Weltbürgerkrieg?

Dieses Thema im Forum "Südeuropa | Mittelmeerraum" wurde erstellt von das-a, 18. Mai 2010.

  1. Köbis17

    Köbis17 Gesperrt


    Das hört sich schwer nach dem Dreißigjährigen Krieg an, aber hier fehlt wieder der Krieg zwischen den Bürgern.:S

    Ein Weltbürgerkrieg, wenn es denn soetwas überhaupt gibt, kann ja nur auf der Basis eines Volkskrieges aufbauen.
    Aber ein Volkskrieg zwischen mehrere Länder, indem auch die Bevölkerung sich ausserhalb militärischer Stellen die Köpfe einhaut, kann nicht als Weltbürgerkrieg differenziert werden. Denn damit haben wir die Voraussetzungen für einen Weltkrieg.:S

    Noch ein Link:
    http://books.google.de/books?id=C9v...lr=&cd=12#v=onepage&q=weltbürgerkrieg&f=false
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Juni 2010
  2. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    Wenn ich mich an einer Definition versuche, kann ich an Vorhandenes anknüpfen, muss aber auf die notwendige Abgrenzung zu diesem achten, d.h. "Weltbürgerkrieg" muss anders definiert werden als "Weltkrieg" oder "Bürgerkrieg". (So weit, so banal.:still:)
    Deine Sätze (a) und (b) würde ich noch etwas ausschärfen, Satz (c) finde ich unzweckmäßig, weil er vom Ergebnis her argumentiert - denn warum soll es keinen W. geben, der nicht zu einer Neuordnung führt, sondern z. B. zu einem "Patt"?

    Ich würde - in Anlehnung an Köbis17 - das Definitionselement "Ideologie/Weltanschaung" viel höher hängen und dafür "Nation" viel tiefer! Und da bietet sich zur Illustration z.B. EQ's Antagonismus Marxismus-Faschismus an. Solche "internationalen" Antagonismen haben nämlich auch geschichtliche bzw. geschichtsphilosphische Vorbilder! Die bekanntesten sind vielleicht die von Nietzsche [1] und von Heidegger [2], wobei letzterer ausdrücklich von einem Weltbürgerkrieg zwischen Kommunismus und Nationalsozialismus fabulierte [3].

    Andere Autoren haben den Topos eines Weltbürgerkrieges schon in früheren Zeiten verortet, etwa im Zusammenhang mit der Französischen Revolution. Möglich, dass der eingangs erwähnte Freund diese großen Linien im Blick hatte.

    (Hoffentlich habe ich Dir jetzt nicht Steine statt Brot gegeben.)


    [1] Abendländische Eschatologie: Ad ... - Google Bücher
    [2] Der Mensch- sein eigenes Experiment - Google Bücher heidegger&f=false
    [3] Die Welt als fragwürdig begreifen ... - Google Bücher
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Juni 2010
  3. das-a

    das-a Neues Mitglied


    Was haltet ihr davon?:

    Ein Weltbürgerkrieg ist eine Auseinandersetzung zwischen den Anhängern weltweit verbreiteter Ideologien, welche große internationale Beteiligung hervorruft. Dabei spielt es keine Rolle ob der bewaffnete Konflikt auf dem Boden einer oder mehrerer Nationen stattfindet.
     
  4. timotheus

    timotheus Neues Mitglied

    Moderatorenhinweis

    Soweit wir es verfolgen konnten, wird sich in diesem Thread an einer Defintionssuche für den Begriff Weltbürgerkrieg versucht. Uns im Kollegium ist jedoch unklar, warum ausgerechnet für den Begriff Weltbürgerkrieg eine Definition gesucht bzw. gefunden werden soll.

    In diesem Sinne

    Das Moderatorenteam
     
  5. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    @thanepower, Klaus, Maglor, El Quijote und Köbis haben einige interessante Gedanken zum Thema geäußert.

