zunehmende Industriealisierung - auch im Zuge des "Totalen Krieges" des WW1 - beschleunigt, aber die politische Entwicklung deutete insgesamt in die Richtung auf eine deutlich verstärkte Teilhabe sprich Demokratie.

    Sie wurde im wesentlichen durch die demokratischen Kräfte im DR erkämpft und war kein "Produkt" des WW1.

    Es waren vor allem die revisionistische marxistische SPD und das katholische Zentrum, die seit der Reichsgründung bis 1933 demokratische Strukturen eingefordert haben und als politische Kultur auch - schon im DR !!!! - durchgesetzt und organisatorisch verankert haben.

    und gleich nochmal
    Na irgendwie hast Du es mit der Ablehnung der Weimarer Republik. Ich frage gar nicht, wo Du das denn gelesen hast.

    Ansonsten sind die oben angesprochen politischen Akteure zwei völlig unterschiedliche politische Gruppen, die komplett divergierende Einstellungen zur Weimarer Republik hatten. Sie sollten nicht in einem Atemzug genannt werden, da sich ihre Interessenlage teilweise diametral entgegenstand.

    Darüberhinaus unterliegt die Forschung zu Weimar derzeit, gerade auch in Hinsicht auf die - vermeintliche - "Demokratie ohne Demokraten" einer gewissen Revision, wie beispielsweise McElligott, in Anlehnung an Peukert, zeigt.

    https://books.google.de/books?id=pq4VAgAAQBAJ&pg=PA6&dq=rethinking+the+weimar+republic&hl=de&sa=X&ei=VddgVfjZHMKlsgHiz4LgAQ&ved=0CCEQ6AEwAA#v=onepage&q=rethinking%20the%20weimar%20republic&f=false

    Und was ist denn bitte, zu welchem Zeitpunkt, eine "große Ablehnung"? Es gab Zustimmung, es gab Ablehnung. Manche waren überzeugt von der Weimarer Republik, wie Ebert, andere "Republikaner aus Vernunft" wie Stresemann, wie Turner zeigt. Und natürlich gab es unterschiedliche Formen der Ablehnung von Links durch die KP und von Rechts durch Teile der traditionellen konservativen Deutschnationalen und durch die radikalen Nationalsozialisten.

    Die zweifellose Zunahme der Positionen in der Bevölkerung, die die Weimarer Republik radikal in Frage stellte, ist zudem auch ein Ergebnis der Wirkung des Hugenberg`schen Medienimperiums und der systemkritischen Darstellung von außenpolitischen Ereignissen und von wirtschaftlichen Einflussfaktoren. Nicht zuletzt des Themas VV.

    Also bitte nicht die "vollmundigen Pauschalurteile", die zudem auch gerne auf eine Abwertung der Weimarer Republik hinauslaufen. Es gab Zustimmung und Stabilität auch innerhalb der Weimarer Republik!
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Mai 2015
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  5. Dion

    Dion Aktives Mitglied

    Interessant ist in diesem Zusammenhang vielleicht auch, dass diese Reparationsforderungen erst im Jahr 2010 von der Bundesrepublik beglichen wurden: Die letzte Rate betrug 56 Millionen Euro.
     
  6. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Du solltest doch alles hinschreiben, denn bis 1952 hatte Deutschland 1,5 Milliarden Mark Kriegsschulden getilgt.

    1953 wurden die Zinsforderungen im Londoner Schuldenabkommen zurückgestellt, Grund war der Gebietsverlust Deutschlands und die Teilung. Die Forderungen wurden bis zu einer Wiedervereinigung Deutschlands zurückgestellt. Am 3. Oktober 1990 traten diese alten Forderungen wieder in Kraft - Laufzeit 20 Jahre. Am 3. Oktober 2010 wurden die letzten Zinsforderungen ausbezahlt.
     
  7. Dion

    Dion Aktives Mitglied

    Ich weiß nicht, Ursi, was es da zu kritisieren gibt: Wenn ich schreibe, dass 2010 die letzte Rate bezahlt worden ist, dann impliziert das, dass es vorher auch schon Zahlungen gegeben hat.

    Das war sowieso nur eine Bemerkung am Rande, mehr dazu zu sagen, würde das Thema mMn zu sehr in diese Richtung drängen, was wahrscheinlich nicht im Sinn des Threadstarter wäre.
     
