Berauschte Maya

Dieses Thema im Forum "Lateinamerika | Altamerikanische Kulturen" wurde erstellt von Lukrezia Borgia, 7. September 2004.

  1. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Der Konsum von Betäubungsmitteln ist vielen Kulturen bekannt. Egal, ob Alkohol, Opium oder Tabak in Unmengen konsumiert oder in kleinen Dosen genossen wird – rund um den Globus macht man sich die Wirkung von Rauschmitteln zunutze, um kurzzeitig aus der Normalität zu entfliehen.

    Auch das Volk der Maya gehörte zu jenen, die sich in dieser Hinsicht einen Namen machten. Glaubt man Berichten der spanischen Eroberer, sollen die Saufgelage der Maya erschreckende Ausmaße angenommen haben. Der Missionar Diego de Landa (1524 – 1579) beschreibt diese Orgien:

    „Die Indios waren beim Trinken und beim Rausch äußerst hemmungslos; hieraus erwuchsen viele Übel; wie etwa, dass sie sich gegenseitig umbrachten (...) Wein machten sie aus Honig, Wasser und der Wurzel eines gewissen Baumes, den sie hierfür anpflanzten, sodass der Wein sehr stark und übel riechend wurde; sie tanzten, erlustigten sich und saßen jeweils zu zweit und zu viert zusammen, um zu speisen; und nach dem Essen holten die Mundschenke, die sich gewöhnlich nicht betranken, einige große Bottiche zum Trinken hervor, bis es schließlich zum allgemeinen Tumult kam; und die Frauen waren sehr besorgt, wenn ihre Ehemänner betrunken heimkamen.“

    Was in den Augen des Geistlichen nach einem reinen Freizeitvergnügen aussah, hatte für die Maya durchaus eine tiefere Bedeutung. Im berauschten Zustand, so glaubten sie, würde sich die Seele auf eine Reise zu den Göttern und Ahnen begeben. Diese Seelenreise wird in der Kunst durch schlangenförmige Linien, die aus dem Mund des Angeheiterten ragen, angedeutet. Die Visionen, die die Maya in solch einem Zustand hatten, waren für sie eine Möglichkeit, mit den Göttern in Kontakt zu treten.

    Eines der beliebtesten Getränke war Blache, welches aus Rinde, Honig und Wasser gebraucht wurde. Auch der Genuss von Chi, bei dem der Saft der Agave die Grundsubstanz bildete, war sehr verbreitet. Da diese beiden Getränke jedoch nur einen sehr geringen Alkoholgehalt haben, mussten die Maya Unmengen davon konsumieren. Sie „schütteten“ diese Gebräue daher regelrecht in sich hinein. Eine weitere effektive Methode, eine möglichst hohe Wirkung des Alkohols zu erzielen, war die Verwendung eines Klistiers. Dieses Gerät, das aus Ton und Kürbissen hergestellt wurde, leitete den Alkohol in den Enddarm, um einem möglichen Erbrechen durch übermäßigen oralen Trinkgenuss vorzubeugen.

    Natürlich hatten die Maya eigens einen Gott für diese Trinkgelage. Sein Name war Akan und er ist wohl am ehesten mit Dionysos/Bacchus gleichzusetzen. Stattgefunden haben diese rauschenden Zusammenkünfte zumeist in Höhlen, da die Maya in ihnen Zugänge zur Unterwelt sahen.

    Nicht nur Alkohol versetzte die Maya in tranceähnliche Zustände. Fasten und Musik sowie eine ganze Palette weiterer Rauschmittel taten ein Übriges. Tabak wurde geraucht, gekaut und geschnupft. Auch Pilze, die das Alkaloid Psilocybin enthalten und die man heute unter dem Namen „Magic Mushrooms“ kennt, wurden konsumiert. Daneben war das Gift des Ochsenfrosches, das eine dem LSD ähnliche Wirkung hervorruft, bekannt.


    Quelle:
    Maya - Gottkönige im Regenwald, herausgegeben von Nikolai Grube
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. September 2004
  2. askan

    askan Neues Mitglied

    Solche Steingutkliestierröhren waren mal in unserm Museum ausgestellt, angeblich sollen sie damit Drogen genommen haben die die menschliche Körperabwehr sonst sofort ausgekotzt hätte.

