Beruf Drescher?

Dieses Thema im Forum "Wirtschaftsgeschichte" wurde erstellt von Galgenpapst, 24. Februar 2010.

  1. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Der Einfachheit halber ein Hinweis auf den Wikipedia-Artikel zur Geschichte der Dreschmaschine
    Dreschmaschine – Wikipedia
     
  2. letztergisone

    letztergisone Aktives Mitglied


    Vorsicht, mein unbekannter Freund aus den östlichen Teilen hat recht, es wurden ganze Garben Getreibe über Winter gelagert. Aber zum Dreschen wurde dann kein Tagelöher mehr hin zu gezogen.
    Aber diese Arbeit musste gemacht werden, übrig blieben die Knechte und Mägde.
    Der Standat der östlichen Landwirtschaft ist (leider heute und früher) ist nicht mit der Bodenbeschaffenheit der hier heimischen Flächen zu vergleichen.

    ne Hesse
     
  3. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Freilich waren nicht alle Landwirte ostelbische Junker mit (z.B. polnischen) Tagelöhnern. Sie waren aber auch nicht alle Großbauern mit einer Anzahl von Knechten (Mädge droschen normal nicht). Kleinbauern droschen in Nachbarschaftshilfe, weil zu mehreren, meist zu viert gedroschen wurde.
    Gefragt war aber nach den Dreschern.
     
  4. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied


    Ich denke auch, dass es sich wohl um einen Tagelöhner und Saisonarbeiter handelte, der den größten Teil seiner Einkünfte in der Dreschsaison erwirtschaftete, wenn ein besonders großer Bedarf an Arbeitskräften bestand. Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts verdingten sich viele Bewohner pauperisierter Dörfer nahe Gladenbach im heutigen Landkreis Marburg Biedenkopf als Saisonarbeiter zum dreschen in der Wetterau, und in Ostelbien rekrutierte man polnische Tagelöhner.


    immerhin muss der Zeitgenosse genug verdient haben, dass er in den Bürgerlisten geführt wurde. Seine Steuerbeiträge könnten, wenn in Rechnungsbüchern erhalten, näheren Aufschluss bieten.
     
  5. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Hm, polnische Schnitter waren gang und gebe. Aber Drescher? Das ging doch auch mit eigenen Kräften.
     
  6. letztergisone

    letztergisone Aktives Mitglied

    Hallo,

    drei Dörfer sind mir bekannt, sind es noch mehr ?

    ne hesse
     
  7. simplicissimus

    simplicissimus Neues Mitglied

    Berufe in der Landwirtschaft im 13. Jhr.

    Tagelöhner:
    Tagelöhner werden nach der Art des Lohnes als Tagelöhner (oder Insten, Instleute), nach ihrem unselbständigen Wohnverhältnis Einlieger oder nach bestimmten Tätigkeitsmerkmalen als Drescher und Häcker bezeichnet. Tagelöhner werden auf den Gutshöfen aber auch von wirtschaftsstarken Bauern beschäftigt. Sie stehen anders als das Gesinde auf den Guts- und Bauernhöfen nicht in einem beständigen Lohnverhältnis, sondern werden entsprechend der anfallenden Arbeit bezahlt.
    Häcker und Drescher gibt es in Mecklenburg bereits im ausgehenden Mittelalter. Die Gutswirtschaften beschäftigen sie für spezielle Aufgaben, die durch die frondienstverpflichteten Bauern nicht geleistet werden können. So sind sie in gewisser Weise schon eine Vorform der späteren Tagelöhner. Durch das Legen zahlreicher Bauernstellen, dass in großem Ausmaß nach dem Dreißigjährigen Krieg beginnt, gibt es auf den Dörfern immer mehr landlose oder landarme Arbeitskräfte, die nicht mehr dem eigentlichen Gesinde zuzurechnen sind.

    Der Tagelöhner gilt einschließlich seiner Familie als herrschaftliches Eigentum. Er muss alle geforderten Dienste leisten und darf den Gutsbezirk ohne Genehmigung nicht verlassen. Auch eine Heirat ist ohne Zustimmung des Gutsherren nicht möglich. Der Gutsherr hat als Gegenleistung die Verpflichtung zur Versorgung seiner Tagelöhner.

