Abgaben im Mittelalter

Dieses Thema im Forum "Alltag im Mittelalter" wurde erstellt von Murx, 25. Juni 2008.

  1. Murx

    Murx Neues Mitglied

    Hallo-
    In einer Chronik eines Dorfes in Oberbayern werden alte Text zitiert mit Begriffen, die heute nicht mehr geläufig und mir unverständlich sind: Abgaben waren zu entrichten: Kirchtrachtlaibe - was besagt Kirchtracht?
    Stockgarben - wie groß waren die Getreidebündel?
    Gerstenmaden - wohl kein Ungeziefer.
    Was, wie groß war ein 2/3 Sitz ...dorf?
    Welche Quelle(n) könnten ähnliche Begriffe in die heutige Sprache übersetzen? - Suche seit 5 Tagen ergebnislos.
    Dank im Voraus Dank -

    Murx
     
  2. hyokkose

    hyokkose Gast

    Hast Du es schon mit Google versucht?


    Kirchtracht - Google-Suche

    Schon der erste Link scheint mir recht zielführend zu sein.
     
  3. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Nach den übrigen Begriffen würde ich im Schmeller schauen, da es sich um eine Chronik aus dem süddeutschen Raum handelt. Ansonsten gibts es das Grimmsche Wörterbuch (index_html) online. Auf die Schnelle konnte ich Stockgarbe auflösen:

    stockgarbe, f., eine vom gerodeten acker an den grundherrn zu zahlende abgabe, die zehnte garbe, census frumentarius, nach FRISCH 2, 337c als entschädigung für die geminderte jagdnutzung. gebildet zu 1stock, m., 1 truncus, caudex; sonst auch forstgarbe genannt (th. 3 sp. 6); vgl. auch allgem. haushalt. lexic. 1, 508a --

    Könntest du bei dem 2/3 Sitz ...dorf noch den ganzen Kontext reinstellen, das lässt sich dann mit Sicherheit auch schnell lösen. Es könnte zum Beispiel sein, dass sich zwei Grundherren etwa eine Hofstelle teilen oder dergleichen. Vielleicht ist auch gemeint, dass 2/3 einer Hofmark einem Grundherren gehören.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Juni 2008
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nach dem Lexer (mhd TWB) ist mâde ein schwaches Femininum (im Gegensatz zu der made, die im mhd ein schwaches Maskulinum ist und neben Maden und Würmern auch den Embryo bezeichnet) und bezeichnet den "Schwaden beim Mähen" :confused:. Was allerdings ein Schwade ist, damit bin ich überfragt.
     
  5. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Bei den Gebürdern Grimm bin ich auch diesbezüglich fündig geworden. Vielleicht handelt es sich bei der Bezeichnung "Gerstenmaden" um eine regionale Abwandlung, die man nur im Bairischen Wörterbuch von Schmeller findet, oder die überhaupt nicht dokumentiert und damit nicht mehr greifbar ist. Wenn du vielleicht den Kontext noch einstellen könntest, wo das Wort "Gerstenmaden" vorkommt, ließe sich meine Vermutung, dass es esich um den gleichen Gegenstand handelt, be- oder entkräften.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. Juni 2008
  6. Artorius

    Artorius Aktives Mitglied

    Kann "made" nicht auch eine frühe Form von Mahd -also das Substantiv von mähen - sein? Vielleicht ist mit Gerstenmade die Ernte gemeint?
     
  7. Murx

    Murx Neues Mitglied

    Hallo Lukretia,​
    Vielen Dank für den 2maligen Einsatz und die Quellenangabe -​
    Mit „Maden“ sollen Schwaden beim Mähen gemeint sein.​
    Beim Mähen mit der Sense wird das Mähgut am Ende des​
    Sensenschwunges abgelegt zu einer Art Strang und heißt Mahd.​
    In unserer Gegend wird das , zum Trocknen flächig ausliegende (Gras)​
    Heu vor dem Einbringen in die Scheune zu Schwaden zusammengerecht,​
    die Form gleicht etwa einer Biskuitrolle mit ca. 70 cm Durchmesser.​
    Mir fällt auf, dass sowohl Stockgarben wie Gerstenmaden eine recht​
    vage Mengenbeschreibung darstellen.​
    Zum 2/3 Sitz: Zitat: Bichlerhof in Oberndorf:... Zehent: 2/3 Sitz Oberndorf
    1/3 Pfarrei Oberndorf.
    Mit freundlichen Grüßen
    Murx
     
  8. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Da hat sich dann meine erste Vermutung bestätigt. Der Bichlerhof gehörte zu 2/3 dem Sitz Oberndorf und zu 1/3 der Pfarrei. Möglich ist, dass aufgrund einer Kirchenstiftung (z.B. für regelmäßige Seelenmessen) oder dergleichen irgendwann das 1/3-Grundherrenrecht des Hofes an die Pfarrei ging. Dies ist durchaus kein unüblicher Vorgang. Man müsste im Pfarrarchiv mal nachsehen, ob dieser Vorgang dokumentiert ist, was natürlich auch davon abhängt, wann dieser vonstatten ging. Je später, desto wahrscheinlicher, dass sich da noch Unterlagen finden. (Und man braucht viel Zeit, sich durch Berge von Akten zu kämpfen.)

    Pfarrarchivalien dieses Alters findest du im zuständigen Bischöflichen Archiv, in Deinem Fall wohl Freising.
     
    Zuletzt bearbeitet: 26. Juni 2008
  9. Murx

    Murx Neues Mitglied

    Hallo Artorius,
    Danke für den nützlichen Hinweis -
    Dein Leitspruch orschwerbleede wirft ein neues Problem auf:
    bleed = blöde; bleede = Plural, oder Singular Femininum?
    schwerbleed = Komparativ?
    orschwerbleed = Superlativ? oder or engl.?
    Zu welcher Gruppe zählst Du mich?
     

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