Berufe

Dieses Thema im Forum "Absolutismus und Aufklärung (1648-1789)" wurde erstellt von son_of_history, 26. November 2007.

  1. hyokkose

    hyokkose Gast


    Ein Monatslohn für einen Knecht in Höhe von 34 Gulden wäre exorbitant hoch. Wenn ein Handwerksgeselle auf Montage (nebst freier Unterkunft und Verpflegung) im Monat 12 Gulden ausbezahlt bekam, war er gut dran.


    Ich kann mich nicht erinnern, im fraglichen Zeitraum auf Monatslöhne gestoßen zu sein. (Auch Stundenlöhne waren keine Tarifeinheit).
    Handwerker- und Hilfsarbeiterlöhne waren oft Tagelöhne, manchmal Wochenlöhne.

    Knechte und Mägde wurden m. W. traditionellerweise einmal im Jahr, an Martini (11. November) ausbezahlt.
     
    Zuletzt von einem Moderator bearbeitet: 29. November 2007
  2. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Ernst Schubert gibt in seiner Studie"Arme Leute, Bettler und Gauner im Franken des 18. Jahrhunderts" die 12 fl einer Magd als jährlichen Verdienst an. Hyokkose und Brissotin liegen daher mit ihrer Skepsis durchaus richtig. In diesem Buch führt er auch eine seltene quelle, nämlich das Nachlassinventar einer Magd an, die Ende des 17. Jahrhiunderts verstarb. Es gibt Einblick was ein Dienstbote in einem langen Leben sein eigen nennen konnte:

    Sie besaß 23 fl in Bargeld, damals eine nicht unbeträchtliche Barschaft, Bettzeug, 4 Halshemden, 1 grobes Hemd, 2 Kragen, 2 schürzen, 2 Röcke, 1 Kittel, 1 altes Mieder in blau, eines in schwarz, 1 pelzhaube, 1 paar Wollstrümpfe, 1 Messing- und ein Ledergürtel

    (Ernst Schubert "Arme Leute, Bettler und Gauner" S. 104)
     
  3. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Kannst Du all diese Dinge einordnen?

    Was soll z.B. dieser Kittel sein? Ein Jäckchen? Was sind Halshemden? Was ein Hemd ist und wie es ausschaute ist mir schon klar, aber ein Halshemd?:S
    Interessant sind auch die Mieder. Sind damit Schnürleiber gemeint? Wenn nicht, hatte sie garkeines? Was soll eine Frau mit solchen Gürteln? Waren sie Teil einer bestimmten Tracht?

    Worum es mir geht ist, dass man solche Inventare nur einordnen kann, wenn man weiß was das für Teile sind. Bei vielen abhängigen Menschen bestand die ganze Habe aus nicht viel mehr als der Kleidung und etwas Geld. D.h. allerdings dass dieses bisschen für sie einen hohen Stellenwert haben musste. Möbel, Gepäckstücke usw. das war alles Besitz der Herrschaft, das muss man sich auch mal vorstellen. Ein wirkliches privates Eigentum wie heute besaßen abhängige Menschen bis hin zum Handwerker eigentlich kaum.
     
  4. florian17160

    florian17160 unvergessen

    Der Handwerker hatte sein Werkzeug. Sein wichtigstes Gut.
    Das war Grundlage um leben zu können.

    Für viele heute ist der Fernseher und auch der Computer wichtig. Sogar das Gesetz sagt, diese Dinge dürfen nich gepfändet werden, weil sie zur Grundausstattung gehören.
    So eben verändert sich diese Welt. War es damals noch ein Mieder, so ist es heute ein HD tauglicher Bildschirm.
     
  5. balticbirdy

    balticbirdy Ehemaliges Mitglied

    Das beruhigt mich ungemein.
     
  6. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Kann man nicht leicht vergleichen. Das Mieder wurde von der Mode damals vorgeschrieben, heute muss man nicht zwangsläufig einen Computer haben, um irgendwie vollständig ausgestattet zu sein. Wenn ich es richtig interpretiere, konnte man damals als abhängige Person damals mit nichts außer den eigenen Kleidern auf dem Leib dastehen, das macht ja gerade den Grad der Abhängigkeit aus, welche bei Handwerksgesellen, die was gelernt hatten zumindest nicht ganz so arg war, wie bei Dienstboten.
    http://www.geschichtsforum.de/274454-post670.html

    Ich untersuche ja immer mal die Aufstiegsmöglichkeiten von Dienstboten, welche an sich hier im Thread noch nicht so recht angesprochen wurden.
    http://www.geschichtsforum.de/f76/dienerschaft-im-spaeten-17-und-gesamten-18-jh-13984/
    Forum des 18. Jahrhunderts - Lakaien - Karrieren und Aufgaben
    Es ist natürlich immer auch diesbezüglich eine gute Frage, wie "beliebt" der Dienstbotenstand war. Wie durchlässig war er? Welche Chancen bot er?
    z.B. hier: http://www.geschichtsforum.de/f75/ignatius-sancho-ein-gebildeter-ehem-sklave-im-18-jh-12872/
    Wie wurde er von oben und, wenn es das denn überhaupt gibt, von unten in der sozialen Hierachie betrachtet?
     
  7. Scorpio

    Scorpio Aktives Mitglied

    Schubert selbst kann man ja leider nicht mehr fragen, denn er ist ja letztes Jahr verstorben. Zumindest dürfte klar sein, dass eine Dienstmagd, selbst wenn sie noch so fleißig und sparsam sein mochte, so gut wie nichts zurücklegen konnte. Solche Inventare sind ohnehin ausgesprochen selten.
     
  8. Brissotin

    Brissotin Aktives Mitglied

    Klar vor allem bei jenen, die eigentlich nichts zu inventarisieren hatten. :cry:

    Das sind manchmal Zufälle, wenn sowas publik gemacht wurde. Manchmal findet man auch was in Lebenserinnerungen aus der Frühen Neuzeit. So nach dem Motto: "Damals als ich noch ein Bedienter war, da hatte ich bloß...".:still:
     

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