Alaska in russischer Hand

Dieses Thema im Forum "Russland | Sowjetunion | Osteuropa" wurde erstellt von Rebell, 20. April 2008.

  1. Rebell

    Rebell Neues Mitglied

    Kann mir mal jemand erklären warum Alaska einst russisch war und warum es die USA heute gehört. Hab mal gehört das es für 1 Dollar (!) verkauft wurde.
    Stimmt das?
     
  2. deSilva

    deSilva Neues Mitglied

  3. Rebell

    Rebell Neues Mitglied

    hm..schade schade. hätte der cccp einen meilenstein bedeutet.
     
  4. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 20. April 2008
  5. Russisch Amerika war ursprünglich größer als Alaska und reichte zeitweilig am Anfang sogar bis Kalifornien (zu einer Zeit als dieses noch gar nicht US Amerikanisch war). San Francisco wurde beispielsweise als Reaktion auf das Vordringen der Russen nach Süden gegründet, die schon 1805 die Bucht von San Francisco erreichten.

    Nicht weit nördlich davon gab es eine russische Stadt die von 1809 bis 1841 deutlich größer war als das frühe San Francisco. Bodega Bay – Wikipedia

    Ein weiterer Stützpunkt war das bekanntere Fort Ross Russian Settlement at Fort Ross, California, in the 19th Century , das aber noch ein Stück weiter nördlich lag und nicht die ökonomische Bedeutung besass wie die Siedlung in der Bodega Bay.

    Viele Gebiete die heute zu Kanada gehören waren damals ebenfalls Russisch. Ebenso beanspruchte der Zar das ganze Oregon Gebiet. Diese Gebiete wurden zum Teil schon vor dem Verkauf von Alaska verkauft oder verpachtet oder einfach aufgegeben.

    Allein die Reise an die Beringstraße dauerte damals ja noch 2 Jahre.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 14. Mai 2008
  6. Tekker

    Tekker Gast

    Tatsächlich? Könntest du dazu bitte noch nähere Angaben machen? Oder bezieht sich die Aussage ebenso auf das (beanspruchte) Oregongebiet, zu dem ja auch der größte Teil des heutigen Britisch-Kolumbien gehörte?
     
  7. Abgesehen von Britisch Kolumbien reichte anfangs der russische Besitz auch weiter den Yukon hinauf und von dort wo dieser dann mehr in Richtung Südosten fließt noch weiter nach Osten bis an den Rand der Mackenzieberge.

    Die Russen sind schon sehr früh den Yukon rauf gefahren, wer aber und wann genau ist weitgehend unbekannt. Man hat nur einige wenige Funde und russische Schriften dazu. Selbst die bekannten frühen Russischen Expeditionen fanden am Yukon schon verfallene russische Häuser vor. Laut einem Hans Otto Meißner Buch (In Alaska bin ich Zar) fand selbst Baranov schon 1791 an der Mündung des Yukon unbekannte Russische Häuser. Russische Fallensteller sind daher vermutlich schon den Yukon aufwärts vorgedrungen zur einer Zeit als die Russen gerade erst an der Küste um Kodiak herum Fuß faßten. Es gab ja in Alaska schon Russen bevor dieses Gebiet dann offiziell Teil des russischen Staats wurde.

    Vermutlich drangen die Russen schon zur Zeit von Schelikoff erstmals den Yukon hinauf. Der offizielle russische Besitz reichte bis da wo heute in Kanada die Stadt Whitehorse am Yukon steht und von dort noch ein Stück weiter nach Osten, wie geschrieben bis an den Rand der Mackenzieberge.

    Von der heutigen Grenze von Alaska sind das noch ca 500 km weiter nach Osten nach Kanada hinein.

    Da aber diese Gebiete viel zu abgelegen waren und die Ausbeute an Fellen dort sogar eher schlecht war, gab man sie sehr rasch wieder auf. Als diese Gebiete dann von Osten her erneut erschlossen wurden war die russische Präsenz dort schon wieder völlig aufgegeben worden. Die ersten Briten von Osten kamen erst jahre nachdem die letzten Russen wieder abgezogen waren. Davor war das Land bis an den Rand der Mackenzieberge russisch.