    Der Tagelöhner erhält Wohnung im gutseigenen Katen und mehrere Morgen Land zur Nutzung. Dieses besteht zum Teil aus Gartenland und liegt zum anderen Teil im Gutsfeld und wird zur Getreidegewinnung von dort aus mitbestellt. Außerdem erhält der Tagelöhner freies Brennmaterial, kostenlose ärztliche Versorgung, einen geringen Tagelohn und ein Sechzehntel bis ein Achtzehntel des gesamten ausgedroschenen Getreides - den sogenannten Drescherlohn, der den Hauptteil seiner Einkünfte ausmacht.
     
  8. Dietemann

    Dietemann Neues Mitglied

    Es handelte sich um eine Ackerbürgerstadt, d.h. nahezu jeder der genannten Berufe hatte Landwirtschaft dabei und hat sich zu einem großen Teil selbst versorgt. Die im süddeutschen/württembergischen vorhandene Realteilung führte zu so kleinen Parzellen, dass die Leute davon allein nicht leben konnten und deshalb noch einen zweiten (Handwerks)beruf ausüben mussten. Ein Landwirt, der von seinem Betrieb leben konnte, war im Gegensatz zu Gebieten mit Anerbenrecht, selten.

    Es grüßt freundlichst Dietemann
     
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  9. Galgenpapst

    Galgenpapst Aktives Mitglied

    NGZ

    Heute (27.02.2010) erschien in der Neuss-Grevenbroicher Zeitung (NGZ), einem regionalen und in weiten Teilen identischer Ableger der Rheinischen Post (RP), ein Artikel auf S. M1 von L. Schröder unter dem Titel"Verschwundene Berufe". Dieser bezieht sich auf folgende Grundlage:

    Rudi Palla, Verschwundene Arbeit. Ein Thesaurus der untergegangenen Berufe. Wien 2010 (Christian-Brandstätter-Verlag, 264 Seiten, 35 Euro).

    Den Drescher finde ich im Artikel nicht, vielleicht aber im Buch (?) - wohl aber den Fischbeinbeißer, den Sauschneider, den Armbruster und den Sägefeiler. Und für @balticbirdy ist sicher der Bernsteindreher von Interesse ;-)))

    LG Galgenpapst
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 27. Februar 2010
  10. Sascha66

    Sascha66 Neues Mitglied

    Müßte es nicht Fischbeinreißer heißen?
     
  11. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Können wir den Drescher zum Anlaß nehmen und über untergegangene Berufe diskutieren? Oder gibt es bereits 3-10 alte Threads?
    Den Fischbeinreißer kennt noch nicht mal Wiki.
    Bevor wir alle das von Galgenpapst verlinkte Buch bestellen, weiß vielleicht jemand genauer, was der Fischbeinreißer machte. Ich kann mir Korsettschneidereigehilfe vorstellen, aber sonst?
    Ein Meister aus Deutschland : Textarchiv : Berliner Zeitung Archiv

    Und gab es vor der Industriealisierung einen Trend Handwerksberufe immer kleinteiliger zu spezialisieren, jeweils in eigenen Zünften?
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Februar 2010
  12. Galgenpapst

    Galgenpapst Aktives Mitglied

    Korrektur

    @ Sascha66: sei nicht immer so pingelig ;-))); aber natürlich hast du Recht! Und die Idee von @rena8 finde ich gut! GP
     
  13. Sascha66

    Sascha66 Neues Mitglied

    Ich hab es auch nur aus dem Wiki Fischbein – Wikipedia. Wobei mir der Reißer aufgrund des Materials eher verständlich schien als der Beißer.