    Ungewöhnliche Konsummethoden haben auch die Russen aus Sibirien berichtet. In Sibirien ist es von altersher üblich sich mit Amarita Muscaria (Fliegenpilz) zu berauschen. Da das Muscarin nicht vom Körper abgebaut wird, ist es in grossen Mengen im Urin enthalten. Naja, die Russen haben berichtet was die Sibirier machen, wenn die Pilze alle aufgegessen waren!!

    Ein ähnliches Vorgehen ist aus der antiken Literatur eines anderen Kulturkreises überliefert, dort wird dieser Pilz sogar als Gottheit betrachtet mit Namen Soma.
     
  3. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin


    Die Maya mischten dem Alkohol oft toxische Substanzen bei, um die Wirkung zu verstärken, was verständlicherweise ein nicht sehr wohlschmeckendes Gebräu ergab.
     
  4. tamas

    tamas Gast

    "Meskal ".. die Spanier tranken es auch gerne ! Das ist eine art Tequilla-Bier mit Kakteensaft. (Sport-kakteen natürlich ) Wenn es länger wie 2-3 tage durchzieht, wirkt es unberechenbar !
    Dabei smeckt es wie Zitronentee mit ein schuss Rum. Vor bzw.bei einer Überdosis liessen sie das Leber und Nieren eine Rattenähnlichen Tieres , roh trinken, als Gegengift. Könnte nicht sein, das diese Rohre eher dazu dienten? (-da gibt es auch einen "Kultfilm"-da geht es auch um sowas , wie heisst es blos..? :confused: )
     
  5. askan

    askan Neues Mitglied

    Die Navajo in den USA haben sogar eine Lizenz für diese Sorte Sport-kakteen. Weil sie den Konsum dieser Kakteen in ihren Gottesdienst eingebaut haben.
     
  6. Lukrezia Borgia

    Lukrezia Borgia Moderatorin

    Hallo Tamas,

    warum sollte man bei einer Mischung aus Bier und Kakteensaft ein Gegengift brauchen? Waren das Meskalin-Kakteen? Wobei ja Meskalin an sich nicht giftig ist, oder? :D

    Allerdings könnte ich mir schon vorstellen, dass diese Klistiere für eine Vielzahl von alkoholischen Getränken verwendet wurde. Aus einen Longdrinkglas trinken wir ja heute auch "Jack Cola", "Mai Thai" und eine ganze Palette anderer Dinge. :yes:

    Liebe Grüße
     
  7. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Das "Handbuch der Rauschdrogen" von Schmidbauer/von Scheidt beschreibt sehr kompakt die Benutzung von verschiedensten Drogen in verschiedensten Völkern und ehemals.
    Ursprünglich wurden Drogen zu rituellen Zwecken benutzt und das nicht von allen(Wahrsagung, Wahrheitsfindung). Zum Rausch an sich wurde es erst benutzt, als die gesellschaftlichen Säulen der jeweiligen Kultur bröckelten oder zusammenbrachen.

    Kleiner Tip: Muskatnuß aufgeschwemmt trinken. (wer tapfer den Anti-Schluckreflex bei diesem Geschmack überwinden kann :)

    Unberechenbare Wirkungen, wo der Ursprung nicht so einfach herzuleiten ist, sind Drogen-Kombinationen. Also Meskalin und Alkohol oder Tranquilizer und Alkohol. Wer hier was in welchem Umfang im Körper zerstört, ist weitestgehend nicht nachzuvollziehen.
     
  8. askan

    askan Neues Mitglied

    Es aber auch nicht selten das der Rausch an sich als "heiliger" Zustand galt, zum Beispiel bei den alten Ostseeslaven galt es Höflichkeit wenn man seine Gäste bei Feierlichkeiten betrunken macht, wenn einer nüchtern blieb galt es als Zeichen der mangelenden Eheerbietung den Göttern gegenüber. (ich glaube , das sich bestimmte Traditionen bis heute praktiziert werden ;) )
     
  9. tamas

    tamas Gast

    Ich glaube, Rauschdrogen wurden schon immer als Rauschdrogen verwendet. Dazu musste kein Kultur "bröckeln", das möchten heute villeicht manche so sehen. Natürlich gibt (gab) es Substanzen, Mixturen die den "Medizienmänner" o.ä. vorbehalten waren, für bestimmte Rituale, oder das die Dosierung zur Wissen der Shamanen gehörte, und "wenn jemand es ohne den Shamanen benutzt, dann bestrafen ihm die Götter, und er kann sogar sterben..."- war (und ist) nur Propaganda, der Heute ebensowenig wie Früher ernstgenommen wurde.
    Manche Leute haben auch Probleme mit der Vorstellung, dass unsere Vorfahren ziemlich oft und ziemlich heftig "unterwegs" waren. Aber das stimmt schon so. Wozu hat man doch den Reinheitsgebot gebraucht ??? Nicht etwa wegen der Stechapfel und Engelstrompete etc. im Bier ?! Was verkaufen die Indios auf dem Markt hauptsächlich ? Meinst du , früher war das anders ? Ich glaube, das ist eine Verschönerung der Tatsachen, bedingt durch die Weltsicht von Heute.

