Wussten die Deutschen was (!) sie 1929-1933 wählten?

Dieses Thema im Forum "Die Weimarer Republik" wurde erstellt von qwe1, 1. Juni 2011.



  1. qwe1

    qwe1 Neues Mitglied

    Hallo,


    ich frage mich ob die Deutschen wussten was sie zwischen 1929-1933 wählten (gemeint ist damit natürlich die NSDAP).

    Im Genauerem also die Verschleppung/Tötung von Juden, die Expansion Deutschlands und ein womöglicher Weltkrieg sowie eine Terrorherrschaft.

    Meine Beurteilung dazu:
    Jeder Deutsche hätte die Ziele Hitlers in "Mein Kampf" (1926) nachlesen können. Ob nun alle Deutsche gewusst haben, dass es in so einem drastischem Ausmaß geschieht kann ich nicht beantworten.


    Was meint ihr?
     
  2. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Was konnten sie den wissen?

    Nein, das die Wahl der NSDAP zum Holocaust führte, konnten sie nicht wissen.

    Deine Frage scheint mir sehr aus unserem Blickwinkel zu sein. Du kannst von den Menschen die 1929 -1933 NSDAP gewählt haben, nicht verlangen, dass sie wussten was wir heute wissen.

    Schau dir mal die Wahlen genau an. Wer hat was gewählt. Wer waren die Wähler stärksten Parteien etc.


    Hast du schon einmal die Parteiprogramme der heutigen Parteien durchgelesen? Dann ausgewertet und alles für wahr angenommen? Das machen die wenigsten. Mein Kampf ist zwar kein Parteiprogramm sondern ein Buch. In grossen Mengen wurde es erst ab Feb. 1933 verkauft. Bis Januar 1933 wurden davon 287.000 Exemplare verkauft. Ist nicht gerade viel. Ab Jan. 33 bis Dez. 1933 wurde es dann 1,5 Millionen mal verkauft. Also gilt dieses Argument, nicht, denn die meisten hatten dieses Buch vor 33 nicht im Regal stehen. Ab 1936 wurde es dann auf den Standesämtern verteilt.

    Ja, man konnte "Mein Kampf" lesen. Nur haben sich das nicht alle angetan, denn das Buch ist sehr schwer zum lesen.

    Du verallgemeinerst sehr stark. Es waren nicht alle Deutschen Nazis, es haben nicht alle Deutschen NSDAP gewählt und es waren nicht alle Deutschen politisch Aktiv.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Juni 2011
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  3. Xander

    Xander Aktives Mitglied

    Hallo,
    kann Ursi nur zustimmen!

    Es ist aus heutiger Sicht und mit unseren Erkenntnissen recht einfach ist den Menschen vor 70-90 Jahren mangelndes Wissen vorzuwerfen.

    1. Es gab vor Hitler noch keinen Holocaust in diesem Umfang. Daher war es für die Menschen damals auch schlecht vorstellbar.

    2. Die Menschen, damals wie heute, sind in der Masse recht unpolitisch. Zumindest nicht so engagiert, dass sie sich detailiert über Hintergrundinfos bemühen. Dies lässt der Alltag mit seinen Aufgaben und Ablenkungen i. d. R. ja auch nicht zu.

    Sehr schön finde ich die Verfilmung von Walter Kempowskis "Tadellöser und Wolf"! Es wird, wie ich finde, recht anschaulich ein bürgerlicher Alltag gezeigt, in dem Politik, selbst in Kriegszeiten, nur eine Randerscheinung bleibt!

    Es kann sich ja mal jeder selbst überprüfen, wie groß der tägliche Anteil politischer Gedanken ist (ganz zu Schweigen vom Handeln)! Das Ergebnis wird vermutlich ernüchternd ausfallen.

    Damals wie heute (heute sogar noch mehr) kann man mit ausreichend Engagement fast alles in Erfahrung bringen. Aber damals wie heute ist man in Alltagsaufgaben eingespannt, muss zur Arbeit, muss sich um Geburtstage kümmern, muss sich mit einem kaputten Auto herumschlagen, ...

