Asyl während der Völkerwanderung

Dieses Thema im Forum "Völkerwanderung und Germanen" wurde erstellt von Legolas Depp, 12. Oktober 2015.

  1. Legolas Depp

    Legolas Depp Neues Mitglied

    Hey:D
    ich habe das immer so verstanden, dass einer der größten Feinde der Römer die Germanen waren. und die Goten waren ein Germanisches Volk, richtig? wie kommt es dann, dass der römische Kaiser Valens den Goten asyl gewährt hat, als sie vor den Hunnen geflohen sind? Versteh ich da was falsch, oder gab es da besondere Gründe?
     
  2. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Es handelte sich nicht um die Goten schlechthin, sondern nur um einen Teil.

    "Asyl" ist außerdem auch nicht der richtige Ausdruck, da es nicht um die Aufnahme von Verfolgten ging. (So etwas wie "Asyl" gab es zwar auch schon im Altertum in verschiedenen Kulturen, allerdings ging es dabei darum, dass Verfolgte Zuflucht an bestimmten, oft heiligen, Orten, z. B. Altären, Tempeln, aber auch in bestimmten Städten, fanden, von denen sie dann nicht gewaltsam oder zumindest nicht ohne irgendein Verfahren entfernt werden durften.)

    Die Goten unter Alavivus und Fritigern hatten versprochen, sich ruhig zu verhalten und dem Kaiser bei Bedarf Truppen zu stellen. Letzteres Argument soll laut Ammianus Marcellinus für den Kaiser ausschlaggebend gewesen sein. Man hoffte, dadurch teilweise auf Aushebungen im römischen Reich verzichten und stattdessen bei den Betroffenen Geldablösen (für den Verzicht) eintreiben zu können (faktisch wohl in erster Linie von Großgrundbesitzern dafür, dass deren Kolonen nicht mehr eingezogen wurden). (Kolonen waren halbfreie Kleinbauern auf Großgrundbesitz.)
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Oktober 2015
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich bin mir nicht sicher, ob du die Frage ernst meinst oder uns Geschichts-Nerds gerade hinter's Licht führen möchtest. Ich geh mal von ersterem aus, obwohl einige Details deiner Frage für letzteres sprechen.

    Wer die schärfsten Feinde der Römer waren, das lässt sich pauschal kaum sagen. Beispielsweise sind die Kriege mit dem Erzfeind der Römer Karthago als Punische Kriege bekannt, denn die Karthager waren Punier. Mit anderen Puniern - etwa denen aus Gadir (Gades -> Cádiz) verhandelten die Römer gegen die Punier. Bei den Germanen ist es micht anders. Mal abgesehen davon, dass es zwischen den Stämmen kein einheitliches "Nationalbewusstsein" gab und einige Stämme lange eng mit den Römern zusammenarbeiteten (Hilfstruppen, kaiserl. Leibwache), waren selbst die Stämme untereinander uneins, wie sie es mit den Römern halten sollten. Häufig gab es eine romfreundliche und eine romfeindliche Fraktion, der Riss ging dann durch den Adel, manchmal selbst durch Familien, wie im Fall der Brüder Arminius und Segestes. Manchmal waren damit auch innere Konflikte verbunden, wie der zwischen Arminius und seinem Schwiegervater Segestes.

    Bei den Goten war es durchaus so, dass das Asyl nicht ganz freiwillig gegeben wurde. Man hatte halt die Wahl, ob man mit den unter hunnischem Druck verzweifelten Terwingen kämpfte und dabei mindestens eigene Verluste in Kauf nahm oder in den sauren Apfel biss und sie ansiedelte und dabei ihr militärisches Potential nutzte, die eigenen, in schlechtem Zustand befindlichen Truppen aufzufüllen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 12. Oktober 2015
  4. Legolas Depp

    Legolas Depp Neues Mitglied

    Naja also eigentlich wollte ich euch "Geschichtsnerds nicht hinters Licht führen, die Frage war ernst gemeint. Ich habe in November eine Präsentation über den Zerfall Roms, wo die Goten ja durch ihre "Einschleichung"( ich weiß nicht, ob das ein deutsches Wort ist) eine große Rolle. Und natürlich vielen Dank für deine Antwort, ist echt hilfreich.xD.
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Damals wie heute hatten Politiker unterschiedliche, sich teils widersprechende Lösungsansätze und die Sachlage veränderte sich nebenbei auch. Da kann es in einem Jahr sinnvoll gewesen sein, die Goten als Föderaten anzusiedeln, im nächsten Jahr plünderten sie schon wieder die Felder in einer anderen Provinz und man musste ihnen ein Heer entgegensenden. Der eine Politiker sah in ihnen vielleicht eher die marodierenden Landstreicher, der andere das nutzbare militärische Potential.
     

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