Bildstein 10. Jhdt. - Interpretation

Dieses Thema im Forum "Sonstiges im Mittelalter" wurde erstellt von El Quijote, 21. August 2015.

  1. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ergo haben wir es mit einem zipfelbemützten Zwerg zu tun, der gerade auf dem Weg von Schneewittchen ist?
     
  2. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    ein piktischer Glatzenreiter mit monströser Zipfelmütze? :D
     
  3. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Neben der fehlenden Kopfbedeckung, die Muheijo bereits erwähnt, irritieren mich auch die fehlende Waffe (ein Schild trägt er ja) und dieses schrecklich dünne und geschundene Pferd, das ganz anders aussieht als die Pferde vergleichbarer Darstellungen.
    Das Horn finde ich auf jeden Fall kontextseltsam. Wer schon mal auf einem Pferd saß, weiß, dass es echt eine blöde Idee wäre, auf einem sich bewegenden Pferd zu trinken. Wer Durst hat, trinkt, wenn das Pferd steht. Das ist sicher auch keine moderne Erkenntnis. Und das Pferd auf dem Stein ist offensichtlich in Bewegung, wenn auch vermutlich sehr langsam.
     
  4. Mashenka

    Mashenka Aktives Mitglied

    Ne, ne-nee! Die Art der Darstellung hat einen stark stilisierten Charakter; alle Beine des Gauls schön sortiert, flache Profildarstellung, Proportionen verzerrt (z.B. Kopf des Mannes zu groß). Eine Darstellung inmitten einer Bewegung wäre geradezu revolutionär für den ›naiven‹ Stil. Zudem ist die Darstellung ja gemeißelt; so viel Mühe wird nur für bedeutendere Momente gemacht als für eine zufällig vor den Mund gehaltene Kappe…


    Das Bild beweist für mich nur, dass es diverse Blasinstrumente gibt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. August 2015
  5. KeineAhnung

    KeineAhnung Aktives Mitglied

    ok, dann ist das eben ein Trinkhorn.

    Aber was soll der Vogelkopf da oben drauf?

    Soll das andeuten, dass es sich eventuell um ein Beutestück (nach einem Feldzug bzw. einer gewonnenen Schlacht) handelt und der Vogelkopf dabei auf die/den ehemaligen Besitzer hinweist?
    (Sorry, ist Spekulation und keine Interpretation, ich weiß...)
     
  6. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Ich bin mir gerade unsicher, ob du in demselbe Modus bist, wie Dekumatland oder ob du das ernst meinst. Da ich aber letzteres befürchte, beantworte mir doch bitte diese Frage:
    Wenn man dir ein x-beliebiges Blasinstrument gibt, wo bläßt du hinein, in das Mundstück oder in den Trichter?

    Ich denke das würde das Bild überstrapazieren und an der Darstellungsabsicht des Künstlers vorbeiführen.
     
  7. KeineAhnung

    KeineAhnung Aktives Mitglied

    Würde zum abgezehrten Pferd, der fehlenden Waffe und der übergroßen Darstellung des Horns passen.
    Aber ok...
     
  8. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    zum Vergleich drei Pferde mit Kriegern drauf vom Bildstein aus Aberlemno (8.-9.Jh.) - sind diese Pferde besser im Futter?

    Auffallend im Vergleich zu den Krieger-/Schlachtdarstellungen ist, dass der Trinkhorn(?)mann offenbar glatzköpfig ist (die Krieger haben mal langes Haar, mal Helme) und einen auffallenden Bart hat. Der kleine Rundschild scheint nicht unüblich gewesen zu sein.
     

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  9. Mashenka

    Mashenka Aktives Mitglied

    Formt man sich eine Tüte, bläst man selbstverständlich in das engere Loch; weil man es überall so gesehen hat. Als Kind hab ich es allerdings auch ungekehrt gemacht; funktioniert genauso gut. Ist es denn unmöglich, dass man alte Darstellungen aufgrund eigener Gewohnheiten falsch interpretiert?

    Der Mann lehnt sich nach vorn. Tut man das beim Trinken? Der Mann hat keine Waffe. Hat sie der Bildhauer, der paar Wochen in das Werk investiert hat, vergessen?
     
  10. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    (wenn wir avantgardistische Techniken außen vor lassen, bietet sich normalerweise das Mundstück an) ;)
    Das "Trinkhorn" mit dem stilisierten Tierkopf an der Spitze, scheint mir kein Blasinstrument zu sein.
     
