Aberglaube im MA

Dieses Thema im Forum "Das Papsttum" wurde erstellt von Anabell, 5. April 2008.

  1. tejason

    tejason Aktives Mitglied

    Also derzeit beschäftigen wir uns mehr um die Abgrenzung von Aberglauben gegen Glauben einerseits und Naturwissenschaften als drittes Gebiet, denn um Aberglauben selbst. Wie von mir bereits angesprochen, sollten sich Thologen um die genauere Abgrenzung gegen Glauben kümmern - und Wissenschaftler ihren Bereich verteidigen. Aberglaube hat immer eine Chance mehr oder weniger tief in eines dieser Gebiete einzudringen. Gibt es doch keinen eigenen Bereich oder "Wissenschaft Aberglauben", sondern abergläubische Ansichten und Handlungen sehen sich selbst als einen Teil von Glaube oder Naturwissenschaft!
    Einem "abergläubischen Menschen" ist deshalb der Unterschied auch besonders schwer klar zu machen. Ich denke man kann Aberglauben im Wesentlichen Abgrenzen und sehe keinen Sinn darin über Details hier zu hadern oder zu diskutieren. Wir bestreiten wohl alle nicht die Existenz von "Aberglauben"?!
    Also weiter im Text, ja?

    Haalt! Kann man mich so falsch verstehen?
    Angenommen in einer (fiktiven?) Religion wird eine Gottheit um Beistand gebeten indem man einen Esel opfert damit die Trockenheit endet. 500 Jahre später ist die Region in welcher besagte Religion beheimatet war, komplett islamisiert worden. Man glaubt dann nicht mehr an die einstigen Götter. Aber als überholte Tradition kann sich durchaus die Sitte erhalten haben einen Esel zu opfern (*nehme anderes Wort dafür jetzt, da es kein echtes Opfer mehr ist sondern ein Ritual dessen genauer Kontext verloren gegangen ist*) um eine Trockenheit zu beenden.
    Ein Moslem, der nicht aus der fiktiven Region stammt, wird diese Sitte ohne jedes Zögern in die Rubrik "Aberglaube" einordnen.


    Aus historischer Sicht mag man die in vielen Regionen der Welt einst beheimateten polytheistischen Systeme auch heute noch als Religionen ansehen. Die alten olympischen Götter sehe ich aber aus heutiger Sicht als rein geschichtlies Phänomen an!
     
  2. Eumolp

    Eumolp Aktives Mitglied

    @Fingalo
    Die Frage der Falsifikation geht zwar weit über das Problem "Aberglaube im MA" hinaus, trotzdem ein paar Anmerkungen:

    1. Medizin ist keine Wissenschaft, sondern eine Technologie. Technologien denken in Zwecken: "wer heilt, hat recht" (und schleusen damit alles Mögliche ein). Physiologische Theorien müssen sich aber schon über falsifizierbare Theorien ausweisen.
    1a. Placebo ist einfach eine Kurzbezeichnung für "alle möglichen Ursachen, die uns im Moment nicht interessieren" - die aber vielleicht verschränkt sind mit unserem Problem. Daher verwendet man Double-Blind-Studien, um die Wirkung dieser Effekte auszuschalten.

    2. Geschichte ist zwar Wissenschaft, nicht aber theoretische Wissenschaft, die also mittels verallgemeinerter All-Aussagen arbeitet: "Für alle x, y gilt: wenn x, dann y".
    Geschichte basiert auf Einzelereignissen, deren Konstatierung belegt werden kann oder nicht. Deshalb gilt hier nicht das Kriterium der F., sondern der Verifizierbarkeit: Ein Ereignis hat stattgefunden oder nicht. Ob man etwas tatsächlich verifizieren kann, steht auf einem anderen Blatt. Daher ist auch eine zwar prinzipiell, aber nicht praktisch verifizierbare Aussage in der Geschichte eher Spekulation als Wissenschaft und grenzt oft an Aberglauben. Bsp: Existenz von Atlantis. Theoretisch verifizierbar, praktisch wohl kaum.

    3. Statistische Aussagen. Ich sehe hier kein Problem; das Theorem der großen Zahlen hat sich schon seit Bernoulli mit diesem Problem beschäftigt. Ohne dieses Theorem + dem Zentralen Grenzwertsatz samt daraus ableitbaren Fehlermaße wäre die Stichprobentheorie nicht möglich.

