Bezeichnungen

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von xXNatsuXx, 28. Dezember 2014.

  1. xXNatsuXx

    xXNatsuXx Mitglied

    Hallo liebe Historiker,

    ich schaue gerade die Dokureihe "Die Deutschen" und nach zwei Teilen bin ich jetzt doch etwas verwirrt, was die Begrifflichkeiten angeht.

    So ist in der Doku über "Otto den Großen" die ganze Zeit die Rede von dem "König Deutschlands", nachdem er von einem Bischof gesalbt wurde.

    Wurden die dt. Herrscher damals nicht vom Papst zum Kaiser erhoben (seit Karl dem Großen)?

    Was ich mich auch Frage: hat man damals schon von Deutschland gesprochen? Kam nicht zuerst das HRRDN und Deutschland offiziell erst seit 1870/71?

    In dem zweiten Teil "Heinrich und der Papst" wurde auch eine Karte gezeigt, auf der "Deutsches Königreich" stand..

    Die Frage ist wahrscheinlich ziemlich blöd, aber ich möchte nichts durcheinander werfen.. :D
     
  2. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Zunächst mal muss man klar zwischen "König" und "Kaiser" unterscheiden, nämlich ob jemand König wurde oder "römischer Kaiser". Du hast recht, zum Kaiser gekrönt wurde man im Früh- und Hochmittelalter vom Papst. Zum König gesalbt hingegen wurde man von einem oder mehreren (Erz-)Bischöfen. (Allerdings wurde nicht jeder König gesalbt: siehe http://www.geschichtsforum.de/f44/kr-nung-konrads-i-48665/ )

    König wurde Otto der Große 936 von der Osthälfte des ehemaligen Frankenreichs, dem "regnum francorum orientalium" ("Ostfränkisches Reich"), bestehend aus mehreren autonomen Stammesherzogtümern. Von einem "Deutschen Reich" o. ä. und auch "dt. Herrschern" sollte man für diese Zeit besser noch nicht sprechen; allenfalls retrospektiv. Siehe dazu Ostfrankenreich ? Wikipedia
    962 wurde Otto dann zum römischen Kaiser gekrönt. Als solcher hatte er nominell einen Anspruch auf die weltliche Oberhoheit über die christlichen Länder. Realpolitisch brachte ihm der Titel weniger, aber er war eben von hoher ideeller Bedeutung und mit Ansehen verbunden.

    Das "Heilige Römische Reich" entwickelte sich allmählich, wobei der Begriff erst im Hochmittelalter aufkam. Es bestand aus dem aus dem Ostfränkischen hervorgegangenen Reich und den Königreichen Italien (dessen König Otto ab 951 auch war, wobei es später, 1000-1014, aber noch einmal einen eigenen König hatte) und (ab 1033) Burgund, die alle drei vom selben König beherrscht wurden, der mitunter irgendwann dann auch noch zum Kaiser gekrönt wurde. (Es wurde aber nicht jeder König Kaiser. Das hing vor allem davon ab, ob er die Zeit und Mittel hatte, um mit einem Heer nach Rom zu ziehen und den Papst dazu zu bringen, ihn zum Kaiser zu krönen.)
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. Dezember 2014
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  3. xXNatsuXx

    xXNatsuXx Mitglied

    Vielen Dank!!! :)

    War Otto II. eigentlich auch Kaiser wie sein Vater oder "nur" König?

    Bei Wikipedia steht:
    Nur in dem Buch über Byzanz steht:
     
  4. Ravenik

    Ravenik Aktives Mitglied

    Otto II. wurde 961 König und 967 römischer Kaiser, also beides noch zu Lebzeiten seines Vaters.

    Die Stelle im Buch verstehe ich auch nicht; auch aus dem weiteren Kontext der Stelle geht der Sinn nicht hervor. Otto II. und Theophanu heirateten in Rom, wo die Braut auch vom Papst gekrönt wurde. Auf die Kaiserwürde wurde also nicht verzichtet. Vielleicht ist nur gemeint, dass der Westkaiser den Ostkaiser anerkannte und nur nicht den Anspruch erhob, der einzig legitime römische Kaiser zu sein.

    (Hinweis für allfällige Mitdiskutanten: Mit dem "Buch über Byzanz" ist Band 13 der Fischer Weltgeschichte gemeint.)
     
    Zuletzt bearbeitet: 28. Dezember 2014

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