Arnulf von Metz / Übergang Merowinger auf Karolinger

Dieses Thema im Forum "Die Franken" wurde erstellt von dhse, 19. September 2006.

  1. dhse

    dhse Neues Mitglied

    Hallo
    Ich bin gerade in Panik und muss in dieser Woche noch eine Hausarbeit über Arnulf von Metz fertigbekommen.
    Die Fragestellung der Hausarbeit soll sein, wie wichtig Arnulf von Metz als frühester nachweisbarer Ahn der Karolinger gerade in der Zeit des Machtwechsels Merowinger - Karolinger war.
    Ich habe mir dazu folgendes gedacht:
    Arnulf war ein Heiliger. Ein Heiliger stellte zur damaligen Zeit eigentlich den idealen Menschen dar. Er hatte den höchsten Segen Gottes und gab diesen an die Nachfolgegenerationen weiter. Die Karolinger waren damit ebenfalls "gesegnet". Dadurch bekam der Machtwechsel von Merowinger auf Karolinger eine Art "göttliche Legitimität". Die Familiengeschichte, die bei einem Heiligen beginnt, mit erfolgreichen Hausmeiern, wie Karl Martell weiterverläuft und schlußendlich in der Übernahme der Königswürde mündet, erscheint damit nahezu zwangsläufig und als "Wille Gottes".
    Zweiter Punkt: die Genealogie der Merowinger geht auf germanische bzw. barbarische Eroberer, die in der Legende sogar als Fabelwesen, halb Mensch, halb Stier beschrieben werden, zurück. Der Norden und Osten war nur teilweise und oberflächlich christanisiert, aber auch unterentwickelt. Der höher entwickelte Teil war der stark römisch-christlich geprägte Süden und Westen. Der Führungsschicht dort kommt nun ein Mann, der von einem Heiligen abstammte, wesentlich respektabler vor, als ein saft- und kraftloses Herrschergeschlecht, dass seine Familiengeschichte auf heidnische Monster zurückführt.
    Die Karolinger selbst hatten Generationen lang am Machtverfall des Königsamtes geschraubt. Nun selbst auf dem Thron, mussten sie die von ihnen selbst demontierte Autorität des Königs wieder herstellen. Ich bin der Ansicht, dass gerade Arnulf da nahezu das "i-Tüpfelchen" war.

    So, jetzt meine Frage/bitte/mein Winseln:
    wie soll ich das belegen? Ich habe über Arnulf von Metz wenig gefunden. Ich brauche Quellen, die irgendwie belegen, welch geringes Ansehen die Merowinger damals hatten, und wie deren Ansehen (nicht Macht!) immer weiter verfallen ist. Ich weiss eigentlich nichtmals genau, wonach ich suchen soll, um darauf meine Argumentation aufzubauen. Ich bin deswegen wirklich für jede Idee dankbar. Auch, wenn ihr der Meinung seid, dass ich da oben einen riesigen Quatsch geschrieben habe, wäre ich um Rückmeldung dankbar ;)
    gruß
    Thorsten
     
  2. Ashigaru

    Ashigaru Premiummitglied

    Mit diesem Thema habe ich mich nur am Rande beschäftigt. Aber hier mal ein paar Überlegungen: Wichtig wäre eigentlich, wann Arnulf von Metz zum Heiligen gesprochen wurde. Leider findet sich dazu nichts auf die Schnelle im Netz, und das kannst du bestimmt besser herausfinden. Mich würde es schon sehr wundern, wenn dies vor Pippin dem Jüngeren geschehen wäre. Wichtig ist aber auch, dass die wichtigsten Quellen, die über die Hausmeierzeit geschrieben wurden (Reichsannalen und Metzer Annalen) retrospektiv im späten 8. Jahrhundert entstanden - als die Karolinger bereits "fest im Sattel saßen". Eine rückwirkende Stilisierung ist gegeben, besonders bei der Darstellung Pippins des Mittleren (mit dem ich mich mehr beschäftigt habe).