    Mir ist völlig schleierhaft, wozu eine solche Definition "Weltbürgerkrieg" darüber hinaus überhaupt dienen soll.

    P.S. Timotheus war schneller :winke:
     
  6. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Tatsächlich wurde der Begriff "Weltbürgerkrieg" von Lenin geprägt und später auch von dem rechtskonservativen Juristen Carl Schmitt in "Theorien der Partisanen" übernommen und populär gemacht. (Wer jetzt zur Personalie Carl Schmitt googlen möchte, passt bitte auf, dass er nicht auf den braunen Seiten landet! Schmitt gilt als "Kronjurist" des Nationalsozialismus. Armin Mohler ihn als einen der wichtigsten Vertreter der "konservativen Revolution".)

    Der Weltbürgerkrieg sei, nach Carl Schmitt, kein Krieg der Staaten, sondern der Ideologien. Dieser Weltbürgerkrieg sei die unvermeidbare militärische Auseinandersetzung zwischen dem Leninismus und seinen Feinden. Es wäre ein Krieg ohne Regeln, bestimmt von absouter Feindschaft.
    Für Schmitt stellte der Spanische Bürgerkrieg immerhin eine Vorstufe zum völlig hemmungslosen Weltbürgerkrieg dar.

    Heidegger und Carl Schmitt standen im engen geistigen Austausch miteinander. Unter dem Weltbürgerkrieg verstanden sie imgrunde auch das gleiche.

    (Allerdings muss ich an der Stelle auch auf die Lückenhaftigkeit meiner Kenntnisse hinweisen.)
     
  7. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Verstehe den Hinweis nicht. Ideengeschichtlich gehört er als ideologischer Wegbereiter faschistischer Ideologien durchaus in diesen Kontext. In der Weimarer Republik war er eher ein "intellektueller Brandstifter", der seinen Beitrag geleistet hatte,die demokratischen Fundamente von Weimar zu destruieren.

    Und es ist ja kein Zufall, dass er durch diese Kreise als Theoretiker beansprucht wird. Wie man unschwer an Publikationen von Antaios (ich schenke mir den Verweis auf einzelne Autoren) erkennen kann.

    Dass die Liebe von Schmitt zum NS-System einseitig war und er nicht die Anerkennung fand, die er gewünscht hätte, Pech für ihn.

    Aber Schmitt hätte es wohl durchaus verdient, in seiner destruktiven Rolle als Staatstheoretiker "angemessen" und kritisch gewürdigt zu werden. Auch um seinen verheerenden Einfluss auf das politische Denken seiner deutlich zu machen.
     
  8. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Scheinbar ist der Begriff Weltbürgerkrieg anerkannt Bezeichnung für die Zeit von 1914 - 1945. Der Spanische Bürgerkrieg als Zwischenspiel zwischen den beiden Weltkriegen zählt natürlich auch dazu.

    Kruse nennt den "totalen Staat" von Ernst Forsthoff, den "totalen Krieg" von Erich Ludendorff und "totale Mobilmachung" von Ernst Jünger als protonationalsozialistische Konzeptbegriffe. Carl Schmitt würde mit seinem Begriff der "totalen Feindschaft" das Bild vervollständigen.

    Letztklich handelt es sich beim Weltbürgerkrieg im Sinne von Carl Schmitt um eine apologetische Gewaltphantasie, in der alle Normen abseits einer totalen Freund-Feindbestimmung aufgehoben sind. Seine Utopie ist die Abschaffung der Menschrechte.
     
  9. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Der Kulturpessimismus ist der radikalen Rechten immanent, die sieht immer irgendeine Bedrohung des Abendlandes am Horizont aufziehen. Wobei natürlich vor der Erfahrung des Spanischen Bürgerkrieges die Abschaffung aller Normen einigermaßen verständlich ist, die Eigendynamik die sich da bereits ziemlich zu Anfng entwickelte wurde von Zeitgenossen so beschrieben, dass Menschen gemäht würden, wie das Gras bei der Heuernte.
     

Diese Seite empfehlen