Bestattung von Legionären in Germanien

Dieses Thema im Forum "Das Römische Reich" wurde erstellt von Spatenpaulus, 17. Mai 2021.

  1. Spatenpaulus

    Spatenpaulus Neues Mitglied

    Salve,
    gibt es Erkenntnisse darüber, wie die römische Armee ihre Gefallenen, Verunfallten oder sonst zu Tode gekommenen Angehörigen während eines Feldzugs bestattet hat? War eher die Körperbestattung oder Urnenbestattung üblich, soweit es natürlich die Zeit zuließ?
    Gibt es nachgewiesene Gräber getöteter Legionäre in Germanien?
     
  2. Sepiola

    Sepiola Aktives Mitglied

  3. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    I.d.R. haben die Römer feuerbestattet, eher wenige Grabbeigaben, dafür gerne opulente Grabdenkmale. Aber zu allen Zeiten hat es auch Körperbestattungen gegeben. Die tumuli in Haltern waren obertägig nicht mehr sichtbar, sie zeichneten sich nur noch als Verfärbungen im Boden ab. Warum schreibe ich das, war doch nicht deine Frage?
    Ganz einfach um klarzustellen wie unwahrscheinlich es ist, auf das Grab eines einzelnen römischen Legionärs abseits römischer Infrastruktur zu stoßen.
    Brandschüttungsgräber oder Brandgrubengräber mit und ohne Urne waren bei den Römern üblich. Auf dem Feldzug wahrscheinlich eher ohne Urne, da Keramik auf dem Feldzug wohl eher nicht zur Hand war.
    Bustum oder Ustrina waren die Verbrennplätze, wobei das Bustum gewissermaßen Verbrennung und Brandgrubengrab vereinte: der Scheiterhaufen wurde über der Bestattungsgrube angelegt. Bei der Ustrina wurden die Knochen und Asche dagegen eingesammelt und dann mit oder ohne Behälter im Grab niedergelegt.
     
  4. Spatenpaulus

    Spatenpaulus Neues Mitglied

    Danke für die schnellen Antworten. Ich schließe daraus, dass es der Archäologie bisher nicht gelungen ist, Gräber römischer Legionäre in Germanien zu lokalisieren, respektive römischen Legionären zuzuorden.
     
  5. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Es gibt halt die Knochengruben von Kalkriese und die Gräberfelder an den römischen Siedlungen und castra. Und aus Gelduba/Krefeld-Gellep Bestattungen nach einer historisch nicht überlieferten Schlacht, offenbar zu einem Zeitpunkt, wo die Gefallenen schon im Verwesungsprozess begriffen waren, weil man sie offenbar an Ort und Stelle ihres Sterbens bestattet und nicht bewegt hat. Aber wie gesagt: Ohne Anhaltspunkte ist es eben so gut wie unmöglich ein Einzelgrab irgendwo in der Germania libera zu finden. Die Knochengruben von Kalkriese etwa hat man ja auch nur gefunden, weil man seit Jahrhunderten Münzen in der Region fand, welche Anlass für Tony Clunn waren, dort zu sondieren und nachdem der dort Schleuderbleie gefunden hatte und diese dann auch als solche erkannt worden waren, erst dann hat man ja in Kalkriese gegraben und die Knochengruben gefunden. Seitdem hat man mehrere im Luftbild erkennbare Verfärbungen untersucht, ob es sich um weitere Knochengruben handelte, war aber dabei nicht erfolgreich. Ein Abseits einer römischen Ausfallstraße gelegenes Grab zu finden, ist also purer Zufall. Eine Nadel im Heuhaufen ist wahrscheinlich leichter zu finden.
     
  6. Apvar

    Apvar Premiummitglied

    Woran willst Du die gefallenen Legionäre identifizieren? Grabbeigaben?
    Falls der Legionär in einer für Rom siegreichen Schlacht gefallen ist, wird er nach römischen Gebräuchen bestattet worden sein. Das heißt verbrannt und ohne Grabbeigaben.
    Ist er in einer Schlacht gefallen, die für Rom nicht gut ausgegangen ist, wird er einfach liegen gelassen worden sein. Und seiner Ausrüstung beraubt, da sie entweder weiter verwendet wurde oder den Göttern geopfert. Also wirst Du auch hier nicht identifizieren können oder Legionär war oder ein Bauer oder Händler, der ein unsanftes Ende gefunden hat.
    Selbst wenn es Soldatenfriedhöfe gegeben hat, gibt es dazu keine Beschilderung oder sie ist nicht gefunden worden.
    Im größten Römisch/Fränkischen Gräberfeld nördlich der Alpen, Gellep-Stratum, ist nichts von den Archäologen derartiges gefunden worden.
     
    Pardela_cenicienta und Hannes gefällt das.
  7. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Jein.

    Die gens Cornelia war für die von ihr geübte Köperbestattungssitte bekannt, die mit Sulla aufgegeben wurde (näheres dazu bei Cicero).
    In Köln gibt es mehrere Gräber der augusteischen Zeit, in denen körperbestattet wurde, vermutlich handelt es sich um in Köln ansässige Angehörige des gallischen Stammes der Remer (in einigen Fällen wissen wir das positiv), aber das ist durchaus umstritten, dass das auf alle Körperbestattungen übertragen werden darf.
    Cicero schreibt, dass die Brandbestattung die übliche sei, wichtig sei nur, dass die Bestattung außerhalb der Statdtmauern vorgenommen würde, und, dass die Köperbestattung die ursprüngliche Form gewesen sei, diese aber aufgegeben wurde, um Leichenschändung durch Feinde zu verhindern. Plinius Maior erzählt (vermutlich abhängig von Cicero und stark verkürzt) dasselbe.
     

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