    Gruß
    Andreas
     
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  4. Turgot

    Turgot Neues Mitglied

    Nein, wußten sie in ihrer überwiegenden Mehrheit nicht. Des Weiteren hat Hitler seine Aussagen im Zuge seiner zahlreichen Wahlkampfauftritte dem jeweiligen Publikum angepasste. Jeder bekam das zu hören, was er/sie hören wollte. Wenn jemand sich einmal die Mühe gemacht hätte, seine Wahlkampfaussagen auszuwerten, wäre zumindest aufgefallen, das der inhaltliche Gehalt dieser Reden doch gering war.
     
  5. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Insgesamt ein durchgängiges Muster für die NS-Ideologie bzw. Epoche.

    OT: Kennzeichnend ist zudem, dass es kein kohärentes ideologisches System, vergleichbar beispielsweise dem Werke von Marx, Engels und Lenin, hervorgebracht hat. Und somit die Interpretation der "reinen NS-Lehre", noch stärker als unter Stalin, direkt an Hitler gebunden war.

    Auch kann man darauf hinweisen, dass die NS-Machtergreifung nach 33 einen Exodus qualifizierter Wissenschaftler nach sich zog und für die verbleibenden kein Umfeld geboten hat, in dem überdurchschnittliche wissenschaftliche oder kulturelle Leistungen hervorgebracht worden sind.

    Anzumerken ist zudem, dass Hitler nach seiner Wahl zum Kanzler 1933 in der Öffentlichkeit weniger radikal in Erscheinung trat, bis ca. 1937. Er vermied eher den revolutionären Pathos, der ihn noch in der Phase des Kampfes um die Macht in der Weimarer Republik gekennzeichnet hatte.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Juni 2011
  6. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Nein, sie wussten es nicht.

    Das stimmt eben nicht.
    Ich habe mir mal, ist allerdings schon länger her, die diversen Aussagen in "Mein Kampf" angeschaut.
    Deshalb stehend freihändig:
    Da ist so manches drin, was so in die Richtung geht "Sonntags immer schönes Wetter, Freibier für alle" usw. wie in allen Wahlprogrammen, dann etliches dem "Zeitgeschmack" der 20er geschuldet, wie "brechen der Zinsknechtschaft" usw.
    Am Ende bleibt soviel nicht übrig, was tatsächlich umgesetzt wurde, außer dem Antisemitismus.
    Wobei der Holocaust aus "Mein Kampf" eben auch nicht abgeleitet werden kann.
     
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  7. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Wer sich wirklich die Mühe gemacht und Hitlers "mein kampf" von Anfang bis zum Ende gelesen hat, der konnte sich eigentlich über den Verfasser keine Illusionen mehr machen. Sicher, über so manches, was im Parteiprogramm stand, haben manche Nazigrößén später gelacht.

    So sagte ein bewerber um eine Stelle, dass doch in Gottfried feders Forderung der "Brechung der Zinsknechtschaft" ein sozialistisches ziel sei, worauf Goebbels sagte, "brechen müsste nur, wer sich so einen schwachsinn anhören muss."

    Sonst aber ist in "Mein Kampf" schon fast alles enthalten, was das nazireich ausmachte.

    Nach einem Exkurs über sein Elternhaus und politischen betrachtungen der Donaumonarchie erklärt Hitler, weshalb Deutschland den Krieg verloren hat, nämlich weil die Alliierten die bessere Kriegspropaganda hatten. Er äußert sich zum Wesen der Propaganda, zur Arbeiterbewegung und zum Sozialismus. Er schreibt über das Wesen des Ariers und die Umtriebe des "Weltjudentums", die ihn schließlich in die Politik zwangen.

    Ob es im Nazireich Freibier und schönes Wetter geben würde, darüber konnte man zweifeln, dass aber der Verfasser von "Mein Kampf" den Parlamentarismus, die Demokratie, die Gewerkschaften und die Pressefreiheit aufheben und beseitigen würde, daran konnte es keinen Zweifel geben. "Mein kampf" war eine Abrechnung- der verlorene Krieg wurde analysiert und bereits der folgende vorbereitet, der nicht nur den Frieden von versaillles revidieren sollte, sondern Deutschland zur Hegemonialmacht in Europa machen sollte.