    Ganz so bruchlos verlief die Geschichte real nicht, denn nach dem missglückten sogenannten "Staatsstreich" des Grimoald um 640 erlosch die Familie im Mannesstand und wäre beinahe verschwunden. Diese Erfahrung prägte m.E. die späteren Karolinger und bedingte, dass Pippin der Jüngere eine Legitimation der Herrschaft von sich und seiner Familie durch den Papst erwirkte. Dieser Akt, den ein Historiker (Prinz? ich bin hier nicht ganz sicher) als erste Form des "Gottesgnadentums" unter den europäischen Monarchen bezeichnete, unterschied die Karolinger vom merowingischen Königshaus!

    Diesen Schluss halte ich für richtig. Wobei es ganz so einfach nicht ist, da ja auch eine andere Genese der Merowinger "gezimmert" wurde, nämlich die, dass sie Abkömmling der Trojaner waren: Dies stellte sie nun in einen Zusammenhang mit den römischen Kaisern, auch nicht ganz unwichtig.

    Auch hier weitgehende Zustimmung. Für mich wäre das "i-Tüpfelchen" aber die gedeihliche Zusammenarbeit Pippins mit dem Papst. Er selbst und auch sein Vorgänger Karl Martell (und Pippin der Mittlere sowieso) mussten nämlich zunächst wieder um die Macht kämpfen, als sie Hausmeier wurden.

    Dazu gibt es vor allem eine Stelle aus dem Breviarium Erchanberti (zitiert aus Geuenich, Die Alemannen): Zur Zeit Pippins des Mittleren "begannen die Könige nur noch den Namen, nicht aber die Hochachtung (honor) zu haben. Es stand ihnen aber, wie ein Gesetz sagte, genügend für den Lebensunterhalt zur Verfügung, und man hielt sie gefangen, damit sie nicht etwas verordnen konnten, dass ihnen Kraft ihres Titels (iure potestatis) zugestanden wäre. In jener Zeit und späterhin wollten der Herzog der Alemannen Cotefredus und die übrigen Herzöge ringsum den Herzögen der Franken nicht gehorchen, und zwar deshalb, weil sie nicht den Merowingerkönigen dienen konnten, wie sie es bisher gewohnt waren."

    Gibt doch einiges her, oder? Die Stelle zeigt, dass zwischen Ansehen (honor) und der Ausübung der Macht nicht leicht zu trennen ist. Weil die "honor" der Könige gesunken war, konnten sie ihre Macht nicht mehr ausüben. Gleichwohl fühlten sich die rechtsrheinischen Herzöge (hier ist der Unterschied zu beachten zu den "Herzögen der Franken", womit die Hausmeier gemeint sind!) dennoch eher dem Titel des Königs verpflichtet.

    Zweite wichtige Stelle: Reichsannalen, 750: Pippin schickt Boten, um zu klären, wie die Amtsfrage im Frankenreich zu klären sei und erhält von Papst Zacharias die Antwort, "dass es besser sei, der hieße König, welcher die Macht habe, als der welcher ohne königliche Macht sei; damit die Ordnung nicht gestört werde, befahl er kraft seiner apostolischen Vollgewalt, Pippin zum König zu machen."

    Es zeigt deutlich, dass es hier in erster Linie um die Machtfrage geht; es bedarf aber des päpstlichen Diktums, um die "Ordnung" (und damit auch das Ansehen?) des Königs wieder herzustellen.

    Schließlich noch Einhard: Den merowingischen Königen sei "nichts übrig geblieben, als zufrieden mit dem bloßen Namen eines Königs, mit langem Haupthaar und ungeschorenem Bart auf dem Thron zu sitzen und den Anschein eines Herrschers zu erwecken, die von überallher kommenden Gesandten anzuhören und ihnen beim Weggang Antworten, die ihnen beigebracht und befohlen waren, wie aus eigener Machtvollkommenheit zu erteilen."

