Armenhilfe im Mittelalter

Dieses Thema im Forum "Alltag im Mittelalter" wurde erstellt von Swe97wety, 2. Juni 2010.

  1. Swe97wety

    Swe97wety Neues Mitglied

    Hallo,
    Kann jmd. vielleicht sagen wo ich etwas zum Thema:
    "Armenhilfe im Mittelalter" finden kann???
    Das ist ganz wichtig weil ich ein Referat darüber schreiben soll!!!
    Bitte so schnell es geht damit ich mich noch drauf vorbereiten kann!
    Danke schonmal! :yes::yes::yes::yes::yes:


     
  2. Mercy

    Mercy unvergessen

  3. Dominion

    Dominion Neues Mitglied

    Bettler waren damals für eine Stadt eine Art feste Einrichtung.
    Eine Stadt ohne Bettler wäre undenkbar gewesen, denn obwohl sie natürlich ganz unten in der sozialen Pyramide rangierten waren sie nicht, so wie heute, verabscheut, sondern sogar gerne gesehen.

    Einem Bettler zu begegnen und ihm etwas Geld in die Hand zu drücken war eine der einfachsten Möglichkeiten sich seiner Sünden zu erleichtern.
    Für nur 2 Gulden gab es schon ein nettes "vergelts Gott".
    Gab man eine Geldspende, so betete der Bettler für einen, je mehr man spendete, desto mehr wurde für einen gebetet, so der Gedanke dahinter.

    Das führte so weit, dass sich manche Stadt (manch Adliger) eigene Bettler hielt und fremde Bettler nicht geduldet bzw. sofort vertrieben wurden.
    Wer damals übrigens bettelte ohne es nötig zu haben musste mit scharfen Strafen rechnen.

    Hoffe ich konnte helfen.
     
  4. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Bevorzugter Platz zum Betteln war das Kirchenportal. Da bestand die beste Aussicht, etwas zu bekommen.

    Daneben war es so, dass sich Mönchsorden (z.B. Franziskaner) um die Armen kümmerten. Sie gaben ihnen Mahlzeiten und Unterkunft, es gab regelrechte Armenhäuser, ganz wie heute die Obdachlosenasyle. Finanziert wurde das über Spenden. Es war üblich, dass in Testamenten diese Einrichtungen mit bedacht wurden.
     
  5. Saint-Simone

    Saint-Simone Aktives Mitglied

    Guter Punkt, der vielleicht noch etwas ausgebaut werden könnte, indem man sich die Art und Weise anschaut wie Armut im Mittelalter im betrachtet wurde, und die Verbindung zwischen Armehilfe und Seelenheil. So weit ich weiß, wurde die Armut im Mittelalter nicht als "verächtlich" betrachtet, sondern war ein Übel, welches durch die generelle existenzielle Unsicherheit der Lebensbedingungen der breiteren Bevölkerung eigentlich jeden befallen konnte. Eine solche Armut, ohne eigenes Verschulden, wurde mit dem Übelstand der Menschheit seit dem Sündenfall verglichen, und war einer der Aspekte des menschlichen Daseins. Anders als in späteren protestantischen Traditionen, die sehr salopp gesagt Armut mit Sünde gleichsetzen, ergäbe sich damit im Zusammenhang mit dem Gebot der Nächstenliebe ein Rahmen für die christliche Armenhilfe. Und bei den Franziskanern ist Armut auch eine der Grundbedingungen des Ordens, und eine Tugend die mit der Nächstenliebe verbunden wird.

    Was die Armenhäuser angeht...hmm, wie sah es da auf dem Land aus? Ich nehme mal an, daß die Armut auf dem Lande eher lokal und in der Gemeinde gehandhabt wurde, oder je nachdem vom nächstliegenden Kloster?
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Juni 2010
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  6. Melchior

    Melchior Neues Mitglied

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  7. megatrend

    megatrend Aktives Mitglied

    ein Aspekt der Armut im Mittelalter ist auch die Pflege von Kranken: damals gab es noch keine Krankenversicherung; und Krankheit war ein Risiko, in Armut zu verfallen, wenn die Krankheit eine Erwerbstätigkeit verunmöglichte und dann noch zusätzlich Pflegekosten verursachte.

    Ein Beispiel hierzu ist das Hôtel-Dieu in Beaune (Burgund, Frankreich). Es wurde im Spätmittelalter gegründet und war bis in die Neuzeit (1971) als Hospital in Betrieb. Seither ist ein Teil davon Museum, der andere Teil Altersheim:
    Hôtel-Dieu de Beaune ? Wikipedia

    Auch gab es damals damals kein Altersrentensystem wie heute: die Alten und gleichzeitig Gebrechlichen mussten von ihren Ersparnissen leben (insofern sie diese noch hatten, d.h. weder verprasst noch gestohlen) oder waren auf die Unterstützung ihrer Nachkommen (insofern sie solche hatten und diese Unterstützung boten) angewiesen. Wer im heutigen Rentenalter von ca. 65 noch arbeitsfähig war und keine oder zuwenig Ersparnisse hatte, arbeitete einfach weiter, so lange es ging oder nötig war.
     
  8. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Da bereits einige Hilfestellungen gegeben wurden, möchte ich mich an der Stelle darauf beschränken, einige zusätzliche Anmerkungen loszuwerden.