    Es war auch recht deutlich, wer in diesem Deutschland nicht dazugehören würde: Juden, Kommunisten, Sozialdemokraten u. a.


    es machte "Mein Kampf" seinen Verfasser zum Multimillionär. Neuvermählte und Beamte bekamen das Buch geschenkt, und es stand in jedem deutschen Bücherschrank, doch wie alle Pflichtlektüre wurde es von kaum jemandem gelesen.

    1945 wurde es dann auf Dachböden oder im Keller versteckt oder vergraben. Die Deutschen lasen es aber immer noch nicht, und der deutsche staat hält das Machwerk heute noch im Giftschrank, und es darf "Mein Kampf" weder gedruckt noch vervielfältigt werden.
     
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  8. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Du hast die Freimaurer vergessen. Die hatte er wie sein Vorbild Duce außer den Juden zum Feind erkoren.

    Die Bürger bekamen es geschenkt, die Gemeinden mussten es aber bezahlen! Daher die milliönchen.

    Nee, es ist nicht der "deutsche Staat" es ist der bajuwarische;), ihm gehören die Rechte, aber in ein paar Jahren ist es vorbei damit, und jeder kann das Ding drucken.


    Da gibt es jetzt 2 Möglichkeiten, Du hast ein anderes "Mein Krampf" oder eine andere Vorstellung vom "Nazireich" als ich. Denn was da von 33 bis 45 entstanden war, war etwas ganz anderes. Nicht nur beim Zweifrontenkrieg ist sich der "Führer" untreu gewesen.

    Aber, OK, Zeit ist zur Zeit knapp:cool:
    ein andermal
     
  9. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Mir liegt "Mein Kampf" nur auszugsweise fotokopiert vor. Mich hat es primär unter der außenpolitischen Sichtweise interessiert, dennoch finden sich eine Reihe von Zitaten (ebd. Kap. 14, Ostorientierung oder Ostpolitik, S. 727ff).

    Hitler: "Nicht Fürsten ...schachern und feilschen um Staatsgrenezen, sondern der unerbittliche Weltjude kämpft für seine Herrschaft über die Völker. Kein Volk entfernt diese Faust anders von seiner Gurgel als durch das Schwert....Ein solcher Vorgang ist und bleibt aber ein blutiger." (ebd. S. 738)

    Seine Ausführungen zur Herrschaft der Juden ein paar Abschnitte weiter in Russland und das Ende der Judenherrschaft, die man herbeiführen möchte, hört sich auch nicht gerade friedliebend an, sondern sind bereits eine klare Kampfansage, die in die Phrase des "jüdisch-bolschewistischen" als universelles Feindbild einmündet.

    Und fährt fort, (ebd. S. 750ff) über die zersetzenden Käfte der "Weltherrschaft des jüdischen Volkes" zu fabulieren und dass die Nazis diese "Weltdiktatur" verhindern müssen.

    Und und...und es gibt somit absolut keinen Grund, diese Kampfschrift auf das Niveau von Freibier für alle, zu reduzieren.

    Allerdings gibt es beispielsweise überlieferte Dialoge zwischen Hitler und Göring, die zumindest Zweifel aufkommen lassen, ob die einzelnen Diadochen wirklich an eine sinngemäße bzw. konsequente Umsetzung der Zielsetzungen von "Mein Kampf" noch im Jahr 1939 geglaubt haben. Ein Zweifel an der Sinnhaftigkeit eines Krieges gegen Polen bedeutete, und da war sich Göring vermutlich nicht im Klaren, ein Infragestellen der grundsätzlichen ideologischen Positionen Hitlers.

    In diesem Sinne bewegte sich die Perzeption in Deutschland im Spektrum von Ignoranz über die Wahrnehmung einer ideologischen Kampfschrift zur Mobilisierung der NS-Bewegung hin zu einer embryonalen, programmatischen Planung für den notwendigen Genozid, um Deutschland zur Weltgeltung zu führen.

