Wieso gab es keinen Neandertaler in Afrika

Dieses Thema im Forum "Frühzeit des Menschen" wurde erstellt von Paläolithikum, 13. Juli 2009.

  1. Pakal

    Pakal Neues Mitglied


    Aus dem selben Grund warum sich Gras weltweit verbreitet hat oder es Krähen auf fast allen Kontinenten gibt. Das ist keine bewusste Migration. Eine Population breitet sich zwangsläufig aus wenn Gebiete mit guten Bedingungen offen stehen. So wie es bis jetzt aussieht betrug die Verbreitungsgeschwindigkeit 3 Km pro Jahr. Das klingt nicht gerade nach Flucht vor schlechtem Klima oder Überbevölkerung...
     
  2. Xander

    Xander Aktives Mitglied

    Da widersprichst du dich! Wenn man in Gebiete mit besseren Lebensbedingungen abwandert, ist das natürlich eine bewußte Migration!
    HSS ist doch nicht vom Winde verweht worden!

    keiner hat hier von Flucht geredet?
    Populationsdruck und klimatische Veränderungen sind ein langsamer Prozess!
     
  3. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied


    Woran kann man das heute noch erkennen ?
     
  4. Xander

    Xander Aktives Mitglied


    An den Bremsspuren! :pfeif:
     
  5. Pakal

    Pakal Neues Mitglied

    Wenn ich in 1km Entfernung von meinen Eltern ein Haus baue ist das kein Abwandern in neue Gebiete und trotzdem eine erschliessung von mehr Gebieten.

    Woran man das erkennen kann mit den 3km? Keine Ahnung, hat hier jemand im Neandertalertopic geschrieben.

    Wie waren denn die klimatischen Bedingungen in Afrika zu der Zeit? Soviel ich weis perfekt.
     
  6. Xander

    Xander Aktives Mitglied

    Gehe mal davon aus, dass HSS weiter als 1000 m gewandert ist, wenn er sein Jagdrevier wechseln musste!
    Zudem verfügte HSS soviel ich weiß, nicht über GoogleEarth. Egal wo du heutzutag hinziehen würdest, triffst du auf kein "neues" Gebiet!
    Dein 1000m Umzug wäre für einen HSS ein Umzug von der linke in die rechte Höhlenseite! ;) Und damit auch keine "Erschließung von mehr Gebieten".
     
  7. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Nur weil das hier jemand geschrieben hat, muss das noch längst nicht stimmen. Es sei denn man hat ein Tagebuch einer frühen H.S.S.- Wandergruppe gefunden.:grübel:

    Die klimatischen Bedingungen waren in Afrika sicher gut. Es muss auch nicht der Mangel sein, der sie vertrieben hat sondern Vertreibung durch zahlenmäßig größere und aggressivere Horden, die Territorien beanspruchten.
     
  8. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    3 km pro Jahr (weiß nicht, ob das stimmt) kann nur ein Durchschnittswert sein.

    Ich fahre jeden Tag 12 km zur Arbeit und und 12 km wieder zurück. Macht 24 km in 24 Stunden.
    Ich bewege mich also mit mit einem Durchschnittstempo von 1 km/h.
     
  9. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    aber von Europa nach Afrika kommst du mit dieser Fahrweise nicht, weil du ja eigentlich daheim bleibst ;)
     
  10. Taurus

    Taurus Aktives Mitglied

    Weil sie an eiszeitlich kalte bis bestenfalls heutige mitteleuropäische Temperaturen angepaßt waren, sowohl körperlich als auch kulturell.
    In Kaltzeiten waren die Bedingungen in Israel wohl grade noch für HN erträglich, während sich die HS dort noch nicht wohlfühlten.
    In Warmzeiten war es dem HN in Israel zu warm, für HS aber erträglich.
    Es soll wohl Höhlen in Israel geben, die abwechselnd von HS und HN bewohnt wurden, jeweils zu Warm- und zu Kaltzeiten, also nicht gleichzeitig.
    Nordafrika dürfte also einfach zu warm gewesen sein, von der vorhandenen Besiedlung durch HS ganz abgesehen.
     