    Dem möchte ich grundsätzlich beipflichten, wiewohl ich doch die Sinne noch ein wenig dahingehend schärfen würde, zwischen der Armut bestimmter Schichten und dem Armutsideal in den christlichen Ordensgemeinschaften - hier wären neben den Franziskanern auch noch die Dominikaner (sie waren z.B. grundsätzlich zu Fuß unterwegs etc.; ihr striktes Armutsprinzip wurde 1218 ausdrücklich vom Papst bekräftigt) zu nennen, wiewohl das grundsätzliche Armutsideal bei nahezu allen Mönchsorden und sogar bei den Ritterorden galt (wenn auch nicht so strikt wie bspw. bei Franziskanern und Dominikanern) - zu differenzieren. Es macht nämlich schon einen Unterschied, ob man einfach - quasi per Geburt - zu "den Armen" gehört oder ob man durch den - nicht selten auch selbst gewählten - Eintritt in eine Ordensgemeinschaft das mit diesem Eintritt verbundene Armutsideal zu befolgen hat.

    Zunächst grundsätzlich: Wenn mit Verlinkung ausdrücklich auf die weltanschauliche "Schlagseite" hingewiesen wird, ist es generell weniger bedenklich als wenn dies kommentarlos erfolgt oder gar noch ein derartiger verlinkter Text als "hochinteressante Sichtweise" o. dgl. angepriesen wird o.ä.

    Im konkreten Fall störe ich mich auch weniger an der Verlinkung dieser theologischen Inhalte, sondern vielmehr daran, daß ich Bedenken hinsichtlich ihrer Anwendbarkeit habe. Es handelt sich nämlich um theologische Sichtweisen und Inhalte des 20. Jh., mithin also der Moderne - und damit eben nicht unbedingt um solche, wie sie auf das europäische Mittelalter stets 1:1 anwendbar wären. Es ist nämlich - gerade auch auf dem Gebiet der Moraltheologie - keineswegs so, daß die Inhalte derart statisch wären, daß sie sich nicht im Laufe der Kirchengeschichte (die sich immerhin über einige Jahrhunderte erstreckt) geändert hätten.

    Auch hier kein grundsätzlicher Widerspruch meinerseits, aber eine notwendige Ergänzung dazu...

    Das Beispiel Beaune darf nicht verallgemeinert werden und ist insofern gesondert zu betrachten, als daß dessen Entstehung eng mit den Nachwirkungen des Hundertjährigen Krieges (Armut und Verelendung als Kriegsfolge, und dies zudem infolge eines Krieges, der wiederum singulär zu betrachten ist) zusammenhängt.
    Ebenso müssen wir dabei im Hinterkopf haben, daß das 15. Jh. (ausgehendes Spätmittelalter) keineswegs eine Zeit war, in welcher es mehr Hospitalsstiftungen gegeben hätte als in den Jahrhunderten zuvor: Hospitalsgründungen bzw. -stiftungen hatte es bereits seit dem Frühmittelalter gegeben, und im Hochmittelalter lag für das 11. bis 13. Jh. eine diesbezügliche Aufschwungphase in Verbindung mit den Orientkreuzzügen; als Beispiel sind hier die Hospitalsorden unter den Ritterorden zu nennen (allen voran die Johanniter). An diesen ist übrigens der genannte Aspekt der Krankenpflege und -versorgung in Wechselwirkung mit Absicherung gegen Armut auch weitaus deutlicher zu erkennen: die Finanzierung erfolgte gerade während des Mittelalters hauptsächlich über Eigenwirtschaft der Ordensgüter, v.a. aber auch über Spenden, Schenkungen u. dgl. sowie die Kommutation, so daß Krankenpflege und -versorgung de facto ein "Geldverbrennungsgeschäft" war (was bspw. den Johanniterorden in den 1160er Jahren bereits auf Grund suboptimalen Wirtschaftens in Finanznot gebracht hatte), wiewohl man sich - quasi im Gegenzug - aus Dankbarkeit wiederum Spenden, Schenkungen u. dgl. erhoffte.
     
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  9. Rafael

    Rafael Neues Mitglied

    Ich kann ein sehr gutes Buch zu dem Thema empfehlen, dass ordentlich strukturiert, differenziert, spannend zu lesen und wissenschaftlich ist:
    Irsigler, Franz; Lassotta, Arnold: Bettler und Gaukler, Dirnen und Henker. Außenseiter in einer mittelalterlichen Stadt. Köln 1300-1600, München 2001.

    Die Autoren zum Beispiel zeigen auf, dass es tatsächlich eine durchaus positive Einstellung gegenüber Bettlern und dem Betteln als Existenzsicherung gab - wie schon Dominion geschrieben hat, konnte so der Christ seine Mildtätigkeit ausführen -, doch so herzlich hat man sich dann doch nicht immer darüber gefreut, wenn man Bettler in der Stadt hatte. Denn es gab einen Wandel in der Einstellung gegenüber dem Bettlertum (strenge Bettelordnungen, scharfes Vorgehen gegen Bettler etc.), die sich in manchen Städten des Mittelalters schon früh abzeichnete und in anderen zum Beispiel erst im 16. Jahrhundert. Wenn man von Armut im Mittelalter spricht, muss man also auf jeden Fall regional und zeitlich differenzieren. Auch ist die Frage interessant, wie sich Armut in Stadt und auf dem Land unterschieden.
    Gleichzeitig hat man Bettler auch zu der Zeit, wo man sie nicht nur los sein wollte, nicht permanent freundlich behandelt. Es gibt auch Berichte, dass man Bettler zur Belustigung des Volkes ausnutzte, so zum Beispiel, wenn einige Blinde mit Knüppeln bewaffnet in einen Pferch gedrängt wurden und die Aufgabe bekamen dort ein Ferkel tot zuschlagen.

    Im oben genannten Buch wird auf jeden Fall stark auf die Armenhilfe eingegangen, vor allem jedoch mit Blick auf Köln, wie der Titel schon sagt, doch es werden oft auch Vergleiche zu anderen großen Städten des Mittelalters gezogen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. Juni 2010
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