  8. hatl

    hatl Premiummitglied

    Das ist eine Darstellung die in die Irre führt.
    1932 wurden Reparationsforderungen, die über bereits geleistete Zahlungen hinausgehen, fallen gelassen. D. h. es wurden keine direkten Reparationszahlungen mehr geleistet. Der eigentliche Endtermin wäre 1988 gewesen.
    Zurückgezahlt aber mussten aufgenommene Auslandsschulden, auch wenn sie für bis dahin erfolgte Reparationsleistungen aufgenommen wurden.

    Interessant, wenn auch kurz, dazu: http://www.geschichtsforum.de/f67/konferenz-von-lausanne-1932-a-16466/
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. Mai 2015
  9. Lafayette II.

    Lafayette II. Mitglied

    Richtig, es waren zudem nur die offenen Zinsen von 1945 bis 1952 waren, die nach der Wiedervereinigung durch neue Schuldverschreibungen finanziert wurden, die wiederum 2010 letztendlich abgezahlt worden sind.
     
  10. hatl

    hatl Premiummitglied

    Danke Lafayette.

    Was ich mich seit Langem frage:
    worin liegt die Potenz von Vorstellungen?
    Wenn die Vorstellung über einen Sachverhalt falsch ist,
    wie kann es dann sein, dass dieser Umstand deren Verbreitungsfähigkeit nicht behindert?
     
  11. Lafayette II.

    Lafayette II. Mitglied

  12. Turgot

    Turgot Neues Mitglied


    Im Zuge der sogenannten Waffenstillstandsverhandlungen, die den Alliierten den Weg zur bedingungslosen Kapitulation des Deutsches Reichs ebnete, hat US Präsident Wilson im Verlauf des Notenwechsels mit dem deutschen Reichskanzler Max von Baden deutlich gemacht, das er gewillt war, sich in die inneren Angelegenheiten des Deutschen Reiches einzumischen.

    So fragte er beispielsweise den Kanzler am 08 Oktober in wessen Namen er und seine Regierung eigentlich sprechen würden? Das war ein überdeutlicher Hinweis.

    In der dritten Antwortnote Wilson wurden Zweifel hinsichtlich der Verfassungsreformen vorgestellt.

    Diese Haltung Wilson blieb ganz sic.her nicht ohne Einfluss auf das Handeln der deutschen Akteure
     
  13. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    In diesem Fall sollte man zwischen dem „hohen“ moralischen Anliegen, das Wilson damit formulierte und in dem zunächst und primär seine tiefe Abneigung gegen den – aus seiner Sicht - preußisch, deutschen Militarismus, inklusive der politischen und militärischen Spitze, und der Realpolitik der konkreten - potentiellen - Interventionen im DR bzw. der Weimarer Republik unterscheiden.

    Ähnlich wie die 14 Punkte, die ebenfalls von einem hohen moralischen Anspruch an die Neuordnung Europas geleitet waren, waren es in beiden Fällen jedoch lediglich – mehr oder minder – vage Absichtserklärungen. In diesem Fall darf man die idealistische Sicht von Wilson auf die Neuordnung von Europa nicht unterschätzen, die jedoch keine Entsprechung in der isolationistischen Sicht – vor allem – der Republikaner hatte.

    Wilson ist ohne einen konkreten Umsetzungsplan der 14 Punkte nach Paris gekommen. Und ist zudem sehr schnell durch die Komplexität der anstehenden Probleme der Neuordnung und durch die nationalen Positionen von Clemenceau und Lloyd George in seinen eigenen Optionen eingeengt worden.

    Zumal seine Handlungsfähigkeit durch die Mehrheit der Republikaner im Kongress (beide Kammern) schnell reduziert war. Und in der späteren Ablehnung der VV durch den Kongress zeigt sich das geringe Interesse der politischen Elite der USA für die Probleme in „Old Europe“.

    Weder die USA noch die Briten waren nach dem Waffenstillstand bereit, sich weitergehend militärisch zu engagieren, bzw. nur so weit, als der "harte aber gerechte" Frieden durchgesetzt werden sollte. Und an diesem Punkt waren sich wiederum Wilson und Lloyd George einig und gleichzeitig widersetzten sie sich weitergehenden Ambitionen der Franzosen, die ihre Vorstellung von Sicherheit vor Deutschland realisieren wollten, weil sie weder eine französische Hegemonie auf dem Kontinent wollten, noch Deutschland zu stark geschwächt sehen wollten.

    Auf eine direkte Zitation habe ich verzichtet. Aktuell beziehe ich mich am stärksten auf Steiner, da ich es gerade durchgearbeitet habe und sekundär auf Tooze und MacMillan. Nur in Auszügen auf Marks.

