Weltbürgerkrieg?

Dieses Thema im Forum "Südeuropa | Mittelmeerraum" wurde erstellt von das-a, 18. Mai 2010.

  1. das-a

    das-a Neues Mitglied


    Guten Tag liebe Leute,
    ich habe letztens eine sehr interessante Diskussion mit einem Freund darüber geführt, ob der Spanische Bürgerkrieg ein Teil eines Weltbürgerkrieges war.
    Mich würde mal interessieren was ihr darüber denkt.
    Liebe Grüße! :winke:
     
  2. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Für die These würde sprechen, dass in Spanien die traditionellen Gruppen (Königtum, aristokratische bzw. bürgerliche Schicht, Klerus, Armee), die die staatliche Integrität sichergestellt haben, über keine ausreichende Legitimation durch die Mehrheit des spanischen Volks verfügt haben.

    In diesem Sinne war es natürlich ein Bürgerkrieg. Aber er war nicht eingebettet in einen "weltweiten" Bürgerkrieg, da es keine zeitliche oder strukturelle Beziehung - im kausalen Sinne - zwischen den anderen Bürgerkriegskonflikten auf der Welt gab.

    Auf der Ebene des Konflikts in Spanien kann diese Frage ebenfalls verneinen. Sie erfüllt nicht den Anspruch:

    • eines globalen Konflikts bei den beteiligten Mächten
    • und sie betrifft auch nicht die Bürger aus mehreren Ländern.
    Es war eher ein Stellvertreter-Krieg an der Schnittstelle alter und neuer Mächte. In diesem Sinne ging es um eine fundamentale Systemrivalität. Es war der Konfliktraum der alten kapitalistischen Mächte, die eher ein Interesse an einer Deeskalation und Eingrenzung zeigten und den neuen aggressiven Mächte, mit einem faschistischen bzw. einem marxistisch-leninistischen Weltbild und entsprechenden aggressiven außenpolitischen Strategien.

    Für die UdSSR war Spanien, neben dem Konflikt in China, das wichtigste Anwendungsbeispie für seine Kominternstrategie. Und hat sich den revolutionären Elan (sprich die Waffenlieferungen) sehr gut in Gold bezahlen lassen.

    An beiden Konflikten kann man sehr eindringlich das außenpolitische Scheitern Stalins nachvollziehen. Eine besonders üble Rolle spielte in diesem Zusammenhang der NKWD, der im Zuge der stalinistischen Säuberungen auch in Spanien unter den internationalen Brigaden in Spanien heftig aufgeräumt hat.

    Nicht zuletzt durch die destruktive Intervention des NKWD konnte Franco erfolgreich sein.
     
    Zuletzt bearbeitet: 18. Mai 2010
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  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter


    Aus einer marxistischen Perspektive - Faschismus als letztes Aufbäumen des Kapitalismus - hätte man sicherlich die Konfliktlinien zwischen der bürgerlichen Gesellschaft und dem Aufkommen des Sozialismus durchaus als einen weltweit vernetzten Bürgerkrieg wahrnehmen können. Fragt sich jedoch, ob eine solche Analyse dem Faschismus "gerecht" würde, der ja letztlich keine bürgerliche Bewegung (oder allenfalls eine kleinbürgerliche Antiabstiegsbewegung) war.