    Abschließend noch eine Einschätzung von Bullock (Hitler und Stalin, S. 198), der feststellt, dass es eine hohe Kontinuität zwischen den Ideen aus den zwanziger Jahren und den abschließenden Aussagen im Rahmen seines "politischen Testaments" im Jahr 1945 gibt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. Juni 2011
  10. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Zu der Einschätzung bist du vermutlich gelangt, weil Du heutige Maßstäbe angelegt hast. Geht aber nicht.
    Ausgehende 20er im Kontext der anderen Verlautbarungen anderer Parteien und Zirkel.


    Ich habe noch sehr viele gekannt, (und gar viele davon alles andere als geliebt) die Hitler zumindest hätten wählen können.
    Ende der 60er, Auschwitz und andere KZ-Prozesse überhaupt die NS-Prozesse, dazwischen die Diskussion um die Verjährung.
    Man hat damals Tage- und Nächtelang diese "Vorhersehbarkeits-These" anhand des Krampfes gewälzt. Nix, nee kannst vergessen.
    Auch und trotz des Antisemitismus auf jeder Seite, der Holocaust ist nicht abzuleiten oder gar vorherzusehen.
    In der Beziehung sind die Deutschen des Januars 1933 entlastet.
     
  11. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Hier mal was ganz kurz gefasst zu den Wahlen.

    Bei den Landtagswahlen im Herbst 1929 verzeichnet die Partei die ersten grösseren Erfolge (Baden 7%, Lübeck 8.1% Thüringen 11.3%). In Thüringen wird die NSDAP durch Wilhelm Frick zum ersten Mal an der Bildung einer Landesregierung beteiligt.
    Reichskanzler Heinrich Brüning (Zentrum) löst am 8. Juli 1930 nach der Ablehnung seiner Notverordnung zur Deckung des Haushalts den Reichstag auf. In der anschliessenden Wahlkampfauseinadersetzungen wird die NSDAP immer gewalttätiger. Im September 1930 findet die nächsten Reichtagswahlen statt dabei erzielen die Rechten 18.2% der Stimmen und stellt mit 107 Mandaten die zweitstärkste Fraktion im Reichstag.
    Am 25. Februar 1932 verleiht der nationalsozialistische Innenminister von Braunschweig dem Staatenlosen Hitler die deutsche Staatsbürgerschaft. Als Deutscher Staatsangehöriger kann Hitler nun an der Wahl zum Reichspräsidenten teilnehmen und erhält im ersten Wahlgang vom 13. März 1932 30% und im zweiten Wahlgang sogar 36.8% der Stimmen. Der Reichspräsident Paul von Hindenburg wird erst im zweiten Wahlgang mit 53% der Gesamtstimmen für sieben Jahre gewählt. Einen Monat später, am 13. April 1932, wird durch eine Notverordnung des Reichspräsidenten die SA verboten. Dieses Verbot wird jedoch bereits am 17. Juni 1932 wieder aufgehoben. Im Sommer 1932 erringt die NSDAP an den Reichtagswahlen 36.9% der Stimmen und stellt so die stärkste Fraktion im Reichstag. Hitler fordert eine Regierung unter seiner Führung, die lehnt aber Hindenburg ab. Wenig später wird Herman Göring als Vertreter der grössten Fraktion mit den Stimmen des Zentrums zum neuen Reichstagspräsidenten gewählt. Am 12. September 1932 stimmt die Mehrheit des Reichstags einem Misstrauensantrag gegen die Regierung von Papen. Bei den erneuten Reichtagswahlen vom 6. November 1932 erhält die NSDAP nur noch 33.5% der Stimmen. Es kommt zu einer heftigen innerparteilichen Kontroverse über die mögliche Regierungsbeteiligung der NSDAP ohne die Kanzlerschaft Hitlers. Als Führer der Partei setzt sich Hitler in dieser Frage schliesslich gegen Gregor Strasser durch, der darauf seine Parteiämter daraufhin niederlegt. In Geheimverhandlungen zwischen der NSDAP-Führung und einem kleinen Kreis von Vertrauten des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg kommt es am 4. Januar 1933 im Haus des Kölners Bankiers Kurt von Schröder zu einer Einigung zwischen den Nationalsozialisten.