    1.MacMillan, Margaret (2003): Paris 1919. Six months that changed the world. Random House trade paperback ed. New York: Random House.
    2.Marks, Sally (2003): The illusion of peace. International relations in Europe, 1918-1933. 2nd ed. Houndmills, Basingstoke, Hampshire, New York: Palgrave Macmillan
    3.Steiner, Zara (2005): The lights that failed. European international history, 1919-1933. Oxford, New York: Oxford University Press
    4.Tooze, J. Adam (2015): The deluge. The Great War and the remaking of global order 1916-1931. London: Penguin Books.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Mai 2015
  14. Gurrr

    Gurrr Neues Mitglied

    Das ist deutlich zu pathetisch. Die Arbeiter und allgemein die Verlierer der Industrialisierung waren zwar zahlreich und im Reichstag stärkste Kraft, aber wer im Reich politisch die Hosen an hatte, war immer und zu jedem Zeitpunkt klar: Der Kaiser und die oberen Zehntausend.
    Die dachten bis 1918 zu keinem Zeitpunkt an eine Demokratie.
    Die Gründe sehen hier um einiges banaler aus: Wilson machte eine Demokratisierung Deutschlands und die Absetzung des Kaisers schlicht zur Bedingung für Waffenstillstandsverhandlungen. Nach dem Scheitern der Operation Michael und der endgültigen Perspektivlosigkeit der deutschen Kriegslage ging den Eliten angesichts der rebellierenden Truppen schlicht und ergreifend der Arsch auf Grundeis und Max von Baden, seines Zeichens Reichskanzler, dankte am 9. November 1918 Wilhelm II. ab und übergab sein Amt an Friedrich Ebert, dessen Sozialdemokraten Verhandlungen mit den Alliierten aufnahmen.
    Also entstand die Chance auf eine Demokratisierung Deutschlands in wenigen Wochen und war kein langwieriger Prozess.

    Um auf die Krisen zurück zu kommen:
    Die Weimarer Republik war brüchig und handlungsunfähig. Putschversuche von links (Spartakus) und rechts (Kapp-Lüttwitz) beherrschten den politischen Alltag unmittelbar nach der Gründung. Außenpolitisch war sie praktisch isoliert, erst 1926 wurde Deutschland in den Völkerbund aufgenommen. Durch die Machtlosigkeit gegenüber internen Problemen musste die WR mit den Freikorps paktieren, die total reaktionär waren und nur Kommunisten mehr hassten als Demokraten. Politischer Mord und Straßenschlachten waren keine Seltenheit. Regierungen und Kabinette wechselten monatsweise, stabile, politische Verhältnisse waren also nicht gegeben.
    Dazu kam Massenverelendung 1923 und 1929, die von den Regierenden sogar teils bewusst geschürt wurde.
    Die "goldenen Zwanziger" lagen vielleicht in einigen Clubs in Berlin und Hamburg vor.
     
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  15. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Kann ja sein, aber möglicherweise ist "Historie" pathetisch. Zumindest deckt sich meine Darstellung beispielsweise mit Anderson: Lehrjahre der Demokratie", wie an anderer Stelle im Forum ausführlicher dargestellt.

    Zu der provozierenden Absicht, meine Darstellung in Anlehnung an Peukert und MacElligott, als pathetisch zu bezeichnen, sage ich nichts, weil sich da ohnehin jeglicher Kommentar erübrigt.

    Das ist sicherlich falsch, da die Reichskanzler seit 1912 zunehmend den Reichstag in die Politikformulierung einbeziehen mußten, wie Du schnell an der Behandlung des "Hindenburg-Programms" erkennen könntest, wenn Du in die entsprechende Literatur sehen würdest.

    Ansonsten ist es sicherlich korrekt, dass die Demokratisierung in Preußen bzw. dem DR massiv behindert wurde, dennoch entwickelten sich Strukturen der politischen Interessenvertretung, wie es auch Kühne, Dreiklassenwahlrecht und Wahlkultur in Preussen 1867 - 1914, S. 576ff darstellt.

    Der Prozess der Demokratisierung ist langwierig und stellt sich nicht über Nacht ein und schon gar nicht durch die Forderung von Wilson, wie die umfangreiche Literatur zum "Transition Process" der ehemaligen UdSSR in eine demokratische Gesellschaft belegt (vgl. z.B. G. Gill: The Dynamics of Democratization.) Und zusätzlich in der Literatur zur Parteiensoziologie ebenfalls als Prozess abgebildet ist (wie beispielsweise im Klassiker von Almond and Verba: Civic Culture)

    Nebenbei dachte der Zar bis 1917 auch nicht an "Demokratie", was somit für den Gange der Geschichte somit völlig irrelevant ist, was Herrscher denken, die von Revolutionen zum Abtreten gezwungen werden. Das Vorstellungsvermögen von Herrschern scheint an dem Punkt ein wenig beschränkt ausgebildet zu sein.