    Von Osten her war ja Mackenzie erst 1792 auf dem nach ihm benannten Fluß unterwegs. Ungefähr zeitgleich drangen die Russen auf der anderen Seite der Mackenzieberge den Yukon hinauf vor.
     
  8. Laut wiki wurden die Gebiete am Yukon bis zu den Mackenziebergen ab 1830 von der Hudson Bay Company von den Russen sogar gepachtet.

    Wenn das stimmt waren diese Gebiete also zumindest bis 1830 russisches Territorium.

    Interessant ist hier vielleicht auch noch, daß die Hudson Bay Company nur 17 Jahre später auch weiter im Westen im heutigen Alaska Land von den Russen pachtete, so wurde beispielsweise Fort Yukon in Alaska von den Briten 1847 gegründet, das Land pachteten sie vom Zarenreich.

    Die Grenze zwischen Russische Amerika und den Britischen Gebieten in Kanada war bis zum Verkauf des Landes an die USA unklar und nicht genau festlegbar. Endgültig in der heutigen Form festgelegt wurde die Grenze von Alaska ohnehin erst 1901 bis 1903, also lange nach dme Verkauf an die USA.

    In der Zeit dazwischen schuff die Hudson Bay Company insbesondere am Yukon entlang einfach Tatsachen indem sie sich dort breit machte. Trotzdem wurde das Gebiet am Yukon das heute Kanadisch ist erst 1898 offiziell Teil des Staatsgebietes, davor war es russisch und nach dem Verkauf von Alaska an die USA de facto herrenlos.

    Das Yukon Territory als staatliche Einheit wurde ja erst 1898 geschaffen, und vor 1867 waren die Gebiete vom Mackenziegebirge bis Fort Yukon in Alaska offziell von der Hudson Bay Company von den Russen gepachtet. Die Pachtzahlung erfolgte bis zum Verkauf an die USA und wurde dann einfach eingestellt.

    Von 1867 bis 1898 war der Status dieser Gebiete einfach ungeklärt, vor 1867 waren sie aber offiziell russisches Territorium. Danach einigten sich die Briten und die USA auf eine neue Grenze und diese wurde erst 1903 in der heutigen Form fest.
     
  9. Was in den Wikipeda Links nicht steht ist, wie weit und hoch entwickelt Russisch Amerika war. Die Verwaltung war durchgehend hervorragend und das Land entwickelte sich in den 80 Jahren der Russischen Herrschaft schneller als jedes andere Gebiet an der Pazifikküste. Es war deutlich weiter entwickelt als Kalifornien. Die Russen bauten dort sogar 1841 das erste Dampfschiff das überhaupt im Pazifik gebaut wurde, die Nikolaus. Ein späteres Dampfschiff die Alexander hatte 1200 Tonnen Tragfähigkeit.

    Die Hauptstadt Sitka war als Paris des Pazifik bekannt. Es gab zwei Krankenhäuser, ein Altersheim, ein Waisenhaus, ein Kinderheim, vier Schulen darunter ein Gymnasium, und zwei Internate, eines für Jungen und eines für Mädchen. Desweiteren seit 1850 ein eigenes Priesterseminar. Der erste Leuchtturm an der Pazifikküste wurde ebenfalls in Sitka errichtet.
    Seit 1840 herrschte in Russisch Amerika Prohibition. Zur gleichen Zeit gab es bereits einhundertdreiundvierzig Kirchen entlang der Küste, und sogar zwei Lutherische Kirchen für Finnische Siedler die einer der Gouverneure mitgebracht hatte. In Sitka gab es zu dieser Zeit ca 1500 Russen und andere Europäer. Es gab ein Theater und es wurden Konzerte gegeben. Allein der Wert der Gebäude in der Hauptstad belief sich auf 11 Millionen Dollar.