    Dem würde ich widersprechen: Nicht, dass die Konfliktlinien falsch wären, es ist schon richtig, wie du schreibst, dass Frankreich und GB durch ihre Nichtinterventionspolitik versuchten, den Krieg auf Spanien zu beschränken und dass das Reich, Italien und die SU - obwohl zumindest Italien und D sich offiziell auch der Nichtinterventionspolitik verschrieben hatten, massiv und aggressiv in den Krieg eingriffen, sei es mit militärischer Beratung, Truppentransporten oder sogar Luftangriffen, aber Stellvertreterkrieg würde ja bedeuten, dass die kriegführenden Mächte in Spanien für die gleiche Sache gekämpft hätten, wie F, GB, I und D, und das möchte ich doch in Abrede stellen. Der Bürgerkrieg als Stellvertreterkrieg zwischen Bürgertum und proletarischen Mächten? Nein! Der Krieg in Spanien wurde in erster Linie zwischen linken Republikanern und den anarchistischen und sozialistischen Gewerkeschaften auf der einen und Monarchisten, zentralspanischen Nationalkatholiken Faschisten und Militärs auf der anderen Seite geführt. Gerade bei den Nationalisten gab es dann aber auch noch die ebenfalls meist sehr nationalkatholischen Separatisten, gerade im Baskenland, die dann - paradoxerweise - auf der Seite der Republik kämpften.
    Man spricht von den sich unversöhnlich gegenüberstehenden dos Españas.
    Der britische Historiker Paul Preston hat aber in seinem Buch Las tres Españas del '36 ein drittes Spanien ausgemacht, welches zwar vom Bürgerkrieg in Mitleidenschaft gezogen wurde, aber an diesem nicht aktiv teilgenommen habe. Die wenigen Vertreter dieses dritten Spanien wären wohl diejenigen, die am ehesten zum Lager der echten Nichtinterventionsmächte F und GB gepasst hätten (sagt nicht Preston sondern EQ).

    Hier bin ich mir nicht sicher, ob du recht hast. Die Internationalen Brigaden waren ja eigentlich vom KomIntern kontrollierte Einheiten. Die trotzkistischen (POUM) und anarchistischen (C.N.T./F.A.I) Milizeinheiten sind z.T. gewaltsam durch die immer stärker werdenden Kommunisten (die rein zahlenmäßig vor dem Bürgerkrieg in Spanien kaum eine Rolle gespielt hatten) mit Rückendeckung der Republik, die von der Sowjethilfe abhängig war, aufgelöst worden.

    Da bin ich nicht sicher. Die anarchistischen Einheiten hatten natürlich einige Erfolge zu verzeichnen, z.B. bei der Verteidigung Madrids, aber an sich waren sie schwächer als die paramilitärischen und militärischen Einheiten. Vom offiziellen Militär hielten in nennenswerter Zahl nur Teile der Flotte der Republik die Treue, was die ganze nationale Erhebung beinahe hätte scheitern lassen, wenn nicht Hitler Franco zu Hilfe gekommen wäre und sein Ejército de África aus Marokko ausgeflogen hätte.
     
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  4. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    1.
    Das hört sich ein wenig nach "Verschwörungstheorie" an, wenngleich Du es ja selber einschränkst. Für einen "weltweit vernetzten Bürgerkrieg" gab es kein handelndes bzw. organisierendes Subjekt. Insofern gab es auch kein Netzwerk, in dessen Rahmen dieser "welweite Prozess" hätte ablaufen können. Eine zeitliche Nähe von ähnlichen ideologischen Zielen bzw. auch Ereignissen rechtfertig m.E. nicht, von einem Netzwerk zu sprechen.

    Der Zeitgeist bzw. der Zusammenhang der politischen, wirtschaftlichen und militärischen Gesamtsituation führte zu parallelen Ereignissen wie dem Bürgerkrieg in Spanien oder in China.


    Ich habe mich mißverständlich ausgedrückt. Der Stellvertreterkrieg bezog sich auf den Konflikt zwischen den faschistischen Mächten Italien/Deutschland und der sogenannten "kommunistischen" Macht, der UdSSR. Allerdings war diese Konfliktlinie, auch aus der Sicht der handelnden Aktuere, von nebensächlicher politischer Bedeutung, da keiner dieser die Mächte vitale politische Interessen in Spanien vertreten hat (die Bedeutung des "realistischen Truppenübungsplatzes" für Waffenversuche und Einsatzdoktrinen sei mal ausgeklammert, wenngleich sie für die UdSSR zu verheerenden Schlussfolgerungen führte).

