Westfernsehen im Osten/Ostfernsehen im Westen

Dieses Thema im Forum "BRD | DDR" wurde erstellt von balticbirdy, 14. Januar 2008.



  1. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Das ist ja auch ganz gut, dass Du als Ortskundiger das kommentiert hasst, aber ich meinte nur, ob Du den falschen Thread erwischt hast (hier geht es um Westfernsehen im Osten und umgekehrt). Dein Beitrag bezog sich auf den Link zum Spiegel-Artikel, den Thane in dem anderen Thread verlinkt hat.:winke:
     
  2. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Hast Recht. Vielleicht kann ein Moderator das ändern. Wäre nett.
     
  3. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Den Rockpalast habe ich, wenn möglich immer gesehen. Mit wenn möglich meine ich, wenn sich an diesem Tag nicht gerade ein Störsender aufs Westfernsehen gesetzt hatte. Da war das Bild dann negativ und manchmal hörte man sogar russische Wortfetzen aus dem Fernseher, wobei diese meist nur ziemlich sinnfreies Zeug von sich gaben. Das waren bewusste Störaktionen und den Rockpalast hat es einige Male getroffen. Da gab es dann wieder von findigen Bastlern selbst gebaute Geräte ,im Volksmund "Russentopf oder Russentod" genannt ,mit deren Hilfe man die Störsender etwas abmildern konnte. Die ,für mich wichtigsten Rockpalst-Sendungen (the Who, Peter Gabriel, Golden Earring, etc.) habe ich aber gut sehen können.
     
  4. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Der eigentliche Beginn der rockigen Jugendkultur im West-TV war aber wohl der "Beat-Club".

    War das auch ein regelmäßig gesehener Sender? Und hat man sich darüber auch unterhalten können?

    Die Anmoderationen von "Uschi" aus der Badewanne hatten zumindest im Westen Kultstatus und waren bis dahin der wohl "dreisteste" Bruch mit einer konservativen Moral der älteren Generation.
     
  5. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Auch darin unterscheidet sich Ost -nicht von Westjugend. Der Beatclub war Pflichtprogramm und genau wie bei zahlreichen Westjugendlichen fanden meine Eltern die Musik und mehr noch die Frisuren der Musiker als die absolute Verblödung. Später hatten sie sich daran gewöhnt und hatten auch nichts mehr gegen unsere langen Haare einzuwenden.
     
  6. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Noch ein Link zum "beatclub". In der Mitte der Seite ist ein kurzes Video zur Anmoderation der ersten Sendung, natürlich stilecht in s/w. "Halbstark, oh baby baby halbstark....":pfeif:

    Das ist so nett und authentisch, das hätte "Walter, Erich und Co" eigentlich auch gefallen können. Die Schlipse sahen zumindest in Ost und West alle schei... aus. :pfeif:

    "Beat Club" - SPIEGEL ONLINE
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Juli 2017
  7. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    [FONT=&quot]Zum „Beatclub“ finde ich keine so richtige Bindung.[/FONT]
    [FONT=&quot]
    [/FONT][FONT=&quot]In meiner Zeit in Sachsen hatte ich nur Radio und da waren meine Sender die man auch ungestört empfangen konnte >Radio Luxemburg< (Camillo Felgen) und >AFN<.[/FONT]
    [FONT=&quot]
    [/FONT][FONT=&quot]Anfang der 70iger zog ich nach Thüringen.[/FONT]
    [FONT=&quot]Fernsehen hatte ich aber erst ab 1972 und da wurde ja aus dem „Beatclub“ der „Musikladen“.[/FONT]
    [FONT=&quot]Parallel lief ja „Musik aus Studio B“. Moderator -> Heinrich Pumpernickel.[/FONT]
    [FONT=&quot]„Musikladen“ von Radio Bremen und „Musik aus Studio B“ (NDR) waren Sendung wo ich kaum eine Ausgabe verpasste.
    [/FONT]
    [FONT=&quot]Und dann gab es ja im ZDF parallel die Sendung „4-3-2-1 Hot & Sweet“.[/FONT]
    [FONT=&quot]Die habe ich nicht gesehen, aber den Nachfolger „Disco“.[/FONT]
    [FONT=&quot]War ja sehr beliebt Mister „Licht aus! Woom! Spot an! Jaaa“ und dann ging es los. [/FONT]
    [FONT=&quot]Der Ilja Richter verstand es so eine Atmosphäre zu schaffen, das man manches mal seinen Spruch „Licht aus!... „ im Sessel zu Hause mitsprach. :)
    [/FONT]
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Juli 2017
  8. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Dem Ulbricht gefielen wahrscheinlich nur Kampflieder wie "Spaniens Himmel" . Honecker hatte dann nichts mehr gegen das "yeh, yeh, yeh einzuwenden. Man rief dann im DDR-Fernsehen eine Jugendsendung namens "rund" ins Leben in der ,neben DDR-Bands und Künstlern aus dem Ostblock auch mindestens eine Band aus dem westlichen Ausland z.B. Mud, Slade (deren Schlagzeuger Don Powell während der Aufzeichnungsaufnahmen aus dem Fernsehstudio geworfen wurde, weil er ständig Kaugummi kaute), Golden Earring, Long Tall Ernie &the Shakers, Rubetts, Smokie, Abba, Status Quo....) auftraten. Die ganze Sendung war plumpste FDJ-Propaganda (alle Moderatoren trugen FDJ-Hemd und erzählten zwischen den Titeln von den Erfolgen der sozialistischen Produktion oder der NVA) aber wir schauten sie wegen des Haupacts an, ohne Notiz vom politischen Inhalt zu nehmen. Ein FDJ-Sprachrohr dieser Show wurde nach der Wende Produzent für diverse Shows bei einem großen Privatsender.
     
