Welche Tiere wurden vor 40.000 Jahren gejagt?

Dieses Thema im Forum "Frühzeit des Menschen" wurde erstellt von Beral, 7. Oktober 2009.

  1. Beral

    Beral Neues Mitglied


    Ich kämpfe mich gerade durch Helblings "Theorie der Wildbeutergesellschaft" durch. Unter anderem versucht der Autor zu belegen, dass die Art der Beutetiere (bzw. bestimmte Eigenschaften der Beutetiere) einen direkten Einfluss auf die Größe der nomadisierenden Wildbeutergruppen hat.

    Da frage ich mich, welche Tiere unsere Vorfahren vor 40000 Jahren gejagt haben. Irgendwo habe ich aufgeschnappt, dass es zumeist Rentiere und Wisente waren. Solche "Durchschnittsangaben" sind natürlich sehr grob, deshalb ein paar konkrete Fragen:

    Gibt es an verschiedenen Fundorten verschiedene Hauptbeute-Reste? Lässt sich eine Systematik erkennen? Fiktives Beispiel: Im Norden Europas zumeist Karibu-Reste, in Mitteleuropa zumeist Wisent-Reste, in Süd-Europa zumeist Nashorn-Reste.

    Wie sieht die Verteilung innerhalb der Fundorte aus? Bunt gemischt oder überwiegend ein bis zwei Beutetiere? Lässt sich eine Systematik erkennen?

    Welche Tiere sind überhaupt als Beutetiere nachgewiesen, für welche gibt es Indizien? Was ist mit Extrembeispielen wie Mammuts oder Hasen? Waren es überwiegend Herdentiere oder genauso gut Einzelgänger?

    Literaturhinweise fürs Selbststudium nehme ich auch gern, falls jemandem etwas Gutes einfällt.
     
  2. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Nur ganz kurz und unbelegt: Die Entscheidung fiel weniger zwischen Ren und Wisent, denn zwischen Ren und Pferd. Großwild (also neben Wisenten auch Rüsseltiere, Ure und Nashörner) wurde eher selten gejagt.
     
  3. Sascha66

    Sascha66 Neues Mitglied


    Warum eigentlich? Lässt sich eine Pferdeherde leichter über eine Klippe treiben als eine Wisentherde? Mehr Fleisch dürfte doch ein Wisent im Vergleich zum Pferd auch haben.
     
  4. Galgenpapst

    Galgenpapst Aktives Mitglied

    Vergesst die überholte Geschichte mit den Klippen endlich .....

    Literaturtipps:

    1. Kazimierz Kowalski, Die Tierwelt des Eiszeitalters. Erträge der Forschung 239. Wiss. Buchgesellschaft. Darmstadt 1986.
    2. Wighart von Koenigswald / Joachim Hahn, Jagdtiere und Jäger der Eiszeit. Fossilien und Bildwerke. Katalog zur Ausstellung im Hess. Landesmuseum Darmstadt 1981/82. Theiss-Verlag. Stuttgart 1981.

    Galgenpapst
    Urgeschichtler, Raum Köln
     
  5. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    ...und vergesst überholte Autoren dazu.

    Quaternary extinction event - Wikipedia, the free encyclopedia
     
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  6. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    In den Bergen in Nordspanien wo ich als Kind wandern ging, fanden wir öfters abgestürzte Schafe am Fusse steiler Felswände. Warum soll das nicht auch als Jagdmethode benutzt worden sein?
     
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  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    In Salzgitter hat man an einem altsteinzeitlichen Lagerplatz neben Feuersteinwerkzug, Harpunen aus Knochen und einer Art Heringe folgende Knochen gefunden: Wolf, Pferd, Ente, Geier, Nashorn, Schwan, Mammut, Wisent und Ren.
     
  8. Sascha66

    Sascha66 Neues Mitglied

    Wolf und Geier dürften doch wohl ernährungtechnisch eine Ausnahme sein.
    Und gibts auch Angaben über die Anzahl der jeweiligen Knochen?
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Leider nicht in dem Medium, aus dem ich die Infos habe. Vermutlich im offiziellen Grabungsbericht von 1954.
    Edit: Tatsächlich: Während bei fast allen Tieren "Knochen von + Pluralnennung" steht, steht bei Wolf und Geier "Knochen eines..."
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Oktober 2009
  10. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Mal abgesehen davon, dass ohnehin nicht überall geeignete Klippen für diese Jagdmethode zur Verfügung stehen, gibt es das große Problem, dass sehr viel Fleisch anfällt, dass nicht sofort verarbeitet oder verbraucht wird und dann liegenbleibt und Raubtiere anlockt.
     