    Ich wäre ausserdem mit Tipps ,wie Muskatnuss aufgeschwämmt..etc. vorsichtig, sonst versucht es noch jemand , villeicht sogar ein minderjähriger leser ..? VORSICHT ;Dazu ist zu wissen !!!!! :
    Es potenziert sich mit Alkohol ( auch mit "nur" ein Bier) ins unberechenbare !!!!
    Ich habe hier eine ganz nette Studie, dokumentierte versuche an Studenten....(USA 70.er)
    Jede hat ca. 1-2 Gramm Muskatnuss gekriegt, und die meisten klagten nur über Übelkeit, Herzraasen, Schweissausbrüche, (bei manchen bis zur Kreislaufkollaps) und Koprschmerzen.
    Bei den Probanden, die darauf noch Bier getrunken haben, stellte sich stunden später ein absolut werwirrter Zustand ein, die wussten nichts mehr...und wurden von der Polizei aufgegriffen....wegen randalieren usw. - die wussten auch nacher nichts, waren aber tagelang Krank. Ausserdem hat bei uns ein Azubi mal haargenau das versucht, und nacher war er 3 monate in der Klapse mit Wahnvorstellungen, und nacher noch Jahrelang auf medikamente. Villeicht ist es doch keine so gute Idee es zu Probieren...

    Ich weiss nicht genau, was du mit diesen "Tipp" ausdrücken wolltest, aber du hast schon Recht, es gibt hunderte Substanzen, die eine "Kulturellen hintergrund" als Rauschmittel haben. Und Askan auch ,da es auf der Ganze Welt als Höflich und Gastfreundlich gillt, sein Gast möglichst "Platt" zu Kriegen, indem mann immer weiter nachschenkt (oder was auch immer).
     
  10. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Na mit der Muskatnuss ist es wie mit vielen Drogen, es kommt auf die Grundstimmung an und auf die Gewöhnung. Dass bei der Muskatnuss den Studenten die aufgelisteten Symptome vorkamen, nichts ungewöhnliches. Das hat die Wirkung von Muskatnuss an sich.
    Du untermauerst aber meine Theorie, dass in Verbindung mit weiteren Drogen ein heilloses Durcheinander passiert, bei dem nicht mehr nachzuvollziehen ist, welche Droge nun die "Ausraster" verursacht.
    Dass Indios heute Drogen auf dem Markt verkaufen, ist ebenfalls deckend mit meinen Ausführungen. Vor der Eroberung durch die Spanier wurden Drogen in dem heutigen Umfang weder angebaut noch verkauft. Dafür gab es keine Nachfrage. Übrigens, wenn ein Maya, Azteke oder wer auch immer unbefugt Drogen nahm - was leicht zu erkennen war - musste mit erheblichen Strafen bis zum Tod rechnen. Und die Einhaltung dieser Norm wurde penibel durchgesetzt, damit die entsprechenden Repräsentanten die Macht beibehalten konnten.
     
  11. tamas

    tamas Gast

    Nun, wenn jemand in 1000 Jahren unsere heutige Drogengesetze studiert, denkt bestimmt auch, dass es einfach verboten war, also niemand nahm es grossartig,höchstens die legalen.....
    Ich glaube viel eher, dass der Masslose gebrauch /missbrauch der auslöser für solche Vorschriften ist, und war. Wenn also manche Indianer Völker rigorose Drogenvorschriften hatten, ist es nur der Indikator für die verbreitung der konsum. Das jemand sich an sowas hält, bei egal welche drohungen, ist mir neu.
     
  12. askan

    askan Neues Mitglied

    Stimmt manche Dinge werden nur verboten, weil der gebrauch überhand nimmt. Obwohl man oft durch diese unsinnige Maßnahme den Konsum oft nur noch weiter in die Höhe treibt.