    Das mag lediglich für Dich "banal" aussehen, da die Entwicklung der Parteienlandschaft vor 1914 deutlich weiter vorangeschritten war, wie oben an zwei Beispielen aus der Literatur gezeigt und die Dynamik der revolutionären Entwicklung im Jahr 1918 ebenso deutlich ausgeprägter war (vgl. dazu beispielsweise: S. Neitzel: Weltkrieg und Revolution 1914-1918/19)

    Da war der Impuls von Wilson zur politischen Reform lediglich ein externer Verstärker der innenpolitischen Situation.

    Der Rest Deiner Schilderungen zur WR sind einseitige, per Zufall ausgewählte Ereignisse in einer simplifizierenden Darstellung, die lediglich als isolierte Fakten eine Rolle gespielt haben, aber für die Gesamtbewertung der WR eine nicht zutreffende bzw. deutlich verzerrte Perspektive bilden. Einzelne Punkte sind dagegen einfach nur falsch bzw. nicht zutreffend.

    Dass Deine Darstellung eines jeglichen Literaturbezugs verlustig gegangen ist, sei nur abschließend angefügt. Aber vermutlich sehe ich das wieder ein wenig zu "pathetisch", oder auch - wer weiss - "theatralisch", oder wie auch immer. :D
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Mai 2015
  16. Turgot

    Turgot Neues Mitglied


    Das ändert aber alles nichts an der Korrektheit meiner Aussage, nämlich das Wilson doch in Sachen Demokratisierung des Reiches nachgeholfen hat und dies vor allem, und das ist sehr wichtig, auch so vom revisionistischen eingestellten Teil der Bevölkerung so empfunden wurde.

    Über Wilsons Moralvorstellungen lässt sich sicher streiten. Gegenüber Großbritannien und Frankreich jedenfalls kamen sie im und nach dem Krieg jedenfalls nicht großartig zum Tragen. Wilson ließ es geschehen, das die Hungerblockade gegen das Deutsche Reich nach Unterzeichnung des Waffenstillstandvertrages bis in dem Sommer 1919 aufrechterhalten wurde.

    Das Deutsche Reich wurde ja in den USA sehr negativ gesehen. Aber man war selbst auch nicht gerade zart besaitet, wenn es um die eigenen Interessen ging. Beispielsweise sei die Intervention in Kuba im Jahre 1912 erwähnt. Oder Nicaragua, welches man unter finanzieller und militärischer Kontrolle, stellte, bin in das Jahr 1925, stellte. Ab 1915 waren Haiti und Mexiko dran. Die USA waren hier brutal und äußerst rücksichtslos.
     
  17. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Anfang Februar 1919, Monate vor Unterzeichnung des Friedensvertrages und entgegen der Bestimmungen des Waffenstillstandes, geschah Folgendes:

    "On 3 February the council agreed that food could be sold to the Germans at flat rates that represented as nearly as possible the costs incurred in delivering 58 it. On 5 February it agreed to the first shipment of food under this arrangement for 125 million gold marks. In the future there could be monthly shipments to Germany of 200,000 tons of cereals and 70,000 tons of fats. Mid-February also saw headway on the question of supply for the European neutrals. On 14 February the Allies agreed to increase food rations of all European neutrals to their pre-war levels of consumption. This progress had its limits, however. The United States still pushed for greater concessions to the neutrals through a call to totally abolish the blockade with respect to them. Representatives of Britain and France demurred and said only that they were open to 60 discussing it in future meetings of the Supreme Economic Council. Overall, the month of February was one of administrative triumph for the United States."

    Das die 200.000 Tonnen Getreide und 70.000 Tonnen Fett pro Monat nicht geliefert wurden, hatte andere Ursachen als die Anti-Friedensvertrag-Peopaganda 1919/20 vorgab:

    1. keine Devisen für den Ankauf, das Reich war einfach pleite. Auch keine Devisenbeschaffung durch Exporte, denn das Reich war auf Kriegsrüstung gestellt, und Arbeiter fehlten oder wurden nicht entlohnt.

