"Alltag" an der Front im Ersten Weltkrieg

Dieses Thema im Forum "Der Erste Weltkrieg" wurde erstellt von lala, 7. Januar 2008.

  1. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Im 2. WK gab es im Normalfall kein wochenlanges Verharren in einer Stellung zwischen verwesenden Leichen und Leichenteilen bei pausenlosem Trommelfeuer und Gasschiessen. Bomben- und Artilleriefeuer dauerten 1939-45 allenfalls einige Stunden vor Angriffen.

    1914-18 versuchte man die Drahthindernisse durch Artillerie zu zerstören, was tagelang dauerte und nie befriedigend gelang. 1939-1945 wurden diese einfach mit Panzerketten niedergewalzt.

    Demzufolge war die Voraussetzung für die Entstehung der "Schüttelneurose" im WK II nicht so ausgeprägt. Ausnahme hätte Stalingrad sein können, aber dieses Frontdrama dürfte kein eventuell Betroffener auf deutscher Seite überlebt haben.

    Damit will ich NICHT gesagt haben, der Frontalltag im WK II wäre vergleichsweise "nicht so schlimm" wie im WK I gewesen.
     
  2. Cisco

    Cisco Neues Mitglied

    Das war aber nur ein kleiner Teil der "Arbeit" der Artillerie an der Front im Stellungskrieg.
    Ziele und Art des Feuers unterschieden sich doch stark im Alltagsgeschehen, Angriff oder Abwehr.
    Nur einige Beispiele der Ziele im Frontalltag:
    Schanzarbeiten, erkannte Beobachtungsstationen, erkannte gegnerische Artilleriestellungen, gegnerische Patrouillen, Fernsprechleitungen etc.
    Bei Angriffen des Gegners - vordere Gräben, Anmarschwege etc.
    Bei eigenen Angriffen - vordere Gräben, gegnerische Beobachtungsstationen, gegnerische Artillerie etc.
    Zusätzliche Aufgabe der Artillerie der zweiten Hälfte des Krieges war die Tankbekämpfung.

    Gruß

    Cisco
     
  3. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Wo habe ich denn behauptet, dass das Einebnen der Drahtverhaue die einzige Aufgabe der Artillerie war ?
     
  4. Repo

    Repo Neues Mitglied

    Ist OT, aber vielleicht doch von Interesse:

    In Deutschland ist das "Halswirbel-Syndrom" nach Autounfällen eine recht häufige Verletzung. von den Versicherungen anerkannt.
    In anderen Ländern, mit ähnlicher Verkehrsdichte, zT höheren Unfallzahlen bezahlen die Haftpflichtversicherungen dafür nichts.
    Dort ist diese Verletzung praktisch unbekannt.

    In einer Diskussion in Fachblättern über dieses Phänomen wurden als Beispiel auch die "Zitterer" des 1. Weltkriegs angeführt. (Die in anderen Ländern weitgehend unbekannt geblieben wären) Dass man durch die "Anerkennung als Versicherungsfall" durchaus auch die Fälle erst schaffen könne.

    Ich habe dazu keine fundierte Meinung, finde aber den Gedanken nicht uninteressant.
     
  5. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Ich weiß ja nicht, wie weit das noch relevant für dich ist, aber einige Weltkriegsautoren sind in punkto Frontalltag sehr ergiebig. Vielleicht empfiehlt sich durchaus mal, zwei recht unterschiedliche Bücher parallel zu lesen.

    Ernst Jünger, "In Stahlgewittern" und Erich Remarques "Im Westen nichts Neues"

    Ein anderer Autor erlebt seit einigen Jahren sozusagen eine Renaissance:

    Paul Ettighofer, "Gespenster am Toten Mann" und "Das gefesselte Heer"

    Gespenster am Toten Mann erschien noch in der Weimarer Republik, und Ettighofer schildert seine Erlebnisse an West- und Ostfront. Interessant fand ich ein Kapitel, dass von der ungerechten Behandlung der Elsässer handelt. Die "Wackes" galten nämlich als "unsichere Kantonisten", die oft einer entwürdigenden Behandlung ausgesetzt waren. Ettighofer, selbst Elsässer, schildert das am Beispiel seines Kriegskameraden Kientz, der schließlich im Herbst 1918 als hochdekorierter Stoßtruppführer fällt.
     

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