    Hier sehe ich wiederum den Konflikt, dass der König noch "Ansehen" besaß, und deswegen nicht einfach abgesetzt wurde (so wie es Grimoald versucht hat!). Die gesamte Macht lag aber schon bei den Hausmeiern.

    Obwohl die Beobachtung, dass Arnulf als Heiliger das Ansehen der Familie aufwertete, sicher richtig ist, denke ich, dass seine Rolle beim Aufstieg der Karolinger nicht ganz so zentral ist, wie du vermutest. Laut Schieffer, Die Karolinger, S. 11, gab es übrigens noch weitere heilige Ahnen der Karolinger, die freilich weniger wichtig als Arnulf waren: Feriolus, Modericus und Tarsicia aus der Generation vor Arnulf. Der offenbar früheste bezeugte Karolinger, Anspert, habe aus einem "Geschlecht von Senatoren" gestammt, womit auch der Bezug zur römischen Nobilität gegeben ist.
     
  3. dhse

    dhse Neues Mitglied

    Danke! Das hat mir schon sehr weitergeholfen. Aber noch eine Sache:

    Bei dieser Arbeit hatte ich das Problem, dass über Arnulf von Metz wenig zu finden war. Im Netz gibt es nur einige kurze Biografien. Deren Inhalt unterscheidet sich aber sehr von dem, was ich über Arnulf in der Uni-Bibliothek gefunden habe.

    Im Netz findet man einige Seiten, die Ahnen des Arnulf und seine Frau nennen. In allen (wenigen) Quellen aus der Bibliothek heisst es aber, dass über seine Eltern nichts bekannt sei, ausser, dass sie aus dem fränkischem Adel stammten, und vermutlich in der Gegend zwischen Metz und Verdun verwurzelt waren. Auch der Name seine Frau sei unbekannt.

    Zu den unterschiedichen Genealogien der Karolinger über Arnulf hinaus heisst es in allen Quellen, dass alle unglaubwürdig seien und mit politischem Interesse gefälscht wurden, um. zB. bei den karolingischen Herrschern eine bestimmte Region besonders zu begünstigen, oder auch von der Kirche von Metz selbst, um Herrschaftsansprüche an bestimmte Gebiete zu legitimieren. Vor allem soll es der metzer Kirche um Besitzungen im südlichen Aquitanien gegangen sein, was man dadurch unterstützen wollte, dass man Arnulf eine Reihe von südgallischen und römischen Heiligen und Adeligen vorranstellte.

    Ich zitiere mal aus dem Aufsatz von Eduard Hlawitschka "Die Vorfahren Karls Des Großen"

    "Karls eigenes Wissen reichte dabei bis auf Arnulf von Metz und auf Pippin den Älteren zurück [...] Sie beide, deren Kinder sich ehelich verbanden, müssen wir auch heute noch als ihre ältesten uns bekannten Vorfahren der Karolinger ansehen. Denn all das, was spätere Zeiten über Namen und Wirken älterer Vorfahren zu berichten wußten, hält kritischer Überprüfung nicht stand. Es ist erwachsen aus gelehrten Bemühungen, diese oder jene Landschaft besonders eng mit den Karolingern verbunden erscheinen zu lassen, und somit verquickt mit der Tendenz, durch die Herleitung der Karolinger aus einer Landschaft dieser selbst eine ihr sonst nicht zustehende Bedeutung zu schaffen."

    Hinzu kommt, dass Arnulf von Metz wohl auch mit einigen anderen verwechselt wurde, wie zB. mit dem Markgrafen Arnulf von Flandern, der allerdings 300 Jahre später lebte.

    Aber nocheinmal danke. Ich habe nun auf jeden Fall mehr Sicherheit bekommen und habe jetzt auch mehr Ideen, wie und wo ich mit meiner Argumentation ansetzen soll
     

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