Adelig um Kreuzfahrer zu sein ?

Dieses Thema im Forum "Rittertum und Kreuzzüge" wurde erstellt von Ringelkringel, 8. Juli 2018.

  1. Musste man in der Zeit der Kreuzzüge Adelig sein um ein Kreuzfahrer zu sein ?
     
  2. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Adelig mussten nur die Mitglieder der Ritterorden (Johanniter, Templer) sein. Innerhalb dieser Orden gab es aber auch die "dienenden Brüder" welche die gemeinen Soldaten stellten, niedere Dienste verrichteten und in der Regel nichtadeliger Herkunft waren.
     
  3. Joinville

    Joinville Aktives Mitglied

    Nein, musste man nicht. Jede Person, egal welchen Standes, die ein Gelübde zur Pilgerfahrt nach Jerusalem ablegte und sich mit dem Kreuz zeichnete (cruce signatus) konnte sich zur Kreuzfahrt verpflichten. Allerdings waren solche Fahrten kostenintensiv und besonders ab dem dritten Kreuzzug wurde von einem Kreuzfahrer auch ein gewisser militärischer Nutzen vorausgesetzt. Es wurden Kreuzzugsgelübde also nur noch von Rittern abgenommen. Gemeine Kreuzfahrer waren dann wenn überhaupt nur noch im Gefolge von Rittern, oder Fürsten anzutreffen. Das gemeine Volk pilgerte ab dem 13. Jahrhundert bevorzugter Weise nach Santiago de Compostella, oder nach Rom und andere Wallfahrtsorte in Europa. Jerusalem war ab 1244 für einen Christen sowieso faktisch unerreichbar.
     
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  4. Papa_Leo

    Papa_Leo Aktives Mitglied

    Vgl. auch den "Kreuzzug der Armen", der vor dem Ersten (Ritter)Kreuzzug statt fand (und der Jerusalem allerdings nie erreichte).
     
  5. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Wie lange blieb das so?

    Ich kann mich an das Heilige Grab in Görlitz erinnern und daran, dass einer, der von einer friedlich Pilgerreise nach Jerusalem heimkam dieses errichten ließ.
    Heiliges Grab (Görlitz) – Wikipedia
     
  6. Galeotto

    Galeotto Aktives Mitglied

    Das ist so nicht ganz richtig. Pilgerfahrten fanden noch bis zum Beginn des 16. Jh. nach Jerusalem statt. Die Venezianer boten dahin Fahrten mit ,für diesem Zweck umgerüsteten Handelsgaleeren (Pilgergaleeren) an ,die man als Vorläufer der Pauschalreise ,mit vorher gebuchten Unterkünften, Dolmetschern und einheimischen Führern ,betrachten kann. Jedes Jahr rüstete der Rat der Stadt 2 derartige Schiffe die nach Jaffa fuhren. Durch den regen Handel der Venezianer mit den Sarazenen war das möglich. Die Pilgerberichte von Felix Fabri, Dietrich von Schachten, Ritter von Grünemberg, Arnold von Harff oder Bernhardt von Breydenbach und die Illustrationen von Erhard Reuwich stammen alle aus den neunziger Jahren des 15. Jh.
    Man benötigte natürlich etwas Vermögen für eine solche Wallfahrt.
     
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  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Und der Grund, warum das Pilgern von Christen damals aus der Mode geriet, lag nicht so sehr an den Muslimen, sondern eher an innerchristlichen Umwälzungen. Luther hatte sich negativ zum Pilgern geäußert und auch die Pilgerfahrt nach Santiago brach im 16. Jhdt. ein und war gewissermaßen bis in die 1990er Jahre weitgehend vergessen. Offenbar hatte Luthers Pilgereiskepsis bis tief ins Katholische hineingewirkt.
    Ich denke, dass man dem Brasilianer Paolo Coelho das Revival des Jakobsweges zugestehen muss und einen besonderen Hype in deutschsprachigen Raum hat dann noch mal HaPe Kerkeling verursacht, bzw. der ritt einerseits schon auf der Welle des Jakobswegs-Revivals und hat das für den deutschsprachigen Raum noch multipliziert.
     
  8. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Für die Pilgerfahrt nach Santiago mag das zutreffen, aber so generell kann man das wohl nicht sagen. Im Katholizismus erlebten die Wallfahrten, zumindest regional (österreichisches Habsburgerreich, Bayern), gerade zur Zeit der Gegenreformation und im Barock einen "Boom" und wurden zu Massenbewegungen.
     

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