Welche Tiere wurden vor 40.000 Jahren gejagt?

Dieses Thema im Forum "Frühzeit des Menschen" wurde erstellt von Beral, 7. Oktober 2009.

  1. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied


    Der aus Afrika gekommene sapiens hat Jahrzehntausende an den Stränden Südasiens geklebt, bevor er ins Landesinnere vordrang.
     
  2. Arldwulf

    Arldwulf Aktives Mitglied

    Mag durchaus sein (auch wenn zu diesem Zeitraum natürlich auch das Landesinnere längst Fundstellen aufweist) - ändert aber wenig daran dass bevor ins Innere von Nordamerika (bei diesem Beispiel waren wir ja gerade) vorgedrungen werden konnte bereits z.B. Mammuts und Menschen in Beringia gelebt haben.

    Und das diese natürlich genauso wie Mensch und Bison später nach Süden wanderten als der Weg frei war.

    Insofern ist es einfach fragwürdig zu sagen "man kannte sich nicht". Die Vorstellung die Nordamerikanische Grosstierwelt sei ausgestorben weil sie sich nicht gegen den Menschen wehrte (in einer Form von Inselzahmheit) wird davon nicht gerade gestützt.

    Weiter oben sagst du dabei ja sogar explizit der Bison hätte überlebt weil er die Menschen länger kannte und er ebenfalls eingewandert wäre. Dies gilt allerdings genauso für einige weitere Tierarten welche es nicht überstanden, unter anderem das Mammut.
     
  3. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied


    Genau das ist es, was ich vermute.
     
  4. Arldwulf

    Arldwulf Aktives Mitglied

    Die Frage ist doch nur: Warum?

    Ich kann es bei einigen der Tiere welche nie einen Menschen sahen teilweise nachvollziehen. Aber gerade Mammuts lebten zu diesem Zeitpunkt schon länger mit dem Menschen zusammen. Eine der ursprünglichsten Besiedlungsthesen für Amerika war ja sogar kurz zusammengefasst: "Die sind den Mammuts gefolgt". Ähnlich sieht es bei den Wollnashörnern aus, und anderen Lebewesen wie es diese bereits in Beringia gab.

    Aber selbst bei Tieren welche nie einen Menschen sahen ist doch unklar ob sie tatsächlich "zahm" waren. In erster Linie ist es eine Spekulation, welche auf vollkommen anderen Lebewesen basiert. Wie das Verhalten der Kamele Nordamerikas war lässt sich einfach nicht sagen. Vielleicht sind sie geflohen, vielleicht auch nicht.

    Um ehrlich zu sein: Ich zweifle auch einfach an das dies notwendig war. Die Menschen dieser Zeit werden auch in der Lage gewesen sein ihre Jagdbeute ohne Inselzahmheit erlegt zu haben. Und wie gesagt: Der Grund dafür diese überhaupt zu vermuten liegt ja in der Annahme man bräuchte eine Erklärung für übermässig hohen Jagddruck.

    Aus meiner Sicht liegt an dieser Stelle schon der Denkfehler - es muss weder übermässig hohen Jagddruck noch übermässig hohe Jagderfolge (mangels Gegenwehr dann) gegeben haben.
     
  5. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Nun.m.W. sind Clovis-Speerspitzen ,aus denen man auf Bejagung schließen kann nur im Zusammenhang mit Überresten von Mammuts und Mastodonten gefunden worden.Die Goshem- und Folsom-Kulturen waren auf Bisonjagd spezialisiert .
    Diese Spezialisierung auf bestimmte Beutetiere sehe ich schon als Gegenbeweis,insbesondere,wenn man weiß,daß Pferde und Kamele, den Fossilien nach in Amerika am zahlreichsten verbreitet waren und bei deren Überresten keine Anzeichen für Bejagung gefunden wurden.Trotzdem sind diese Arten in Amerika ausgestorben
    Den umgekehrten Fall haben wir in Europa,wo Pferde,wie u.a.die Funde am Roche de Solutre in Südburgund zeigen,über lange Zeiten intensiv bejagt wurden ,aber nicht ausstarben.
    Aber wem sag ich das ;):D
     
  6. MiriMM

    MiriMM Neues Mitglied

    Ich finde es so schade, dass es so viele Tierarten nicht mehr gibt. Die früher mal hier auf der Erde gelebt haben. Und jetzt sind sie ausgestorben :-(

    Aber es ist auch faszinierend wie viele Tierarten über die Jahrtausende hinweg noch immer unseren Planeten beleben.
     
  7. Martin Schütte

    Martin Schütte Neues Mitglied

    Nun ja...


