Aussterben der Zeitzeugen des Dritten Reichs/Zweiter Weltkrieg

Dieses Thema im Forum "Geschichtsmedien und Literatur" wurde erstellt von Carolus, 14. November 2013.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Unter dem Terminus Persilschein versteht man allerdings nicht die Dokumente, dass man im Entnazifizierungsprozess als Mitläufer oder Minderbelasteter eingestuft wurde und somit keine weiteren Konsequenzen zu fürchten hatte und wieder eine Rente beziehen konnte oder in Positionen in Wirtschaft und Verwaltung arbeiten durfte, sondern dass man von Bekannten ein Entlastungszeugnis bekam, also eine Art Führungsurkunde oder auch ein Brief, den man den Entnazifizierungsunterlagen beilegte, damit das Komitee dieses mitberücksichtigen konnte und seinen Vorschlag (I. Hauptschuldiger, II. Belasteter, III. Minderbelasteter, IV. Mitläufer, V. Entlasteter.) der Militäradministration vorlegen konnte.
     
  2. 1InGeschichte!

    1InGeschichte! Gesperrt

    Also ich persönlich finde, zum Thema drittes Reich und insbesondere Holocaust ist alles gesagt. Unsere Vorfahren haben eine riesige Schuld auf sich geladen, Millionen unschuldiger Juden, Slawen, Andersdenkender und Schwulen wurden vom SS - Apparat unter Himmler, mit Absegnung durch Hitler und mit dem Mitwissen vieler Deutscher auf menschenverachtendste und bestialischste Art und Weise zu Tode gebracht.
    Das deutsche Reich fing einen Krieg an, der 60 Millionen Menschen das Leben kosten, 1000 Jahre europäische Kultur in Schutt und Asche bomben und die weitere Geschichte (Mittel) - Europas nicht gerade zum Guten wenden sollte.
    Das sind die Fakten, die nun wirklich jeder weiß, weil das Medieninteresse an diesem Thema nicht nachlässt. Natürlich: Es hat ja schließlich alles; ein totalitäres Regime mit einer Ideologie wie aus dem schlimmsten Horror - Film, einen riesigen Krieg, ein noch riesigeres Verbrechen und das alles noch super dokumentiert auf lauter Privat- und Profibildern.
    Natürlich soll die Nachwelt dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte nicht vergessen. Aber es gibt auch noch andere Aspekte der Geschichte als die zwölf Jahre von 1933 - 1945. Kein anderes Thema ist so totgeforscht wie dieses und jedes weitere Nachhaken ist nichts weiter, als sensationsgeiles Gieren nach noch einer Anekdote des Grauens aus Auschwitz, noch einem Beweis für Hitlers Größen- und Rassenwahn oder noch einem Beispiel für die unbeschreibliche Brutalität des zweiten Weltkrieges.
    Den Toten ihre Ruhe. Der zweite Weltkrieg ist Geschichte, und sollte nach mittlerweile fast 60 Jahren auch als solche betrachtet werden.
     
  3. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Die Arbeiten beispielsweise von Pohl und Hartmann zum Ostfeldzug sind "sensationsgeiles Gieren"???? Das wird die beteiligten Historiker irritieren!

    Du bist 14!!!! Und Du bist in der Lage, eine summarische Bewertung des Forschungsstands zum 3. Reichs abzugeben? Ist das nun jugendlicher Leichtsinn, eine bestimmte Form des Größenwahns oder geniales Überfliegertum?

    Es gibt wohl wenig hier im Forum, die sich eine derartige Beurteilung zutrauen würden, obwohl sie wahrscheinlich ein paar Tausend Seiten mehr über das Thema 3. Reich gelesen haben.

    Also schalte mal bitte einen Gang bei Deinen Aussagen zurück, sofern Du ernsthafte Diskussionen suchst.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. November 2013
  4. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Zum Thema Drittes Reich/Zweiter Weltkrieg ist viel geforscht worden, aber ist das Thema "totgeforscht"*? Ob es noch Forschungsdesiderate, also noch "weiße Flecken", gibt, vermag ich nicht einzuschätzen, vermute es aber.

    Das "sensationsgeile Gieren" mag auf einen gewissen Teil der Medien zutreffen (in Abwandlung von "sex sells" habe ich auch schon irgendwo den Begriff "Hitler sells" gesehen), aber es gibt ja auch ernsthafte Forschung. Bitte nicht zu sehr pauschalisieren.