    Am 30. Januar 1933 ernennt der Reichspräsident von Hindenburg Adolf Hitler zum Kanzler eines Kabinetts der nationalen Konzentration. Dem Kabinett gehören neben Hitler nur die Nationalsozialisten Wilhelm Frick als Innenminister und Hermann Göring als Minister ohne Geschäftsbereich und Reichskommissar für die Luftfahrt an. Neun konservative Minister stehen ihnen gegenüber und geben sich der Hoffnung hin, Hitler politisch zähmen zu können.
     
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  12. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Das sollte man aber schon präzisieren, die Zahlen habe ich aus Wiki (ist wohl in meinem Beitrag untergegangen):

    Vor 1933 war "Mein Kampf" keine Pflichtlektüre und wurde auch nicht wirklich in hohen Zahlen verkauft.

    Der erste Band (1925) hatte eine Auflage von 10.000 Ex.
    Der zweite Band (1926) hatte auch eine Auflage von 10.000 Ex.
    Die Finanzierung lief über den NSDAP Parteiverlag, daran war Hilter beteiligt.

    Das einbändige Werk, die Volksausgabe, wurde bis 1933 287.000 Ex. verkauft.

    Erst nach Januar 1933 stiegen die Verkaufszahlen massiv an. Bis Dez, 1933 waren es dann 1,5 Millionen Ex. die verkauft wurden.

    1933 wurde eine Ausgabe in Blindenschrift herausgegeben.

    Ab 1936 wurde an den Standesämtern anstelle der Bibel, Mein Kampf abgegeben.

    Das Buch durfte im Buchhandel nicht aus zweiter Hand verkauft werden. Damit wollten sie verhindern, dass beschenkte Paar ihr Ex. womöglich ungelesen in Anitquariate brachten und die Standesämger hätten so das Buch auch günstiger erwerben können.

    1939 war die Gesamtauflage bei 5.45 Millionen

    1943 bei 10.24 Millionen

    Othmar Plöckinger versuchte die lange herrschende Meinung, Mein Kampf sei zwar weit verbreitet gewesen aber nicht gelesen worden zu widerlegen. Er machte da daran fest, dass in den Bibliotheken vor 1933 sehr gefragt war und dass das Buch Kostenlos verteilt wurde. Diese Untersuchung ist aber leider sehr lückenhaft. Es ist eine qualitative Analyse die kaum ausreicht seine Hypothese zu festigen. Die Ausleizahlen aus öffentlichen Bibilotheken sind die einzigen quantitativen Daten. Er selber findet diese Daten auch wenig repräsentativ. Die ganze Kritik und was er hätte evt. tun können findet man hier:

    http://www.sehepunkte.de/2006/12/pdf/10691.pdf
     
  13. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Wenn man Dir wörtliche Zitate anführt, die die Zielsetzung des Hitlerschen Tuns deutlich definieren, Dir die Einschätzung anerkannter Historiker zum Thema Zielsetzung von "Mein Kampf" liefert und Du beharrst dogmatisch auf Deiner Position, dass man aus dem Buch nichts über seine Zielsetzungen hätte schließen können, außer Freibier für alle, dann ist das für mich persönlich schwer nachvollziehbar.

    Ich akzeptiere in diesem Zusammenhang die Erklärung, dass man die Dimension seines späteren Tuns nicht hat aufgrund von "Mein Kampf" vorstellen konnte, weil die aufgrund der "Singularität" unvorstellbar war, aber dass es mindestens um eine teilweise Vernichtung der Juden ging, das war deutlich ersichtlich, wie die Zitate belegen!!!!!!!

    Solltest Du aus dem Buch andere Positionen erkennen können, dann wäre es ja wohl angemessen, sie anzuführen. So steht Deine Meinung gegen meine Zitate aus der Hitlerschen Kampfschrift.

