Ausrüstung Malteserorden und Waffenknechte 1565

Dieses Thema im Forum "Zeitalter der Glaubensspaltung (1517 - 1648)" wurde erstellt von Pfälzer, 23. November 2009.

  1. Pfälzer

    Pfälzer Neues Mitglied

    Hallo zusammen! :winke:
    Lese gerade ein sehr schönes Buch über die Belagerung Maltas 1565,
    "Der Schild Europas" von Ernle Bradford, leider wurde (bisher) noch nicht spezifisch auf die Ausrüstung der Komabatanten eingegangen.
    Im speziellen würde mich interessieren ob die Ausrüstung (Rüstung/Bewaffnung) der Malteser vergleichbar war mit derer zeitgenössischer (nord-) europäischer Heere? Da die Haupaktivitäten im Kampf zur See lagen gab es evtl. Unterschiede? Wie sah es z.B. mit der Verteilung von Feuerwaffen aus?
     
  2. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Ich habe das Buch von Bradford zwar gerade nicht zur Hand, meine mich aber an einige Textstellen dazu zu erinnern. Da Erinnerungen jedoch trügerisch sein können, möchte ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, sondern nur auf das Kapitel zum Fall des Fort St. Elmo verweisen, worin beschrieben ist, daß zwei Ordensritter die anstürmenden Osmanen mit Bidenhändern erwarteten.

    Grundsätzlich waren Rüstung und Bewaffnung derjenigen sehr ähnlich, wie sie allgemein bei den Groß- und Seemächten auf dem europäischen Kontinent des 16. Jh. üblich war. Feuerwaffen (Kanonen, Arkebusen) waren bekannt und wurden auch entsprechend eingesetzt; daneben aber hatten traditionelle Waffen (Schwert sowie Stangenwaffen und Bidenhänder, wo ihr Einsatz möglich war) nach wie vor ihre Existenzberechtigung. Die Ordensritter rüsteten sich mit sogenannten Gehpanzern, d.h., Plattenrüstungen, welche für den Kampf zu Fuß optimiert waren (soll heißen: ihnen fehlten die Plattenteile unterhalb der Knie).

    Wenn Dich die diesbezüglichen Waffen und Rüstungen interessieren, würde ich Dir aber ehedem einen Besuch des Großmeisterpalastes in La Valetta empfehlen; dort bzw. in einem der benachbarten Museen (leider weiß ich das nach einigen Jahren Abstand nicht mehr genau) findest Du entsprechende Stücke - mW sogar erhaltene Stücke von 1565.
    Desweiteren mag Dir ebenso ein Besuch der Hofjagd- und Rüstkammer in Wien diesbezüglich einige Aufschlüsse bringen: dort findest Du z.B. u.a. die Rüstung des Ascanio de la Corna, der im August/September 1565 das Entsatzheer von Sizilien nach Malta anführte.



    PS: Unabhängig davon gehört das Thema ins Zeitalter der Glaubensspaltung, wohin ich es sogleich verschiebe...
     
  3. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Man hat in wärmeren Gefilden auch gerne die Geschlossenen Helme gegen Sturmhauben und Morrione ersetzt, wenn die Art des Kampfes es ermöglichte.

    Der Großmeister Jean de La Vallete hat sich beim versuchten Sturm auf Birgu, mit einer Halbpike bewaffnet und in die Bresche geworfen. Das war auch eine typische Waffe für den Nahkampf auf Schiffen damals.
     
  4. Pfälzer

    Pfälzer Neues Mitglied

    Hallo Timotheus, danke dir und Bdaian für die Antworten!!!
    Wenn es mich mal auf Malta verschlägt, dann werde ich deinen Tipp auf jeden Fall beherzigen und mir den Großmeisterpalast anschauen!!!
    Meine Literatur was Technik und Waffen angeht bezieht sich eben nur auf Nordeuropa und geht nicht speziell in die Seekriegsführung, bzw. den Orden an sich ein, also danke nochma!
     
  5. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Ich habe das Buch Der Schild Europas jetzt noch einmal zur Hand genommen und die Kapitel mehrfach überflogen.