    Natürlich gibt es auch andere Gebiete der Geschichte, aber welche Folgerungen sollen wir aus dem Beitrag ziehen? Den Bereich 3. Reich / 2. Weltkrieg zur Diskussion schließen???

    Und was hat das mit den Zeitzeugen zu tun?


    * paßt dieser Begriff besonders gut oder besonders schlecht zum millionenfachen Sterben?
     
  5. hatl

    hatl Premiummitglied

    2013-1945 sind wieviel?
    Fast 60?

    Sei mir net bös,
    aber das ist ja net so ganz genau.
    Und die These, es sei da schon alles erforscht, oder gar "totgeforscht" usw... entspricht ja auch nicht gerade einer jugendlichen Neugier.
     
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  6. 1InGeschichte!

    1InGeschichte! Gesperrt

    Verzeihung, mit dem sensationsgeilen Gieren habe ich mich weniger auf die Arbeit renommierter Historiker als auf die massenhaften Pseudo - Wissenschaftsdokus auf n24 etc. bezogen, die wohl jeder kennt.
    Der zweite Weltkrieg hat natürlich viele Facetten und es ist wirklich gut, wenn ein Großteil derer auch dokumentiert wird. Ich finde aber diese Unart, aus ihm ein Medienspektakel zu machen, respektlos gegenüber allen Kriegstoten. Und um mich auf das hier zu diskutierende Thema noch etwas deutlicher zu beziehen, ist Geschichte von Zeitzeugen vermittelt zu bekommen, natürlich viel viel besser und greifbarer, als sie in igendeinem Buch zu lesen.
    Auch wenn das sehr sehr schade ist, das Zeitzeugen für den Krieg, das dritte Reich usw. sterben, dagegen kann man eben nichts tun.
    Abschließend will ich noch einmal um Verzeihung dafür bitten, das mein Beitrag wohl nicht so verstanden wurde, wie er verstanden werden sollte. (Aber immerhin hat er diese Diskussion wieder aufflammen lassen) :)
     
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  7. Gubernator

    Gubernator Gesperrt

    Ich kann mich noch erinnern, wie der Verlust der Zeitzeugen des I. Weltkrieges in den 80er Jahren benannt und bedauert wurde. In den letzten 2-3 Jahren sind der allerletzte Soldat von Österreich-Ungarn und der USA gestorben, beides ging durch die Presse. Jetzt kommen wir allmählich in dieselbe Situation, was den II. Weltkrieg angeht. Schon sonderbar, tempus fugit.

    Vor der totalen Meinungsherrschaft der Nachgeborenen wird mir jetzt schon angst und bange. Viel zu viele Widerstandskämpfer, die es nie so weit hätten kommen lassen. Aber wenn es in der U-Bahn mal ein bißchen laut wird, gucken alle wieder betreten auf den Boden. Und überhaupt: Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin der Antifaschismus. Das haben aber nur wenige begriffen.
     
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  8. thanepower

    thanepower Aktives Mitglied

    Jedem seine Meinung. Kurz eine Verständnisfrage zu Beginn: Ist der "neue Faschismus", der da spricht ein Mann, oder eine Frau?? Unabhängig von der Frage des historischen Subjekts, das uns "sprechender" Weise mit dem "neuen Faschismus" beglückt, ist es eine Unverschämtheit, die Personen und Institutionen zu diskreditieren, die sich in ihrer Programmatik als "antifaschistisch" und pro-demokratisch definieren, wie beispielsweise die Bundeszentrale für politische Bildung und eine sehr umfängliche Liste weiterer seriöser Organisationen.


    Mir wird eher Angst vor denen, die mit Begriffen wie "neuem Faschismus" herumhantieren, so als wenn sie in der Lage wären, ihn auf aktuelle Gesellschaftsformationen oder Prozesse anzuwenden.

    Für den Stammtisch mögen ja diese "Parolen" gut geignet sein, in einem historischen Forum wird man wohl erklären müssen, was man denn unter einem "neuen Faschismus" verstehen will. Oder definiert sich, wie oben bereits vorgenommen, "neuer Faschismus" lediglich durch den Anspruch "antifaschistisch" zu sein?

    Und das wäre dann natürlich eine überzeugende, elaborierte theoretische Fundierung", den "neuen Faschismus" durch seine Antithese zu erklären. :D

    Bei einer so merkwürdigen Argumentation, wen wundert es??????=)
     
  9. Conzaliss

    Conzaliss Mitglied

    Was muss man sich eigentlich unter dem "neuen Faschismus" vorstellen?
     