    Oft wird behauptet, die Pelztiere seien von den Russen ausgerottet worden und der Profit gesunken und das daher Alaska aufgegeben wurde. Das stimmt aber nicht, es gab schon früh strenge Schutzgesetze und eine Beschränkung der Jagd. In der Folge dessen nahm der Bestand an Pelztieren eben nicht ab sonderm sogar zu. Die Aktien der RAK stiegen bis zum Verkauf durchgehend. Die Einnahmen waren bis zum Schluß hoch, die Zahl der Pelztiere wie der Einheimischen nahm unter der Russischen Herrschaft zu. Die Zahl der Aleuten nahm zwar um 1800 drastisch ab, unter dem Wirken des späteren Metropoliten von Moskau Veniaminow wurde aber auch das ab 1826 gestoppt. Bis zum Ende der Russischen Herrschaft hatte die Zahl der Indianer und Aleuten um 25% zugenommen. Viele Darstellungen der Russischen Herrschaft in Alaska die man auf Deutsch im Internet findet behaupten die Russen hätten die Einheimischen stark dezimiert, das war aber nicht der Fall.

    Oft wird behauptet, die Russen hätten die Aleuten fast ausgerottet, tatsächlich aber waren es US Kaufleute die dies taten. Unter russischer Herrschaft waren die Aleuten zum Orthodoxen Glauben übergetreten und sie verwenden bis heute russische Namen und sind auch weiter Orthodoxe Christen. Ihre Zahl nahm zwar anfangs aufgrund von Krankheiten und Übergriffen ab, aber als der Russische Staat unter Baranov dort seine Verwaltung durchsetzte und Missionare kamen, hörten die Übergriffe auf und bis zum Ende der russischen Herrschaft nahm das Aleutische Volk zu. Der spätere Metropolit von Moskau begann als einfacher Missionar bei den Aleuten und setzte sich sehr stark für sie ein.

    Obwohl allein die Gebäude in Sitka mit Einrichtung 11 Millionen Dollar waren verkaufte man das ganze Land für 7 Millionen und 200 000 Dollar.

    Der wahre Grund für den Verkauf war, das das Zarenreich nach dem Krimkrieg nicht in der Lage gewesen wäre, Alaska militärisch vor einem Angriff der USA zu schützen. Und die USA waren zu dieser Zeit skrupellos agressiv. Man kam also einer Eroberung durch US Truppen durch den Verkauf zuvor. Die US Regierung hatte aber nur wenig Ahnung über die Verhältnisse in Alaska und entsandte Truppen zur Übernahme die frisch aus dem Krieg kamen und die auffällig geworden waren mit Disziplinlosigkeit und Kriegsverbrechen.

    Unter dem Kommando des unfähigen Majors Davis begannen die US Soldaten gleich am Tag der Übergabe mit ausgedehnten Plünderungen, Brandschatzung und Massenvergewaltigungen. Obwohl anfänglich fast alle Russen bleiben wollten und der Verkaufsvertrag jeden der blieb zum US Bürger erklärte, wurde keinem Russen die US Bürgerschaft gewährt und die Russen von den US Soldaten wie Freiwild behandelt. Es herrschte totale Anarchie, die russische Bevölkerung Sitkas schrumpfte innerhalb eines Jahres von fast 2000 Menschen auf 30 Menschen.

    Die Stadt wurde dann von den US Truppen selbst völlig zerstört und ausgeplündert nach nur einem Jahr völlig aufgegeben und war nur noch eine Geisterstadt.

    Die Aufzeichnungen des US Zollinspektors William Dodge berichten schonungslos offen über die Verbrechen der US Truppen die zum totalen Zusammenbruch der gesamten Zivilisation in Alaska führten. Er berichtet, daß die Soldaten sogar die Kathedrale in Sitka plünderten und das außer ihm für das gesamte Land kein einziger Beamter vorhanden war.

    Nach nur einem Jahr war alles vollständig zusammen gebrochen, fast alle Russen per Schiff geflohen und die Einheimischen in erbittertem Kleinkrieg mit den US Truppen die aber eben nach nur einem einzigen Jahr ihre Stellungen schon wieder verließen.

    Erst ab da wurde Alaska sozusagen wieder wild. Die Grundbücher der Russen hatten die US Soldaten als Ofenanzünder benutzt und zerstört, entgegen dem Verkaufsvertrag erhielt niemand die US Bürgerschaft und Verbrechen wurden weder registriert noch verfolgt. Jeder konnte machen was er wollte.

