Aberglaube im MA

Dieses Thema im Forum "Das Papsttum" wurde erstellt von Anabell, 5. April 2008.

  1. Anabell

    Anabell Neues Mitglied

    Ich möchte gerne Informationen, möglichst mit Quellenangabe, welchen Aberglauben es im Alltagsleben der Menschen im Mittelalter im heiligen römischen Reich (Deutscher Bereich) gab.Oder auch gerne nur im Glauben, der in das Leben der Menschen damals integriert war

    Vielleicht kann mir auch jemand über folgendes Gerücht infos geben: Ich hörte das im Mittelalter die Kreuzritter ihr Kreuz nur auf der Brust und zwar auf der rechten Seite und Niemals auf dem Rücken...und es solle mit einem (Aber)glauben zusammen hängen. Wer weiss dazu genauer es?

    Danke für eure Antworten...
     
  2. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Lies doch mal die Handbücher des deutschen Aberglaubens da dürftest du einiges finden. (Gibts auch auszugsweise über die Google-Book-Search)

    So weit ich weiß, hatten die Kreuzritter auf dem Rücken durchaus ein Kreuz, nämlich über der linken Schulter. Der von dir beschriebene Aberglaube ist mir komplett unbekannt. Der einzige echt bekannte Aberglaube im Zusammenhang mit den Kreuzrittern ist der mir jetzt spontan einfällt, ist, dass die 13 eine Unglückszahl sowie Freitag der 13. ein Unglückstag ist.
     
  3. Anabell

    Anabell Neues Mitglied

    @Lili
    Danke für die Antwort.

    Hast du dazu event. eine Quellenangabe...Ich benötige das historisch nachgewiesen. Wir möchten irgendwann mal als Gruppe an MA-veranstaltungen teilnehmen. Und sollte dann natürlich auch "A" sein.:fechtduell:
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    Schade das es sonst keine Kenntnisse zum Aberglaube gibt, wie er heute genannt wird. Nehmen wir das Beispiel der alt bekannten Schwarzen Katze- >Unglück...Wenn ich mich nicht täusche ist dieser Aberglaube im MA o.ä. entstanden. In der heutigen Zeit.z.Bsp ist dieses Tier komplett selbst verständlich, ausser das einige ihrer Kameraden sehr eigensinnig sind, würden wir mit ihr heute nichts mehr "negatives" verbinden. Wenn dieser Aberglaube nicht so extrem in der Bevölkerung überlebt hätte, wüssten wir davon mit sehr hoher wahrscheinlichkeit nichts mehr darüber. Nun stellt sich mir die Frage:Vielleicht wurden irgendwo, irgendwann und irgendwie noch mehr von diesen Sachen schriftl. hinterlassen und ich kenne sie nicht, aber ein anderer kennt sie....
     
  4. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Einen Einstieg gibts bei wikipedia unter dem Stichwort "Kreuzritter".

    Keine Erkenntnisse? :S Ich hab dir oben ein zehnbändiges Werk empfohlen... Also wenn das nicht reicht....
     
  5. Mercy

    Mercy unvergessen

    Dann mach dich mal für dein "A" sachkundig:
    http://chronico.de/erleben/menschenorte/0000387/
     
  6. Eumolp

    Eumolp Aktives Mitglied

    Echt? AFAIK wurde der Fr. der 13. im 20. Jahrhundert als Unglückstag "entdeckt", und zwar nach dem 2. Weltkrieg.

    Wie die wikipedia schreibt, seit 1957 in Deutschland; 1898 sei der Begriff in E. Cobham Brewer's 1898-Ausgabe des Dictionary of Phrase and Fable noch nicht erschienen. Die Mär, die Ritter hätten schon einen Freitag den 13. als Unglückstag gehabt, stammt wohl von Dan Brown.
     