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  10. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Bis hierhin kann ich den Post unterschreiben. Denn wenn ich die Zeitzeugenberichte Revue passieren lasse, die ich so gehört habe, deckt sich deine Beschreibung mit meinem subjektiven Eindruck als Zuhörer. Das U-Bahn-Beispiel macht die Sache anschaulich. Echte Zivilcourage mit todesverachtendem Heldenmut ist selten, damals wie heute.
    Bis weit in die 70/80er mindestens bis 68 vermeine ich bei den Zeitzeugen, die ich kannte, eine nachwirkende Haltung zu spüren. Schwer beschreibbar, inzwischen ist die teilweise erforscht.
    Über den kleinen, geheimen Widerstand, das heimliche Brot über den Zaun des Lagers, das Nichtverraten von Andersdenkenden wurde lange nicht gesprochen. Das war ja nichts großes heldenmutiges.





    Den Satz verstehe ich nicht, der Frage von Conzaliss möchte ich deshalb hinzufügen, was verstehst du unter Antifaschismus?
     
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  11. Dieter

    Dieter Premiummitglied

    Was der Begriff "Neuer Faschismus" bedeuten soll. lässt sich hier gut nachlesen. NEUER FASCHISMUS - EINE TRAGFÄHIGE THESE?

    Es geht darum, dass die Menschenrechte unterwandert oder außer Kraft gesetzt werden. So z.B. in den USA durch den "Patrot Act" und die "Homeland Security", die im Rahmen der Antiterror-Gesetzgebung wesentliche Grundrechte außer kraft setzen. Ferner beklagt die Hypothese vom Neuen Faschismus Angriffskriege gegen andere Staaten wie z.B. den Bosnien-, Afghanistan- oder Irakkrieg, das Ausspähen der Bürger durch weltweite Überwachungsdienste, das Auseinanderklaffen zwischen Arm und Reich, eine neoliberale Globalisierung, das Zurückfahren sozialstaatlicher Leistungen usw. usw.

    Das ganze ist für mich ein unverbundenes Sammelsurium von Klagen, die im einzelnen stimmen mögen, sich aber nicht zu einer Theorie des "Neuen Faschismus" zusammenfügen.

    .
     
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  12. ursi

    ursi Moderatorin Mitarbeiter

    Hinweis der Moderation

    Ganz genau und damit begeben wir uns in die tagespolitische Diskussion. Wer sich weiter mit der These des "neuen Faschismus" befassen möchte, der muss dies in anderer Form oder einem andern Ort tun als hier im Geschichtsforum.

    Wer über Faschismus und Antifaschismus im historischen Kontext diskutieren will, der soll doch bitte dazu ein neues Thema im entsprechenden Unterforum auftun.

    Und nun wieder zurück zum eigentlichen Thema.
     
  13. AndreasMeyer

    AndreasMeyer Mitglied

    Ich habe mir neulich das Interview mit Traudl Junge angeschaut. Sie macht auf mich einen ehrlichen Eindruck, eine aeltere Dame, die aus der Zeit erzaehlt, wie sie sich daran erinnert.

    Traudl Junge, wollte sich fast entschuldigt, dass sie die Dinge so erzaehlen musste. Misch hab ich noch nicht gesehen.
    Wie es so schoen heisst, in jeder Organisation gibt es auch ein paar Arschloecher, auch bei der SS und Bundesbehoerden.

    Es wird aber wohl auch so sein, dass eine bestimmte Sorte Menschen bestimmte Posten und Taetigkeiten eher anstrebt als andere.

    Bei mir in der Familie sind auch fast alle Zeitzeugen verstorben, viele sind ja bereits im Kriege umgekommen. Und die noch Leben waren wohl zu jung, um sich da noch sinnvoll zu erinnern.

    Alledings bestehen noch einige Briefe und Dokumente.
     
  14. Carolus

    Carolus Aktives Mitglied

    Heute finden in der Normandie die Feierlichkeiten zum 70. Jahrestags der alliierten Landung 1944 statt. Unter den Teilnehmern noch eine Reihe von Veteranen des D-Days, die um die 90 Jahre alt sind. The Guardian schrieb, dass dies das letzte Veteranentreffen sein wird:

    D-day anniversary: Britain's Normandy veterans gather for last time | World news | theguardian.com

    und
    Video: D-Day anniversary: The Normandy Veterans Association 'hanging up our colours' - Telegraph
     

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