Auswirkungen des ersten Weltkrieges

Dieses Thema im Forum "Der Erste Weltkrieg" wurde erstellt von Gast, 27. Februar 2007.

  1. Gast

    Gast Gast

    Hallo,

    ich versuche mich gerade vergeblich im Internet über die folgenden Fragen zu informieren. Leider ohne Erfolg. Es wäre echt schön, wenn mir jemand einen Hinweis oder sogar eine Antwort auf folgende Fragen geben könnte.

    In welcher Weise veränderte der Erste Weltkrieg die gesamte internationale Ordnung und was sind die Gründe für das Scheitern einer stabilen Friedensordnung nach 1918?

    Vielen Dank!
     
  2. Gast

    Gast Gast

    Folgen 1. Weltkrieg

    international:
    1. Europa verliert Bedeutung; USA gewinnen Bedeutung;
    2. Revolution in Russland => wird zur Sowjetunion (=erster kommunistischer Staat!)
    3. Zerschlagung der 5-Großmächteherrschaft GB-F-R-Dtl-Ö/U (bestand seit dem 18.Jahrhundert!) neue Großmächte USA und Japan!
    4. Krieg nicht mehr zur Erreichung begrenzter Ziel, sondern Krieg bis zum totalen Sieg (=neue Form des Kriegs)
    für Österreich:
    keine Großmacht mehr, sondern Alpenrepublik
    für Osmanisches Reich:
    nur mehr türkischer Nationalstaat, nicht mehr Vormacht des Islam (vorher Sultan religiöses Oberhaupt)
    für Deutschland:
    wird Republik! wird Demokratie! Beides wird als durch Niederlage hervorgerufen verstanden und als "undeutsch" eingeordnet => rechte Propaganda gegen Demokratie => Hitler
    finazielles Chaos durch Schulden des Staates durch Kriegsfinanzierung durch Anleihen => wird durch Infaltuion 1923 gelöst => Mittelschicht enteignet => Ablehnung Demokratie => Hitler
    Deutschland bleibt durch Frankreich (Reparationsforderungen bedroht) entwickelt weiter das Feindbild Frankreich
    Friedens vertragsbedingungen in Versailles hart (Diktatfriede) mit der Zuweisung der Alleinschuld und Gebietsverlusten. Außerdem militärische Demütigung durch Zwangsverkleinerung des Heeres und Auslieferung der Flotte und Verzicht auf Flugzeuge!
    s. im Internet http://www.lsg.musin.de/geschichte/!daten-gesch/20jh/wk1-versailles.htm
     
  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Dem kann man so nicht zustimmen: der Völkerbund schlug seinen Sitz in Genf auf, Frankreich und England profitierten als Kolonialmächte von der Zerschlagung der deutschen Kolonien und wurden Verwalter der arabischen Teile des osmanischen Restreiches (Mandatsmächte), die USA hingegen zogen sich diesmal noch nach Beendigung des Kriegs auf ihr Territorium zurück. Nur wirtschaftlich begannen sich die USA durch Investitionen verstärkt nach Europa auszubreiten, was bei der Krise der amerikanischen Finanzmärkte sich dann fatal auf die europäischen Länder auswirkte.
     
  4. Gast

    Gast Gast

    Europa verliert Bedeutung

    zum ersten Mal in der Geschichte wurde ein Konflikt in Europa nicht durch die europäischen Mächte gelöst, sondern durch die Einmischung der USA. Dies wurde auch durch Zeitgenossen so gesehen. S. Lloyd George. Die USA waren praktisch in diesem Krieg das Zünglein an der Waage.
    Der Kolonialgewinn für GB, F und Japan bleibt unbedeutend! Entscheidend ist, dass die europäischen Kolonialmächte Sodaten aus den Kolonien (GB mehr als 1 Mio. F ca. 400000) Mann nach Europa holen um ihren Krieg auszufechten, was die Politiker vor allem in Australien, Kannada, Südafrika und Indien gegen GB aufbringt und zu ersten Forderungen nach Unabhängigkeit führt, Diese wird für K,SA und AUS in Form eines Dominianstatus auch erteilt. In Indien kommt es bis zum Ende des 2. WK zu Auseinandersetzungen. Insofern hat sehr wohl der 1. WK zu Bedeutungsvelusten Europas geführt. Vor allem die Kosten des Kriegs führen zu neuen Steuern, zu weniger Leistungen und zu einem Mehr an Ablehnung der "Mutterländer".
     
  5. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    @ Gast 14:56
    Widersprichst Du Dir nicht gerade? Wenn die Eroberung von weiteren Kolonien so unbedeutend gewesen sein soll, warum kehrst Du dann die Probleme mit den Kolonien hervor? Könnte man nicht schon sagen, dass bspw. den Kolonialmächten mit den Gebieten wie vor allen Dingen im ehem. Osmanischen Reich erhebliche Probleme ins Haus standen? In den 1920ern gab es immer wieder Unruhen in den Gebieten, welche unter britische bzw. französische Kontrolle durch das Ende des Osman. Reiches gelangt waren.
     