    Kurz ein Beispiel zur Beziehung z.B. von Geschichte (=> Einzelaussagen) und Soziologie (=> Allgemeinaussagen), an Davies' Revolutionstheorie. James Davies hat einen sog. J-Kurvenverlauf von Revolutionen prognostiziert: immer dann, wenn eine politisch unmündige Schicht eine pos. wirtschaftliche Entwicklung verzeichnet, die aber ab einem gewissen Punkt nicht mehr der Erwartung entspricht, dann klafft eine Anspruchs-Lücke und die Tendenz zu einem politischen Umbruch nimmt zu. Wurscht, ob diese Theorie zutrifft oder nicht: man kann sie aber widerlegen, sofern man die einzelnen Bedingungen "Tendenz nimmt zu" usw. klarer bestimmt. Das ist nun aber eine soziologische Theorie; der Geschichtswissenschaft kame dann die Rolle des Faktenbeschaffers zu, der diese Theorie widerlegen könnte.


    @deSilva
    Interessante Sache, der Energieerhaltungssatz. Wenn ich mich daran noch richtig erinnere, ist zumindest der 2. Hauptsatz der Thermodynamik tatsächlich "falsifiziert", nämlich in einem Bereich von 10^-30 Sekunden (oder so) nach Big Bang. [Allerdings gebe ich keine Gewähr darauf und widersage sofort bei Widerspruch ;) ]
    Astrophysik gehört wie Geschichte in das Gebiet der Einzelaussagen: "Unsere Sonne entstand vor 5 Mrd Jahren" = Einzelereignis, ist daher nicht falsi- aber verifizierbar. Die dahinterstehenden physikalischen Theorien sind dagegen falsifizierbar.


    @zur diskussion tejason & fingalo, wenn ich darf:

    Ich will nochmal auf das "allgemeine Problem" des Aberglaubens eingehen:
    1. entweder wir nehmen das, was die Menschen damals unter Aberglauben verstanden haben; dann ist für einen Christen der Glaube an Wotan Aberglaube
    2. oder wir bestimmen einen "absoluten" Begriff des Aberglaubens wie fingalo. Aber Vorsicht: Wittgenstein sagt im Tractatus: "Der Glaube an den Kausalnexus ist der Aberglaube".

    Ich finde, für einen geschichtlich Interessierten kann nur (1) leitend sein, aber sehr oft verschwimmen diese beiden Bereiche, das gebe ich zu. Das wollte wschl. auch tejason sagen.
     
  3. fingalo

    fingalo Aktives Mitglied

     
  4. tejason

    tejason Aktives Mitglied

    Hmm, so Ähnlich vielleicht. Aber ein monotheistischer Glaube kann eine polytheistische Glaubensauffassung nur als falsch ansehen. Gleichgültig ob als Aberglaube oder nicht. Zu Zeiten Karls d.Gr. wurden die alten Götter als Teufel interpretiert. Aber ich weis was du meinst...

    Nicht anders wollte ich verstanden werden als ich Aberglaube und Heidentum in Verbindung gebracht hatte.
     
  5. askan

    askan Neues Mitglied

    Zitat:"Zum Aberglauben wurden nur bestimmte Elemente, die übrig geblieben waren, als das Christentum fest im Sattel saß."

    Ich glaube sowas gibt es heute noch, wenn zu bestimmten Tagen Gipspuppen in Frauengestalt über die Felder getragen werden um Stürme und Missernten zu verhindern oder in Gold gefasste Leichenteile vereht werden, da noch "Mana" (polynes. Göttliche Anwesenheit) darin vorhanden sein könnte.
     
  6. fingalo

    fingalo Aktives Mitglied

    Bei diesen Ritualen wird es unscharf. Da ist die Intention entscheidend. Und zweifellos gibt es abergläubische Elemente in der christlichen Volksfrömmigkeit. Zwischen dem Aufhängen von Knoblauchzöpfen gegen Vampire und dem Befestigen christlicher Symbole am Haus zur Abwehr vom Unglück ist sicher kein Unterschied auszumachen.
    Aber nicht jede Visualisierung der Verbundenheit zwischen Mensch und dem Übermenschlichen und Transzendenten ist schon Aberglaube. So kann sich die Darstellung dieser Verbundenheit sowohl in der himmelweisenden gotischen Architektur als auch in einer Feldprozession ereignen. Dann (und nur dann) ist die Prozession so wenig Aberglaube wie der Kölner Dom.
     