  9. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Ich habe durchaus auch ganz gerne mal DDR 1 +2 geguckt. An manche DEFA-Produktionen denke ich recht gerne zurück. Meine Favoriten sind heute "Das große Abenteuer des Kaspar Schmeck" und "Sachsens Glanz und Preußens Gloria". Oft habe ich Montags mal reingezappt, denn dann kam meistens ein Spielfilm. Vorher war der "Sudelede" dran: Eduard von Schnitzlers "Schwarzer Kanal". Aber der war so ein Fossil des Kalten Krieges wie sein Pendant Gerhard Löwenthal, und die meist total aus dem Zusammenhang geschnittenen Beiträge aus dem Westfernsehen konnte man irgendwie nicht wirklich ernst nehmen- der Mann war so giftig und polemisch, dass er einen gewissen Unterhaltungswert hatte- und wir mussten ja auch nicht im gleichen Staat mit dem leben.

    Trügt mich meine Erinnerung, oder war der "Montagabenfilm" wirklich ein fester Sendeplatz im DDR Fernsehen?
     
  10. steffen04

    steffen04 Gesperrt

    Woher kommt eigentlich diese Besessenheit von Diktatoren, auch noch die letzte Schmonzette genehmigen oder verbieten zu müssen?

    Gibt es da irgendeine Untersuchung? Muss man ein kleinlicher ... sein, um Diktator zu werden, oder wird man kleinlich, wenn man Diktator ist?

    Wäre ganz spannend, in Sachen Medienobsession gibt es ja aktuelle Beispiele
     
  11. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Deine Erinnerung trügt Dich nicht. Das nannte sich "für den Filmfreund" und zeigte meist die alten UFA-Filme aus den dreißiger und vierziger Jahren. Ich könnte aber nicht von mir behaupten, dass ich die" Hüpfdohlen" in den alten Revue-Filmen gern gesehen hätte.
     
  12. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Diktatoren wollen die Oberhoheit über das Denken Ihrer Untertanen ganz für sich in Anspruch nehmen. Da passt es schlecht hinein, wenn sich die Untertanen lieber die Unterhaltungsprodukte der gepredigten Feinde reinziehen als die eigenen. Man kann einen Feind nicht hassen, wenn man seine Kultur schätzt. Deshalb empfand ein Großteil der DDR-Bevölkerung nicht den gewünschten Hass auf die Leute im Westen, sondern sah sich deren Fernsehprogramme an, hörte ihre Radiosender und liebte englische und amerikanische Musik.
     
  13. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Hupfdohlen wie Marika Röck und der UFA- Fred Astaire "Jopi" Heesters haben mich auch nicht vom Sockel gerissen, der ein oder andere Film mit Hans Albers oder Heinz Rühmann schon eher.

    Was ich auch ganz gerne geguckt habe war eine Abenteuerserie, die im 30 Jährigen Krieg spielte. Ich habe den Namen vergessen Kreß, Kresse, Kreßler der Bauerngeneral hieß die. Den fiesen Landesherren und Gegenspieler vom "Bauerngeneral" spielte Rolf Hoppe, und den habe ich immer recht gern gesehen, jedenfalls erinnere ich mich da noch an die Titelrolle.
     
  14. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    @Scorpio, das müsste "Rächer, Retter und Rapiere" gewesen sein.
     