  6. Klaus

    Klaus Neues Mitglied

    Ist das denn eine Folge des Ersten Weltkriegs oder ein (zufälliges) zeitliches Aufeinandertreffen ?
     
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Im Ggs. zu Punkt 1 würde ich hierbei dem Gast nicht widersprechen und Dir @Klaus mit "sowohl als auch" antworten. Durch den WK I. sind die Probleme die Russland zuvor schon hatte verschärft worden, es waren Fabrikarbeiter und hungernde und schlecht ausgerüstete Soldaten, die für die Revolution empfänglich waren und auf die das Dt. Reich reagierte, als es Wladimir Uljanow per Sonderzug aus dem Schweizer Exil nach Russland brachte.
     
  8. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Eine sehr wichtige Auswirkung des Ersten Weltkrieges, inkl. des Durchschlagens der amerikanischen Wirtschaftskrise. Die europäischen Volkswirtschaften waren zusätzlich durch den Krieg ausgezehrt, Großbritannien und Frankreich bei den USA aufgrund der Kriegslieferungen verschuldet. Auch in diese ökonomische "Lücke" hinein hat sich die expandierende Wirtschaft der USA entwickeln können.

    Das Ergebnis hat auch machtpolitische Folgen gehabt.
    Ein kleines Beispiel: die Seemacht Großbritannien war, bedingt durch die finanzielle Auszehrung, nicht mehr in der Lage, ihren Status der Überlegenheit gegenüber den zwei nachfolgend stärksten Seemächten der Welt zu halten. Die militärischen Gewichte waren nun sichtbar und endgültig verschoben, die Auswirkungen zeigten sich in fataler Weise Mitte der 30er Jahre in Europa (in selbstgewählter politischer "Abwesenheit" der USA).

    Grüße
    Thomas
     
  9. Wieger

    Wieger Gesperrt

    Dadurch dass keine feindlichen Truppen zum Ende des Krieges im Deutschland standen, sogar das Reich erweitert wurde (Brest-Litowsk), verwunderte es die Deutschen, nein verwirrte und stimmte sie miesgrämmig als ihnen die alleinige Schuld am Krieg zu gesprochen wurde. Das verstand man nicht, da dies der erste Krieg war bei dem auch die moralische Ebene betrachtet wurde. So waren die Deutschen sehr empfänglich für faschistische Propaganda in späteren Jahren.

    Wie sagte der französische Oberbefehlshaber sinngemäß: Dieser Friede ist zu hart und wird 20 Jahre halten (Die Angabe der Jahreszahl stimmt so). Welch prophetische Worte.


    P.S.Widerspricht sich nich der Begriff "kommunisitscher Staat"? Im Kommunismus gibt es keinen Staat mehr.
     
  10. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Kommt darauf an, ob du Kommunismus als Herrschaftssystem, Ideologie, Utopie, Philosophie, politische Bewegung oder was auch immer begreifst.
     
  11. Wieger

    Wieger Gesperrt

    Die Frage nach dem Begreifen stellt sich ja nicht. Kommunisms ist eine Gesellschaftsordnung, (die natürlich von einer kommunistischen Bewegung getragen/forciert wird. Deren Basis ihrer Überlegungen unter anderem die philosophische Seite ist und zur Idelogie geworden ist.) Da es aber Kommunismus nicht gab und sich die UdSSR schon in ihrem Namen davon distanzierte, dass er erreicht wurde, könnte höchstens der Begriff: sozialistischer Staat genannt werden. Aber sogar Jürgen Kuczynski (u.a.) geht davon aus, dass auch dieser nur in wenigen Ansätzen erreicht wurde. Der Begriff kommunistischer Staat ist überholt und pauschalisierend, vermittelt er den falschen Eindruck von den Verhältnissen der Zeit. Höchstens zur Diffamierung taugt er etwas. Würde zu Zeiten Adenauers jemand sagen, das war ein christdemokratischer Staat?
     
  12. hyokkose

    hyokkose Gast


    Nein.

    Warum?

    Weil die christedemokratische(n) Partei(en) kein Machtmonopol hatte(n). Weil christdemokratische Ziele keinen Verfassungsrang hatten. Weil es in der Hand des Wählers lag, ob christdemokraten mehrheitsfähig war oder nicht. Weil es eine legale anti-christdemokratische Opposition gab. Weil die Christdemokraten gar nicht auf allen Ebenen regierten (z. B. auf Länderebene waren sie vielerorts in der Opposition).

    Man vergleiche das z. B. mit der DDR-Verfassung von 1968:

    "Erfüllt von dem Willen, seine Geschicke frei zu bestimmen, unbeirrt auch weiter den Weg des Sozialismus und Kommunismus, des Friedens, der Demokratie und Völkerfreundschaft zu gehen, hat sich das Volk der Deutschen Demokratischen Republik diese sozialistische Verfassung gegeben. "


    Seit wann drückt eigentlich "Sozialismus" eine Distanzierung vom Kommunismus aus?
     