  11. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    Du könntest dieses Klangerzeugungsexperiment spaßeshalber mit einer Tuba oder Posaune versuchen ;)
     
  12. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    ich habe drei Detailbilder einer piktischen Schlachtdarstellung im vorletzen Beitrag, schau sie dir an: bei einem der Reiterkrieger siehst du ebenfalls keine Hieb- oder Stichwaffe.
     
  13. Mashenka

    Mashenka Aktives Mitglied

    Aha, ein Faustkämpfer zu Pferd?!
    Für mich deutet auch der lange Bart und der alte Gaul eher auf einen ausgedienten Krieger…

    PS: Ich sehe auf all Deinen Bildern junge, frische Pferde und auch eine Stichwaffe (Lanze/Lanze/hochgehaltener Schwert)
     
    Zuletzt bearbeitet: 21. August 2015
  14. El Quijote

    El Quijote Moderator Mitarbeiter

    Keine Waffe?

    Ihr seid euch ja ziemlich einig, dass der Reiter keine Waffe hat... Aber stimmt das? Also abgesehen davon, dass wir seine Schildseite sehen, die andere also verdeckt ist, sehe ich unter dem Pferd eine Spitze, die ich als Ende eines Schwertes interpretieren würde.
    Allerdings würde der Mann dann, was ungewöhnlich ist - und ich will damit nicht den Linkshänderthread aufwärmen - den Schild rechts und das Schwert links tragen, wobei zu fragen ist, ob die Darstellung durchdacht genug ist, dass der Künstler auf solche Feinheiten achtete (immerhin zeigt er ja auch den durch den Schild verdeckten Teil des Arms...).
     

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  15. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    also auf dem ersten Bild sehe ich weder Waffen noch Schild, lediglich einen Helm -- aber die Satteldecke (?) des Kriegers hat der Trinkhornglatzkopf nicht.

    ____________

    was noch auffällt:
    der berauf (?) reitende Glatzkopf ist innerhalb eines Rahmens dargestellt (eingetieft in den Stein), der Vogel(?)kopf des "Trinkhorns" ragt aus diesem Bildrahmen oben heraus.
    ___________
    ah - weil das Pferd den Kopf nicht hoch erhoben hält, soll es als und klapprig sein --- ist das zwingend? stellen frühmittelalterliche Pikten alte Pferde mit nicht hoch erhobenem Kopf dar? (und wenn ein Pferd mal grast, ist es dann alt?...)
     

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  16. Mashenka

    Mashenka Aktives Mitglied

    Könnte eine Schwertspitze sein, oder aber der alte Gaul ein Hengst… :lupe:
     
  17. Mashenka

    Mashenka Aktives Mitglied

    Ragt da hinter seinem Hintern nicht eine Lanze nach oben?
     
  18. dekumatland

    dekumatland Aktives Mitglied

    auf dem angehängten Bild ist das etwas besser zu sehen; dürfte die Spitze eines Schwerts oder der Schwertscheide sein. Gut möglich, dass das Schwert auf der rechten Seite unter dem Mantel hervorlugt - oder soll das eindeutig auf der linken Seite sein?
     

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  19. Lili

    Lili Neues Mitglied

    Ein Hengst vielleicht? :D

    Ernsthaft: das wäre dann aber wirklich seeeeehr detailliert. Könnte also eine Waffe sein, stimmt.

    Auf mich wirkt das eher so, als wäre der Arm über dem Schild, das Schild selbst hängt mit einem Trageriemen quer über die Schultern, und das Schild "schimmert" quasi durch den Ärmel. Wäre es in der Konstellation nicht passend für einen Rechtshänder? Also das Schwert links am Körper in der Scheide, das Schild auf der Rechten Seite um dann entsprechend über Kreuz zu greifen?

    Eine Satteldecke haben auch nicht alle Reiter auf dem von dir in Ausschnitten beigesteuerten Aberlemno-Stein.

    Ich würde nicht so weit gehen und sagen dass das Pferd alt ist. Es wirkt aber müde, bzw. strengt sich grad an. Auf dem Aberlemno-Stein gibt es auch eine Darstellung eines Pferdes im Schritt, das wirkt aber fitter, als das auf diesem Stein.
     
  20. Mashenka

    Mashenka Aktives Mitglied

    Find ich nicht! Nicht unüblich bei Darstellungen von Pferden. Sieht aber auf dekumatlands Bild tatsächlich eher nach Schwert aus. Widerspricht aber nicht der (zugegeben etwas gewöhnungsbedürftigen) These mit dem Kriegshorn.

    Übrigens: hat der Mann nicht zwei Schilder umgehängt?
     

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