    Wikipedia beschreibt es m.E. ganz zutreffend:
    "Der Spanische Bürgerkrieg besaß einen gewichtigen internationalen Aspekt. Da er die ideologischen Konfliktlinien Europas widerspiegelte und die kontinentale Machtkonstellation in Bewegung brachte, hing der Kriegsverlauf und das Schicksal der Republik entscheidend von der Haltung der anderen europäischen Mächte ab. Diese bildeten unter der Ägide des Völkerbundes das Nichteinmischungskomitee, welches bereits am 9. September 1936 zum ersten Mal zusammentrat. Obwohl die wichtigsten Akteure mit Ausnahme Portugals formell Mitglied des Komitees waren, stellte sich bald heraus, dass das Prinzip der Nichteinmischung nicht ernsthaft verfolgt wurde. Auf der einen Seite unterstützten die faschistischen Mächte Italien und Deutschland offen die Putschisten, während die liberalen Demokratien Frankreich und Großbritannien eine Nichteinmischungspolitik praktizierten und damit den Siegeszug der Aufständischen begünstigten. Die Sowjetunion dagegen belieferte die Republik bis 1938 mit Waffen und Beratern. Dadurch konnte sie die Madrider Regierung maßgeblich beeinflussen und die Stellung der zuvor unbedeutenden spanischen KP ausbauen. Außerdem betrieb sie entschieden den Rückgang der Sozialen Revolution. Letzteres geschah sowohl aus Machtinteresse als auch aus strategischen Gründen. Man wollte die Gunst der liberalen kapitalistischen Mächte gewinnen, die Stalin in der zu erwartenden Auseinandersetzung gegen den Faschismus auf seine Seite zu ziehen versuchte. So wurde Spanien zu einem militärischen und politischen Labor für die schwelende Systemkonkurrenz in Europa, die in den Zweiten Weltkrieg mündete. Die gewählte spanische Regierung wurde zu einem frühen Opfer der Appeasement-Haltung der führenden Demokratien, die nicht zuletzt einem antikommunistischen Kalkül geschuldet war. Die Putschisten wären ohne das Eingreifen Mussolinis und Hitlers nie so weit gekommen, konnten aber ihre vollständige Instrumentalisierung durch Rom und Berlin vermeiden."


    Meine Einschätzung bezieht sich auf Erickson
    The Soviet high command: a military ... - Google Bücher

    der sich auf Krivitsky bezieht. Krivitsky beschreibt die verheerenden Folgen der Intervention des NKWD auf die militärische Organisation der Volksfront. Und stellt einen ursächlichen Zusammenhang her zum Mißerfolg bzw. dem militärischen Scheitern.


    Ich sehe keinen Widerspruch zwischen uns. Ich habe lediglich die Rolle des NKWD etwas stark betont. Die Unterstützung durch die faschistischen Mächte und die destruktive Politik der stalinistischen Kominternstrategie führten - auch - zum Scheitern der Volksfront.

    es sind sicherlich noch eine Reihe innenpolitischer Faktoren und auch die Rolle Frankreichs zu beachten.

    Was mich persönlich eher überrascht hat, war die häufig beschriebene relativ schwache Position bzw. der Rückhalt von Franco in der Armee (auch z.B. bei Halder).
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Mai 2010
  5. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Gibt es eigentlich konkrete Zahlen wie viele ausländische Soldaten, Freiwillige, Berater, Agenten usw. für die faschistische und replukanische Seite in Spanien kämpften?

    Interessant ist auch die Internationalität der kommunistischen Spanienkämpf. Sie stammten anders als die Waffen nicht sämtlich aus der Sowjet-Union. Hier fanden sich zahlreiche kommunistische Exilanten ein, die aus dem Deutschen Reich oder Italien vor dem Faschismus in die Sowjet-Union geflohen waren und nun von dort aus zu den Internationalen Brigaden nach Spanien gingen. So trugen NSDAP und KPD quasi den in der Heimat verpassten deutschen Bürgerkrieg auf spanischem Boden aus. (Einige Spanienkämpfer fanden sich später als politsche Führer der DDR eine neue Aufgabe.)
    Daneben gab es Spanienkämpfer aus allen Teilen Europas und auch aus Nordamerika, die der gelebte Klassenkampf auf die iberische Halbinsel lockte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Mai 2010
  6. Reinecke

    Reinecke Aktives Mitglied

    Anmerkung: In den Interbrigaden kämpften bei weitem nicht nur Kommunisten, sondern Antifaschisten aller möglichen Coleur. Die Führung war aber weitgehend in den Händen von Kommunisten sowjetischer Prägung.
     
