Barbaren (2020)

Dieses Thema im Forum "Dokumentarfilme/Spielfilme" wurde erstellt von Fulcher, 12. Oktober 2020.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Als Mel Gibson damals Passion produziert hat, hat er für die Römer auch Italiener ausgewählt, mit der Begründung dass ihr Sprachduktus dem Lateinischen wohl am nächsten sei. Vorstellbar dass hier ähnliche Gedankengänge dahinter stehen.
     
    Nikias gefällt das.
  2. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    :D (hoffentlich wird eine künftige Staffel die bösen Römer als Umweltsünder brandmarken (Garumfabriken verpesten die Luft, Aquaedukte verschandeln die Landschaft), wohingegen die Ökogermanen im Einklang mit der Natur nachhaltig durch liebliche Auen tanzen, natürlich verstärkt durch edle LGBTQ-Kontingente)

    Was ich hier zu lesen bekomme bestärkt mich darin, diese Serie nicht anzuschauen.
     
  3. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Tatsächlich gab es im Cast von Die Passion Christi wirklich viele Italiener. Auch zahlreiche jüdische und christliche Rollen wurden von Italienern gespielt. Pilatus und Johannes wurden hingegen von Bulgaren gemimt.
    Mel Gibsons Casting-Entscheidungen waren konsequent. Nahezu alle Rollen wurden mit Südeuropäern besetzt - meistens Italiener. Die Unterscheidung von Gut und Böse und rassistische Stereotype sind nicht erkennbar.
    Auch bei der Verwendung alter Sprachen war Gibson konsequent. Niemand durfte da einfach deutsch oder englisch reden - auch die "Guten" und die Identifikationsfiguren bekamen Untertitel.

    Kindermörder ist doch nicht mehr steigerbar. Gewalt gegen germanische Kinder durch die Römer war jedenfalls in 1. Staffel immer wieder präsent. Ans Kreuz wurden zum Glück nur Erwachsene genagelt.

    Ich habe schon entsprechende Spoiler zur 2. Staffel mitbekommen, doch die klingen eher nach Queer-Coding und Bury your Gays.
     
    Zuletzt bearbeitet: 15. November 2022
  4. Traklson

    Traklson Aktives Mitglied

    Ich habe vor einigen Tagen ein Interview mit Georgge Martin gesehen. Es gab wohl auch wegen der Hautfarbe der Sklaven bei den Befreiungsszenen in slavery bay Kritik (Game of thrones). Martin hat erklärt, dass diese Szenen in Marokko gedreht worden wären und daher natürlich Marokkaner als Komparsen aufgetaucht wären. Interessant, viele der Dothraki in den frühen Episoden hellhäutiger waren, weil die Szenen eben in Nordirland gedreht wurden.


    Die Babaren wurde in Ungarn gedreht. Müssten viele der namenlosen Legionäre und Germanen Ungarn gewesen sein? Oder haben die extra Italiener eingeflogen?

    EDIT: @Maglor hat natürlich vom Casting und nicht Komparsen gesprochen.
     
  5. Heine

    Heine Aktives Mitglied

    Genetische Untersuchungen kommen zu dem Schluss, dass die Römer zur Kaiserzeit mediterraner waren und eine größere genetische Nähe zu Bevölkerungen des östlichen Mittelmeerraumes hatten als heute. Der genetische Einfluss aus dem nördlichen und westlichen Europa, der die heutige Bevölkerung des nördlichen Teils Italiens formte, erfolgte in der Spätantike und im Mittelalter.

    Rom im Spiegel der Genetik .
     
  6. Heine

    Heine Aktives Mitglied

    Dieser Befund wird in einer aktuellen Studie von Lazaridis et al. (A genetic probe into the ancient and medieval history of Southern Europe and West Asia, Science 377, 940-51) bestätigt, die man sich hier herunterladen kann.
     
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  7. vindus

    vindus Aktives Mitglied

    Der Gesamteindruck ist entscheidend bei der Wahl. Denn die heutigen Italiener unterscheiden sich genetisch kaum von den Italikern der Römerzeit.
     
  8. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Dann haben also Etrusker, Westgoten, Langobarden, Araber, Normannen und wer sonst noch alles seit den Italikern im Stiefel war, genetisch kaum Spuren hinterlassen?
    Edit: Welcher Zusammenhang soll denn deiner Meinung nach zwischen Sprache und Genetik bestehen?
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. November 2022
  9. Maglor

    Maglor Aktives Mitglied

    Die Römer scherten sich anfangs noch sehr viel um Distinktion. Sie verwehrten sogar den anderen Italikern das Bürgerrecht und nur die Latiner aus der kleine Region Latium erhielten das Bürgerrecht. Erst 89 v. Chr. nach dem Bundesgenossenkrieg erhielten auch die anderen Italiker das Bürgerrecht.

    Publius Qinctilius Varus wurde 47/46 v. Chr. in eine alte römische Patrizierfamilie geboren.
    Es mag ja sein, dass es während der Kaiserzeit sehr viel Zuwanderung aus dem östlichen Mittelmeerraum nach Rom gab, aber wir sind hier erst ganz am Anfang der Entwicklung Roms zum Melting Pot. Wenn ein römischer Potentat ein Verhältnis mit einer graeco-ägyptischen Königin hatte, war das noch ein handfester Skandal.
    Kaiser Augustus sicherte sich nur die Herrschaft über den gesamten östlichen Mittelmeerraum, sondern führte ein strenges Eherecht ein. Mit Eheverboten sollte die Abschottung der römischen Eliten gegenüber Provinzialen und Freigelassenen erhalten bleiben. Der Melting Pot war damit zumindest für die da oben erstmal verboten.

    Antike Autoren beschreiben einzelne römische Aristokraten ausdrücklich als blond oder rothaarig. Rekonstruktionen der antiken Polychromie zeigen, dass römische Kaiser wie Caligula und Augustus mit hellbraunen Haaren abgebildet wurden.
     
  10. Ugh Valencia

    Ugh Valencia Aktives Mitglied

    Kaiser Trajan (98-117 n.Chr.) wurde in Spanien geboren, als Nachfahre von Kolonisten. Er war der erste provinzialrömische Kaiser. Kaiser Elagabal (218-222 n.Chr.) stammte aus einer syrischen Familie und führte den Baalkult in Rom ein.
    Allerspätestens mit der Constitutio Antoniniana 212 n.Chr, die allen Freien im Reich das römische Bürgerrecht gewährte, sind wir bei einer Art melting pot angekommen.
     
    Hannes, Turgot und dekumatland gefällt das.

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