    @Ursi: Habe ähnliche Zahlen gefunden. Bis 1929 waren die beiden "Halbbände" des ersten Buchs, also von "Mein Kampf" mit einer Gesamtauflage von ca. 30.000 erschienen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 2. Juni 2011
  14. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Läßt man Kershaw zu Wort kommen (Hitler, 2009, bes. S. 204), dann betont dieser, dass Hitler in seinen öffentlichen Auftritten durchaus die Zielsetzungen, die er in "Mein Kampf" formuliert hat, martialisch wiederholte.

    Dennoch: "Auch hinsichtlich der Judenfrage [vor allem in Deutschland] boten die wilden Tiraden bei aller Brutalität keine konkrete Politik." (ebd. S. 204)

    Für mich persönlich komme ich zu 2 Schlußfolgerungen:
    - das spätere Programm Hitlers kann man retrospektiv in "Mein Kampf" erkennen. Für einen kritischen damaligen Leser boten sich genügend Anhaltspunkte, das schlimmst zu erwarten, aber die spätere Realität überholte vermutlich die schlimmsten Befürchtungen beispielsweise aus dem Jahr 1929.

    - durch seine Reden konkretisierte er sein geschriebenes Programm nicht zusätzlich und somit konnten aufgrund der vergleichsweise geringen Verbreitung seiner Bücher vor der Machtergreifung (1933) "die Deutschen" keine wirkliche Vorstellung gehabt haben, was sie während der Zeit zwischen 1933 und 45 real erwarten würde.

    Und resümiert: "Die Entwicklung der NSDAP zu einer Massenpartei hatte unmittelbar nur wenig mit Hitlers obskurer, persönlicher Weltanschauung zu tun. Wer nach Erklärungen sucht, muss komplexere Prozesse berücksichtigen." (ebd. S. 206)
     
  15. jschmidt

    jschmidt Neues Mitglied

    ...und das reduzierte sich nicht auf die "Judenfrage", sondern zielte expressis verbis auf den Krieg gegen andere Völker und die Beseitigung anderer Staaten. Ich zitiere aus meiner Ausgabe:
    Es lohnt sich nicht, "die Grenzen des Jahres 1914" wiederherzustellen, weil "das Ergebnis doch wieder so erbärmlich wäre, daß es sich, wahrhaftiger Gott, nicht lohnen würde, dafür erneut das Blut unseres Volkes einzusetzen." (738)
    "Wir [Nationalsozialisten] setzen dort an, wo man vor sechs Jahrhunderten endete. Wir stoppen den ewigen Germanenzug nach dem Süden und Westen Europas und weisen den Blick nach dem Land im Osten. Wir schließen endlich ab die Kolonial- und Handelspolitik der Vorkriegszeit und gehen über zur Bodenpolitik der Zukunft. Wenn wir aber heute in Europa von neuem Grund und Boden reden, können wir in erster Linie nur an Rußland und die ihm untertanen Randstaaten denken." (742) [...] Das Riesenreich im Osten ist reif zum Zusammenbruch. Und das Ende der Judenherrschaft in Rußland wird auch das Ende Rußlands als Staat sein. Wir sind vom Schicksal ausersehen, Zeugen einer Katastrophe zu werden, die die gewaltigste Bestätigung für die Richtigkeit der völkischen Rassentheorie sein wird." (743)
    Was hätte der Mann noch schreiben sollen, damit man ihn ernst nimmt? Oder hat er bewusst "übertrieben", damit man ihn nicht ernst nimmt?
     
  16. Xander

    Xander Aktives Mitglied

    Moin

    Es lassen sich sicher unzählige Passagen aus Hitlers Schriften oder Reden aufführen, die im Nachhinein das bestätigen, was schließlich geschah!

    Doch man sollte sich mal gedanklich in die damalige Zeit versetzen. Und das natürlich ohne das heutige Wissen!

