Wie hat ein keltisches Dorf ausgesehen?

Dieses Thema im Forum "Die Kelten" wurde erstellt von Mia Pallasch, 15. Juli 2005.

  1. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied


    Der ältere Teil liegt sogar links der Straße und des Tales. Muss seinerzeit sehr beeindruckend gewesen sein, wie die größte Siedlung weit und breit beiderseits über dem Talgrund thronte. Aber ich schweife ab, und darum ging es mir: der Aufsatz von Raimund Karl ist sehr populär hier, und zwar auch zu Recht.
    Ich wollte aber aufzeigen, dass es ebenso Befunde gibt, die für eine "klassische" Rekonstruktionsweise sprechen.
    Was die Bebauung im Heidetränk-Oppidum betrifft, so sind bisher die Wohnpodien und natürlich auch Lesefunde der einzige Anhaltspunkt, denn in der Tat gab es fast keine Grabungen in der Innenfläche. Leider blieb es auch im letzten Jahrzehnt bei den hessischen Archäologen "außen vor", wo es ja doch mal ein paar Forschungsgrabungen zur keltischen Epoche gab.
     
  2. Biturigos

    Biturigos Aktives Mitglied

    Guten Tag,
    Haerangil hat recht, da haben wir uns durch die zehn Jahre alte Überschrift täuschen lassen. Ansonsten freue ich mich, dass im Kelten-Ordner diskutiert wird, bin allerdings selbst beruflich sehr belastet und urlaubsreif und demnächst in einem solchen.
    @Nemetona: zur Metadiskussion, was "keltisch" ist, bzw. in welchem Rang Linguistik, Archäologie, Geschichtswissenschaft in der Definition des Keltischen steht, bevorzuge ich eine
    offene, kooperative Herangehensweise, die den Gegenstand der Diskussion aus verschiedenen Perspektiven untersucht und betrachtet. Ich hatte vor längerem eine These Latene als Wirtschaftsraum gepostet, um eine "neue" Betrachtungsweise eines überwiegend kulturalistisch, ethnisch oder linguistisch definierten geschichtlichen Sachverhaltes und Zusammenhanges anzuregen.
    Im Konkreten für den Gegenstand der Frage, wenn wir abweichend zur Ausgangsfrage nach skotischer oder piktischer Hausbauweise/Dorfstruktur uns doch einer eisenzeitlichen Architektur, Holzbauhandwerk, dem Dorf als Wirtschaftseinheit, dem Haus als Statussymbol und Ort der kleinsten Wirtschaftsgemeinschaft ( oder gab es schon Singlehaushalte? ;)) in Mitteleuropa allgemein zuwenden, dann brauchen wir nicht bei der Frage "rund oder eckig" stehen bleiben, sondern könnten dort vertieft einsteigen.
    Leider mangelt es mir jetzt doch an Zeit, einen Lesetipp auf die Schnelle:
    https://books.google.de/books?id=TwPQkNPm2qQC&pg=PA353&lpg=PA353&dq=helga+van+den+boom+Heuneburg+H%C3%A4user+und+Haushalte&source=bl&ots=MlJeeahaCc&sig=Y4XKz96Fu4jR5pLFH01z6RPLfWM&hl=de&sa=X&ved=0CCEQ6AEwAGoVChMI86_u6MeHxwIVxggsCh09BQ55#v=onepage&q=helga%20van%20den%20boom%20Heuneburg%20H%C3%A4user%20und%20Haushalte&f=false
    Der Text ist von Helga van den Boom, Häuser und Haushalte der Heuneburg, aus Studien zur Lebenswelt der Eisenzeit.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. August 2015
  3. Nemetona

    Nemetona Neues Mitglied


    Ups, sorry

    Sie hatte tatsächlich nach piktischen Siedlungen gefragt. Das hatte ich übersehen. Tut mir leid.
    Da hast Du mit den Rundhäusern natürlich recht.

    @Biturigos
    Interessante Themen, die Du da ansprichst. Ich suche mal die Diskussion und schaue, ob ich da was zu beitragen kann.
    Aber schon mal vorab: Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass eine der "Hauptklammern" der Latènekultur (vor allem von Spätlatène) ein gemeinsamer Wirtschaftsraum war. Da gebe ich dir mit deiner These völlig recht. (Nur ein Beispiel von sehr, sehr vielen: In Manching wurden Treverische Silbermünzen gefunden.)

    VG
    Nemetona

    ich wünsche Dir einen baldigen und hoffentlich erholsamen Urlaub.
     
  4. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Ein überraschender Fund in der Heuneburg:

    Human blood, organs, and a surprising virus detected in ancient pottery
    Human blood, organs, and a surprising virus detected in ancient pottery | Science | AAAS

    Die Person von hohem Rang scheint an dem Virus gestorben zu sein, der heute als "Crimean-Congo hemorrhagic fever virus (CCHFV)" bekannt ist.

    Näheres soll hier zu erwarten sein:
    "The researchers identified proteins specific to human blood and organs, which was a surprise, and showed that the vessels once held organ remains. Just as shocking was the presence of two unique protein fragments, known as peptides, that help CCHFV bind to a host cell just prior to infection, the team will report in the February 2017 issue of The Journal of Archaeological Science."
     
  5. Heine

    Heine Aktives Mitglied

    Die vollständige Studie lässt sich bereits im Netz finden. Erstaunlich ist zum Einen die Art des Begräbnisses, also dass menschliche Organe und Gewebe in Keramikgefäßen in Grabhügel T17 der Speckhau-Gruppe beerdigt wurden. Und zum Anderen, dass sich in 5 von 6 untersuchten Gefäßen Proteine des Erregers des Krim-Kongo-Fiebers fanden, das vor allem durch Zecken übertragen wird und aktuell nur bis in den Süden Europas vorkommen kann, nicht jedoch in Mittel- bzw. Nordeuropa. Daher wird in der Studie spekuliert, dass die höhergestellte Person fernab der Heimat verstorben sein könnte und nur ihre Überreste zum Begräbnis nach Norden zur Heuneburg transportiert wurden.
     
    1 Person gefällt das.
  6. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Wie warm war es denn zu der Zeit?
     
  7. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Nun ja, dass die Person fernab der Heimat verstorben sein könnte und nur ihre Überreste zum Begräbnis nach Norden zur Heuneburg transportiert wurden halte ich eher für eine gewagte These ,
    Die Heuneburg war ein Handelszentrum ,an dem sich Handelswege kreuzten,die bis nach Süd- und Südosteuropa reichten .
    Da die Inkubationszeit bis zu 13 Tage beträgt , das Virusreservoir grasfressende Tiere sind und die Übertragung entweder direkt durch den Stich der Hyalomma-Zecken, durch den Kontakt mit Blut oder Fleisch erkrankter Tiere oder zwischen Menschen durch infizierte Körpersekrete wie Urin, Kot, Speichel , Blut und auch im Wege der Tröpfcheninfektion erfolgt kann die Ansteckung also m.E. durchaus in Folge dieser Handelskontakte erfolgt sein , ohne dass der Erkrankte in den Gebieten gewesen sein muss,in denen die Infektion normlerweise auftritt
    Dass die Krankheit wohl auch symptomlos verlaufen kann und nur in jedem zweiten Fall tödlich verläuft könnte ein weiterer Grund für die temporäre Ausbreitung entlang der Handelswege bis ins Donautal sein.
     

Diese Seite empfehlen