  7. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

  8. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Zu den internationalen Brigade folgende Zahlen für 1937:

    internationale Brigade und Anzahl der Kombatanten
    11. 3555
    Deutsch Österreichische (8-10 % Internationale) (ebd. S. 249)

    12. 2134
    Italienisch (ca. 10 %)

    13. 1957
    Gemischte Zusammnsetzung / Mitteleuropa und Franzosen

    14. 1645
    "Franco-Spanish"

    15. 2144
    Engländer, Amerikaner, Belgier, Slaven, Spanier

    16. Anzahl ?
    sehr geringe Anzahl Internationaler

    50. Anzahl ?
    Polen (Anteil ax. 10 %)

    150 1910
    Gesamt 12.353

    Rechnet man eingenständige Battalione und Verwundete in Hospitälern dazu, dann ergibt sich ein ca. Bestand von 24.000 (Spain betrayed. S. 238ff)

    Deneben gab es eigenständige Battalione von Jugoslaven, Franzosen oder Amerikanern. (ebd. S. 249)

    Obwohl in 1938 ca. 60-80 Prozent der Mannschaftsstärke von Spaniern gestellt wurde, waren die Führungspositionen fest in der Hand der "Internationalen". (ebd. S. 450).

    Zu den - russischen - Waffenlieferungen gibt es unterschiedliche Zahlen (Nehmen wir die der "Internationalen Solidarität):
    - Flugzeuge 806
    - Panzer 363
    - Panzerspähwagen 120
    - Artillerie 1555
    - Gewehre 500.000
    - Granatwerfer 340
    - Maschinengewehre 15.113
    - Bomben 110.000
    - Munitionseinheiten 3.400.000
    - Granaten 500.000
    - Patronen 862.000.000
    - Schießpulver in t 1.500 (Schauff: Der verspielte Sieg, S. 366)

    An diesen Zahlen wird die relative Begrenztheit des Konflikts deutlich, gemessen an dem, was ab 1941 an der Ostfront passierte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. Mai 2010
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  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Mit "weltweit vernetztem Bürgerkrieg" war nicht gemeint, dass es ein Netzwerk gäbe, sondern - nach marxistischer Wahrnehmung - dass die historische Evolution mehr oder weniger zeitgleich in verschiedenen Staaten zu einem Punkt geführt hätte, an dem sich die Auseinandersetzung zwischen den Klassen historisch notwendigerweise hätte entladen müssen. Die Nichtintervention Fs und Gbs im Spanischen Bürgerkrieg wurde linkerseits als Sympathie der kapitalistischen Mächte für den Faschismus gewertet.

    Also nicht Verschwörungstheorie, sondern Einordnung der Hypothese von das-a in den zeitgeschichtlichen Kontext.

    Das dürfte zu weitgehend sein. Der Bürgerkrieg im Bürgerkrieg, ja. Das Scheitern war aber schon in der besseren militärischen Ausbildung der Putschisten angelegt. Und auch darin, dass mit der Schwäche der Republik auch gleichzeitig im republikanischen Teil die offene Revolution ausbrach.

    Schwäche? Er war nicht von Beginn an die Nr. 1. da waren noch Sanjurjo und Mola. Aber Franco sollte die Hauptlast (und damit das Hauptrisiko) des Putsches tragen. Da Sanjurjo und Mola beide bei Flugzeugabstürzen umkamen, gibt es das Gerücht, Franco hätte als ihr Erbe daran mitgewirkt. Das wiederum halte ich für eine Verschwörungstheorie, aber sie ist in Spanien sehr beliebt.
     
  10. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Ist ja richtig, was Du schreibst. Ich wollte zunächst gar keine allgemeine Einschätzung liefern, sondern wollte mich nur mit der ambivalenten Rolle der stalinistischen Außenpolitik im allgemeinen und den Auswirkungen der Säuberungen im speziellen beschäftigen.

    Die Nationalisten hatten sicherlich die prinzipiell besser ausgebildetete Armee. Zumal die republikanische Regierung die Bewaffnung der Milizen als zweischneidiges Schwert ansah und nicht eindeutig verfolgte.

    Die Sreitkräfte der Nationalisten saßen aber zu Beginn des Putsches in Nordafrika und der Putsch wäre im wahrsten Sinne im Sande verlaufen.