    Ergänzend zu den bereits von mir genannten und dankenswerterweise von Bdaian präzisierten Aspekten habe ich noch folgende Punkte gefunden - eine Auswahl und kein Anspruch auf Vollständigkeit:
    1. Zu den verschiedenen Kanonen bzw. Feuerwaffen gibt es nahezu durchweg Beschreibungen - abgesehen davon, daß bspw. nicht scharf zwischen der im 16. Jh. noch üblichen Arkebuse und der diese im späten 16. und dann v.a. im 17. Jh. ablösenden Muskete unterschieden wird. Ähnlich verhält es sich mit der Nennung türkischer Krummsäbel an mehreren Stellen des Buches.
    2. In Kapitel 12 Ein ausbrechender Vulkan... werden auf Seiten der Verteidiger dünnwandige (und deswegen beim Aufprall sofort zerberstende) Behälter mit griechischem Feuer, "Trompeten" (an Stangen befestigte Röhren aus Holz oder Metall, die ebenfalls mit einer brennbaren Mixtur gefüllt waren und gezündet wurden) sowie Feuerreifen genannt.
    3. In Kapitel 15 Die tapfere Festung werden auf Seiten der Angreifer Sachetti genannt, welche den unter 2. angeführten Behältern mit griechischem Feuer ähnelten bzw. entsprachen.
    4. In Kapitel 17 Der Fall St. Elmos werden - wie bereits in meinem vorigen Beitrag ausgeführt - beim Ordensritter de Guaras und beim spanischen Hauptmann Miranda Zweihänder genannt; beim Sturm greift de Guaras dann auch noch zur Pike. Der Ordensritter Paolo Avogardo fällt an der Kapelle, als er sich mit dem Schwert gegen die Übermacht der Janitscharen verteidigt.
    5. In Kapitel 20 Der Angriff auf Senglea zerstören die Angreifer mit Beilen und Streitäxten die Palisade - quasi eine andere Verwendung dieser Waffen, die jedoch auch im Kampf ihre Dienste leisteten. Ebenfalls auf Seiten der Angreifer führt Leutnant Candelissa seine Truppe zum Sturm von der Seeseite, wobei sie auf ganz traditionelle Weise mit Krummsäbeln anrennen und sich mit ihren (Rund-)Schilden schützen. Auf Seiten der Verteidiger wird besonders der Ordenspriester Fra Roberto erwähnt, der mit dem Kreuz in der einen und dem Schwert (das er als Kleriker eigentlich gar nicht führen durfte) in der anderen Hand kämpft.
    6. In Kapitel 24 In die Bresche gibt es die von Bdaian genannte Beschreibung, wo Großmeister Jean Parisot de la Valette höchstselbst eine Sturmhaube aufzieht und zur (Halb-)Pike greift - wir sollten dabei nicht vernachlässigen, daß der Mann im Jahre 1565 bereits über siebzig Jahre alt war (*1494)!
    7. Das bzgl. Waffen und Rüstungen interessanteste Kapitel ist jedoch Kapitel 21 Männer in Waffen, wo recht detailliert auf die Vielzahl von Waffen und Rüstungen auf Seiten des Ordens eingegangen wird. Eine Anmerkung dazu: bei der dort erwähnten Salade handelt es sich übrigens um die Beckenhaube - einen offenen Helm, der sich bereits ab dem 13. Jh. entwickelt hatte -, bei der erwähnten venezianischen Salade um die Barbuta oder Celata.

    Soviel als Nachtrag nach dem Überfliegen einzelner Kapitel...

    PS(EDIT): Ich bitte um Nachsicht, daß ich an der Stelle die Kombattanten beider Seiten durchgegangen bin. Vielen Dank.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. November 2009
  6. Aulus Hirtius

    Aulus Hirtius Neues Mitglied

    Hallo Pälzer,
    als Trierer hast du es mit dem ICE/TGV über Saarbrücken oder Metz ja nicht weit nach Paris. Im Armeemuseum im Invalidendom wurde die Ausstellung zu Waffen und Rüstungen insbesondere der Renaissance vor einigen Jahren neu gestaltet. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt beim 16. Jahrhundert. Die Ausstellung ist jetzt nicht mehr das Sammelurium der Vergangenheit, sondern sehr informativ mit Darstellungen der Verwendung und Funktionsweise der Waffen und Rüstungen. Natürlich stark aus französischer Sicht, aber so weit ich mich erinnere, standen die Johanniter in dieser Zeit unter einem deutlichen französichen Einfluss.
     
  7. muheijo

    muheijo Aktives Mitglied

    Kurz OT: Ich hatte mal gehørt, dass das Armeemuseum im Umbau = geschlossen war. Ist das nun erledigt? Und wie sieht's dann jetzt dort aus?

    Wenn ich nochmal nach Paris fahre, dann muss ich auch dahin.

    Gruss, muheijo
     
  8. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Anfang diesen Jahres war die Abteilung für Renaissance und früher (?) schon ganz fertig. Dann sah ich wieder Exponate ab ca. 1775 im Bautrakt gegenüber. Aber wirklich fertig sah mir das nicht aus. Die Zuschreibungen und dergleichen waren noch manchmal nicht so ganz richtig und die Stücke kamen mir thematisch nicht so prima geordnet vor. Ich bin nur bis zu den Revolutionskriegen durchgegangen, aber bis dahin schien so ziemlich alles ausgestellt und noch mehr als zuvor drinnen war.
     
  9. Pfälzer

    Pfälzer Neues Mitglied

    -> Wie Nachsicht? DANKE FÜR DIE MÜHE verdammt!!!!
    Antworte hier kurz von der Arbeit deswegen der abgehackte Stil...
    Äh ja das mit der Zitierfunktion muss ich mir nochma zu Gemüte führen...
     
