Badekultur bei den "Barbaren"

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Altertum" wurde erstellt von Nebularis, 15. November 2020.

  1. Nebularis

    Nebularis Neues Mitglied

    Jedermann weiss Bescheid über griechische Badeanstalten und römische Thermen, aber wie verhält es sich mit Kelten, Germanen, Skythen...?

    Es gibt eine kurze Stelle bei Tacitus (Germania, XXII) über ein scheinbar tägliches Bad, aber weiss da jemand mehr?
     
  2. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Zu den Germanen siehe auch Caesars Gallischen Krieg VI, 21, wonach beide Geschlechter gemeinsam in Flüssen baden.

    Die Skythen standen laut Herodot (4,73-75) eher auf eine Art Sauna; gewaschen hätten sie sich nur selten.
     
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  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ts ts... die Skythen - Wiederherstellung
     
  4. Divico

    Divico Aktives Mitglied

    Die Römer haben sich üblicherweise mit Olivenöl "gewaschen" — die Kelten und Germanen hingegen mit Seife. Nicht umsonst ist das lateinische Wort für Seife ein Lehnwort aus einer germanischen Sprache.
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Nicht so schnell. Saipo war noch keine Seife in unserem Sinne.
     
  6. Nebularis

    Nebularis Neues Mitglied

    Wurde die "Seife" (oder Saipo) nicht von den Galliern "erfunden"?
     
  7. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

    Das schreibt Plinius, der hält die Seife für eine gallische Erfindung. Er nennt als Zweck der Seife allerdings nur das Färben der Haare, nicht das Waschen. Bei den Germanen sei die Seife mehr bei den Männern als bei den Frauen in Gebrauch.
    Hergestellt wurde sie aus Talg (vorzugsweise von Ziegen) und Asche (vorzugsweise aus Buchenholz):

    "prodest et sapo, Galliarum hoc inventum rutilandis capillis. fit ex sebo et cinere, optimus fagino et caprino, duobus modis, spissus ac liquidus, uterque apud Germanos maiore in usu viris quam feminis."
    https://penelope.uchicago.edu/Thayer/L/Roman/Texts/Pliny_the_Elder/28*.html
     
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  8. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Die Wanderung des Wortes Seife um die Welt macht die Herkunft des Wortes etwas undurchsichtig. Von Pakistan bis nach Spanien und von Afrika bis nach Skandinavien und das Baltikum ist das Wort in verschiedensten Varianten vertreten: in West- und Nordeuropa (einschl. Baltikum), die meisten slawischen Sprachen kennen es nicht (stattdessen Variationen von Milo), mit Ausnahmen einiger südslawischer Sprachen, von Griechenland bis Pakistan wird es verwendet. Bei den keltischen Sprachen ceap und gallúnach als Varianten des Irischen, im Walisischen sebon - was auffällig ist gegenüber dem engl. soap.

    Aus den romanischen Sprachen oder dem Deutschen kann man leider nicht erschließen, ob es sich um keltisches oder germanisches Erbwort bzw. Lehnwort im Lateinischen handelt. Was m.E. für die germanische Herkunft spricht, ist das das Englische soap erhalten hat. Denn das hat nicht die französische Sonorisierung des -p- zu -v- mitgemacht, was bei einem normannischen Lehnwort aber zu erwarten wäre.
    Möglicherweise handelt es sich sogar beim englischen soap um ein nordgermanisches Lehnwort, denn die größte Nähe besteht nicht etwa zu sapo bzw. Niederdeutsch siep oder niederländisch zeep, sondern zu Norwegisch Såpe.

    Was wir heute allerdings als Seife bezeichnen, ist im Prinzip eine levantinische Erfindung.
     
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  9. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

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