    Besonders wenn man mal die Zeit vor 1933 betrachtet, so gab es zahlreiche Parteien, die extreme und abstruse Ideen proklamierten. Da war Hitler doch auch nur einer von vielen "schillernden" Persönlichkeiten.
    Die Masse der Bevölkerung hatte sich sicherlich schon an solche Leute gewöhnt und darauf vertraut, dass die gemäßigten Parteien diese schon an der kurzen Leine halten können!

    Zudem darf man nicht vergessen, dass man damals ja noch nicht googeln konnte! Wenn man an Informationen kommen wollte, so musste man schon selber den Arsch bewegen um an Lieratur oder ähnlichem zu kommen!
    Ich wage mal zu behaupten, dass dieses Forum tot wäre, wenn es nur gestattet wäre, in analogen Quellen zu recherchieren. Aber den Menschen der 30er Jahre wirft man oft vor, nicht alles getan zu haben, um an Informationen zu kommen. Das geht meiner Meinung nach einfach an der Lebenswirklichkeit vorbei!

    Gruß
    Andreas
     
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  17. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    Ganz richtig, hinterher ist man immer schlauer.

    Man sollte auch nicht vergessen, dass die breite Masse unpolitisch eingestellt ist. Das war damals nicht anders als heute (Hat zufällig jemand von euch die politischen Schriften unserer heutigen Politiker gelesen? Die Parteiprogramme?)

    Die Menschen damals hatten ganz andere Probleme, als irgendwelchen politischen Utopien zu verfallen. Es gab Armut, Arbeitslosigkeit, Inflation, weltweite Rezession. Man erhoffte sich Hilfe, egal von wem. Warum wohl hatten die extremen politischen Parteien so hohen Zulauf damals? Die Kommunisten und die Nationalsozialisten? Weil man denen eher noch was zutraute, nachdem die "etablierten Parteien" (wie man heute sagen würde) scheinbar keine Lösungen parat hatten.

    Es war den Menschen wichtiger, wieder zu Arbeit und Brot zu kommen, als sich den Kopf über Judendiskriminierung oder dubiosen Germanenzügen gen Osten zu zerbrechen.
     
  18. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Sorry,

    ich bin heute 14.00 Uhr nach Freiburg gefahren, habe dort ein paar Möbel aufgestellt, Sohnemanns Auto repariert und anschließend noch kurz bei Dortu vorbeigeschaut.
    Jetzt habe ich 250km auf den Hinterbacken und keinen Bock mehr auf "meinen Krampf".

    Aber, keine Bange, ich melde mich qualifiziert.
     
  19. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Damit die Nachvollziehbarkeit leichter wird.:)
    soll ich dir jetzt Stellen aus Mein Krampf nennen, die nicht umgesetzt wurden?

    "Ich werde nicht ruhen, bevor nicht jedem Deutschen klargeworden ist, dass es eine Schande ist Jurist zu sein":devil:
    Man weiß heute nicht so genau, ob er den Freisler oder den Frank meinte.:devil:
    Oder die weitschweifigen Erläuterungen über die Farbgebung von Häusern in deutschen Städten? (daher hat er den Titel Anstreicher, das hat weniger mit seiner Tätigkeit als Hobbymaler zu tun)
     
  20. Repo

    Repo Neues Mitglied


    Das musst Du im Kontext sehen.
    Nicht lange vorher. im März 1918, war jener Lebensraum im Osten erobert. (Der ganze Russlandfeldzug, zu dem es bezeichnenderweise keinerlei Kritik aus Oberoffizierskreisen gab, war doch nichts als der Versuch Brest-Littowsk zurück zu holen.)
    Die Masse der Mitmarschierer an der Feldherrnhalle war doch 3 Jahre zuvor im Baltikum zwecks "Erwerb eines Bauernhofs" tätig gewesen.
    Die Ostlandreiter spielten nicht nur in der NSDAP des Jahres 1923 eine Rolle.
    In der politischen Realität der ausgehenden 20er war dies aber jenseits aller Möglichkeiten. Nicht Wert, dass der Wähler einen Gedanken darauf verschwendet hätte.
     

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