Zweitgeborene Söhne und Nebenlinien im Mittelalter

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von themaster, 12. Februar 2018.

  1. themaster

    themaster Neues Mitglied


    Hallo,
    mich würde es interessieren wie im besonderen der Adel im Mittelalter mit zweitgeborenen Söhnen umgegangen ist. Der Adel hatte ja mehrere Möglichkeiten: Gebe dem zweiten Sohn etwas Land und mache ihn zum Vasall des ersten. Allerdings ist nach ein mehreren Generationen ja alles Land vergeben und die anderen Vasallen geben ihres wohl eher ungern her. Der Zweitgeborene könnte ja auch ohne Land bleiben und Ritter am Hofe oder administratorische Aufgaben übernehmen. Doch was ist in diesem Fall mit den Kindern des Zweitgeborenen? Da stellt sich ja das selbe Problem und der König, Herzog etc. kann ja auch nicht alle Beschäftigen. Das würde ja außerdem dazu führen das die meisten Adligen landlos wären und das wäre mir bis jetzt nicht bekannt.

    Weiß jemand wie dieses Problem also behoben wurde?
     
  2. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Die Primogenitur, also das alleinige Erbrecht des Erstgeborenen galt nicht bei allen adligen Dynastien. Die territoriale Zersplitterung Thüringens z.B. (teilweise auch Sachsens oder Hessens) im HRR lässt sich durch häufige Erbteilungen erklären. Um dem entgegen zu wirken wurde in der goldenen Bulle von 1356 die Primogenitur verbindlich für die weltlichen Kurfürsten in den Kurlanden - aber nicht als Herrscher außerhalb davon.

    Ein weiterer Weg "besitzlose Nachgeborene" zu versorgen war eine kirchliche Karriere - der Erzbischof von Köln war von 1583-1761 (also frühe Neuzeit, nicht mehr Mittelalter) ein Nachgeborener des bayrischen Hauses Wittelsbach.
     
  3. Solwac

    Solwac Aktives Mitglied


    Es gibt neben der kirchlichen Karriere ja zwei Möglichkeiten: Wirklich Land abzugeben, d.h. Teilung oder nur Ämter zu vergeben und diese aber nicht erblich zu halten. Letzteres verschiebt das Problem der steigenden Zahl an Nachkommen um eine Generation und ermöglicht so einen besseren Ausgleich zwischen Generationen mit wenigen männlichen Nachkommen und denen mit vielen Nachkommen.

    Einerseits brauchte eine Familie viele Mitglieder um Posten besetzen und Kämpfe führen zu können, andererseits mussten aber alle eine standesgemäße Aufgabe bekommen um eigene Einnahmen zu haben und um ihren Ehrgeiz (wenn vorhanden) produktiv einzusetzen. Die Verbundenheit zu einer Familie wurde früher auch durch das konkurrierende persönliche Pflichtverhältnis erschwert. Selbst erstgeborene Söhne mussten um den Antritt des Erbes oftmals kämpfen.
     

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