    Aber wieso der Beruf nun genau Fischbeinreißer heißt, ist mir auch unklar.
    Hier ist es auch nicht genau beschrieben.
    Fischbein [1] - Zeno.org
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Februar 2010
    1 Person gefällt das.
  14. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Ja, meine Güte.
    Ihr müsst euch mal vom heute verabschieden und euch in die Zeit zurückversetzen, wo jeder Hänsel danach benannt wurde, was er gemacht hat.
    Ein Drexler hat gedrexelt und ein Schmied hat geschmiedet.
    Ein Tischler hat auch nicht nur Tische gebaut.
    Mein Nachname ist Gottschlich. Was da meine Vorfahren gemacht haben, weiss ich nicht, oder will es gar nicht wissen.

    Fischbeinbeisser kann ich mir vorstellen, eine Zange, mit der Gräten entfernt werden.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Februar 2010
  15. Galgenpapst

    Galgenpapst Aktives Mitglied

    Guten Morgen Herr Florian Gottschlich ;-))),

    Fischbeinreißer nennt sich der Berufsstand, also mit r - es (das b) war ursprünglich ein Tippfehler von mir.

    LG gp
     
  16. Liborius

    Liborius Aktives Mitglied

    Als Anregung könnte dienen
    Handwerker: Alle vorgestellten Handwerksberufe | Der Letzte seines Standes? | Bayerisches Fernsehen | BR


    Also mir ist die Anstrengung, die im Wort Reißer zum Ausdruck kommt, durchaus nachvollziehbar geworden.
     
  17. rena8

    rena8 Aktives Mitglied

    Nach Lektüre von Saschas 2. Link könnte es auch ein Fischbeinspleißer gewesen sein.
    Auf jeden Fall wieder was gelernt, auch worauf Menschen alles kommen, um einem Schönheitsideal zu entsprechen und welche Tiere dafür genutzt wurden.

    Wobei sich mir die Frage stellt, ob das Berufe im heutigen Sinne waren, von denen unsere Vorfahren ihre Nachnamen ableiteten. Oder ob es eher besondere Fertigkeiten waren, womit sich Bauern an langen Winterabenden etwas hinzuverdienten. Die Korbmacherin Luise war im Hauptberuf vielleicht Bäuerin. Um sie von der anderen Bäuerin Luise zu unterscheiden, die im Winter Leinen webte, war die eine eben die Körber-Luise und die andere die Leineweber-Luise?
     
  18. simplicissimus

    simplicissimus Neues Mitglied

    Ausgestorbene Berufe!

    Eben gefunden im web, Fischbeinreißer: Hersteller verschiedener Nutzgegenstände aus den Hornplatten des Bartenwales!
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Februar 2010
  19. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Fischbein hat nix mit Fischen zu tun. Aus den Barten von Walen machte man z.B. Korsettstangen.
     
  20. simplicissimus

    simplicissimus Neues Mitglied

    Ausgestorbene Berufe!

    Oder doch - siehe hier, Fischbein, aus dem Hochdeutschen Wörterbuch von 1793 - Bd. 2, Seite 168 (ist leider nicht im Original kopierbar!):http://www.zeno.org/Adelung-1793/K/adelung-1793-02-0168

    Fischbein:

    Das Fischbein, des -es, plur. von mehrern Arten und Quantitäten, die -e. 1) Eigentlich, die Beine oder Knochen der Meerspinne oder Seekatze, Sepia L. welche von den Goldschmieden gepülvert gebraucht, und zum Unterschiede von dem folgenden auch weißes Fischbein genannt werden. 2) Schwarzes Fischbein, welches im gemeinen Leben nur Fischbein schlechthin heißet, und diesen Nahmen sehr uneigentlich führet, weil es aus den Kiefern des Wallfisches gespalten wird. Daher der Fischbeinreißer oder Fischbeinsieder, in den Seestädten, der das rohe Fischbein, oder die Barten des Wallfisches (S. Barte), in heißem Wasser erweichet, und zu Stäben reißet oder spaltet; der Fischbeinrock, des andern Geschlechtes, ein durch Fischbein erweiterter und ausgesteifter Rock, ein Reifrock, steifer Rock, ehedem Glockenrock, Bogenrock, im Osnabrück. Fuke.
     
    Zuletzt bearbeitet: 27. Februar 2010

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