Aufzeichnungen über Bauern, Wehrpflicht, Schutz des Grundherrn

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von Morten, 19. Mai 2014.

  1. Morten

    Morten Neues Mitglied

    Hallo,
    gibt es Aufzeichnung darüber, ob Adelige irgendwo zu irgendeiner Zeit des Mittelalters Unterlagen über ihre Bauern hatten? Also ob sie Listen mit Namen, Geschlecht und Alter geführt haben.

    Falls Bauern zum Krieg herangezogen wurden, wie wurde entschieden, wer in den Krieg muss und wer Zuhause bleibt? Wie wurde verhindert, dass die Herangezogenen desertieren?

    Wie hat ein Grundherr verhindert, dass Bauern einfach das Land verlassen und sich woanders ein neues Leben aufbauen?

    War der Schutz vor Banditen wirklich Grund genug, um sich einem Grundherrn zu unterwerfen?
     
  2. Decurion

    Decurion Neues Mitglied

    Ich denke nicht, dass Bauern die freie Entscheidung hatten, ob sie sich ihrem Herrn unterwerfen oder nicht. Sie waren leibeigen und jeder in Leibeigenschaft Geborene war es ebenso.

    Die Bauern waren ja auch angewiesen auf das Land ihres Herren, da sie sonst keine wirtschaftliche Grundlage gehabt hätten.

    Dass der Grundherr aber oft nicht seinen Pflichten nachkam, zeigte sich ja auch spätestens in diversen Aufständen und Bauernkriegen.
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Es gibt aus Klöstern Verbrüderungslisten, wo die Mönche diverser Klöster drauf stehen, die in das Gebet mit eingeschlossen werden. Hierauf finden sich auch Adelige. Aus England gibt es das bekannte Doomsday Book welches so ziemlich jeden Bauernhof und jede Stadt im frühnormannischen England (mit Ausnahme Londons aufzeichnet und aus Schottland gibt es den Senchus fer n-Alban (Senchus = Census?).
    Hierzulande scheint es, allerdings für kleinräumigere Einheiten, ähnliches gegeben zu haben, ist aber aus so früher Zeit nicht erhalten - höchstens indirekt in Diplomata in Form von Abgabenbefreiungen oder der Befreiung von Dienstpflichten oder in Form von Briefen, in denen etwa Karl der Große einen Lehnsmann anweist, auf einen wie langen Feldzug er sich einstellen soll und für wie viel Mann/Tage er Verpflegunbg mitführen soll. Ab dem SpätMA werden Steuerschatzungslisten häufiger, das können Kopfsteuern, Steuern nach der Stückzahl des Viehs (wobei die ja variierte) oder nach der Anzahl der Feuerstellen in einem Haus sein. Solche Listen geben dann häufig Auskunft über die Anzahl der steuerpflichtigen und steuerfreien Haushalte einer Gemeinde oder Armut und Reichtum ihrer Bewohner, wobei höchst selten das Bild mal so vollständig wird, dass man wirklich ein Gesamtbild erschließen könnte.
     
  4. Riothamus

    Riothamus Aktives Mitglied

    Klöster führten schon im Frühmittelalter Urbare. Adeligen nutzten solche Aufzeichnungen naturgemäß erst mit größerer Verbreitung der Schriftlichkeit.

    EDIT: Hier die Freckenhorster Heberolle aus dem 11. Jh..
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Mai 2014
  5. Wilfried

    Wilfried Aktives Mitglied

    Die Bauern waren Leibeigen ist für die fast 1000 Jahre Mittelalter nicht so ganz richtig.
    Zu Zeiten KdG´s war ein Grund dafür, sich in Abhängigkeit zu begeben, die Wehrpflicht.

    Ich denke , man muß unter Zehntpflicht, Zinspflicht usw unterscheiden.

    Auch freie Bauern waren zehntpflichtig(Kirchen/Klöstern), die Hörigen denn Zinspflichtig und die Leibeigenen waren eben persönlich unfrei.
    Wehrpflichtig waren eben neben den Zehntpflichtigen auch z.T. die hörigen.
    Aber das ganze ist auch noch regional sehr unterschiedlich
     
  6. Morten

    Morten Neues Mitglied

    Danke euch!
     

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