Archaische Griechen und Juden

Dieses Thema im Forum "Fragen & Antworten" wurde erstellt von Glopo, 4. April 2021.

  1. Glopo

    Glopo Gast

    Wieso kannten die Griechen von 800 - 500 v.u.Z (quasi von Homer bis Demokrit und Platon) die Juden bzw. die jüdische Religion nicht? Das Judentum wurde 1500 v.u.Z begründet und geographisch waren die beiden Kulturen nicht weit weg.
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Kannten sie sie nicht? Oder war die jüdische Religion einfach zu unbedeutend? Zumal die glatte Ein-Gott-Erzählung, wie wir sie heute vom Judentum kennen, sich wohl erst um 600 v. Chr. durchsetzte. Wir heute sind ja, ob christlich oder atheistisch, stark durch das Christentum geprägt und da spielt das Judentum im Guten wie im Schlechten eine sehr große Rolle. Aber für die Antike war das einfach nicht wichtig. Ein paar Dörfer da irgendwo in Iudäa und Galiläa, die monotheistisch waren... Ob das überhaupt auffiel?
     
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  3. J-M-K

    J-M-K Mitglied

    Ich schließe mich El Qs Meinung an. Das Kernland der Israeliten lag in den Bergen und war für die Großmächte die in der Küstenebene zu Besuch waren wohl eher uninteressant. Ich selbst war zwar noch nicht in Israel, aber das Bergland muss sehr schwer passierbar gewesen sein, so das ein paar Kilometer Luftlinie schon eine relative kulturelle Abgeschiedenheit bedeutet haben können.
    Gruß
    Jan
     
  4. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Homers Kenntnisse über weit entfernte Vöker sind gering.
    In der Illias wird der Name der Äthiopier zwar zuerst erwähnt, aber diese Äthiopier im trojanischen Krieg sind auch nur ein Phantasievolk wie Amazonen.

    Folgt man dem Alten Testament fasste das Judentum auch erst nach der "babylonischen Gefangenschaften" im angeblichen Kernland wieder Fuß.

    Zu Platos Zeiten gab es wahrscheinlich schon richtige Juden im Nahen Osten, aber Plato hat davon anscheinend nichts mitbekommen oder es hat ihn vielleicht auch nicht interessiert.
     
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  5. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Das wissen wir doch gar nicht. Aus der Zeit vor dem babylonischen Exil, als noch die Reiche Israel und Juda oder zumindest Juda existierten, haben wir kaum griechische Quellen, im Wesentlichen nur die beiden Epen Homers, die Werke Hesiods, ein paar kleine Fragmente anderer Epen und ein paar kleine Gedichte anderer Autoren. In keinem dieser Werke gab es Grund, die Juden oder die jüdische Religion zu erwähnen. Das betrifft aber nicht nur die Juden: Als Homers und Hesiods Werke entstanden, umfasste das Assyrische Reich einen Großteil des vorderen Orients, ohne dass das bei ihnen Niederschlag gefunden hätte. Sogar über das Lydische Reich, das vor der Haustür der Griechen bestand und für die griechischen Städte Westkleinasiens eine permanente Bedrohung war, haben wir nur wenige zeitgenössische Erwähnungen. Hätten wir also ausgerechnet über die Juden und die jüdische Religion Erwähnungen, wäre das ein sehr ungewöhnlicher (um nicht zu sagen: verdächtiger) Zufall.
    Das bedeutet aber nicht, dass die archaischen Griechen die Juden nicht kannten. Als Seefahrer werden sie natürlich auch Kontakte zur Levanteküste gehabt haben in einer Zeit, als die Reiche Israel und Juda dort noch bestanden.
     
  6. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Selbst Herodot kannte an dieser Küste auch nur die palästinische Phönizier und "palästinischen Syrer", wer auch immer damit gemeint sein soll.

    Laut Herodot haben die Syrer und Phönizier, die Beschneidung von den Ägyptern übernommen. Die Phönizier hätte aber mit der Beschneidung aufgehört, seit sie im Kontakt mit den Griechen seien, die bekanntlich besonders stolz auf ihre lange Vorhaut sind. Laut Herodot würden auch Äthiopier und Kolcher die Beschneidung praktizieren, also fast alle Barbaren im Orient. Man kann jedenfalls an der Sitte der Beschneidung die Juden nicht identifizieren, weil das irgendwie fast alle zu der Zeit in der Region praktizierten.

    Trotzdem ist es naheliegend, dass ein Zusammenhang zwischen Herodots Syrern und den Juden besteht.
    Syrer kommen in der Bibel nicht vor, Phönizier und Philister als Nicht-Juden hingegen schon.

    Es scheint jedenfalls für die alten Griechen auch noch in klassischer Zeit absolut unüblich gewesen zu sein die Namen Israel oder Juda zu benutzen, dabei hieß jener Teil des Perserreiches zur Zeit Herodots auf persisch tatsächlich Jehud, d.h. Juda.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. April 2021
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Auch auf hebräisch hieß es Jehuda.
     

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