Alfred Russel Wallace der vergessene Entdecker der Evolutionstheorie

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von Zoki55, 28. Oktober 2021.

  1. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Was mir als Laie aufgefallen ist, dass Kreationisten eigentlich nur von Charles Darwin reden und nie über Alfred Russel Wallace.

    Immerhin war er Mitendecker der Evolutionstheorie. Passt vielleicht er als Theist und Spiritualist nicht ins Feindschema???

    und wird in den Diskussionen nie erwähnt.
     
  2. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Darwin kennt jeder. Wer kennt Wallace?
    Frag mal einen durchschnittlich gebildeten Nicht-Kreationisten nach der Evolutionstheorie, der wird Dir außer Darwin auch kaum weitere Namen nennen können.

    Und Kreationisten setzen sich nur in den allerseltensten Fällen mit der Evolutionstheorie auseinander, sondern begnügen sich damit, was sie darüber zu wissen glauben.
     
  3. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Ich würde mir doch denken, wenn man eine Theorie so vehement bekämpft, dass man sich in dieser auskennt.
     
  4. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    So ist des doch mit allen Pseudowissenschaften.

    Was sollen ihre Vertreter denn machen? Wenn sie sich mit den von ihnen bekämpften Theorien argumentativ auf wissenschaftlicher Ebene auseinandersetzen würden, hätten sie ganz schlechte Karten.
     
  5. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Eigentlich reden auch die Anhänger der Evolutionstheorie fast nur über Charles Darwin.;)

    Die Evolutionstheorie an sich ist schon so komplex, dass sie in der Regel nur verkürzt dargestellt wird. In ihrer Komplexität wird sie auch heute noch nur von einer Minderheit vollständig verstanden. Eigentlich ist die Evolutionstheorie nämlich ein ganzes Bündel von Theorien.



    Die Evolutionstheorie von Wallace ist verglichen mit der von Charles Darwin verkürzt. In populären Darstellung wird die Evolutionstheorie häufig auf die "natürliche Zuchtwahl" reduziert - in der Regel auf das von Herbert Spencer zurückgehende Zitat "survival of the fittest" am besten noch in der unglücklichen deutschen Übersetzung. Diesen einfachsten Teil der Evolutionstheorie entdeckte unabhängig von Darwin auch Wallace.

    Darwins Evolutionstheorie jedoch umfangreicher. Zusätzlich ging Darwin von einer sexuellen Selektion, was Wallace ablehnte. Überhaupt teilten keiner der frühen Darwinisten Darwins Evolutionstheorie im vollen Umfang.

    Betrachtet man die zeitgenössischen Zeitungskarikaturen über Darwin so scheint die These, dass der Mensch vom Affen abstamme, die umstrittenste zu sein. Tatsächlich äußert sich Darwin erst sehr spät zur Evolution des Menschen. Bereits mehrere Jahre vor Darwin präsentierten Thomas Henry Huxley und Thomas Henry Huxlley ihre Theorien zur Abstammung des Menschen vom Affen vor. (Beachtenswert ist hier, dass Darwin im Gegensatz zu Huxley und Haeckel von einer gemeinsamen Abstammung aller "sogenannter Rassen" von gemeinsamen Vorfahren in Afrika ausging.)

    Alfred Russel Wallace klammerte jedoch den Menschen aus der Evolutionstheorie aus und behauptete bei der Entwicklung des menschlichen Intellekt habe Gott seine Finger wieder im Spiel gehabt.
    Wallace stellte die These auf, dass das menschlichen Gehirn unmöglich durch natürliche Auslese entstanden sein kann. Als Beweis hierfür galten ihm die Ureinwohner der Australier und der Andamanen und die Afrikaner. Er verglich deren Lebensweise mit Tieren ud hatte keine andere Erklärung dafür, warum ihre Gehirn genauso groß waren wie die von Weißen und die "primitiven Rassen" überhaupt Intelligenz entwickeln konnten.

    Nach der Meinung von Wallace hat Gott an mindestens drei Stellen in die Evolution des Leben eingegriffen:
    1. Entstehung des ersten Lebens aus unbelebter Materie
    2. Entstehung höherer Tiere
    3. Entstehung des Menschen
    Meines Erachtens ist Wallace als Mitentdecker der Evolutionstheorie tatsächlich vernachlässigbar. Es kann natürlich sein, dass Darwin seine Veröffentlichungen um weitere Jahrzehnte verschoben hätte, wenn Wallace nicht vorgeprescht wäre. Wenn sich ein heutiger Mensch die Evolutionstheorie von Wallace anschaut, würde er sie vielleicht eher im Bereich Kreations und und "intelligent design" einordnen. Im viktorianischen England war die Theorie von Wallace jedoch trotzdem eine Provokation und die theoretischen Unterschiede zwischen Wallace, Darwin, Huxley usw. werden auch nur wenige Experten bemerkt haben.

    Wenn es einen zu Unrecht in Vergessenheit Evolutionsbiologen gibt, dass ist es meiner Meinung nach August Weismann. Erst durch seine These von der Unveränderlichkeit der Erbinformation im "Keimplasma" (Weismann-Barriere) wurde der Lamarckismus vollständig verworfen. Seine neue Evolutionstheorie nannte Weismann allerdings Neodarwinismus. Wenn heute von Darwinismus gesprochen wird, ist in aller Regel die moderne Evolutionstheorie und eben nicht das, was sich Charles Darwin ohne jede Kenntnis der Genetik erdacht hat.
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Oktober 2021
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  6. Zoki55

    Zoki55 Aktives Mitglied

    Eine Ironie ist freilich, dass der Neodarwinismus ohne eine Entdeckung eines Mönchs nicht möglich wäre.

    Gregor Mendel – Wikipedia

    Wenn ich mich Recht erinnere, sagte Darwin auch nichts zum entstehen des ersten Lebens und hielt ein göttliches Eingreifen in diesem Fall für wirklich möglich.
     

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