  15. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Die Herren Diktatoren machen aber für sich selbst das Motto "Quod licet Iovi, non licet bovi". Hitler hat sich gerne amerikanische Filme angesehen, nach einem Mickey Mouse oder Donald Duck-Filmabend soll er sich bei Goebbels erkundigt haben, weshalb die UFA keine gleichwertigen Zeichentrickfilme machen konnte. Honecker hat wohl auch Westfilme bevorzugt, sich wohl auch gerne Pornos reingezogen, ob in Begleitung des "lila Drachens" Margot weiß ich nicht. Stalin war wohl eine Ausnahme. Er hat sehr Sergej Eisensteins Iwan der Schreckliche gemocht, obwohl er den zweiten Teil später verbieten ließ. Sein Lieblingsfilm war aber irgend so eine seichte Komödie namens "Wolga, Wolga".
     
  16. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Der Titel Rächer, Retter und Rapiere" sagt mir nichts, aber das war sie definitiv, als ich eben googelte, fiel mir auch wieder der Hauptdarsteller Walther Plathe ein, der den "Bauerngeneral" spielte.
     
  17. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Auch Kim Jong Il, der sein Volk in vollkommener geistiger Isolation hielt soll ganz verrückt nach ausländischen Filmen gewesen sein. Er ließ sogar eine südkoreanische Schauspielerin und deren Mann einen erfolgreichen Regiseur in sein Land verschleppen.
     
  18. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    [FONT=&quot]Stalin soll wohl ein Filmliebhaber gewesen sein.[/FONT]
    [FONT=&quot]Das der Film „[/FONT][FONT=&quot]Волга-Волга[/FONT][FONT=&quot]“ von 1938 wohl sein Lieblingsfilm ist, hängt mit der Schauspielerin und Sängerin [/FONT][FONT=&quot]Любовь Петровна Орлова[/FONT][FONT=&quot] zusammen.[/FONT]
    [FONT=&quot]Sie erhielt von J. W. Stalin den Titel: „Ehrenwerter Schauspieler der RSFSR“. Nach ihr wurde auch das Jugoslawische Kreuzfahrtschiff für arktische Kreuzfahrten, gebaut 1975 in Kroatien, benannt. Schiff ist später Besatzungslos im Nordatlantik untergegangen. Es gab ein paar Legenden darüber.

    [/FONT] [FONT=&quot]M.W. ist wohl die Filmleidenschaft von Stalin nach seinem Tod bekannt geworden. Er hat sich auch ganz gern die Filme angesehen die er aus dem Filmarchiv von J. Goebbels hatte. Er liebte wohl Filme mit Charles Chaplin, Clark Gable, Spencer Tracy und vor allem mit Jonny Weissmüller.[/FONT]
    [FONT=&quot]
    Der Filmtitel „Wolga-Wolga“ ist aus dem russischen Volkslied „Stenka Rasin“. [/FONT][FONT=&quot]Ob er dieses Volkslied gern hörte, weiß ich nicht (Thema Kosakenaufstand).[/FONT]
    [FONT=&quot]Ich weiß nur, sein Lieblingslied war ein Volkslied aus seiner Heimat.
    „Suliko“ (Übersetzt: Seele) konnte er wohl nicht oft genug hören. [/FONT]
    [FONT=&quot]Ich übrigens auch. Habe es sogar im Musikunterricht 8. Klasse zur Prüfung gesungen. :)
    [/FONT]
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Juli 2017
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  19. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Neben dem Fernsehen war auch der Rundfunk von herausragender Bedeutung für die Beschaffung von neutraleren Informationen.

    Eine Quelle, um sich zu informieren war wohl die BBC. Es sind Briefe aufgetaucht, die aus der DDR an die BBC geschrieben worden sind.

    Und in der Art der Verfolgung der Briefeschreiber wird auch der spezifische Charakter des post-stalinistischen Rechtsverständnisses deutlich.

    DDR: Anonyme Briefe an die BBC - SPIEGEL ONLINE
     
  20. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Mir ist eigentlich niemand bekannt, der BBC hörte. Wir nutzten hauptsächlich RIAS(Rundfunk im amerikanischen Sektor) Berlin, der in Sachsen über UKW empfangen werden konnte, da er auch über Hof in Bayern ausgestrahlt wurde. Der war ja auch speziell für DDR-Jugendliche ausgelegt. Die Grüße, die in der Samstasausgabe der Sendung Treffpunkt verlesen wurden stammten größtenteils aus dem Osten. Es wurden auch immer Adressen von Westberlinern durchgegeben über die Post und Musikwünsche an den Sender weitergegeben wurden. Aber auch politische Beiträge waren häufig auf die ostdeutsche Hörerschaft zugeschnitten. 1993 beendete der RIAS seine Tätigkeit.
     

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