    Erst 1959 ! erhielten die Einwohner von Alaska die vollen und gleichen Rechte wie die übrigen Bürger der USA, 92 Jahre nach dem Verkauf des Landes und entgegen dem Verkaufsvertrag.

    Man ließt auf Deutsch auch immer wieder, daß Seward den Kauf gegen starken Wiederstand durchsetzte und eigentlich die USA kein Interesse gehabt hätten, das stimmt aber nicht. Der Wiederstand war gering und die USA hätten Alaska mit der Zeit so oder so besetzt, immer mehr amerikanische Schiffe segelten vor dem Kauf Russisch Amerika an und US Kaufleute, die sogenannten Bostonmänner drängten Stark auf den Erwerb dieses Landes.

    Die US Truppen die zur Übernahme geschickt wurden ruinierten jedoch das Land in unglaublicher Geschwindigkeit und auch das Verhalten der US Kaufleute führte dazu, daß der Pelzhandel mit den Aleuten und Indianern zusammen brach. Überall brach Gewalt aus während vorher die Russen mit den meisten Stämmen friedlich ausgekommen waren und die Russischen Gouverneure sogar Verwandschaftsbeziehungen zu den wichtigsten Häuplingen besassen. So hatte selbst schon Baranow ja eine Indianerin geheiratet.

    Nach dem Abzug der Russischen Verwaltung versuchten die US Kaufleute einfach mit Gewalt und ohne Bezahlung die Pelze an sich zu bringen, dazu entführten sie Frauen und Kinder der Indianer und erpressten dadurch die Herausgabe von Pelzen. Die Folge dieser Politik war der Zusammenbruch des Pelzhandels.

    Erst durch den Goldrausch änderte sich die katastrophale Entwicklung in Alaska dann wieder, aber es war zu diesem Zeitpunkt von der blühenden Provinz Russisch Amerika fast nichts mehr übrig. Nur noch einige wenige Kirchen und Orthodoxe Priester waren bei den bekehrten Indianern geblieben dort wo vorher das Paris des Pazifik gelegen hatte.
     
  10. Das ist überhaupt ein perfektes Beispiel für die Tendenziöstität (man übernimmt 1 : 1 die US Geschichtsschreibung die verfälscht ist um das totale Versagen der USA in Alaska und die Verheerungen die die USA dort anrichteten zu vertuschen) und schlechte Qualität vieler Wiki Artikel, ich nehme hier mal einen auseinander:

    Alaska Purchase – Wikipedia

    Dem kann man noch zustimmen, auch die Briten hätten Alaska erobern können. Es war nach dem Krimkrieg einfach militärisch nicht zu schützen. Die Russischen Texte jener Zeit sehen aber gar nicht die Briten als Hauptgefahr sondern eben die USA, und zwar aufgrund der Agression der USA gegen Mexiko. Die Russen selber sahen die USA als deutlich größere Gefahr und wenn man sich vor Augen hält welch gewaltig große Gebiete die USA in dieser Zeit aus Mexiko einfach heraus rissen (Texas, Kalifornien usw) und die immer größer werdende Präsenz von US Schiffen (darunter US Kriegsschiffen an der Küste Alaskas nimmt) dann waren die USA hier die Hauptgefahr. Noch während der Russischen Herrschaft begannen US Kaufleute auf eigene Faust mit Plünderungen an der Küste und dem Raub von Fellen und Überfällen auf Indianerdörfer.

    Dann weiter ein US Historiker:

    Es gab Druckerpressen, es gab in Sitka eine Öffentliche Bibliothek mit über 1600 Büchern in verschiedenen Sprachen, und es gab viele Kirchen, darunter sogar Lutherische.

    Recht und Ordnung brachen dann erst unter der US Herrschaft total zusammen.

    Die Zahl der Pelztiere hatte zwar abgenommen aber von Ausrottung kann angesichts der Gewinne der RAK keine Rede sein, die RAK holte Jahr für Jahr eine große Menge an Pelzen im Wert von mehreren Millionen Dollar aus dem Land. Zum Schutz der Tiere gab es für bestimmte Gebiete strenge Gesetze wer wieviel fangen durfte. Erst die US Pelzjäger jagten dann wieder regellos.

