Abhängigkeiten zwischen Sozialdarwinismus, Nationalismus und Imperialismus

Dieses Thema im Forum "Die großen Kolonialreiche" wurde erstellt von fredyhanny, 3. Mai 2008.

  1. fredyhanny

    fredyhanny Neues Mitglied

    Hi,
    Ich bräuchte Hilfestellung zur Anfertigung eines 15 minutigen Referates über das Thema "Imperialismus". Ein Thema das in dem Referat behandelt werden muss ist die vertiefende Erläuterung von Abhängigkeiten zwischen Sozialdarwinismus, Nationalismus und Imperialismus.

    Mein aktueller Wissensstand sieht wie folgt aus:
    - Die Theorien des Sozialdarwinismus wurden als Legitimierung für den Imperialismus genutzt. Dh. die Einwohner Afrikas wurden als Menschen der niederen Rasse definiert und die Eroberer als Menschen der Herrenrasse.

    Da ich die Abhängigkeiten aber "vertiefend" erläutern soll, bräuchte ich ein Quantchen mehr an Information/Erkenntnis :red:.

    Für mögliche Quellen oder Erklärung wäre ich euch sehr dankbar

    mfg
    fredy
     
  2. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Grob gesagt:
    Alles drei sind "Erklärungen" dafür, warum ein Land Kolonialismus betreibt:
    - "Nationalismus" hält das eigene Land/Volk für besser als alle anderen Länder/Völker. Die Begründungen hierfür werden aus historischen Trickkiste geholt.
    - Der "Sozialdarwinismus" ist eine dem (biologischen) Darwinismus nachempfundene Strukturtheorie, die besagt, dass es bei den Menschen (oder Völkern) eine Leistungsbreite gibt, und die Menschen (Völker) höherer Leistung die niedriger Leistung "verdrängen". Dies "darf" man, weil es ein Naturgesetzt wäre.
    - Der Begriff "Imperialismus" im engeren Sinne wurde von Rosa Luxemburg für die zweite Stufe des Kapitalismus eingeführt: In der ersten Stufe beuten die Kapitalisten das Proletariat des eigenen Landes aus (=enthalten ihnen den "Mehrwert" vor), in der zweiten Stufe beuten die kapitalistischen Länder die Entwicklungsländer aus. Auch dies wäre (marxistische-)naturwissenschaftlich unvermeidbar.

    Unnötige zu sagen, dass keine dieser drei Begründungen irgendwie stichhaltig ist.
     
  3. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    auch sehr schöne Begriffsbestimmungen http://www.geschichtsforum.de/f57/kolonialismus-und-imperialismus-16295/

    Sicher, dass Luxemburgs Theorie die älteste mit diesem Begriff ist?

    Wie kann ich den letzten Satz verstehen? Speziell die sprachliche Verknüpfung von marxistisch und naturwissenschaftlich?
     
  4. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Nein, ist sie nicht :)
    Im 19. Jh. wird das Wort "Imperialismus" aber im Wesentlichen abwertend von englischer Seite verwendet, um die Expansionspolitik Napoleons (um 1810) und des Deutschen Reiches (um 1880) zu beschreiben ("Empire" = Kaiserreich). Die übrige Welt verwendet das Wort "Kolonialismus".
    Im 20. Jh. präzisiert auf marxistischer Seite Karl Kautsky diesen Begriff, er wird aber durch Rosa Luxemburg besser theoretisch verankert.

    Modern verwenden wir den Begriff in ähnlicher Form, wie im Forumslink auch diskutiert wurde. Er ist aber eher nur gewaltsam vom älteren Begriff "Kolonialismus" abzutrennen.

    Da habe ich mich schlecht ausgedrückt. Als "Wessi" bin ich nicht so mit dem Marxismus aufgewachsen. Ich wollte sagen: nach den Gesetzen des "historischen und dialektischen Materialismus" unabwendbar :)
     
  5. fredyhanny

    fredyhanny Neues Mitglied

    Moin schon mal vielen Dank für die zahlreichen Antworten.
    Hat einer evt. auch noch ne gute Quelle wo die Besetzung Afrikas durch die Weißen chronologisch von Anfang 19. Jh. bis Anfang 20. Jh. chronologisch aufgezeigt wird ?
     
  6. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

    Das einfachste ist sicherlich, Du nimmst eine Afrika-Karte von 1914 in irgendeinem Geschichtsatlas und guckst, wann die einzelnen Kolonien etabliert wurden.

    Mir viel übrigens gerade dieser umfängliche Link in die Hände
    Basiswissen Imperialismus

    ---
    Edit: Das 19.Jh. ist in Afrika nicht homogen. Bis 1870 ging es dort eher etwas ruhiger zu, bis auf Napoleons Invasionsversuch in Ägypten.
    Nach 1870 geriet Afrika immer mehr in den Brennpunkt:
    - Suezkanal
    - Das DR unternimmt Anstrengungen, Kolonien zu erwerben
    - Frankreich sucht Kompensation (Nordafrika)
    - Das Osmanische Reich ist ziemlich wehrlos
    - England ist auf dem Höhepunkt seiner Macht
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Mai 2008

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