  11. Beral

    Beral Neues Mitglied

    Die Auswahl von Ente bis Mammut klingt so, als hätten die Menschen damals alles niedergestochen, was ihnen vor die Harpune lief.

    Große Fleischmengen auf einmal sind eine Sache, über die ich mir auch schon den Kopf zerbrochen habe. Unter bestimmten Umständen legen Wildbeuter durchaus Vorräte an, z.B. die Inuit. Mit Kälte oder durch Räuchern kann man konservieren. Vorratshaltung ist sinnvoll, wenn die Beutetiere nicht ganzjährig zur Verfügung stehen, sondern nur saisonal, während einer Wanderung. Damit stellt sich die Frage, ob und wie die damaligen Beutetiere gewandert sind.
     
  12. Angrivarier

    Angrivarier Gesperrt

    Auch trocknen oder salzen geht, die Ausgangsfrage ging aber auch auf die Klimazonen ein, das dürfte wichtig sein. Mit den Wanderungen, das stimmt natürlich auch. Ich denke aber, Pferdchen dürften vor 40.000 Jahren recht populär gewesen sein, da recht einfach zu jagen und ungefährlich und zudem ein dämliches Herdentier, Karibus wohl auch, der Rest ist schwieriger.
     
  13. Sascha66

    Sascha66 Neues Mitglied

    Nun ja, in Gebieten mit Permafrost oder zu Beginn des Winters dürfte der Fleischüberfluß ein zu bewältigendes Problem gewesen sein. Anders natürlich in wärmeren Klimazonen bzw. im Sommer. Dörr-/Trockenfleisch dürfte aber auch möglich gewesen sein.
    Ich kann mir auch gut Vorstellen, das Lachse usw. saisonal an den entsprechenden Plätzen eine große Rolle spielten. Trockenfisch gibt es ja heute noch.
     
  14. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Statt der Klippen wird man wohl eher Falllgruben gewählt haben, über die man die Tiere trieb.Da konnte man die Beutemenge besser dossieren.....Im Rondane-Nationalpark bei Otta in Norwegen habe ich im Juli eine Stelle mit mehreren Fallgruben gesehen, die angeblich aus der Zeit stammen sollen. Die Gruben ,ca, 5 an der Zahl waren über eine zwischen zwei Bächen gelegene ,ca 100 qm große Fläche verteilt. Die Gruben waren ca. 1 Meter tief und so groß,daß ein Rentier gerade rein ging.
    Vermutlich hat man ne Herde da durchgetrieben,4-5 Tiere fielen in die Gruben und brachen sich die Beine und damit war die Gruppe für´s erste versorgt.
     
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  15. Angrivarier

    Angrivarier Gesperrt

    Das macht Sinn, mehr als Klippen jedenfalls.
     
  16. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Beim Wighart v. Koenigswald schwillt mir, mit Verlaub, der Kamm...
     
  17. Secundus

    Secundus Aktives Mitglied

    Es gibt einen gut dokumentierten Rentierjagdplatz aus Deutschland allerdings "erst" 10.000 Jahre alt.
    Im Ahrensburger Tunneltal bei Stellmoor, nordöstlich von Hamburg, wurden bei jährlichen Jagden (mit Pfeil und Bogen) ca. 1000 Rentiere erlegt.
    Es gibt eine Online-Dissertation dazu, die auch auf vorhandene andere Tierarten eingeht.
    http://hss.ulb.uni-bonn.de/2009/1836/1836-5.pdf
     
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  18. Beral

    Beral Neues Mitglied

    Warum?

    Warum?
    Ich meine, es ist mir völlig egal, ob jemand einen Autor gut, schlecht, inkompetent oder hübsch findet. Damit wird keinerlei Aussage über die Fakten gemacht, und auf die kommt es an.
     
  19. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

  20. Sascha66

    Sascha66 Neues Mitglied

    Wie "warum"?
    Im Permafrostboden bzw. Winter dürfte eine entsprechende Grube quasi als Kühlschrank bzw. Gefriertruhe getaugt haben.
    Du darfst nur nicht von heutigen Mitteleuropäischen Winter ausgehen, sondern mußt 1 bis 2 Tausend Kilometer nach Osten in die Tundra gehen.
    Da dürften auch heute noch ähnliche klimatische Bedingungen herrschen.
     

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