    Die US Öffentlichkeit wiederum die hier erwähnt wird und die kritischen Zeitungsberichte entstammen einem innenpolitischen Machtkampf, besagte Zeitungsverleger waren die Freunde von Gegnern der Politiker die den Kauf herbei geführt hatten. Diese negativen Kommentare und Texte einschließlich der Bezeichnungen enstammen also Innenpolitischen Machtkämpfen. Und zum Teil wurden sie sogar erst später konstruiert als man das Land in kürzester Zeit völlig ruiniert hatte und daher Rechtfertigungen brauchte.

    Und hier sieht man klar den Wiederspruch der selbst in diesem Text auftaucht.

    Man schreibt Alaska schlecht, behauptet die USA hätten es nicht gewollt, die Öffentlichkeit nicht und zitiert dazu nur eine Zeitung die Innenpolitischen Gegnern von Seward gehörte und kommt doch nicht umhin zuzugeben, daß die Entscheidung für den Kauf 37 zu 2 und 113 zu 48 war. Die absolute Mehrheit der US Politiker wollte Alaska.

    Das ist einfach Grob Falsch.

    Und wer es nicht glauben will der kann einfach selber mal nach Sitka fahren und sich die russischen Häuser und die Kirche ansehen. Die hatten zwei Stockwerke und Keller, die nächsten Häuser mit Keller wurden nach dem Verkauf erst so um 1900 herum gebaut.

    Das waren eben keine kleinen Blockhäuser, die Stadt war stark befestigt und besass eine Art Zitadelle die man nach dem ersten Gouverneur Baranows Burg nannte. Es lebten bei der Machtübernahme in der Siedlung selbst ca 1500 Europäer.

    Über die Schulen, Priesterseminar usw habe ich ja schon geschrieben. Es gab auch eine öffentliche Bibliothek, (die nächste wurde erst viele Jahrzehnte später wieder errichtet) und es gab zwei wissenschaftliche Institute (beide von US Soldaten niedergebrannt) eines für Geographie und eines für Zoologie und Botanik.

    In dieser Stadt wurden Dampfschiffe gebaut die in der Lage waren von dort bis nach Petersburg oder New York zu fahren.

    Die US Truppen zerstörten dann die Stadt innerhalb eines Jahres völlig, vergewaltigten die Frauen der Familien die dort geblieben waren und richteten alles dermaßen zugrunde das sie selber nach nur einem Jahr wieder abzogen.

    Genau das steht aber in keinem US Schulbuch, nur wenige US Historiker befassen sich überhaupt damit.

    Selbst heute noch gibt es genug US Büger die behaupten, es habe nie in Alaska überhaupt Russen gegeben, das Land sei doch völlig wild gewesen. Selbst in Alaska behaupten viele Englische US Alaskaner das es so gut wie keine Russen gegeben habe, und dies obwohl selbst heute noch dort etliche Orthodoxe Kirchen stehen und die von Sitka ziemlich groß ist.

    Die meisten Russen wollten bleiben und US Bürger werden. Die US Truppen vergewaltigten, plünderten und brandschatzten, selbst die Kirchen wurden ausgeplündert. Wer Wiederstand leistete wurde erschossen.

    Erst durch diesees Verhalten flohen dann die Russen. Die Stadt wurde zu einer Geisterstadt mit dann weniger als 50 Einwohnern.

    Die Berichte darüber stammen nicht aus russischen Quellen sondern von einem US Zollbeamten der darüber der Regierung berichtete. Als der Bericht bekannt wurde war die Öffentlichkeit empört, das aber steht nirgends in den wiki texten. Nur war es da zu spät und alles schon zerstört. Erst danach begann man als Rechtfertigung dann die ganze Sache zunehmend anders darzustellen um das totale Versagen der USA in Alaska in ein besseres Licht zu rücken. Und das wurde dann in den USA auch offizielle Linie in der Geschichtsschreibung, daß es ohnehin so gut wie keine Russen gegeben hätte, das Land wüst und leer gewesen und die Pelztiere ausgerottet gewesen wären.