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  10. Aulus Hirtius

    Aulus Hirtius Neues Mitglied

    Das Armeemuseum wird seit etwa zehn Jahren umgebaut. Die Abteilungen zu den beiden Weltkriegen und die Abteilung (Spät-)Mittelalter und Renaissance sind fertig. In der Abteilung Ludwig XIV. bis Napoleon III. ist bis Napoleons I. erster Abdankung fertig, wenn auch noch jede Menge Handwerker dort rumlaufen. Die Zeit Waterloo bis 1870/71 wird derzeit umgebaut und soll im nächsten Frühjahr fertig sein. Dann wäre der Umbau incl. Neugestaltung komplett.
    Ich war letzte Woche dort, daher weiß ich das.
     
  11. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Hängen die Stücke jetzt grundsätzlich im Dunkeln? Ich hatte das Museum noch normal beleuchtet gekannt. Aber im Frühjahr, als ich dort war, waren die Räume nicht beleuchtet, bzw. mit diesem extrem zurückgenommenen Licht wie im Modemuseum Ludwigsburg.
     
  12. Aulus Hirtius

    Aulus Hirtius Neues Mitglied

    Über die Beleuchtung der Räume kann ich mich nicht beschweren. In der Abteilung Ludwig bis Napoleon sehr wohl aber über die Beleuchtung der Vitrinen. Die sind tatsächlich zu dunkel, so dass man störende Spiegelungen im Vitrinenglas hat. Ich hoffe, das wird besser, wenn sie mit dem Umbau fertig sind.
     
  13. timotheus

    timotheus Aktives Mitglied

    Um noch einmal auf die Beschreibungen im Buch Der Schild Europas zurückkommen zu dürfen...

    1. Steinschloß/Radschloß

    Ich halte es für eher unwahrscheinlich, daß um 1565 das Steinschloß bereits weit verbreitet gewesen ist; zwar gab es diesen Mechanismus bereits, aber er funktionierte noch nicht zuverlässig genug und wurde erst im folgenden Jahrhundert dahingehend verbessert (worauf es sich dann auch bis 1700 größtenteils durchgesetzt hatte).
    Ob ansonsten das Radschloß oder möglicherweise sogar noch das ältere - zwar relativ primitive, aber dafür auch weniger komplizierte und v.a. pflegeeichtere und billigere - Luntenschloß (welches bis ins 17. Jh. mW ein Mechanismus war, der wegen seiner genannten Eigenschaften gerade für den "Massenbedarf" der Infanterie bei Feuerwaffen von der Hakenbüchse über die Arkebuse bis zur Muskete geeignet war und aus diesem Grund auch in großem Umfang zum Einsatz kam) weiter verbreitet waren, vermag ich aber an der Stelle nicht zu entscheiden.
    Da sich der Orden nun aber nicht gerade dadurch auszeichnete, daß er lange an veralteter Waffentechnik festhielt, denke ich - allerdings ist das jetzt reine Spekulation meinerseits -, daß es zumindest ein nebeneinander der verschiedenen Typen gab.

    2. Schilderung Einzelpersonen (insbes. Ordensritter) vs. gemeine Soldaten

    Das ist eben das bekannte Problem, wenn wir aus zeitgenössischen Berichten schöpfen (Ernle Bradford bezieht sich ja wie fast alle Werke über diese Belagerung auf die Chronik des Francesco Balbi di Correggio; Ernle Bradford zeichnet sich dabei dadurch aus, daß er direkt aus dem spanischen Original übersetzt hat): über die einfachen Leute wird zumeist nur sehr wenig berichtet bzw. gibt es nur spärliche Informationen, welche es wirklich wert sind, als Informationen betrachtet zu werden - im konkreten Fall werden bspw. einige maltesische Schwimmer genannt (mW z.T. sogar namentlich); dies jedoch auch nur deswegen, weil sie für die Kommunikation etc. durch den Grand Harbour unersetzliche gute Dienste leisteten. Im Vordergrund zeitgenössischer Schilderungen - wie bspw. eben auch Chroniken - stehen Heerführer, Unterführer, Könige, Bischöfe, Adlige u. dgl.; selbst die alten cartulaire generale des Ordens aus der Zeit im Heiligen Land erwähnen beinahe selbstverständlich (Groß-)Meister, Komture, Priore etc., aber demgegenüber vergleichsweise selten die "einfachen" Ordensritter geschweige denn gar die Dienenden Brüder.
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. November 2009
  14. Bdaian

    Bdaian Aktives Mitglied

    Das dürfte zum Schutze der ausgestellten Textilien sein. Sowohl im Bayerischen Armeemuseum wie in Rastatt sind Räume mit historischen Uniformen und Fahnen sehr dunkel angelegt.
     

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