  7. Earl Grey

    Earl Grey Gesperrt

    1. Zwischen Glaube und Aberglaube besteht aus naturwissenschaftlicher Sicht kein Unterschied.
    2. Glaube (alternativ Aberglaube: s.o.) bedeutet Vertrauen in eine Aussage bei bewußtem Verzicht auf Beweise/Gegenbeweise - Das ist der wesentliche Unterschied zur (Natur-)wissenschaft.

    Kleine Anmerkung:
    Interessanterweise wird von "gläubigen" Personen häufig eine wissenschaftliche Argumentation (auf Basis Beweis/Gegenbeweis) gegenüber dem aus ihrer Sicht "Aberglauben" angeführt bzw. stellen wissenschaftlich belegte Fakten für sie die Begründung ihrer Ablehnung eines Aberglaubens dar :devil: - Das Ganze nennt man aber trotzdem noch (vermutlich besser: gerade deswegen) Mensch.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Mai 2008
  8. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Natürlich besteht zwischen Glaube an die "Wissenschaft" und Glaube an eine "Religion" kein prinzipieller Unterschied. Organisation, Priesterschaft, Initiationsriten, Häresie, magische Praktiken,... sind äquivalent.

    Die Wissenschaft hat sich jetzt in erster Linie auf magische Praktiken konzentriert ("Technik") und besitzt nicht die in "anderen" Religionen übliche "Kanonische Abgeschlossenheit"; Letzteres ist bei "jungen Religionen" aber auch nicht immer der Fall.

    Aberglaube ist die Ausgrenzung aller dem eigenen Glaubenssystem widersprechenden Angelegenheiten. Ist das Glaubenssystem nicht totalitär, dann gibt es auch auch noch eine dritte Gruppe: das "tägliche Leben" :)

    (1) Eine interessante Frage ist, ob Aberglaube "wirksam" sein kann. In Bezug auf andere Religionen etwa: Ist Baal oder Allah eine "Fiktion" oder eine "existierende Alternative"?
    Oder: Ist "Hexerei" nur dumme Einbildung, häretisches Verhalten, oder kann sie effektiven "Schaden" anrichten?

    (2) Eine andere Frage, ob es überhaupt einen "alternativen Glauben" im Sinne einer heute verbreiteten global-ökumenischen Vorstellung überhaupt geben kann, oder ob JEDE andere Wertvorstellung als die eigene Religion einen Aberglauben darstellt, auf den je nach Antwort auf die Frage (1) reagiert werden muss.
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. Mai 2008
  9. Earl Grey

    Earl Grey Gesperrt

    Der Aberglaube versetzt wie der Glaube Berge - Der hier schon aufgeführte Placeboeffekt ist ein Beispiel. Die Wirkung ist wissenschaftlich nachgewiesen.
    Selbstverständlich kann sie viel Schaden anrichten - ebenso wie aber auch viel Gutes (Das ist wiederum eher ein Aspekt der moralischen Beurteilung der Folgen).
    Um es einmal provokant auf den Punkt zu bringen: "Die Sintflut ist ein Beispiel für Hexerei".

    Glaube / Aberglaube, Hexerei / Macht Gottes, ... - Das sind doch alles wertende Begriffe für ein- und dasselbe und (nur) diese Wertung liegt im Auge des individuellen Betrachters.
    Und da es dabei - wie bereits angeführt - um das Vertrauen in eine Aussage ohne Erfordernis eines Beweises oder Gegenbeweises geht ist eine Diskussion darüber eigentlich müßig - Ich bin ohnehin viel zu naiv um an ihr unter all diesen weitaus Wissenderen (oder Aber-/Gläubigeren? :grübel:) weiter teilzunehmen zu können :weinen:.
     
  10. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Auch wenn Wissenschaft an den Universitäten in einem gewissen Grad ritualisiert ist, macht das bei weitem noch keine Religion aus. Die Ritualisierung von Wissenschaft tritt auch höchst selten zutage. Auch sehe ich keine Äquivalenz zwischen dem Glauben an Religion und dem Glauben an Wissenschaft.