    2. kein Schiffsraum, denn die deutsche Handelsflotte war im Gegenzug zum Tonnagekrieg gegen die Allierten beschlagnahmt worden. Massive Reduktion des globalen Schiffsraums durch die Kriegsversenkungen, konträr zu dem übersteigenden Bedarf aller unter den Kriegsereignissen leidender Nationen, inkl (!) der Neutralen (die ebenfalls über nicht mehr genügend Schiffsraum verfügten)

    3. Organisationschaos im Reich

    4. zu wenig Lebensmittel für alle Nationen nach dem Krieg: es bekam aus den USA und Südamerika sowie Fernost der geliefert, der am meisten bezahlen konnte.

    Mit "Blockade" hatte das wegen der erlaubten Mengen nichts mehr zu tun. Sie könnten schlicht nicht beschafft werden.

    Die Öffnung hatten übrigens die britische Wirtschaft und die USA gegenüber der Politik durchgesetzt.


    EDIT: Als Nachtrag noch die Literatur:

    Smith, Britain and the Strategy of the Economic Weapon in the War against Germany 1914-1919, Dissertation Newcastle 2000

    Osborne, Britains Economic Blockade of Germany 1914-1919, 2004.

    Davies/Engerman, Naval Blockades in Peace and War, 2006.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Mai 2015
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  18. Rhys

    Rhys Mitglied

    Hallo allerseits,
    das ist ein interessantes Thema, allerdings wundert es mich das bisher alles nur aus der Sicht der "Oberen" gesehen wird.
    Gerade in einer Demokratie benötigen die Parteien doch sowohl zur Wahl als auch zum "regiert werden" die Unterstützung des "Volkes".

    Ich versuche mal darzulegen, was ich damit meine:

    Die Bevölkerung machte 5 schlimme Kriegsjahre durch, hatte Hunger, Verlust von Familienangehörigen und schlimmeres durchgemacht, man war also dementsprechend kriegsmüde.
    Allerdings sicher nicht zu diesen Bedingungen.Denn die Friedensbedingungen entsprachen ja ganz und gar nicht dem Kriegsverlauf.
    Im Osten war Russland besiegt, im Süden konnte die italienische Front eingedrückt werden und im Westen stand man noch tief im Feindesland.
    ( Das die Westfront kurz vor dem Kollaps stand, Wissen wir, aber der Bürger damals konnte das sicher kaum Wissen oder gar begreifen )
    Insbesondere mit Beachtung auf die Seeblokade( bzw andere Gründe, wie Silesia oben schrieb), welche bis Mitte 1919 andauerte.Dann die grossen wirtschaftlichen Probleme eingehend mit hohen Arbeitslosenzahlen,Inflationsproblemen und grosse Mengen an Kriegversehrten.Nicht wenige haben wärend dieser Zeit alles verloren und erst mal sind natürlich in den Augen der Bürger die regierenden Parteien verantwortlich, welche in ihren Augen sich nicht um ihre Probleme kümmerten, sondern sich eher gegenseitig zankten.
    Die breite Masse sehnte sich sicher nach Stabilität und sofortiger Verbesserung der Umstände und nicht nach Hinhalteversprechen und Durchhalteparolen.Dadurch bekamen die radikaleren Parteien und Verbände eben grossen Zulauf und nicht wenige schlossen sich gar Strassenschlachten und Putsche an, einfach weil sie nicht mehr weiter wussten und irgend etwas Unternehmen wollten.
    (Je höher der Unmut in der Bevölkerung, desto höher auch die Gewaltbereitschaft,leider.)
    Das die Weimarer Republik unter diesen Umständen überhaut so lange durchgehalten hat, ist für mich ein Wunder.Und das man dann 1933 dann auf diesen "Heilsbringer"(Achtung, sarkastische Ironie) reingefallen ist, verwundert mich nicht wirklich, man hatte es einfach satt.

    Bitte beachten, die Sicht von unter beinhaltet natürlich nicht immer die wahren Begebenheiten, auch hat natürlich jeder Mensch seine eigenen Intensionen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Mai 2015
  19. Turgot

    Turgot Neues Mitglied

    Dankeschön für diese hochinteressanten Information; davon hatte ich keine Kenntnis.:winke:
     
  20. Morifea

    Morifea Neues Mitglied

    Sehr interessant!
    Und wieder was gelernt, Hungerblockade nach dem Waffenstillstand kommt in den Papierkorb.

    Wird in Deutschland genauso wenig kommuniziert wie die Tatsache, dass die Briten nach Ende des Wk2 die Nahrungmittelrationen kürzten, um So die Versorgung der Deutschen Bevölkerung zu verbessern.
     

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