  13. silesia

    silesia Moderator Mitarbeiter

    Richtig.
    Das geht wohl kaum, da er als Vorstufe angesehen worden ist.
     
  14. Roxie-Hart

    Roxie-Hart Neues Mitglied

    Ich denke, dass es durch die Bedingungen in Deutschland zum zweiten Weltkrieg kam. Diese Bedingungen resultieren aus dem ersten Weltkrieg, und fürhren direkt in den zweiten. Dass Deutschland die Allein-schuld gegeben wurde, ist ja schon angesprochen worden, aber auch inner halb deutschlands veränderte sich viel. Aus einer Mornachie wurde ein Republik, womit sich viele Deutsche nicht abfinden konnten. Die Geld verlor sehr schnell an Wert, die Gesellschaft befand sich generell im Umbruch. Frauen durften nun auch wählen, die wurden unabhängiger, die Gesellschaftsordnung änderte sich also auch. So stiessen zu allen Veränderungen immer zwei Seiten aufeinander, die Pro- und Contraseite und in der Gesellschaft konnte schon kein Frieden herrschen. Da war dann ein Diktator, der alles normt, nur allzuwillkommen....
     
  15. Wieger

    Wieger Gesperrt

    Dann ist die Formulierung falsch angekommen, nennen wir es Gliederung.
    Lenin hat das ja geprägt, dass der Sozialismus die Vorstufe ist.
     
  16. Saint-Just

    Saint-Just Neues Mitglied

    Seitdem sich der linke Flügel der Sozialdemokratie als "Kommunisten" verselbständigt hat (auch eine Folge des Weltkriegs).

    http://de.wikipedia.org/wiki/Demokratischer_Sozialismus

    In dieser Form erscheint der Begriff "Sozialismus" selbst noch im Berliner Programm der SPD von 1989 (und damit wollte die SPD nun gewiß nicht ausdrücken, dass sie Kurs auf die Verwirklichung des Kommunismus in der BRD nahm =) )

    Gleichzeitig wurde Sozialismus im Sowjetblock natürlich auch als Vorstufe des Kommunismus betrachtet (hier in der Formulierung "real existierender Sozialismus"). Derartige Mehrdeutigkeiten fanden sich häufig, etwa bei der Auslegung des Begriffs "Demokratie" in Ost und West.
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. März 2007
  17. Themistokles

    Themistokles Aktives Mitglied

    Väterchen Stalin sprach daher auch von Demokratismus (laut einer meiner Geschichtsklausurquellen).
     
  18. Mercy

    Mercy unvergessen

    Die Erfahrung des Parlamentarismus in Frankreich und Amerika hat augenfällig gezeigt, daß die nach außen hin demokratisch scheinende Macht, die aus dem allgemeinen Wahlrecht hervorgeht, sich in Wirklichkeit als eine Koalition mit dem Finanzkapital entpuppt, die vom wirklichen Demokratismus sehr weit entfernt und ihm fremd ist. In Frankreich, diesem Lande des bürgerlichen Demokratismus, werden die Deputierten vom ganzen Volk gewählt, die Minister jedoch stellt die Lyoner Bank. In Amerika gibt es allgemeine Wahlen, an die Macht gelangen jedoch die Kreaturen des Milliardärs Rockefeller.

    Prawda Nr.12 und 13, 17. und 18. Januar 1918.
    Stalin: Werke, Bd. 4, Berlin 1951, S. 26 - 32

    http://www.marxistische-bibliothek.de/stalinallruss.html
     
  19. Saint-Just

    Saint-Just Neues Mitglied

    Sei dem wie es sei: bewiesen ist, dass Sozialismus und Kommunismus erstens als verschiedene Zustände betrachtet wurden, zweitens- zumindest von sozialdemokratischer Seite- Sozialismus in Distanzierung zum Begriff Kommunismus verwendet wurde. Das ist alles, was ich damit feststellen wollte.

    Eine weitere Folge des Weltkriegs: die Militarisierung der (Innen)politik. (Stefan Zweig spricht in "Die Welt vopn Gestern" nostalgisch von der Vorkriegszeit, als die Parteien Blumen und keine Schäden und Dolche in ihren Fahnen hatten). D.h. Bildung paramilitärischer Organisationen (in Deutschland: SA, Reichsbanner, RFB); aber auch: militärische Hierarchie und scheinbae Effizienz als Ideal in der Innenpolitik (etwa im italienischen Faschismus; Mussolini sprach von der Sehnsucht nach dem Weltkrieg)
     
  20. Suli

    Suli Gast

    erster Weltkrieg

    Welches sind die wichtigsten Folgen des ersten Weltkrieges?
     

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