Alter des Judentums

Dieses Thema im Forum "Judentum | Israel | Naher Osten" wurde erstellt von bonito, 15. Februar 2011.

  1. bonito

    bonito Neues Mitglied

    Ab wann kann man vom Judentum sprechen?
    Ich meine seit welche Jahr so ca.

    Texte reichen soweit ich weiss bis gut 600BCE zurück, gibt es da noch älteres, oder ist das davor ggf. schon Kannaanitisch (Ugarit etc.) ?
     
  2. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Auf die Schnelle:

    Jüdische Geschichte und Kultur: Geschichte des Judentums
     
  3. rinoabutzile

    rinoabutzile Neues Mitglied

    Also vom Judentum, so wie man es (mehr oder weniger) heute kennt, kann man meines Wissen ab der babylonischen Gefangenschaft sprechen. Sie dauerte von ca. 600 bis ca. 540 v.Chr.
    Damals bildeten sich diverse Rituale heraus, auch der Monoteismus war nun vorherrschend (so weit ich weiß) und es entstanden die ersten Synagogen.
     
  4. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    So würde ich das auch sehen: Das Babylonische Exil, das der Vernichtung des Staates Juda durch den babylonischen König Nebukadnezar 586. v. Chr. folgte, diente der Bewahrung und Vertiefung der nationalen und religiösen Identität der Juden. Es endete auch die Fixierung auf den Tempel von Jerusalem als alleinige Stätte des Gebets, womit die Entstehung der ersten Synagogen verbunden war.

    Als die Juden Ende des 6. Jh. v. Chr. nach Palästina zurückkehrten, war ein unzerstörbares religiöses Fundament gelegt, das fortan nie mehr ernstlich in Zweifel gezogen wurde, auch wenn es natürlich noch Weiterentwicklungen, Gefährdungen und Versuchungen gab.
     
  5. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Also, die Begriffe Juda und Israel als die Bezeichnung für die Bewohner des Gebietes südlich und nördlich von Jerusalem gibt es wohl seit dem 13/12 Jh. v. Chr. Siehe Eckart Otto, Das antike Jerusalem (2008), S. 34, 40-41

    Wenn man allerdings eine gewisse kulturelle und religiöse Organisationsform voraussetzt, um von dem Judentum zu sprechen, ist die babylonische Gefangenschaft sicher die beste Zäsur.
     
  6. bonito

    bonito Neues Mitglied

    Danke! das war seh aufschlussreich.

    Natürlich dahcte ich schon an "Juden" im engeren Sinne, als "nur" Semiten oder eine bestimmte Stadt.
    Davon gab es da ja schon viel länger welche.

    "Siehe Eckart Otto, Das antike Jerusalem"

    Mmmh ich habe da mal reingeblättert (google-books sei dank) ... der scheint von David und Salomon als historische Figuren auszugehen und beruft sich dabei auf die bibl. Texte.
    (S.40 ff)

    Ist das nicht ein wenig gewagt für ein Buch zur Geschichte?
     
    Zuletzt bearbeitet: 16. Februar 2011
  7. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Kurt Schubert geht in seinem Buch über die jüdische Geschichte auch davon aus.

    Kurt Schubert
    Jüdische Geschichte
    C.H. Beck Wissen

    Hast du schon mal hier reingesehen:

    http://www.geschichtsforum.de/f208/kleine-j-dische-geschichte-27266/#post414357
     
  8. rinoabutzile

    rinoabutzile Neues Mitglied

    Warum denn? Nicht alle Personen, die in Religionen eine Rolle spielen, sind "erfunden". Mohammed war auch eine reale Person. Warum nicht auch David und Salomon?

    In meinen Büchern, die diese Themen anschneiden, werden David und Salomon auch als historische Personen beschrieben (Chronik Weltgeschichte, Band 4 S. 42 z.B.). Sie stützen sich auf die Bibel, nennen konkrete Jahreszahlen und Handlungen. Ich kenn jetzt die betreffenden Bibelstellen nicht... :pfeif:
     
  9. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Außerdem, so denke ich, geht es weniger darum, ob David oder Salomon so wie beschrieben existierten, sondern ob das kulturelle Umfeld vorhanden war. Wichtig ist, es gab zu dieser Zeit Menschen, die als Juden bezeichnet wurden bzw. sich selbst so nannten. Ob ihr König, Fürst oder Scheich nun wirklich David hieß, und ob nun jede seiner überlieferten Handlungen historisch haltbar sind, ist bei dieser Frage eher zweitrangig.
     
  10. bonito

    bonito Neues Mitglied

    OK, auch wenn man das ggf. vielleicht deutlicher kennzeichnen sollte.

    Ist den genau das für eine Zeit vor c. 650BCE belegt? Ich dachte der Begriff "Jude" käme von der persischen Provinz Judah.

    jain, solange man die anderen bibl. Attribute dieser Figuren nicht mit reinnimmt, so hast du recht.
     
  11. bonito

    bonito Neues Mitglied

  12. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Laut Kurt Schubert, schrieb Salo Wittmayer Baron, die derzeit ausführlichste Darstellung der jüdischen Geschichte und Kultur.

    Salo Wittmayer Baron: A Social and Religious History of the Jews, 3 Bde., New York 1937 (überarb. Neuaufl., 27 vol. in 18 Bden., New York / Philadelphia 1952-1983; Index 1993).
     
  13. bonito

    bonito Neues Mitglied

    Ui nicht billig .. trotzdem dank .. packe ich auf die "To Read" Liste ;)
     
  14. hjwien

    hjwien Aktives Mitglied

    Ja, so stehts auch bei Wikipedia, der Brockhaus meint, Jude wäre zunächst eine von außen kommende Bezeichnung. Die persische Provinz, die wohl erst zu Samaria gehörte, hatte aber den Namen sicher vom Stamm Juda, dem "Reich" südlich von Jerusalem, während Israel nördlich war. Der Name Israel taucht wohl auf ägyptischen Stelen auf, um 1200 v. Chr., bei Jude bin ich noch nicht fündig (habe jetzt aber auch nicht allzu intensiv gesucht)
    Juda ist jedenfalls der Sohn Jakobs, Enkel Isaaks und damit Urenkel von Abraham, nach dem Alten Testament.
     
  15. bonito

    bonito Neues Mitglied

    Das mit Abraham etc. ist mir klar, mich würde halt interessieren ab wann die (angeblichen) Nachfahren Abrahams das von sich selber so dachten.
     
  16. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Der Begriff "Juda" und "Juden" als Bewohner dieses Staates bürgerte sich allmählich ein, nachdem der Nordstaat Israel 722/721 v. Chr. von den Assyrern zerstört und vernichtet wurde.

    Ob David und Salomon historische Personen waren, wird in letzter Zeit von einigen Historikern bezweifelt. Meines Wissens ist allerdings die Mehrzehl nach wie vor der Ansicht, dass es diese Könige gab, wenn vielleicht auch nicht in dem Glanz und der Machtfülle, wie das in der Bibel beschrieben wird. Die Einzelheiten ihres Lebens und Wirkens sind insofern strittig und abschließende Gewissheit wird es hier wohl nie geben.
     

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