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  11. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Ob und wo HN in Afrika war, ist nicht bekannt !!
    Und wo wenig bis nichts zu holen ist, weil andere da schon "geerntet" haben, bleibt man weg.
    Außerdem ist zu beachten, das beide nicht unbedingt Waldbewohner sind. Der hyperboreale Urwald ist ein Menschenfeindliches Gebiet
     
  12. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Das war sicherlich der entscheidende Grund.

    Der Neandertaler war hervorragend an ein kaltes Klima angepasst und hat sich rund 100 000 Jahre geschickt in der lebensfeindlichen Umwelt der Würm-Kaltzeit durchgesetzt. Ausgebreitet hat er sich somit vorzugsweise in kalten und gemäßigten Klimazonen bis nach Zentralasien und zum Altaigebirge. Allerdings finden sich auch vereinzelte Funde im Nahen Osten (Palästina und Zagros-Gebirge).
     
  13. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Waren es nicht eher die Tiere, also das bevorzugte Jagdwild der HN, die an ein kühleres Klima angepaßt waren. Die Tiere wiederum an die Kältesteppenpflanzen. Deshalb würde ich die Anpassung eher als kulturell bezeichnen. Der HN ist im Süden sicher nicht den Hitzetod gestorben.
     
  14. Taurus

    Taurus Aktives Mitglied

    Ich bin der Meinung, das auch körperliche Merkmale auf eine Angepaßtheit an kalte Klimata hinweisen.
    Kürzere Gliedmaßen und stämmigerer Körperbau z.B., die größere Nase, evtl. auch die Schädelmerkmale (langestreckt, niedrig und die Augenwülste) werden als Anpassung an kaltes Klima gesehen.
    Auch die weitgehend fleischbasierte Ernährung hat sicherlich physiologische Anpassungen notwendig gemacht.

    Ich denke mal, würden heutige Inuit plötzlich umgesiedelt nach Nordafrika, würden sie schon arg zu leiden haben.
     
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  15. Moltke

    Moltke Neues Mitglied

    ich denke auch das sie ihren nahrungsquellen gefolgt sind, also den tieren und wahrscheinlich auch kaum drüber nachdenken konnten ob es woanders noch tolleres wetter gibt als im norden, sondern sie waren mit dem kampf ums dasein beschäftigt und demzufolge der jagt nach ihrem täglich brot...äh fleisch:fs:
     
  16. Hans forscht

    Hans forscht Aktives Mitglied

    Ich glaube da überbewertest du relativ geringfügige Unterschiede. Richtig ist, dass ein Mensch mit sehr wenig Hautpigment sich erheblich schneller den Pelz verbrennt. Vielleicht ist auch richtig, dass ein Mensch mit sehr viel Pigment in einer sehr lichtarmen Gegend traurig werden könnte.

    Fakt ist aber bezüglich der großen Nasen, von denen in Bezug auf den Neandertaler und die Eiszeit immer gesprochen wird auch, dass es viele Schwarzafrikaner mit großen, breiten Nasen gibt. Das gilt gemeinhin sogar als ziemlich typisch. Wenn diese Menschen an warm oder kalt angepasst sind, dann doch wohl eher an ziemlich warm. Man könnte also genauso gut argumentieren, die große Nase bei tropischen Afrikanern habe den Zweck Körperwärme besser abzuführen.
     
  17. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    Nu ja, in eine Fischreuse kommt selbst ein Aal leichter hinein als heraus Und für den HN war die Reuse Europa.
    Aus der heraus gibt es Richtung Afrika genau2 Übergänge-den direkten bei Gibraltar und der setzt seemännische Kenntnisse voraus und den indirekten über den Bosporus ,Palästina und Ägypten-nur dazwischen liegt die Wüste Sinai.
     
  18. Ralf.M

    Ralf.M Aktives Mitglied

    Wegen der großen Nase...
    Habe mal nachgeschaut.
    Ob die nachfolgend abgebildete nun groß ist oder nicht?
    Man müsste einen Vergleich haben. Vielleicht mit Charles aus Frankreich?

    Neandertaler 1.jpg

    Was das Wandern anbelangt...
    Vielleicht wandert man nicht so gern, wenn man zwischen Düsseldorf (Altbier) und Wuppertal (Waffeln aus dem bergischen Land) wohnt ;).