  7. Lili

    Lili Neues Mitglied

    1957 wurde Freitag der 13. zum ersten Mal erwähnt und zwar in einer Glosse von Thilo Koch in der FAZ, wobei er sich darüber lustig macht, dass der Stapellauf eines Öltankers wegen des Unglücksdatums verschoben wurde. Ergo scheint Freitag der 13. durchaus schon vorher bekannt gewesen zu sein. (steht auch in dem von dir zitierten wikipedia-Artikel :fs: ). Nur weil Freitag der 13. nicht im Brewer steht, heißt dass doch noch lange nicht , dass es sich deshalb nicht um volkstümlichen Aberglauben handeln kann, oder? Ist jetzt zwar schon etwas her, dass ich den Brewer gelesen hab, aber soweit ich mich erinnere gehts da mehr um Fabelwesen und mythologische Themen bis hin zu Frankenstein, der für Brewer ja fast noch ein Zeitgenosse war. Wenn ich mich recht entsinne erklärt Brewer in seinem Büchlein doch sogar römische Zahlen, also alles was ihm in irgeneiner Form wichtig erscheint dem ungebildeten Pöbel näher zu bringen (so oder ähnlich stands auf dem Klappentext, deswegen habe ich das Werk seinerzeit erstanden). Ergo, die Auswahl in Brewers Buch erfolgte absolut subjektiv. (by the way: danke für den Hinweis mit Dan Brown, aber meine intellektuellen Fähigkeiten sind durchaus ausreichend und Fiktion von Realität zu unterscheiden...)

    Weitere Erklärungsansätze liefert der gleiche Artikel in der wikipedia:
    Und nochmal etwas Lektüre: Friday the 13th Phobia Rooted in Ancient History
     
  8. Josephine

    Josephine Neues Mitglied

    Gab es nicht schon im Märchen 12 gute Feen und die 13. war die böse.....
     
  9. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Eigentlich nicht... Sie wurde nur nicht eingeladen, weil ein typisches Ess-Service nur aus 12 Teilen besteht (obwohl man heutzutage auch schon welche mit 6 Teilen bekommt...Verfall der alten Sitten!)

    Sowas hätte mich auch ausflippen lassen...
     
  10. Eumolp

    Eumolp Aktives Mitglied

    Deinen intellektuellen Fähigkeiten wollte ich beileibe nicht zu nahe treten... :winke:
    Tja, hier steht wikipedia gegen wikipedia, denn in der englischen Ausgabe steht (mit einer Quellenangabe im Netz, hab nur im Moment keine Zeit zu lesen):
    Und wer hat Recht? :confused:
    Danke für den Hinweis bei Bachter: denn mir war noch im Gedächtnis, dass der Ursprung in einem Roman der 40er Nachkriegsjahre zu finden war, dies hatte ich aber bei wikipedia überlesen und Genaueres hatte ich vergessen; die Aussage von Bachter kenne ich dagegen aus einer Mailliste, wo er gelegentlich schreibt.
     
  11. Schnuppe

    Schnuppe Neues Mitglied

    Hallo,
    interessant ist, dass in Italien Freitag, der 17. als Unglückstag gilt.
    Und dass mit den 13, das kommt tatsächlich aus dem Glauben, soweit ich weiß. Hab ich mal bei "Wissen macht Ah!" gesehen. Die Jünger waren 12 und Jesus war der 13. Jesus wurde gekreuzigt = 13 sehr schlecht.
    Naja, inwiefern das stimmt, ist natürlich die andere Frage.
    Liebe Grüße und ein Lächeln,
    Schnuppe :frauenpower:
     
  12. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Zahlenmystik ist eine alte Praxis der Babylonier (und ihrer Vorgänger) Beim elementaren Rechnen sind die Primzahlen: 7, 11, 13 und 17 äußerst lästig und wurden deshalb gemieden, soweit es ging. Wegen des 60er-Systems sind andere kleine Zahlen unkritisch.

    Der 7-te Tag der Woche war so unglücksträchtig, dass Mancher einfach im Bett blieb :) Auf jeden Fall wurde niemals irgendetwas Neues begonnen.
     
  13. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Vielleicht sollten wir uns erst mal überlegen, inwiefern wir Dinge als Aberglauben bezeichen dürfen, die für mittelalterliche Menschen mit Sicherheit kein Aberglaube waren, sondern Teil ihrer religiösen Sichtweise der Dinge. Ich werde auch das Gefühl nicht los, dass wir den Begriff "Aberglaube" auf das Mittelalter bezogen anachronistisch verwenden. Lasse mich aber gern eines besseren belehren, wenn gute Argumente kommen. :winke:
     
    1 Person gefällt das.
  14. tejason

    tejason Aktives Mitglied

    Wir tun dem Aberglauben auch Unrecht, wenn wir ihn im Mittelalter verorten wollen. Wie in manchen Beiträgen zu lesen, hat der Aberglaube weit ältere Wurzeln. Man schaue sich nur manche römischen Funde an, wenn man nicht gar zu weit zurückgehen will... Ich denke auch hier wirkt der ideologisch begründete "schlechte Ruf" des MA nach, den man ihm in der Renaissance angehängt hat. Davon abgesehen ist Aberglaube auch heute noch durchaus real!