    Aber ich kann mir sehr gut vorstellen, das das Drogenmißbrauch damals nicht mit unserem zu vergleichen ist.
    1. Die Menschen hatten einen grossen Ausgleich (paradoxer Weise haben Menschen mit einem "harten" Leben eine grössere psychische Stabilität)
    2. oft hatten diese Substanzen etwas göttliches= heiliges= unheimliches an sich, weil man sich die Wirkung nicht anders als göttliche/dämonische Macht vorstellen konnte.


    P.S. Zählt die passive Inhalation von verbranntem Olibanum zum Drogenkonsum? :D
     
  13. tamas

    tamas Gast

    Olibanum alleine ,glaube ich nicht. Allerdings wurde der Räuchermixtur der Kirche erst vor ein paar Jahren "Überarbeitet". Ich hatte mal eine Liste, was da alles reingehört. Hallelujah !
    Ausserdem wird der "neue mixtur" , (zb.ohne THC , Opiate, ) nur an öffentliche Messen verwendet.
    Wenn die Grossköpfe zusammen beten, wird das gute alte Zeug geräuchert. :yes:
    Ein Papst wird nicht ohne Halluzinogene gewählt. Auch kein Bischof nüchtern begraben.
    Und der Klo im Bundestag ist voller Koks.
    Soweit sind wir gar nicht von den Mayas. Bei uns kommst auch in Teufels Küche, wenn du ohne Rang dir sowas zumutest.
     
  14. Hurvinek

    Hurvinek Gast

    Ich muss hier noch einmal korrigieren: nicht der verbreitete Konsum machte ein Verbot von Nöten, sondern die Wirkung der Drogen als Machtinstrument (Hellsehen, Voraussagen, Verhöre (Wahrheitsfindung bei Verdächtigen) ).
     
  15. Paul

    Paul Gast

    Drogen vor allem Opium waren in großen Teilen Asiens eine Geisel die unglaubliches Elend z.B. für die Familien der Süchtigen mit sich brachte. Deswegen wurde der Drogenkonsum in erster Linie bekämpft. Auch hier sind heute die vielen Drogentoten, Suchtkriminelle und durch Suchtprostitution verursachte Aidstoten etwas schlimmes.
     
  16. Leopold Bloom

    Leopold Bloom Neues Mitglied

    Was ist denn nun schlimm?
    Die Drogen oder die Folgen? Interessiert mich ehrlich, ist immerhin Thema meiner Diplomarbeit......
     
  17. askan

    askan Neues Mitglied

    Ja, ist ein interessantes Thema!
    Gerade wegen den vielen Vorurteilen und Legenden die über das Thema herrschen. Die alte Frage: Wer war zuerst da? Der Kummer oder der Likör?
     
  18. Cassandra

    Cassandra Neues Mitglied

    Nach meiner Auffassung die Drogen: Sie machen Körper und Geist abhängig, es wird ständig das Belohnungszentrum bedient. Dies bedeutet, ohne Krücke kein Wohlbefinden. Die Folgen (ich denke, du meinst damit den aus den Drogen resultierenden Geisteszustand) können sich kurzfristig sogar positiv auf den Körper und Geist auswirken, sprich Stresssymptome oder Schmerzen werden gelindert.
    Dies trifft auf jeden Fall auf die natürlichen Drogen zu. Das Drogen auch als Medizin genutzt werden, zeigt sich schon in den Namen Drogerie. Frühere Drogisten sind die heutigen Apotheker.

    Gruß
    Cassandra
     
  19. askan

    askan Neues Mitglied

    NA, auch kein Wunder, ausser Klebstoff (Schnüffeln) fällt mir keine einzige Droge ein, deren Wirkstoff nicht als Medikament eingesetzt wird (oder manchmal wurde).

    Opiate (bei Schmerzen, Lungen- und Verdaungeskrankeiten)
    Kokain ( zur Leistungssteigerung und Gemütsaufhellung)
    LSD ( in der Gynokologie und Psychotherapie)
    Speed (Leistungsteigerung)
    Engeldust (Nakosemittel bei Tierärzten, früher militärische Verwendung)
    Cannabis vom Oma´s Hausmittel gegen Asthma bis zur Unterstützung Krebs- und AIDA kranker
    Ethanol gilt sehr oft als Lebensmittel, obwohl es ein sehr wirkungsvolles Zellgift ist.
    einige Designerdrogen gibt man jetzt noch Kindern mit den "Zappelphillip-syndrom und alten Leute mit Parkinson als Medikament.
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. Oktober 2004
  20. Leopold Bloom

    Leopold Bloom Neues Mitglied

    Kokain war Bestandteil von Zahnpasta....
     

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