    Von der Zerstörung Sitkas in nur einem Jahr kein Wort, von der totalen Anarchie und der Nicht Verwaltung des Landes direkt durch die US Armee kein Wort, dafür die Behauptung man hätte Alaska mühsam entwickelt. Und wie gesagt erst ab 1959 und entgegen dem Kaufvertrag das Bürgerrecht für die Alaskaner. Dabei leben selbst heute noch ein paar wenige Russen in Alaska.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 14. Mai 2008
  11. Tekker

    Tekker Gast

    Vielen Dank Quintus für diese ausführliche Darstellung! Das Territorium russ. Amerikas war mir bislang - auch wenn es nur nominell so war - nicht in dem Ausmaß bekannt, ich erinnere auch keine diesbezgl. Karte in Geschichtsatlanten. Auch die nächtliche Suche in den weiten des Internets blieb leider erfolglos...

    Die territorialen Ausmaße hatte ich mir allerdings anhand deiner Angaben näher angesehen; zum heutigen Alaska wäre demnach noch in etwa das Yukonterritorium zu russ. Amerika hinzuzurechnen. Hast du evtl. noch aussagekräftige Karten dazu? :confused:
    Außerdem würden mich die Quellen deiner Kenntnisse interessieren. :)
     
  12. Historische Karten kenne ich keine. Es sind aber viele Unterlagen von den US Amerikanern zerstört worden, insbesondere die Grundbücher. Die Aktiva der RAK gingen ja in den Besitz einer US Firma über, ob es noch in Russland historische Karten gibt weiß ich nicht. Die Russen haben allerdings überall wo sie hinkamen in Amerika Kupfertafeln vergraben und damit ihr Land sozusagen abgesteckt. Diese Kupfertafeln wurden bis hinunter nach Kalifornien vergraben wo es ja auch mehrere kleine russische Stützpunkte gab und eine Russische Festung: Fort Ross das dann erst 1841 an Johann Sutter verkauft wurde.

    Noch weniger bekannt ist, daß die Russen von Alaska aus den Versuch gemacht haben, Hawaii zu besetzen. Es gab 3 Jahre lang auf Hawaii eine russische Befestigungsanlage.

    Quellen:

    The Story of Sitka von Andreas L.

    Lost Empire von Chevigny Hector

    Lord of Alaska von Chevigny Hector

    Russian America von Chevigny Hector

    Kaiser von Alaska von Groma Peter

    From the Wolga to the Yukon von Henderson Daniel

    Interessant ist auch die Wechselhafte Geschichte des sogenannten Küstengebirge. Das ist heute Kanadisch wurde aber anfangs von Russland beansprucht. Aufgrund des Indianischen Wiederstandes in dieser Gegend gab man die Gebiete dort wieder auf bevor die Briten überhaupt dort auftauchten.

    Zu der Zeit wo die Russen die Küste entlang nach Süden vorstießen gab es dann als Reaktion darauf den Versuch der Spanier sich ebenfalls in Alaska festzusetzen. Es gab mehrere Spanische Expeditionen in den Golf von Alaska als dort schon die Russen siedelten.

    Ebenso umstritten war das Gebiet entlang des Columbia River. 1811 errichteten dort US Amerikaner eine erste Siedlung und zwar im Auftrag eines Deutschen aus Heidelberg namens Johann Astur.
    Die Siedlung hieß nach ihm Astoria und war der allererste US Stützpunkt an der Pazifikküste überhaupt.

    Südlich davon bauten die Russen dann ein Jahr davon ebenfalls einen Stützpunkt und nördlich davon die Spanier. Das war da alles etwas durcheinander für etliche Jahre.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 15. Mai 2008
  13. Andronikos

    Andronikos Neues Mitglied

    Auf dieser Seite steht noch einiges Interessantes über Russisch-Kalifornien, sogar mit Buch-Tip:
    Russisch Amerika - timediver®

    @Quintus: Wäre es nicht besser, den Wikipedia-Artikel direkt zu verbessern, anstatt über dessen einseitige Darstellung zu schimpfen?
     