    "Ohne die Hilfe Deutschlands und Italiens wäre das pronunciamiento im Laufe eines Monats in Spanish Marokko verendet" (Schauff: Der verspielte Sieg. S. 48)

    Und alleine hätten die nationalistischen Streitkräfte ebenfalls Probleme gehabt, den Bürgerkrieg zu entscheiden.

    Die Italiener waren mit ca. 50.000 aktiven und gut ausgebildeten Soldaten präsent und die Deutschen mit den 5.000 der Legion Condor inklusive einer hochqualifizierten Luftwaffe.

    Diese positiven Faktoren bewirken die Überlegenheit der Nationalisten, kompensiert durch die russischen Materiallieferungen, aber auch destruiert durch die ambivalente Außenpolitik Stalins, inklusive der Rolle der NKWD.

    Dazu kam das die nationalistsiche Seite einen positiven Findungsprozess durchlief und sich organisatorisch stärkte, auch dank der "Flugzeugunglücke", während die republikanische Seite sich zunehmend zersplitterte im Rahmen des "Bürgerkriegs im Bürgerkrieg".

    Ich denke, unser Bewertung liegt gar nicht so weit auseinander.

    Schauff weist in Bezug auf Franco darauf hin, dass er ad personam die Lieferungen der Deutschen und der Italiener an seine Person binden konnte, sodass er seine starke außenpolitische Situation im innenpolitischen Machtspiel einsetzen konnte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 23. Mai 2010
  11. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Auch darin sind wir uns - wie in den meisten Punkten - einig:
    Jedoch hätten auch Hitlers Truppentransporte den Putschisten nichts geholfen, wenn nicht Cádiz und Sevilla in der Hand des aufständischen Generals Queipo de Llano gewesen wären, eines echten Hardliners.
     
  12. das-a

    das-a Neues Mitglied

    Ich würde es auch interessant finden, wenn ihr eure Definition eines "Weltbürgerkrieges" hier vorstellen und meine kritisieren würdet. Meine sieht wie folgt aus:

    Ein Weltbürgerkrieg ist ein Bürgerkrieg, also eine bewaffnete Auseinandersetzung zwischen inländischen Kriegsparteien und/oder der Regierung, welche sich auf das Territorium einer Nation beschränkt. Mischen sich nun mehrere Nationen mit ein und hat dieser Krieg die grundsätzliche Neuordnung der internationalen Beziehungen zufolge, so spricht man vom Weltbürgerkrieg.


    Muss sich ein "Weltbürgerkrieg" unbedingt über mehrere Kontinente erstrecken oder kann dieser auch in einer Nation ausgetragen werden. Kann man beim Spanischen Bürgerkrieg getrost von einem europäischen Bürgerkrieg sprechen?
     
  13. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Moment, warum sollten in einem Weltbürgerkrieg die Nationen eine Rolle spielen ? Dann hätten wir keinen Bürgerkrieg, sondern einfach einen Krieg. Es müssten schon die Bürger einen grenzunabhängigen globalen Konflikt untereinander austragen. Als erstes würde ich jedenfalls die Regierungen beseitigen.
     
  14. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Definiere Bürgerkrieg!

    Das ist in der Regel immer ein nationaler Konflikt. Das sich hier nun äußere Mächte mit einmischen, ändert nichts an dem Bürgerkrieg und macht ihn auch nicht zu einem "Weltbürgerkrieg".
    Zumal die Einmischung von Außen meist auf freiwilliger Basis begründet ist oder ebend als Unterstützung einer der kriegführenden Parteien gilt.

    So haben wir z.B.während des Imperialismus viele Bürgerkriege, gerade in den Kolonien der europäischen Nationen, die hier immerwieder auch zu politischen Zwecken genutzt oder unterstütz worden bzw. aus Eigennütz der ein oder anderen Nation begünstigt oder unterstützt worden.

    Der spanische Bürgerkrieg hat somit nur an den Beteiligten einen Weltkonflikt-Charakter. Ich glaube wir haben hier erstmals das aufeinanderprallen der europäischen Ideologienblöcke, Kommunismus und Faschismus, der nun von den jeweiligen Nationen freiwillig, wie staatlich unterstützt bzw. überwacht wurde. Dieser Weltbürgerkrieg bezieht sich damit nicht auf nationale Ebene, sondern auf die Ideologie, womit der man sagen könnte, der Kalte Krieg hatte ebenfalls solche einen Weltbürgerkrieg-Charakter.