    Hier wird doch der Unterschied zwischen Religion und Wissenschaft besonders deutlich. Während die Wissenschaft versucht zu entmystifizieren und zu erklären, wie etwas funktioniert - τέχνη heißt im Übrigen 'Handwerk'! - lebt die Religion von Mysterien. Religion und Wissenschaft sind in diesem Punkt absolut gegensätzlich.
     
  11. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    In den verschiedenen Religionen, werden verschiedene Aspekte der "Teilnahme" unterschiedlich betont: Mystik, Ritual, Glaube, Studium/Wissenserwerb, Magie. Das Christentum besitzt zwar relativ wenige magische Praktiken, diese sind aber äußerst sprechend (Sakramente, Reliquien, Walfahrten)
    .
    Eine Religion versucht ebenfalls zu "entmystifizieren" (nämlich den "Aberglauben"!) und zu erklären "wie was funktioniert". Die "Wissenschaft" ist hierbei möglicherweise erfolgreicher. Allerdings ist Erfolg ein komplexer Begriff...

    Was erwartet man denn von einem "Glaubenssystem?
    - Glück
    - Reichtum
    - Gesundheit/Langlebigkeit/Unsterblichkeit
    - Kraft/Macht/Unbesiegbarkeit

    Auch der Unterschied zwischen Laien und Priestern ist in unserer Wissenschaftsgesellschaft ziemlich deutlich :)
     
  12. Earl Grey

    Earl Grey Gesperrt

    Im Grunde stellen in meinen Augen alle (welt-)Religionen ein Regelwerk mit Verhaltensmaßregeln für die Menschheit dar, die sich grundsätzlich an ethisch-moralischen Werten orientieren - Durch die Vornahme von ethisch-moralischen Wertungen unterscheidet sich Religion von Wissenschaft (neben der o.g. Abgrenzung Glaube-Wissenschaft da der Glaube essentieller Bestandteil jeder Religion ist).

    Die jeweiligen ethisch-moralischen Vorstellungen - im wesentlichen die Unterscheidung "Was ist gut (bzw. richtig) und Was ist böse (bzw. falsch)?" - können je Kulturkreis (im Detail!) durchaus unterschiedlich ausfallen mit der Folge unterschiedlicher Ausprägungen / Religionen.
    Zudem wurden unterschiedliche psychologische Erkenntnisse in den Religionen berücksichtigt um eine möglichst breite Anerkennung zu finden (Stichwort Demagogie - hier jetzt gar nicht wertend gemeint).

    Der Mensch ist evolutionsbedingt eher "ein Herdentier" (Kein Kontakt zu Seinesgleichen führt über kurz oder lang zu mehr oder weniger gravierenden psychologischen Schäden).
    Die Mehrzahl der Menschen wollen dabei (in der Regel unterbewußt) geführt werden: Sie brauchen jemanden, der Ihnen sagt was sie tun sollen bzw. was richtig und was falsch ist (Anmerkung: Diese im Menschen grundsätzlich vorhandene Anlage wurde in der Vergangenheit leider auch schon des öfteren mißbraucht).

    Vor diesem Hintergrund halte ich persönlich (ALLE ! Welt-)Religionen grundsätzlich für äußerst hilfreich für die Menschheit, da sie zumindest im Kern jene ethisch-moralischen Vorstellungen enthalten, die auch ich PERSÖNLICH (zumindest zum Großteil) für richtig erachte.

    Und da aus pragmatischer Sicht nun stets der Zweck die Mittel heiligt ist es egal ob irgendetwas davon wissenschaftlich belegbar ist oder nicht.;)

    Um zu zeigen dass die meisten Diskussionen in diesem Bereich einfach fruchtlos enden müssen hier ein paar Beispiele für die fließenden Grenzen moralisch-ethischer Vorstellungen:

    1. Nehmen wir einmal an, ich könnte schwangeren Frauen die Embryonen einfach weghexen.
    Jetzt stellt sich die Frage: Wäre ich dann
    a) ein Werkzeug Gottes: Dann aber Halleluhja! oder
    b) ein Werkzeug des Teufels: Oh je, äußerst verwerflich
    Wer entscheidet darüber was in diesem Fall nun vorliegt? MENSCHEN (die sich zumindest zum Teil selbst widerum als Werkzeug Gottes betrachten)

    2. Warum sollte ein Gott z.B. Angehörigen frühzeitlicher Völker den Zutritt ins Himmelreich verwehren, die Menschenopfer darbrachten? Diese schlimmen Heiden! Anderseits wussten sie es doch gar nicht besser, in diesem Punkt waren sie doch so unschuldig wie Kinder: "Selig sind, die da geistlich arm sind; denn das Himmelreich ist ihr." Also was jetzt?