    Zwischen Aberglaube und Glaube zu unterscheiden liegt im Auge des Betrachters. M. E. ist eine religiöse Sichtweise der Dinge nicht so recht ein Aberglaube. Eine (gedachte) halbmagische Praxis der Beschwörung von übernatürlichen Kräften mag im Heidentum als "real" angesehen worden sein. Eine von damals tradierte Praxis, die von Christen ohne Kenntnis der Ursprünge angewendet wurde, müsste demzufolge ein Aberglaube sein, oder? Für mich gehört der im Mittelmeerraum noch oft beschworene und gefürchtete "Böse Blick" jedenfalls in die Rubrik Aberglaube, auch wenn sich da "Muselmanen und Nazaräer" einig zu sein scheinen.
     
  15. Eumolp

    Eumolp Aktives Mitglied

    Aberglaube ist stets der Glaube, der nicht im aktuell vertretenen Glaubenssystem enthalten ist bzw. ihm widerspricht. (Bei konkurrienden Glaubenssystemen erzeugt diese Bestimmung natürlich ein Problem.) Meistens hat der Begriff Aberglauben sowieso nur eine diffamierende Bedeutung.

    Beispiel: Einer aufgeklärten Weltanschauung (schon dem Protestantismus) kommt der Glaube an die Wunderwirkung einer Reliquie als Aberglaube vor. Dem mittelalterliche Christen dagegen ist die Reliquienverehrung Teil der Heiligenverehrung und daher mit dem Glauben vereinbar.

    Das, finde ich, reicht für ein geschichtliches Verständnis. Eine weitergehende Bestimmung wäre Stoff für eine philosophische oder religionswissenschaftlische Debatte. Entsprechend würde ich z.B. die Reliquienverehrung im Mittelalter nicht als Aberglauben auffassen, in eine Untersuchung über "Aberglauben heute" würde ich sie allerdings aufnehmen.
     
  16. Ostrogotha

    Ostrogotha Aktives Mitglied

    Auch in manchen Hotels denkt man noch so. Oft gibt es Zimmer 13 nicht.
    Sogar auf einem Kreuzfahrtschiff wie der A'Rosa blu (heute Aida blu) fehlt Deck 13; nach 12 kommt ganz offiziell 14, wie ich etwas irritiert festgestellt hatte.
     
  17. Mercy

    Mercy unvergessen

    Da suhlen wir uns jetzt mal so richtig mittelalterlich.
    :motz:
     
  18. tejason

    tejason Aktives Mitglied


    ...oh, da wende dich doch bitte offen an den Inquisitor deines Vertrauens :scheinheilig:

    Meines Wissens ist Reliquienverehrung für die Masse der heutigen Christen in der Welt immer noch im Rahmen des Systems. Die dahinter stehenden Gedanken mögen sich geändert haben...
     
  19. Jacobum

    Jacobum Neues Mitglied

    In der spanischsprachigen Welt gilt übrigens nicht der Freitag sondern der Dienstag der 13. als Unglückstag.

    Ob es die Triskaidekaphobie auch schon im Mittelalter gab, kann ich nicht beantworten.
     
  20. Eumolp

    Eumolp Aktives Mitglied

    Vor Jahren hatte ich eine Führung in St. Pantaleon (Köln) mitgemacht, und wir durften eine Reliquiensammlung sehen, die normalerweise öffentlichem Publikum nicht zugänglich war (warum eigentlich?). Es war... schaurig, gelinde gesagt: kleine Püppchen aus Menschenknochen und solche Sachen. Nun ist St. Pantaleon dem Opus Dei sehr verbunden, unser guter Erzbischof hat dort jüngst dem Gründer dieses Vereins eine Kapelle geweiht. In solchen Kreisen mag man vielleicht den Reliquien noch Wunderdinge zuordnen - das weiß ich allerdings nicht.

    Außerdem besteht durchaus ein Unterschied darin, ob man Reliquien verehrt (als Trophäe wie etwa die Gitarre von John Lennon), oder ob man ihr Wunder zuschreibt.
     

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