    1. Pferde waren mehr vorhanden (Urpferde)
    2. Sie breiteten sich schneller und weiter aus
    3. Pferdewurst schmeckt immer noch besser als z.B. Wisent;)

    Na ja egal. Ich hab mir mal einen Vortrag in Magdeburg angehört, in dem es um ungefähr dieses Thema ging. Da waren eine menge Informationen dazu drin.
    Ich glaub der war Juni/Juli 2007.
    Da könnte man sich mal erkundigen, ob man den irgendwo finden kann.
     
  8. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

  9. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Und eine neue These zum Aussterben der Höhlenlöwen:

    Cueto et. al.: Under the Skin of a Lion: Unique Evidence of Upper Paleolithic Exploitation and Use of Cave Lion (Panthera spelaea) from the Lower Gallery of La Garma (Spain)
    PLOS ONE:
    PLOS ONE: Under the Skin of a Lion: Unique Evidence of Upper Paleolithic Exploitation and Use of Cave Lion (Panthera spelaea) from the Lower Gallery of La Garma (Spain)


    Abstract:

    "Pleistocene skinning and exploitation of carnivore furs have been previously inferred from archaeological evidence. Nevertheless, the evidence of skinning and fur processing tends to be weak and the interpretations are not strongly sustained by the archaeological record. In the present paper, we analyze unique evidence of patterned anthropic modification and skeletal representation of fossil remains of cave lion (Panthera spelaea) from the Lower Gallery of La Garma (Cantabria, Spain). This site is one of the few that provides Pleistocene examples of lion exploitation by humans. Our archaeozoological study suggests that lion-specialized pelt exploitation and use might have been related to ritual activities during the Middle Magdalenian period (ca. 14800 cal BC). Moreover, the specimens also represent the southernmost European and the latest evidence of cave lion exploitation in Iberia. Therefore, the study seeks to provide alternative explanations for lion extinction in Eurasia and argues for a role of hunting as a factor to take into account."
     
  10. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ein Vergleich mit nahen Verwandten zur Variation des Speiseplans.:devil:

    Das Interessante ist hier, dass es sich um zwei benachbarte Schimpansen-Gruppen handelt, offenbar auch mit Tieren, die einen Gruppenwechsel vorgenommen haben.

    Bei den Nachbargruppen wurden das Jagdverhalten und die bevorzugte Fleischbeute sowie das Teilen der Beute beobachtet. Die eine Gruppe bevorzugte Mantelaffen, die anderen Rotducker, eine kleine Antilopenart.
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Rotducker
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Mantelaffe

    Zum Artikel in der PLOS One (freier download):
    Variation in hunting behaviour in neighbouring chimpanzee communities in the Budongo forest, Uganda
     
  11. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ein neuer Aufsatz aus der nature zum Thema "Mammut mit Salat", dafür kaum frutti di mare::devil:

    https://www.nature.com/articles/s41598-017-07065-3
    Isotopic analyses suggest mammoth and plant in the diet of the oldest anatomically modern humans from far southeast Europe

    Die Proben stammen von der Krim.

    Abstract:
    Relatively high 15N abundances in bone collagen of early anatomically modern humans in Europe have often been interpreted as a specific consumption of freshwater resources, even if mammoth is an alternative high 15N prey. At Buran-Kaya III, access to associated fauna in a secured archaeological context and application of recently developed isotopic analyses of individuals amino acids offer the opportunity to further examine this hypothesis. The site of Buran-Kaya III is located in south Crimea and has provided a rich archaeological sequence including two Upper Palaeolithic layers, from which human fossils were retrieved and directly dated as from 37.8 to 33.1 ka cal BP. Results from bulk collagen of three human remains suggests the consumption of a high 15N prey besides the contribution of saiga, red deer, horse and hare, whose butchered remains were present at the site. In contrast to bulk collagen, phenylalanine and glutamic acid 15N abundances reflect not only animal but also plant protein contributions to omnivorous diet, and allow disentangling aquatic from terrestrial resource consumption. The inferred human trophic position values point to terrestrial-based diet, meaning a significant contribution of mammoth meat, in addition to a clear intake of plant protein.


    Download ist frei verfügbar.

    Presse:

    Mammut und viel Rohkost ? Archäologische Nachrichten ? [Archäologie Online] ? ?
     
  12. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Noch etwas weiter in der Vergangenheit:
    Eine neue Publikation der Nature beschäftigt sich mit der Rotwildjagd durch Neanderthaler. Spekuliert wurde schon länger über die Verwendung von Speeren, wobei diese Untersuchung einen Nachweis für die Verwendung in der Nahdistanz annimmt, jedoch die Verwendung für weitere Würfe nicht ausschließt.

    Wenn Rehe und Hirsche in der Nahdistanz erlegt wurden, müssten sie entsprechend getrieben (oder überrascht?) worden sein.
    Evidence for close-range hunting by last interglacial Neanderthals
    (pay-wall)

    Stattdessen ausführlicher Bericht:
    The cut and thrust of Neanderthal hunting | Nature Ecology & Evolution | Nature Research
     

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