    Übrigens, sind z.B. die US-amerikanischen Bürgerkriegsfreiwilligen später in der USA nach dem 2. Weltkrieg als Kommunisten verfolgt worden, was den nationalen übergreifenden Charakter zeigt.

    Aber einen Weltbürgerkrieg an sich, gab es in der Neuzeit wohl nicht.
     
  15. querdenker SZ

    querdenker SZ Aktives Mitglied

    Wäre nicht eine Weltregierung eine Grundvorraussetzung für einen Weltbürgerkrieg ?
    Selbst wenn weltweit Bürgerkriege ausbrechen würden ,wären es doch nur weltweite Bürgerkriege und kein Weltbürgerkrieg .
     
  16. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt

    Das wäre der nahe liegende Gedanke, aber was ist ein Bürgerkrieg? Der gründet doch fast immer auf der Ideologie der Gruppen innerhalb der Nation. Und was ist wenn diesen Krieg im Land einer Nation nun viele andere Staaten unterstützen?
     
  17. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Oder eine weltweite Nicht-Regierung (etwa in Folge eines weltweiten Zusammenbruchs der Finanzsysteme).
     
  18. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Sofern es einen Konflikt gab, der diesen Anspruch ansatzweise erfüllte, war es der Kampf der nationalen Befreiungsbewegungen gegen die Kolonialländer bzw. gegen die nationalen Eliten, die im Dienste der Kolonialverwaltungen standen.

    Da? der Marxismus als Ideologie einen gemeinsamen Interpretationsrahmen für die Mehrzahl dieser Befreiungsbewegungen anbot, kann man als historisches Fakt ansehen.

    In diesem Sinne schuf er auf der nationalen Ebene als Ideologie die notwendige kollektive politische Identität bzw. auch das politische Programm und ermöglichte somit der Bevölkerung als handelndes politisches Subjekt in Erscheinung zu treten.

    Geht man eine Stufe höher auf die regionale Ebene, dann kann man aufgrund der gemeinsamen Ideologie von einer transstaatlichen Bewegung sprechen, wie beispielsweise in Indochina.

    In diesem Sinne mag man Ho, Che oder Mao auf einer Metaebene als Teile einer globalen, revolutionären Bewegung interpretieren.

    Und sofern man diese Sichtweise akzeptiert, dann manifestiert sich in diesen Ereignissen ein "Weltbürgerkrieg", der phasenweise abläuft.

    Es ist somit der Kampf der "Nichtkapitaleigner" gegen die "Kapitaleigner", als kleinster gemeinsamer Nenner einer globalen Befreiungsideologie. Aber der ideologische Überbau ist sicherlich die notwenige Voraussetzung von einem "Weltbürgerkrieg" zu sprechen.

    Ohne diese Voraussetzung wären es multiple nationale Bürgerkriege, die aber nicht automatisch als "Weltbürgerkrieg" zu klassifizieren wären.

    Vielleicht ist es auch der Begriff des "Krieges", der das Problem darstellt. Da Konflikte zunehmend asymmetrisch sind und auch Guerillakonflikte sich zunehmend unterscheiden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Juni 2010
  19. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Der Bürgerkrieg ist der bewaffnete Konflikt zwischen Bürgern eines Staates - wobei die in einer Schießerei endende Nachbarschaftsstreitigkeit sicher nicht darunter fällt.
     
  20. das-a

    das-a Neues Mitglied

    Verbesserung:

    Ein Weltbürgerkrieg ist eine bewaffnete Auseinandersetzung zwischen den Bürgern mehrerer Nationen. Die Anhänger der Kriegsparteien vertreten jeweils die gleiche politische Einstellung. Hat dieser Krieg die Neuordnung der internationalen Beziehungen zufolge, so spricht man vom Weltbürgerkrieg.

    Welche Aspekte spielen noch eine Rolle?

    Wie würdet ihr denn nun "Weltbürgerkrieg" definieren? Ich brauche dringend eine!
     

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