Beobachtungen zu germanischen Orten an der Unstrut

Dieses Thema im Forum "Völkerwanderung und Germanen" wurde erstellt von Matthias-EF, 22. Februar 2021.

  1. Matthias-EF

    Matthias-EF Neues Mitglied

    Hallo und Grüße aus Erfurt.

    Ich habe letztes Jahr etwas die Umgebung von erkundet und Orte mit bronzezeitlichen bis germanischen Hintergrund aufgesucht. Schade das die so langsam unterm Pflug verschwinden. So richtig viel Info findet man leider auch nicht drüber. Daher hoffe ich das hier vielleicht jemand etwas dazu sagen kann.

    Fange ich mal an. Ich hab so über das Jahr die Theorie entwickelt, dass es auf Hügeln mit 10..20km von alten Ortlichkeiten an der Unstrut, wie z. B. die Tretenburg, Sichtverbindungen gab, deren Standorte noch heute Sichtbarkeiten wie Hügel, Baugruppen etc. Auszumachen sind, gibt. Ein paar erstaunliche Beispiele wo das geht brachten mich zufällig da drauf. Damit wäre es möglich mit Feuer, Rauch… zwischen den Orten an der Unstrut kommunizieren zu können was sonst in der Flussebene nicht geht. Voraussetzung wäre das die Hügel nicht bewaldet waren. Frage: ist etwas über solche "Indianer-Systeme" in Bronze und Germanischer Zeit bekannt? Weiss man ob und wann die Hügel im Thüringer Becken nicht bewaldet waren?

    Kann natürlich auch sein das auf Orten mit "Weitblick" statistisch immer was zu finden ist. Weiss man wie häufig solche Hügel, Richtplätze etc. Waren? Mittler Abstand müsste ja was mit der Besiedlungsdichte zu tun haben.

    Kennt jemand weitere Orte im Thüriger Becken die dazu passen und man sich mal ansehen sollte? Bis Sömmerda oder Leubingen bin ich noch nicht vorgedrungen. Könnte mir aber vorstellen das man das zumindest geographisch bis zu den Sachsenburgen fortsetzen könnte. Das würde ich mir in Zukunft mal absehen wollen.

    Also ich hoffe auf etwas Info und Grüße Matthias
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Februar 2021
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  2. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Wo und wie hast du denn nach Infos gesucht?
    Die Infos die du finden wirst, sind archäologische Informationen: Wie viele Häuser? Sind die datierbar? Welche Keramik? Werkstätten? Das sind für viele Leute, die sich für "die Germanen" interessieren herzlich uninteressante Infos, weil man eben Scherben, Knochen, Bodenverfärbungen und Schlacken lesen muss, man hat keine Historiographie.

    Die Frage ist halt, wie komplex eine solche Kommmunikation gewesen sein könnte.

    Wenn es entsprechende Pollenanalysen dazu gibt, ja. Seit den 1920er Jahren werden Pollenanalysen gemacht, dazu bedarf es aber entsprechender Bedingungen, also idealerweise eines Standgewässers oder einer Feuchtbodenlandschaft, wo Pollen sich ablagern können und über die Jahrhunderte und Jahrtausende aufgrund der Bedingungen erhalten bleiben. Dann kann man sehen, was sich im Umfeld der Feuchtbodenlandschaft für Pflanzengesellschaften etabliert haben. Damit wird man nicht mit Sicherheit bestimmen können, ob ein Hügel bewaldet oder unbewaldet war, aber man kann menschliche An- oder Abwesenheit in einer Region zu einer Zeitstellung "messen" und am Verhältnis der Pollen zueinander vielleicht auch eine Idee entwickeln, ob die Region dünner oder dichter besiedelt war. Aber so eine einzelne Pollenanalyse ist natürlich sehr eng begrenzt und zudem sehr aufwendig (= teuer).
     
