[Archtektur] Mainz im Jahr 900

Dieses Thema im Forum "Kunstgeschichte" wurde erstellt von Damaskus, 11. Dezember 2013.

  1. Damaskus

    Damaskus Neues Mitglied

    Hi,

    ich arbeite gerade an einem Comicbuch. Die grobe Handlung ist, dass ein fiktiver Sohn von Harald Klak (Lehnsmann von Ludwig der Fromme) auf ein christliches Kloster geschickt wird.

    Was mich momentan sehr beschäftigt ist die Architektur der Schauplätze.
    Ich versuche herauszufinden wie die Stadt Mainz um das Jahr 900 ausgesehen hat.
    Mir gehts vor allem um Bildmaterial für die visuelle Darstellung.
    Wie groß war Mainz in dem Zeitraum? Woraus waren die Häuser? Wie sahen die Menschen aus? Kleidung, Inneneinrichtung etc.

    Am liebsten wären mir Literaturempfehlungen (mit reichlich Bildmaterial)
    Aber auch Links etc würden mir sehr helfen.

    Danke.
     
  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die meisten Gebäude waren aus Holz und Flechtwerk. Ausnahmen: Kirchen, Klöster und ggf. auch mal eine Befestigungsanlage, wobei auch viele davon (sowohl Kirchen, Klöster, als auch Befestigungsanlagen) aus Holz waren.
    Am besten schaust du dir mal an, welche Gebäude in Mainz aus dem 8./9. Jhdt. stammen bzw. welche aus der Römerzeit noch standen. Da ich wohl annehmen darf, dass du aus Mainz oder der Umgebung von Mainz stammst, würde ich dir außerdem raten, stadtgeschichtliche und lokale archäologische Literatur zu Rate zu ziehen.
     
  3. Damaskus

    Damaskus Neues Mitglied

    Danke für deine Antwort. Leider wohne ich in Düsseldorf. Ich wollte aber nächstes Jahr eine Reise unternehmen und mir die Stadt näher anschauen. Hab da schon viele Standorte im Blick.

    Mich interessier vir allem Bildmaterial mit dem ich arbeiten kann. ZB wie ein ganz einfaches Flechthaus ausgesehen hat. Von Innen und Außen.
     
  4. Spartan

    Spartan Neues Mitglied

    Mainz ist auch heute noch eine sehr schöne Stadt! (Wohne 62 km entfernt) Und eine Reise wert.
     
  5. zaphodB.

    zaphodB. Premiummitglied

    upps,irgendwie ist mein schöner Post vom Dienstag verschwunden-dann halt noch mal:
    Mainz um 900 ist schwer zu fassen und in wenigen Bauresten vorhanden. Hatto I war Erzbischof und die Stadt wuchs mit der wachsenden Bedeutung des Erzbistums., füllte allerdings nur einen Teil des spätrömischen Mauerrings aus. Insbesondere Richtung Norden und Westen gab es goße Acker-und Weinbergsflächen innerhalb der Stadtmauer. Reste dieses Mauerrings finden sich an der hinteren Bleiche ,an der Rheinstrasse beim Holzturm und in Gestalt des Alexanderturms auf dem Kästrich.
    Trotzdem erfuhr die Stadt um 900 eine Erweiterung des spätrömischen Stadtmauerings nach Süden,die Vorstadt Selenhofen wurde einbezogen.
    Die Stadt bestand im wesentlichen damals aus zwei durch den heutigen Marktplatz getrennten Teilen,der Bürgerstadt und der Bischofsstadt mit der heutigen Johanniskirche (dem alten Dom) als Bischofskirche . Deren Längswände aus der Zeit um 900 sind noch erhalten.Der heutige Dom wurde erst 100 Jahre später unter Willigis begonnen.
    Größte Kirche war die Kirche des StAlbansklosters,die u.a Grablege der Fastrada,der Gattin Karls d.Gr, und der frühen Mainzer Bischöfe war.
    Daneben waren St Quintin,Altmünster und St Emmeran als Klöster und Kirchen zu finden.
    Am Rhein,am sogenannten Dimesser Ort befand sich der Hafen und die Lagerhäuser der Fernhändler .Im Bereich der Löhrstrasse und des HeiligGeist-Spitals war das Friesenviertel, Im Bereich Ottiliengasse,Stadionerhofstr. das Judenviertel.

    Die Wohnbebauung bestand wohl im wesentlichen aus Holz und Fachwerkhäusern, wobei der älteste in Mainz erhaltene Profanbau,die "Curia lapide",also das Haus zum Stein ,ein steinerner Wohnturm aus dem 12.Jahrhundert wohl bereits durch seine Namensgebung zeigt,daß Steinbauten im Profanbereich Ausnahmen waren.
    Darüber hinaus dürften sich noch erhebliche römische Reste im Stadtbereich befunden haben, möglicherweise gab es sogar noch Reste des Theaters und des Legionslagers auf dem Kästrich und sicher ist.daß der Drususkenotaph als Wartturm diente und Reste des Aquaeducts (Römersteine) bestanden.

    Auf der anderen Rheinseite bildete das Kastell in Mainz-Kastell einen weiteren kleinen Siedlungskern.

    Hinzu kamen die befestigten Dörfer Bretzenheim,Ebersheim Laubenheim,Gonsenheim ,Hechtsheim und das St.Viktorstift bei Weisenau.
    In weiterer Umgebung,aber bedeutsam für den Hofstaat von Ludwig dem Frommen waren sicherlich die Kaiserpfalzen Ingelheim,Trebur und Frankfurt.

    Als Quellen kann ich Dir empfehlen:
    Mainz-Die Geschiche der Stadt ISBN 3-8053-2679-3
    sowei den Katalog zur Ausstellung
    Glanz der späten Karolinger. Hatto I. Erzbischof von Mainz (891-913). Von der Reichenau in den Mäuseturm (zu beziehen über den Museumshop des Dommuseums.)
    Dort findest Du speziell zu m Thema "Mainz um 900" allerlei Wissenswertes.
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Mai 2014
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