    3. Suizid gilt in den meisten Religionen als Sünde (Gott gibt also darf auch er nur nehmen). Aber wie ist ein Selbstmord zu werten, der Folge einer psychischen Erkrankung ist/war (z.B. ausgelöst durch Wahnvorstellungen)? Was ist, wenn ein bewußt aus diesem Grund vollzogener Freitod eines Einzelnen den Tod vieler anderer verhindert? Hat er sich für die anderen geopfert und war also "gut"? Oder könnte man dies nicht auch so sehen dass es eigentlich Gottes Plan war, diese Menschen zu töten, un der Selbstmörder widersetzte sich hier eindeutig Gottes Willen (-> Er ist "böse")?

    Fazit:
    Der Glaube hilft vielen, in bzw. mit ihrem Leben zurechtzukommen - Von daher sehe ich Religion als durchweg positiv an.
    Welche Religion nun "die einzig Wahre" ist stellt dagegen in meinen Augen eher eine Frage der kulturellen Zugehörigkeit als dass sie absolut beantwortet werden könnte.
    Und aus diesem Grund liegen Aberglaube und Intoleranz wesentlich näher beieinander als man auf den ersten Blick vielleicht meint.:devil:
     
  13. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Ich habe diese Diskussion bisher schweigend mitverfolgt, fand sie spannend auch den letzten Beitrag, manchmal etwas theoretisch.

    Daher möchte ich ein kleine, persönliche Anekdote erzählen, ist eher was für Small-talk oder Kneipenrunde und sollte bitte in 1-2 Stunden wieder gelöscht werden.

    Wie jedes Jahr, wenn ich den Rasenmäher nach der Winterpause aus dem Schuppen hole, sprang er Ende April nicht an. Es ist ein gewöhnlicher Elektromäher mit Sicherheitsknopf und Bügel unter dem Schiebegriff. Leider wird er im Schuppen meist gegen den Griff gelehnt und im Herbst lieblos gesäubert und nicht geölt.
    Wir (2 Frauen, völlig unerheblich für´s Thema) haben dann abwechselnd frustriert, fluchend, genervt am Messerrad geruckelt und gedreht, geschoben, Mäher angehoben beim gleichzeitigen Betätigen von Sicherheitsknopf und -Bügel. Der Mäher blieb still, die mittägliche Gerätepause rückte näher, der Rasen sollte aber unbedingt vor dem 1. Mai noch gemäht werden. Natürlich wußten wir, dass da irgendwo ein Wackelkontakt in der Stromzufuhr zum Griff war aber zum Aufschrauben fehlten uns das Werkzeug und die Nerven. So erwogen wir Gartennachbarn um Hilfe zu bitten oder uns einen Nachbarmäher zu leihen. Panisch fiel mir ein, dass ich dieses Hilfsersuchen bei den Nachbarn vor einigen Jahren schon versucht hatte mit dem Ergebnis: Nachbar kam, betätigte 1 x Griff, Knopf und Bügel und Rasenmäher sprang sofort an. Diesen Vorführeffekt wollten wir uns nun wirklich nicht antun.
    Wir beschlossen den Mäher ein bißchen in Ruhe zu lassen, uns abzuregen und nach 10 Minuten, in denen wir uns geschworen haben, den armen Mäher zukünftig besser zu reinigen, liebevoll abzustellen, wenn er nur noch einmal anspringen würde, haben wir es noch mal versucht und siehe da, er sprang beim ersten Versuch ohne Widerstreben an und ist seither ohne Probleme angesprungen. Nun steht er auf einem Ehrenplatz.
     
  14. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    :eek::doc::abgelehnt:
     
  15. Rafael

    Rafael Aktives Mitglied

    Literatur (die hier noch nicht genannt wurde?):

    Bologne, Jean-Claude: Von der Fackel zum Scheiterhaufen: Magie und Aberglaube im Mittelalter, Solothurn u.a. 1995.
     