    Aber mal Spaß beiseite.
    Bin zwar kein Experte auf diesem Gebiet, aber ich habe es einmal so gelernt:

    Nach den Funden im vorgenannten Gebiet, also nach 1856 fand man wohl Überreste in Spanien, Belgien, Jugoslawien, Frankreich und Italien.
    In Russland wurden in der Höhle Kiik - Koba (Krim) und in der Grotte von Teschik - Tasch (Usbekistan) Skelettreste von Menschen des Moustérien gefunden.
    Außerhalb Europa Überreste in Palästina, Irak, Südafrika und auf Java.

    Man hat allerdings festgestellt, dass die Menschen des Moustérien (100.000 – 40.000 v.u.Z.) im Körperbau oft erheblich voneinander abweichen. Daher hat man sie wohl in Gruppen eingeteilt.

    Die Funde beispielsweise in Palästina weichen von dem europäischen „La – Chapelle – Menschen“ („La – Chapelle – aux - Saints“ Höhle in Frankreich) ab.
    Auch innerhalb von Europa sind die Funde verschieden.

    Im Ganzen gesehen, haben die Funde jedoch soviel Gemeinsamkeiten, dass es üblich ist, diese fossilen Menschen aus der Zeit des Moustérien unter der Sammelbezeichnung „Neandertaler“ zusammenzufassen.

    Moustérien...
    Benannt nach „Le Moustier“, eine Höhle am Ufer der Vézère in Frankreich.

    Was nun Südafrika anbelangt.
    Näheres dazu steht auch nicht in der Quelle auf die ich mich hier beziehe, nämlich „Weltgeschichte“, Band I, Herausgeber: Akademie der Wissenschaften der UdSSR, 1956.
    Vielleicht hat jemand eine andere Quelle die das bestätigt.
     
  19. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Ich tippe auf einen veralteten Forschungsstand. In den 1950er Jahren gab es noch sehr wenige Funde.
    In Südafrika gibt es zwar Funde früher Menschen, die haben aber mit dem Neandertaler nichts zu tun, sondern gehören zum Australopithecus oder zum Homo erectus bzw. Homo ergaster.

    Robert Broom ? Wikipedia

    die werden aber seit langem (kann sein, seit den 1950er Jahren) dem Homo erectus zugeordnet. Mit dem Neandertaler haben sie jedenfalls nichts zu tun.
    Ähnliches gilt vom Java-Mensch.
     
  20. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Ich vermute, das ist der zentrale Grund.

    Die Neandertaler hatten sich im Verlauf von nahezu 100 000 Jahren an die niedrigen Temparaturen der Würm- bzw. Weichselkaltzeit angepasst und sich in einer lebensfeindlichen Umwelt exzellent behauptet. Wir finden sie somit fast ausschließlich in kalten oder gemäßigten Zonen von Europa über Südrussland bis nach Zentralasien und ins Altai-Gebirge. Vereinzelte Funde gibt es allerdings auch in Palästina und im Zagros-Gebirge.

    Die europäische Tundra der Kaltzeit war somit der eigentliche Lebensraum des Neandertalers: große Ebenen südlich der Gletscher, Moose, Flechten, Binsen, Gräser, vielleicht einige Zwergbirken. Ganz Nordeuropa muss damals, bis an den Rand des ewigen Eises, den heutigen Einöden im nördlichen Kanada geglichen haben, mit einem rauen, frostigen Winter und einem üppien Sommer mit rapidem Pflanzenwachstum von Bodendeckern.

    Jahreszeitlich müssen große Wanderungen stattgefunden haben, bei denen die Tierwelt des arktischen Europa jeden Winter in die wärmeren Regionen der ungarischen Ebene und der Steppe nördlich des Schwarzen Meers wanderte. In diesen Regionen haben Archäologen die die meisten Artefakte und Skelettreste des Neandertalers gefunden.

    An diesen Lebensraum war der Neandertaler bestens angepasst, er wusste, wie man den verschiedenen Wildarten nachstellen und sie erlegen konnte, er kannte sich in der Pflanzen- und Tierwelt der Tundra und des eiszeitlichen Europas bestens aus.

    Warum also sollte er nach Afrika migrieren, wo ihn gänzlich andere klimatische Verhältnisse und eine andere Umwelt erwarten würden?
     

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