  14. Aus deinem Link:

    Ganz anfänglich hieß dieser stark befestigte Stützpunkt Fort Sankt Michael.

    Hier kann man dann vielleicht richtig viele Bücher dazu finden:

    Amazon.de: Bücher: Russian - American Biblography
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 15. Mai 2008
  15. Legat

    Legat Aktives Mitglied

    WOW. Leider kann ich dir momentan noch keinen Grünen geben Quintus Fabius, aber deine Beiträge waren wirklich sehr interessant.
    Da kann man ja wirklich von Geschichtsverfälschung seitens der Amerikaner sprechen.

    Interessant wäre es zu wissen, was wohl geschehen wäre, wenn Russland Alaska nicht verkauft hätte. Gerade wärend dem Kalten Krieg wären die Konsequenzen von Russischem gebiet auf Kontinentalamerika wohl recht dramatisch ausgefallen.
     
  16. Tekker

    Tekker Gast

    WENN es denn so lange russisch geblieben wäre, was ich aufgrund der o.g. brit.-amerik. Aggressionspolitik für äußerst fragwürdig halte. :fs:
     
  17. Legat

    Legat Aktives Mitglied

    Das ist wohl war.
     
  18. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Nein. Mit Russland hätte sich wegen Alaska niemand angelegt. Im Weißen Haus lacht man vermutlich noch heute über die Dummheit des Zaren.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. Mai 2008
  19. Im Krimkrieg gab es britische Angriffe auf Kamtschatka und die Sibirische Ostküste, auch Ochotsk wurde von einem britischen Schiff beschossen.
    Eigenartigerweise griffen die Briten Alaska selbst nicht an, daß lag allerdings vermutlich am Wetter, die Küste von Alaska ist ausgesprochen schwierig für Schiffe damals gewesen.

    Im Britisch Amerikanischen Krieg beendeten die Briten mit Kriegsschiffen Astoria und die Präsenz der USA an der Westküste. Erst 1849 mit der feindlichen Übernahme von Kalifornien kamen die USA dann dorthin zurück.

    Die US Amerikaner insbesondere aber dieser Johann Astor verkauften im großen Stil Feuerwaffen an die Küstenindianer insbesondere an die, die mit Russland im Konflikt waren. Selbst bei den Kämpfen um Sitka stießen die Russen bereits auf Indianer mit Musketen. Die USA rüsteten jeden Russland feindlichen Stamm recht weitgehend auf, sogar einige kleine Kanonen wurden geliefert.

    Es gab ständige Übergriffe von US Amerikanischen Schiffen gegen russische Stützpunkte, das waren aber keine staatlichen Aktionen, das waren eher Piratenaktionen. Man überfiel vor allem die zurück kehrenden Pelzjäger, die russischen Schiffe waren viel langsamer und zahlenmässig weniger als die US Schiffe, die Russen ließen Aleuten jagen und zwar mit deren eigenen aus Leder gefertigten Booten.

    Das Problem mit den Briten löste Russland indem es etliche Stützpunkte und Gebiete an die Hudson Bay Company einfach verpachtete, so entstand beispielsweise Fort Yukon das dann ab 1830 Britisch war und es noch lange blieb (Liegt heute aber in Alaska ! in den USA) Auch Astoria wurde von der Hudson Bay Company übernommen.

    Die Probleme mit den US Amerikanern versuchte man zu lösen indem man manche mit ins Geschäft ließ, Russen und Aleuten fuhren dann auf US Schiffen bis nach Süd Kalifornien auf der Jagd. Man versuchte die Amerikaner also aufzuteilen und gegeneinander zu bringen indem man einige mitmachen ließ und andere bekämpfte. Das lief recht erfolgreich bis zur Übernahme von Kalifornien 1849 durch die USA. Ab da wandten sich die US Amerikaner wieder recht massiv mit vielen Aktionen gegen die Russischen Stützpunkte entlang der Küste.

    Umgekehrt beschwerten sich die US Amerikaner bei ihrer Regierung über das totale Monopol der RAK, das von den Russen recht rigide durchgesetzt wurde. Die RAK störte wie die HBC jeden Handel der nicht der ihre war. Ab 1860 gab es die ersten Vorschläge von US Amerikanern sich Alaska zu holen.