  16. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Gar kein Widerspruch, sondern nur ein paar Anmerkungen...
    Die frühen Naturwissenschaftler konnten es sich nicht leisten, in direktem Konflikt mit den Kirchen zu treten. Eine ethische-moralische Komponente war von Anfang an die absolute Ehrlichkeit und die Bannung von entwürdigenden Experimenten mit Menschen. Beide Regeln wurden natürlich ständig verletzt. Im Gegensatz zu manchen (!) anderen Religionen ist die Wissenschaft nicht totalitär, sondern lässt Spielraum für das, was ich oben "tägliches Leben" genannt habe. Spätestens seit Marx/Engels gibt es Versuchem diesen Spielraum einzuschränken. Dass man dies dann "Pseudo-Religion" nennt, macht nicht wirklich einen Unterschied :) Grundsätzlich tendiert "Wissenschaft" zu Naturreligion/Pantheismus (im Sinne Goethes und Rousseaus)

    Glaube ist ein ganz wesentlicher Bestandteil der Naturwissenschaften (hierzu gehört der Glaube an die causa efficiens und die Ablehnung der anderen Aristotelischen causae, insbesondere der causa finalis, der Glaube an den Energieerhaltungssatz, überhaipt die Existenz von "first principles" , der Eignung von Mathematik zur Beschreibung von Naturgesetzen, ...)
    Ein befreundeter und sehr studierter Psychologie sagte mir mal, dass dies nur auf die sogenannten "Extravertierten" zuträfe, die alle irgendeinen Knacks hätten. Normale introvertierte Menschen können ganz prima mit sich alleine auskommen...

    Das ist lieb gedacht, und von mir auch als "modere welt-ökumenische Toleranzhaltung" gelobt worden. Wenn man den Begriff "Gott im Sinne der jeweiligen Kirche" ernst nimmt, ist diese Ansicht allerdings logisch unhaltbar.... Sie besagt dann nämlich, dass ALLE Religionen unrecht haben. Lessing hat da ein heute immer noch gern aufgeführtes Lustspiel drüber geschrieben...
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Mai 2008
  17. hyokkose

    hyokkose Gast

    Wenn Du den Begriff "Glaube" derart überstrapazierst, um Deine These "Wissenschaft = Religion" zu retten, führst Du sie gleichzeitig ad absurdum.

    Simple Erfahrungstatsachen (Bestimmte Ursachen haben bestimmte Wirkungen, von nichts kommt nichts) mutieren bei Dir zum "Glauben".
    Ein Kind, das seine erste Erfahrung mit einer heißen Herdplatte macht und daraus das Prinzip "Herd heiß -> Finger aua" lernt, hat nach Deiner Beschreibung einen "Glauben" angenommen und ist somit "religiös" geworden.
    Aua.
     
  18. FoxP2gen

    FoxP2gen Neues Mitglied


    Empirische Erfahrungen würde ich auch nicht als "Glauben" bezeichnen.
    Die Haltung, dass die Wissenschaft Alles erklären und für Alles eine Lösung findet, könnte man allerdings doch wieder in die "Glauben"-Ecke abschieben.

    Die frage ist nur, ob man "Glauben" und "Religion" in einen gemeinsamen Topf werfen kann. Religion ist kollektiv, Glaube subjektiv. Wenn ich z.B. katholisch bin, gehöre ich einer Religion an, was aber nicht automatisch bedeutet, dass ich dasselbe glaube, wie die Anderen in der Gemeinde.
     
  19. hyokkose

    hyokkose Gast

    Sicher, das könnte man sogar als Irrglauben bezeichnen, denn empirisch feststellbar ist bislang zweifellos nur, daß die Wissenschaft weder alles erklärt noch für alles eine Lösung gefunden hat. Doch sogar wenn irgendjemand diese Haltung vertreten würde (ich weiß nicht, ob es so jemand gibt; mir ist niemand bekannt), würde das DeSilvas Behauptung
    "Glaube ist ein ganz wesentlicher Bestandteil der Naturwissenschaften" mitnichten stützen.


    Das spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle. In DeSilvas Argumentation geht es um einen kollektiven Glauben, und Wissenschaft ist nach seiner hier vertretenen Ansicht nach eine Religion.
     
  20. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Wenn wir schon von Glauben reden: Ich glaube, SO hat er es nicht gemeint.
     

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