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  3. Matthias-EF

    Matthias-EF Neues Mitglied

    Wo ich gesucht habe...
    Also ich bin nicht vom Fach und kenne kaum Fachliteratur. Ich habe nennen ich es mal "Heimatliteratur", Veröffentlichungen der Museen aus DDR Zeiten und neuer usw. ...
    Wie gesagt auf die Kommunikationsidee kam ich ehr zufällig und hab es wieder verworfen. Dann bin ich aber auf weitere Indizien gestoßen und hab dazu noch die Mittelalterlichen Warttürme um Erfurt entdeckt. Die stehen auch erstaunlich weit auseinander und man glaubt eigentlich meißt nicht das die Sichtverbindungen zur Stadt haben. Aber die müssen ja auch irgendwie bei "Feindsichtung" Signal gegeben haben müssen.

    Sowas könnte ja im Prinzip schon 1000 Jahre früher sinnvoll gewesen sein. Also sowas meinte ich mit Kommunikation. Wenn ich mich recht erinnere hatten 532 die Thüringer auch Vorwarnung vor den Franken.

    Ich hatte gehofft das darüber irgendwas gibt. Von den Römern ist das ja bekannt und die Thüringer scheinen ja guten Kontakt gehabt zu haben. Schließe ich aus den Römische Artefakten die in den Gemanischen Gräbern gefunden wurden.

    So meine Gedankenabläufe...

    PS Interessenhalber wie läuft so eine Pollenanalyse ab? Ich nehme an Erdschicht nehmen, reichlich Wasser, isolieren der Passenden Partikelgröße und unter das Mikroskop?
    Den Spaß würde ich mir villeicht mal machen um zu sehen ob ich überhaupt was finde.
    Gesetz den Fall ich hab was (also Pollen) würde man jemand finden der was damit anfangen kann? Aber da sellt sich mir die Frage ob das ganze nicht nur Sinn macht wenn ich eine irgendwie nachgewiesene Bodenschichtung habe..?

    Sorry fürs Abschweifen von Thema und Danke für die Antwort
     
  4. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Im Prinzip brauchst du einen Bohrkern aus Seesedimenten oder einem Feuchbodengebiet, ein Mikroskop und einen Biologen, der viel Zeit und vor allem auch Geduld hat und sich mit Pollen auskennt und diese zuweisen kann. Ob es mittlerweise technische Lösungen gibt, wie in der Dendrochronologie, weiß ich nicht, halte das aber grundsätzlich für denkbar. Aber wie gesagt, das ist letztlich lokal sehr begrenzt aussagekräftig und du bräuchtest eben mehr als nur einen Bohrkern um ein annähernd realistisches Bild von der Region zu bekommen.

    Für die Ur- und Frühgeschichtliche Archäologie ist die Pollenanalyse eine sehr wichtige Methode, auch was die Entwicklung dieses Fachs anbelangt.
     
  5. Traklson

    Traklson Aktives Mitglied

  6. Matthias-EF

    Matthias-EF Neues Mitglied

    Super !!! gleich reingezogen... Aber etwas frustieren. Einmal macht es überhaupt keinen Sinn als Einzelkämpfer,aber das war zu erwarten. Schlimmer war die Erkenntnis das ich eigentlich mal Archäologie studieren wollte und das sicher unglaublich spannend gewesen wäre. Naja so weiss ich eben andere Sachen z.b. das die "Wetterleute" Pollenanalyse automatisch in den Stationen machen. Fürn Pollenflugbericht. Da weiss ich wie das funktioniert und hatte so die Idee das auf den "Dreckwürfel" zu übertragen. Aber ist wohl wegen dringenden Verdacht auf groben Unfug zu verwerfen...

    PS falls jemand da ne technische Lösung braucht kann ich was machen. An Dendrochronologie versuche ich mich such gerade ... aber andere Baustelle
     
    Zuletzt bearbeitet: 22. Februar 2021

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