    Ein interessante Randnote vielleicht noch, der Russische Gesandte der den Kaufvertrag aushandelte war mit einer US Amerikanerin verheiratet. Und die Russen traten von selber an die USA heran nicht umgekehrt, in den USA dachte man eher daran das Land einfach irgendwann einzukassieren, die Russen boten es dann recht überraschend zum Kauf an.

    Die Russen versuchten übrigens vor ! dem Verkauf an die USA Alaska an die Hudson Bay Company zu verkaufen. Und zwar weil diese als Vertrauenswürdiger galt und es war vielleicht auch ein Trick um die USA zu alarmieren. Eine politische Idee der US Regierung war ja, mit dem Kauf von Alaska die Briten in Kanada auszuflanken und so von zwei Seiten her Druck auf sie machen zu können. Die HBC lehnte aber ab weil sie davon ausging, dieses zu große Gebiet nicht gegen die USA auf Dauer halten zu können (sic)

    Nach dem Krimkrieg war Russland finanziell ausgeblutet, die Militärpräsenz in ganz Russisch Amerika belief sich g erade mal auf 80 Soldaten (auch wenn die russischen Siedler ebenfalls bewaffnet waren), und von dem ganzen Gold und Erdöl usw war ja noch gar nichts bekannt.

    Die Einnahmen aus den Fellen waren zwar gut, und die Einnahmen der RAK überstiegen die Kosten, aber man konnte das Gebiet eben gegen keinerlei feindliche Agression halten. In der Folge des Krimkrieges gab es keine russischen Kriegsschiffe mehr in Russisch Amerika. Selbst nur ein paar wenige feindliche Fregatten hätten dort einfach das Land nehmen können.
    Ursprünglich wollten die Russen auch mehr als das was dann gezahlt wurde und ursprünglich war der Plan das Land an die HBC zu verkaufen.

    Beschließend war der Grund für den Verkauf auch eine politische Neuausrichtung in Ostasien, die Russen wollten nun mehr in Richtung Mandschurei, China und Korea vordringen und brauchten dafür dringend Ressourcen die in Russisch Amerika festlagen.
    Für beides hatte man aber nach dem Krimkrieg keine Mittel mehr und verlegte daher den Schwerpunkt der weiteren Expansion in Richtung China.

    Die Gründe für den Verkauf waren daher mehrere und nicht unlogisch.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 15. Mai 2008
  20. Ich hab noch was eigentlich sehr interessantes vergessen:

    Den Russisch Amerikanischen Telegraphen !

    Russian-American telegraph - Wikipedia, the free encyclopedia

    In den letzten 2 Jahren vor dem Verkauf versuchte die Western Union Company quer durch Alaska eine Telegraphenleitung zu verlegen.
    Das ganze Projekt hatte einen Umfang von 3 Millionen Dollar.

    Man wollte von Kalifornien aus das Telegraphenkabel durch Britisch Kolumbien dann durch Russisch Amerika durch die Beringstraße und dann entlang der Sibirischen Poststraße quer durch ganz Sibirien bis nach Europa verlegen.

    Innerhalb nur eines Jahres von 1865 bis 1866 wurde die Route durch Alaska festgelegt und ausgemessen und ab 1866 begann man in Alaska mit dem Bau des Telegraphenkabel.

    Als im Juli 1866 dann das Telegraphenkabel der Konkurrenz durch den Atlantik funktioniert wurde das Projekt eingestellt, aber in Alaska selbst waren schon viele Meilen Telegraphenkabel verlegt worden, die Arbeiten dauerten dann sogar noch bis 1867 an.

    Nach dem Verkauf brach dann alles in Alaska ein und das nächste Telegraphenkabel wurde dann erst 1901 wieder verlegt ! Der Yukon Telegraph.

    Aber schon 1866 gab es in Alaska einen Telegraphenanschluss nach Kalifornien.

    Das Unternehmen war gewaltig groß, tausende Leute arbeiteten daran, und da der Telegraph ja auch quer durch Sibirien gehen sollte befanden sich US Amerikaner zu dieser Zeit auch in Ostsibiren.
     

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